{"id":21724,"date":"2009-07-30T10:42:32","date_gmt":"2009-07-30T10:42:32","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/07\/feindbild-krimi-couch\/"},"modified":"2022-06-06T14:40:58","modified_gmt":"2022-06-06T12:40:58","slug":"feindbild-krimi-couch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/07\/feindbild-krimi-couch\/","title":{"rendered":"Feindbild Krimi-Couch"},"content":{"rendered":"\n<p>Was? Du schreibst jetzt f\u00fcr die Krimi-Couch? Hallo? Geht\u2019s noch? Ja, es geht. Sehr gut sogar. Man hat es mit netten und offenen Menschen zu tun (etwas, das ich in letzter Zeit sehr zu sch\u00e4tzen gelernt habe), es gibt keine andere Vorgabe als die, qualitativ gute Arbeit abzuliefern, es ist eine Herausforderung. Nun sammeln sich in meinem elektronischen Briefkasten nicht nur die eher besorgten Stimmen. Es gibt auch andere, die meinen Schritt begr\u00fc\u00dfen. Dennoch: Ein Blogger, der in den Jahren seines virtuellen Schaffens nicht selten mit der Hirnrissigkeit des Marktes, seiner Best\u00fccker und Abverk\u00e4ufer ins Gericht ging, schreibt jetzt ausgerechnet f\u00fcr die Krimi-Couch? Das ist doch \u2013<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ja \u2013 was ist das eigentlich, die Krimi-Couch? Als sie 2002 online ging, war sie ein Krimiportal unter mehreren und bot wie diese das \u00fcbliche Programm: Rezensionen, Informationen zu neuen Titeln, ein Forum, ein G\u00e4stebuch&#8230; Auch heute buhlen auf dem virtuellen Marktplatz etliche Portale und &#8222;Magazine&#8220; um des Lesers Gunst, doch keins dieser Angebote hat auch nur im Entferntesten die Resonanz, wie sie die Krimi-Couch f\u00fcr sich beanspruchen kann. Knapp 15.000 angemeldete UserInnen (Tendenz t\u00e4glich steigend), dazu eine ungez\u00e4hlte Laufkundschaft \u2013 und warum?<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist, wie so vieles, recht simpel. Die Krimi-Couch verdankt ihren Erfolg zu allererst ihrem Macher Lars Schafft, der im Gegensatz zu seinen Kollegen tats\u00e4chlich im Web programmieren kann. Nicht &#8222;mal schnell eine HTML-Seite programmieren&#8220; (wer sich so br\u00fcstet, beweist damit nur schl\u00fcssig seine absolute Ahnungslosigkeit von der Materie), keine vorgestanzten Teile zusammenf\u00fcgen, sondern wirklich mit Sachkenntnis arbeiten, um die Zauberkraft (und manchmal T\u00fccke&#8230;) relationaler Online-Datenbanken wissen, ihre M\u00f6glichkeiten austarieren, einsetzen, stetig verbessern. So entwickelte sich die Krimi-Couch zu einem interaktiven Lern- und Am\u00fcsierbetrieb, in dem angemeldete UserInnen sich nicht nur informieren und unterhalten k\u00f6nnen, sondern \u2013 dank Datenbanktechnik \u2013 auch ihre Krimibibliotheken verwalten, mit anderen UserInnen in Kontakt treten, Merkzettel anlegen etc.<\/p>\n\n\n\n<p>Na und? Das ist Technik, weiter nichts. Wie sieht es aber mit der Qualit\u00e4t aus? Etwa mit den Leserkommentaren, den Forumsbeitr\u00e4gen, den Rezensionen? Zugegeben: Was sich da manchmal an &#8222;Leserkommentaren&#8220; in die Datenbanken schleicht, l\u00e4sst einen, Bildungsstand und Geistesverfassung mancher Mitmenschen betreffend, ins Gr\u00fcbeln kommen. Andererseits gibt es jedoch auch sehr verst\u00e4ndige, kenntnisreiche Kommentare. Ebenso verh\u00e4lt es sich im Forum. Neben allerlei Neckischem initiieren die AnwenderInnen etwa &#8222;Leserunden&#8220;, in denen nicht nur gemeinsam ein Buch gelesen wird, sondern auch der Autor desselben eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen. Und siehe da: Alle kommen. Nicht nur weniger Bekannte, die eine Chance wittern, f\u00fcnf, sechs Exemplare mehr zu verkaufen, auch arrivierte wie Horst Eckert oder Heinrich Steinfest klinken sich ein. Durchaus auch aus gesch\u00e4ftlichem Kalk\u00fcl. Denn wie mir neulich noch ein Verleger best\u00e4tigte, sind lobende Erw\u00e4hnungen auf der Krimi-Couch &#8222;sp\u00fcrbar&#8220;, sprich: Es wird mehr verkauft. Nicht in Elke-Heidenreich-Dimensionen, aber immerhin. Das also kriegen die Verlage mit \u2013 und reagieren. Die Krimi-Couch ist das einzige Internetunternehmen hierzulande, das in Sachen Krimi auch kommerziell erfolgreich wurde. Tja \u2013 und genau hier beginnt die Trag\u00f6die&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal: Die Krimi-Couch ist in