{"id":21739,"date":"2009-08-18T21:27:33","date_gmt":"2009-08-18T21:27:33","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/08\/abbruchsieger\/"},"modified":"2022-06-09T23:36:48","modified_gmt":"2022-06-09T21:36:48","slug":"abbruchsieger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/08\/abbruchsieger\/","title":{"rendered":"Abbruchsieger"},"content":{"rendered":"\n<p>Pardon, lieber Unionsverlag, aber du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich Petra Ivanovs Roman &#8222;Fremde H\u00e4nde&#8220; bis zur bitteren Neige verkoste? <em>&#8222;Die 443 Seiten sind im Nu verschlungen&#8220;<\/em>, so jedenfalls behauptet es die Neue Z\u00fcrcher Zeitung auf der Cover-R\u00fcckseite. Und wer bin ich, einem solch ehrw\u00fcrdigen Blatt zu widersprechen? Die letzten 300 Seiten jedenfalls hab ich in gesch\u00e4tzten zehn Minuten \u2013 nun ja, nicht verschlungen, aber sehr genervt durchgebl\u00e4ttert. Nachdem ich die ersten ca. 140 mit wachsender Befremdung zur Kenntnis genommen habe. Das ist Unionsverlag? Das ist metro?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ich habe keine Lust, mir die Zeit von irgendwelchen &#8222;Ermittlerp\u00e4rchen&#8220; stehlen zu lassen, ihren kleinen Wehwehchen, ihrem Streit mit den Vorgesetzten, ihrem Beziehungsknatsch, ihren v\u00f6llig langweiligen und \u00fcberfl\u00fcssigen Kolleginnen und Kollegen, die witzelnd durch die Botanik hampeln, ihren gesellschaftlich relevanten, furchtbar kritischen Themen (hier: Zwangsprostitution). Ich mag auch nicht wiederholt lesen, das Ganze sei <em>&#8222;auffallend gut und aufw\u00e4ndig recherchiert&#8220;<\/em>, wie du den Tages-Anzeiger loben l\u00e4sst. Erstens einmal: Woher wollen die das wissen? Experten auf jedem Gebiet oder was? Zweitens: Vern\u00fcnftig zu recherchieren ist eine Sekund\u00e4rtugend f\u00fcr Krimiautorinnen und \u2013autoren. Ganz hilfreich, hilft aber \u00fcberhaupt nichts, wenn man seinen Stoff nicht im Griff hat. Beispiel gef\u00e4llig?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Der Blick auf die Uhr holte sie in die Gegenwart zur\u00fcck. Sie hatte eine halbe Stunde Zeit, um ein Sandwich zu holen. Am Imbissstand, wo sie normalerweise ein Sandwich kaufte, erkannte sie Ochs, der eine Fanta schl\u00fcrfte. Sie eilte mit gesenktem Kopf am Stand vorbei und bog in die Langstra\u00dfe ein. Sie steuerte auf einen Kebab-Stand zu und stellte sich hinter zwei wartende Gesch\u00e4ftsm\u00e4nner. Der junge T\u00fcrke f\u00fcllte mit geschickten Fingern ein Pitabrot und reichte es dem ersten. Hinter Regina hatte sich ein Raucher angestellt, der r\u00fccksichtslos den Zigarettenrauch in ihren Nacken blies.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und so weiter. Hochinteressante Nachrichten \u00fcber die Protagonistin, f\u00fcrwahr. Fr\u00fcher gab es bei den Franzosen mal eine Schreibtechnik, die nannte man Ecriture Automatique, und Andr\u00e9 Breton umschrieb ihre Natur als &#8222;Denkdiktat ohne jede Kontrolle der Vernunft&#8220;. Genau. Aber das war irgendwie anders gemeint als bei Frau Ivanov und all denen, die ihr vorausgingen und \u2013 leider \u2013 noch nacheifern werden. Das ist eher ein Schreibdiktat ohne jede Kontrolle und Vernunft. Ecriture Automatique hei\u00dft nicht, dass ich mich morgens hinsetze und mein Schreibpensum dadurch erledige, dass ich mal alle Banalit\u00e4ten des t\u00e4glichen Lebens ungefiltert in den Rechner tippe. Das jedoch nur so am Rande.<\/p>\n\n\n\n<p>Nee, das wars also nicht. Selbst wenn es au\u00dferhalb der metro-Reihe gelaufen w\u00e4re. Innerhalb ist es noch schwerer zu ertragen. Du solltest aufpassen, Unionsverlag. Der Ruf einer Reihe ist leichter ruiniert, als man denkt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pardon, lieber Unionsverlag, aber du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich Petra Ivanovs Roman &#8222;Fremde H\u00e4nde&#8220; bis zur bitteren Neige verkoste? &#8222;Die 443 Seiten sind im Nu verschlungen&#8220;, so jedenfalls behauptet es die Neue Z\u00fcrcher Zeitung auf der Cover-R\u00fcckseite. Und wer bin ich, einem solch ehrw\u00fcrdigen Blatt zu widersprechen? 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