{"id":21746,"date":"2009-08-26T16:04:21","date_gmt":"2009-08-26T16:04:21","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/08\/ken-bruen-jack-taylor-fliegt-raus\/"},"modified":"2025-04-03T05:08:13","modified_gmt":"2025-04-03T03:08:13","slug":"ken-bruen-jack-taylor-fliegt-raus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/08\/ken-bruen-jack-taylor-fliegt-raus\/","title":{"rendered":"Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus"},"content":{"rendered":"\n<p>Okay. Nachdem ich stundenlang mit allen Verehrern von Ken Bruen diskutiert h\u00e4tte, w\u00fcrde ich zum finalen Statement ansetzen: &#8222;Meinetwegen. Aber ist trotzdem nicht mein Geschmack. Und nu is auch gut.&#8220; <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Gegen Geschmack kann man nichts sagen. Ich habe auch prinzipiell nichts gegen versoffene Privatdetektive, die ihr B\u00fcro in einer Kneipe eingerichtet haben, ehemalige Polizisten sind, keine besonders moralischen Charaktere, aber im Grunde ihres Herzens doch irgendwie gut und liebenswert. Ich habe schon eher etwas gegen diese ganze Kneipenherrlichkeit, weil mir schon zu viele von diesen B\u00fcchern untergekommen sind, in denen originelle Typen am Tresen rumh\u00e4ngen und Lebensweisheiten von sich geben. Ich habe nun wirklich \u00fcberhaupt nichts gegen Humor und noch weniger gegen die Trag\u00f6die. Und wenn jemand das verbinden kann: wunderbar. Ken Bruen kann es \u2013 nach meinem GESCHMACK \u2013 nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Protagonist hei\u00dft Jack Taylor und ermittelt im irischen Galway. Er ist, wie schon gesagt, ehemaliger Polizist und praktizierender Alkoholiker, f\u00fcr ein paar Dutzend Seiten wird er in &#8222;Jack Taylor fliegt raus&#8220; abstinent sein \u2013 aus Liebesgr\u00fcnden -, dann aber um so konsequenter weiterpicheln. Jack arbeitet als Privatdetektiv und ist, versteht sich, notorisch klamm. Er soll beweisen, dass Ann Hendersons sechzehnj\u00e4hrige Tochter keinen Selbstmord begangen hat, sondern ermordet wurde. Er beginnt ein Verh\u00e4ltnis mit Ann. Jacks engster Freund ist Sutton, ein recht erfolgreicher K\u00fcnstler und Mits\u00e4ufer. Auch mit dem Wirt seiner Stammkneipe ist Jack befreundet. Jack liest gerne B\u00fccher, hat er schon als Kind getan. Also werden immer wieder B\u00fccher und Autoren erw\u00e4hnt, vom obligatorischen James Joyce bis zu Patricia Cornwell. Vor allem aber werden witzige Dialoge gef\u00fchrt. Doch, richtig witzige Dialoge.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Du siehst aus wie ein Ex-Priester.&#8220;<br \/>&#8222;Gegen das Keuschheitsgel\u00fcbde versto\u00dfen?&#8220;<br \/>&#8222;Nein&#8230;, pleite.&#8220;<br \/>&#8222;Mm&#8230; daran k\u00f6nnten wir arbeiten.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So zieht es sich durch das Buch. Eine Schlagfertigkeit folgt der n\u00e4chsten, Bruen geh\u00f6rt nicht zu den langatmigen Schreibern, eher zu den kurzatmigen, was reizvoll sein kann, aber auch be\u00e4ngstigend. Man liest das Buch so runter, man schmunzelt dabei, manchmal lacht man sogar mittellaut \u2013 tja, und das ist ein entscheidender Punkt. Ein witziges Buch, witzig \u00fcbersetzt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Und zwar von Harry Rowohlt. Der ja bekannterma\u00dfen auch witzig ist. Und ziemlich popul\u00e4r. So popul\u00e4r, dass sein Name fast so gro\u00df auf dem Cover steht wie der des Autors, was allen \u00dcbersetzerInnen gefallen d\u00fcrfte (oder auch nicht, weil sie selbst nie so gro\u00df auf dem Cover stehen werden). Harry Rowohlt \u00fcbersetzt also. Zum Beispiel Derek Raymonds &#8222;The Hidden Files&#8220; als &#8222;Der versteckte Aktenordner&#8220;. Was ebenfalls ziemlich witzig ist, so eine kleine B\u00fcroschnurre, die Kollegen verstecken einen Aktenordner und der Sachbearbeiter sucht sich den Wolf und dann sagen alle &#8222;\u00c4tsch!&#8220;. Oder so \u00e4hnlich. Manchmal \u00fcbersetzt Rowohlt dort, wo im Original irgendein Synonym f\u00fcr &#8222;Polizei&#8220; stehen d\u00fcrfte, &#8222;die Schmier&#8220;. Ob Rowohlt auch f\u00fcr den deutschen Titel, &#8222;Jack Taylor fliegt raus&#8220;, verantwortlich ist, wei\u00df ich nicht. Zuzutrauen w\u00e4re es ihm. Dabei: Wo fliegt Jack raus? Aus der Polizei (Originaltitel des Buches: &#8222;The Guards&#8220;). Nee, is er doch schon l\u00e4ngst, als das Buch beginnt. Merkw\u00fcrdig.<\/p>\n\n\n\n<p>Um es kurz zu machen: Wer Ken Bruen auf Deutsch liest, muss auch Harry Rowohlt lesen. Ob das dem Buch zugute kommt oder eher weniger, kann ich in Ermangelung der Original-Lekt\u00fcre nicht sagen, f\u00fcrchte aber: nein. Mir ist es \u2013 nun: zu sehr Nummernrevue. Gags zum Abhaken. Andererseits: Tragisch ist das Buch auch, soll es wenigstens sein. Und manchmal sagt man sich tats\u00e4chlich: Ja, das ist jetzt tragisch, und das d\u00fcrfte so ziemlich das Schlimmste sein, was man sagen kann, wenn etwas tragisch sein will. Der Plot selbst, die Krimihandlung \u2013 nichts gegen einzuwenden. Sogar einigerma\u00dfen originell. 300 schnell gelesene Seiten, Lekt\u00fcre so lauwarm wie ein irischer Fr\u00fchlingstag, nicht schlecht. Und dennoch: Beeindruckt hat mich das nicht im Geringsten. Bruen mit Ian Rankin, gar Jim Thompson zu vergleichen, das halte ich also f\u00fcr ziemlich gewagt. Ob ich den n\u00e4chsten Band lesen werde? Hm. Harry Rowohlt <em>&#8222;hat bereits mit gro\u00dfer Freude den n\u00e4chsten Jack-Taylor-Band \u00fcbersetzt: &#8218;Am Anfang hat Jack ja nur gesoffen, aber jetzt kokst er auch!'&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n f\u00fcr ihn und Harry Rowohlt. F\u00fcr meinen Geschmack weniger.<br \/><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus. <br \/>Atrium 2009. 302 Seiten. 16 \u20ac<br \/>(The Guards, 2001. Deutsch von Harry Rowohlt)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Okay. Nachdem ich stundenlang mit allen Verehrern von Ken Bruen diskutiert h\u00e4tte, w\u00fcrde ich zum finalen Statement ansetzen: &#8222;Meinetwegen. Aber ist trotzdem nicht mein Geschmack. 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