vielem ein Abbild des hiesigen Krimimarktes, jede Schicht ist vertreten. Man kann das sogar \u00fcberpr\u00fcfen, in dem man etwa \u2013 angemeldet \u2013 in die &#8222;B\u00fccherregale&#8220; der Couchbesetzer spitzt, ihre Vorlieben und Abneigungen kennenlernt. Da steht der Dan-Brown-&#8222;Fan&#8220; neben dem Derek-Raymond-Verehrer, da wird sich an den Metzeleien von Frau Slaughter erg\u00f6tzt und von der filigranen Technik eines, sagen wir, Jerome Charyn geschw\u00e4rmt. Die Qualit\u00e4t der Rezensionen ist \u2013 wie \u00fcberall sonst auch \u2013 durchaus gemischt, mit einer deutlichen Tendenz zum Besseren indes, was ebenfalls nicht \u00fcberrascht, denn jedes Medium muss seinen Stil langsam entwickeln. Man k\u00f6nnte sich also freuen \u00fcber diese Krimi-Couch, sie als Chance begreifen, jene Kr\u00e4fte, die einem selbst am n\u00e4chsten stehen, zu f\u00f6rdern, indem man seinen &#8222;Content&#8220; beisteuert. W\u00e4re da nicht \u2013 der Erfolg&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Denn leider erweisen sich die Werbegelder als begrenzt und die Verlage als clever genug, dort zu investieren, wo sich ihre Einlagen am zuverl\u00e4ssigsten wieder einspielen lassen. Das tut all jenen weh, die &#8222;auch verdienen&#8220; wollen, im Gegensatz zu Lars Schafft in der Welt des Internet aber eher fremdeln. \u00dcberhaupt stehen sie dem Ganzen misstrauisch gegen\u00fcber. Verst\u00e4ndlich. Alles, wovon man keine Ahnung hat, ist einem irgendwie unheimlich, der Kontakt mit dem gemeinen Volk sowieso. Anstatt sich mit den M\u00f6glichkeiten des Netzes zu besch\u00e4ftigen, zu schauen, wie man Inhalte so pr\u00e4sentieren k\u00f6nnte, dass sie das Publikum \u2013 und mit ihm zwangsl\u00e4ufig die Werbeabteilungen der Verlage \u2013 interessieren, tut man das, was man schon immer getan hat, um unliebsame Konkurrenz aus der Bahn zu kicken. Man verleumdet sie. Bevorzugtes Argument: Ach, igitt, das ist ja kommerziell.<\/p>\n\n\n\n<p>Richtig. Nur dass diejenigen, die der Krimi-Couch Kommerzialit\u00e4t vorwerfen, mitnichten ihre Zeit in idealistischen Non-Profit-Projekten (wie schn\u00f6den Blogs beispielsweise) verplempern. Sie sind nicht minder kommerziell, aber eben leider nicht kommerziell genug, um auch im Netz \u00f6konomisch re\u00fcssieren zu k\u00f6nnen. Ergo streut man die beliebten B\u00f6mbchen, verwandelt sich in einen krimikritischen Orakelautomaten, r\u00e4sonniert zum xten Mal \u00fcber das bevorstehende Ende der Krimiwelt und nennt die \u00fcblichen, sattsam bekannten Schuldigen, u.a. jene bitterb\u00f6sen, gnadenlos kommerziellen Krimi-Couchler. Dass man f\u00fcr derlei Suada selbst Geld einsackt, versteht sich und ist auch gar nicht verwerflich. Ist halt Arbeit, und der Hauswirt will am Monatsersten seine Miete.<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles ist irgendwie dumm, ja \u2013 sorry to say \u2013 sogar brotdumm. Und erinnert fatal an die Geschichte der Kriminalliteratur, die von zopfigen, in ihrem Anachronismus fett gewordenen Gelehrten ebenfalls ge\u00e4chtet, als pures Graubrot f\u00fcrs gemeine Volk, als &#8222;Kommerz&#8220; verunglimpft wurde. Heute lachen wir dar\u00fcber, wenn wir uns nicht gerade dr\u00fcber \u00e4rgern. Und genauso werden wir \u2013 jetzt bet\u00e4tige ich mich auch mal als Kassandra \u2013\u00fcber die letzten Fossilien einer l\u00e4ngst vergangenen Zeit lachen, die einst dinos\u00e4uerlich m\u00fcrrisch und bedenklich schwankend durchs Internet tappten, eine fremde, bedrohliche Welt, die ihnen die kalte Schulter zeigte, weil sie gemerkt hatte, wer ihr da zunahe treten wollte. Sie haben nichts gelernt, sie werden nichts mehr lernen, die Dinge werden \u00fcber sie hinweggehen, sie werden zu dem, was die Satirezeitschrift TITANIC &#8222;erledigte F\u00e4lle&#8220; nennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich jedenfalls freue mich auf die Zusammenarbeit mit der Krimi-Couch. Es ist eine Herausforderung, es ist die M\u00f6glichkeit, meine Version von &#8222;Krimi&#8220; an ein gr\u00f6\u00dferes Publikum weiterzugeben. Keine Anbiederung. Nur ein ehrliches Angebot.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was? Du schreibst jetzt f\u00fcr die Krimi-Couch? Hallo? Geht\u2019s noch? 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