{"id":21730,"date":"2009-08-05T19:08:03","date_gmt":"2009-08-05T19:08:03","guid":{"rendered":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/08\/iain-mcdowall-gleich-bist-du-tot\/"},"modified":"2022-06-05T23:31:20","modified_gmt":"2022-06-05T21:31:20","slug":"iain-mcdowall-gleich-bist-du-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/08\/iain-mcdowall-gleich-bist-du-tot\/","title":{"rendered":"Iain McDowall: Gleich bist du tot"},"content":{"rendered":"\n<p>In drei B\u00fcchern hat uns Iain McDowall bisher mit diversen F\u00e4llen f\u00fcr sein Ermittlerduo Jacobson und Kerr durchaus entz\u00fcckt. Rasante Krimis mit einem Blick f\u00fcr die soziale Wirklichkeit, die Polizeiprotagonisten, obwohl nicht frei von Problemen, dezent im Hintergrund, manch dramaturgische Extravaganz als Zugabe. K\u00f6nnte eigentlich so weitergehen. Tut es aber im vierten Buch, &#8222;Gleich bist du tot&#8220;, nur bedingt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dabei beginnt es vielversprechend. Vier Hochschulabsolventen unter der F\u00fchrung des charismatischen Brady haben sich ein besonders zynisches Hobby zugelegt. Sie entf\u00fchren junge Frauen und inszenieren deren Ermordung. Nachdem sie ihre Opfer gen\u00fcgend gedem\u00fctigt und ihnen ein Trauma f\u00fcrs Leben verpasst haben, lassen sie sie frei. Das Ganze l\u00e4uft dann als &#8222;Kunst&#8220; und wird mit entsprechenden &#8222;Manifesten&#8220; der \u00d6ffentlichkeit nahegebracht. Als erste geht den Vieren Tracey in die Falle, ein M\u00e4dchen aus dem &#8222;sozialen Brennpunkt&#8220; von McDowalls fiktiver Stadt Crowby.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hat eigentlich eine reizvolle Fallh\u00f6he: Durchgeknallte Elitekids, die ihre \u00fcblen Intellektuellenspielchen an den Armen austoben, die wahrlich andere Sorgen haben. Nur leider: Genau diese St\u00e4rke McDowalls, der erz\u00e4hlerisch pr\u00e4gnante Querschnitt durch die sozialen Schichten, wird hier verschenkt. Zwar begegnen uns Tracey und ihr Freund Casper noch hier und da im Text, etwas anderes als schematisch und reichlich lustlos beschriebene &#8222;Unterschichtenexempel&#8220; sind sie allerdings nicht. Am Ende bringen sie \u2013 was von Anfang an klar ist \u2013 die Polizei auf die richtige Spur und ihr bislang verpfuschtes Leben in den Griff. Ja wenn\u2019s denn so einfach w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Quartett aber qu\u00e4lt weiter und geht dabei ziemlich wahllos vor. Die Charakterisierung der Vier ist ebenfalls eher oberfl\u00e4chlich. Brady, das Genie, die diabolisch-sadistische Annabel, die unterw\u00fcrfige Maria und schlie\u00dflich Adrian, der Computercrack. Am Rande geht es auch noch um &#8222;Identit\u00e4tsdiebstahl&#8220; via Internet, ein in letzter Zeit beliebtes Krimisujet, doch selbst das geschieht nur in Andeutungen und vermag nicht zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vollends unglaubw\u00fcrdig wird die Geschichte, als die Vier die Tochter eines reichen Exrockstars entf\u00fchren. Jetzt n\u00e4mlich zurrt die Anfangskonstellation auf das zusammen, worum es in den meisten Kriminalf\u00e4llen geht: Geld.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher: McDowall ist ein talentierter und versierter Autor, auch dieser Roman wieder angenehm zu lesen, viel Action, einige Spannung, einige Kleinbeobachtungen, die zu \u00fcberzeugen wissen. Insgesamt jedoch wirkt &#8222;Gleich bist du tot&#8220; zu zerfasert, zu vorhersehbar. Bedauerlich, wie McDowall die F\u00e4den aus der Hand gibt. H\u00e4tte was werden k\u00f6nnen. Wurde aber nur Durchschnittskost.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Iain McDowall: Gleich bist du tot. <br \/>Dtv 2009 (Cut Her Dead, 2007. Deutsch von Werner L\u00f6cher-Lawrence). <br \/>396 Seiten. 8,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In drei B\u00fcchern hat uns Iain McDowall bisher mit diversen F\u00e4llen f\u00fcr sein Ermittlerduo Jacobson und Kerr durchaus entz\u00fcckt. Rasante Krimis mit einem Blick f\u00fcr die soziale Wirklichkeit, die Polizeiprotagonisten, obwohl nicht frei von Problemen, dezent im Hintergrund, manch dramaturgische Extravaganz als Zugabe. K\u00f6nnte eigentlich so weitergehen. 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