{"id":21751,"date":"2009-09-01T15:04:52","date_gmt":"2009-09-01T15:04:52","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/09\/massimo-carlotto-francesco-abate-ich-vertraue-dir\/"},"modified":"2022-06-18T02:42:57","modified_gmt":"2022-06-18T00:42:57","slug":"massimo-carlotto-francesco-abate-ich-vertraue-dir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/09\/massimo-carlotto-francesco-abate-ich-vertraue-dir\/","title":{"rendered":"Massimo Carlotto \/ Francesco Abate: Ich vertraue dir"},"content":{"rendered":"\n<form class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"mt-image-none\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2009\/cover\/AV2_banner.jpg\" alt=\"AV2_banner.jpg\" width=\"360\" height=\"121\"\/><\/form>\n\n\n\n<p>\u2018Der Mensch ist, was er isst,\u2019 stellte Feuerbach klar, wobei das <em>t\u00e4glich<\/em> Brot nicht nur dem Leib, sondern durchaus auch der Sinnlichkeit bek\u00f6mmlich ist. (Heil-)Wirksamkeit von Nahrung und Genuss pur lassen sich in vielerlei Gerichten k\u00f6stlich kombinieren. Doch Vorsicht bei den Zutaten! Gift im Wein, Hormone im Wasser, Pestizide im Obst, Antibiotika im Fleisch und und und &#8211; die Mahlzeit kann lebensgef\u00e4hrlich werden. Der Gourmet gibt sich best\u00fcrzt, der gew\u00f6hnliche Esser ist ratlos. Was tun? Nun, schon Miguel de Cervantes (16. Jahrhundert) formulierte klarsichtig \u00fcber die unabwendbare Notwendigkeit zu essen, und die heutige Lebensmittel-Mafia kann sich immer noch auf die alte Weisheit verlassen: \u2018Alles Elend wird vergessen, gibt es etwas zu essen.\u2019<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Mit <em>Ich vertraue dir <\/em>hat das Autorenduo Massimo Carlotto und Francesco Abate einen richtig fiesen Text \u00fcber die \u2018Lebensmittel-Manipulations-Branche\u2019 geschrieben, der mit Gigi Vianello einen sympathisch verabscheuenswerten Helden beim lesenden Publikum einf\u00fchrt. Gigi kennt sich mit <em>Il Buon Vivere <\/em>und <em>La Dolce Vita<\/em> bestens aus, doch musste der Gigolo mit den au\u00dfergew\u00f6hnlichen Augen, die wie bei David Bowie mit zwei unterschiedlichen Farben verbl\u00fcffen, zun\u00e4chst einige Widrigkeiten durchstehen, um sich auf Sardinien ein eintr\u00e4glich kriminelles und zugleich ruhiges Leben einrichten zu k\u00f6nnen. Der clevere Ex-Drogendealer aus Venetien, den einst die irrsinnige Liebe einer jungen Frau unter die Fuchtel ihres brutalen Mafioso-Vaters getrieben hatte, kannte keine Skrupel, um sich der sonderbaren Sippe zu entledigen, floh und baute geschickt ein kleines Imperium auf Sardinien auf. Die Lebensmittelmanipulation l\u00e4uft prima, die Qualit\u00e4t der manipulierten Ware wird in den Kategorien \u2018Schei\u00dfe\u2019 und \u2018Superschei\u00dfe\u2019 gehandelt, wobei Gigi vorausschauend denkt und niemals zu viel \u2018Superschei\u00dfe\u2019 an einem Ort abst\u00f6\u00dft. Die Nachfrage ist so gro\u00df, dass er teilweise seinen Kundenstamm kaum mit verseuchter, chemisch aufbereiteter, umettiketierter Ware bedienen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht ausschlie\u00dflich um diesen kriminell vergiftenden Lebenswandel zu tarnen, sondern auch um selbst genussvoll und unbesorgt speisen zu k\u00f6nnen, hat er sich mit dem Lokal <em>Chez Mom\u00f2 <\/em>einen Gourmettempel erschaffen, den seine wenig geliebte, aber f\u00fcrs Gesch\u00e4ft n\u00fctzliche Freundin f\u00fchren darf. Durch dieses praktische Arrangement hat Gigi, der Gesch\u00e4ftsmann, auch mehr Freizeit! Die er gern f\u00fcrs Amusement nutzt, und wie k\u00f6nnte man sich besser am\u00fcsieren als in den Armen einer Frau? Die Lust vergeht, der \u00c4rger kommt, Gigi verliert die Nerven und findet, er habe viel zu viel zu verlieren, um \u00fcber einen dummen Mord zu straucheln. Doch langsam wird auch ihm klar, dass er sein kleines Paradies verlieren k\u00f6nnte: Ein Spinnennetz aus <em>la Vendetta<\/em> zieht sich pl\u00f6tzlich immer enger um ihn, und seine Mitmenschen, die er einst so kunstgerecht zu manipulieren verstand, verf\u00fcgen ebenfalls \u00fcber eine Menge krimineller Energie.<\/p>\n\n\n\n<p>Abate und Carlotto haben mit <em>Ich vertraue dir <\/em>einen bissig zynischen Text verfasst, der mit seinem b\u00f6sen Humor die Lekt\u00fcre zum Vergn\u00fcgen werden l\u00e4sst. Die Story um giftige Lebensmittel kommt fast ein wenig kurz, zu stark konzentrieren sich die Autoren auf ihren eitlen Macho-Narziss Gigi und seine zusammenbrechende Welt. Am meisten aber beeindruckt, wie ganz <em>en passant <\/em>ein ziemlich temperamentvoller Rundumschlag in Sachen Kulturkritik in die Handlung einflie\u00dft: La famiglia, Kapitalismus, Medien, Korruption, Politik, die l\u00e4ngst zur <em>telenovela<\/em> verkommen scheint\u2026 Alles ist manipuliert, alles Inszenierung? Und Gigi nur ein kluges, aber noch zu vorlautes Kind seiner Zeit?<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Massimo Carlotto \/ Francesco Abate: Ich vertraue dir. <br \/>C. Bertelsmann 2009 (Mi Fido Di Te, 2008. Deutsch von Ulrich Hartmann). <br \/>224 Seiten. 16,95\u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2018Der Mensch ist, was er isst,\u2019 stellte Feuerbach klar, wobei das t\u00e4glich Brot nicht nur dem Leib, sondern durchaus auch der Sinnlichkeit bek\u00f6mmlich ist. (Heil-)Wirksamkeit von Nahrung und Genuss pur lassen sich in vielerlei Gerichten k\u00f6stlich kombinieren. Doch Vorsicht bei den Zutaten! Gift im Wein, Hormone im Wasser, Pestizide im Obst, Antibiotika im Fleisch und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":60,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-21751","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Anna Veronica Wutschel","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/anna-veronica-wutschel\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21751","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/60"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21751"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21751\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21751"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21751"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21751"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}