{"id":21784,"date":"2009-10-13T14:41:55","date_gmt":"2009-10-13T14:41:55","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/10\/alfred-komarek-polt\/"},"modified":"2022-06-17T23:47:31","modified_gmt":"2022-06-17T21:47:31","slug":"alfred-komarek-polt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/10\/alfred-komarek-polt\/","title":{"rendered":"Alfred Komarek: Polt."},"content":{"rendered":"\n<p>Nein, wir fragen jetzt nicht, was eigentlich mit den \u00f6sterreichischen Kollegen los ist, dass sie ihre ausrangierten Krimihelden noch einmal wiederbeleben m\u00fcssen. Sondern stellen fest: Nach Wolf Haas hat auch Alfred Komarek seinen Serienermittler nach Jahren der tr\u00fcgerischen Ruhe erneut ins Rennen geschickt, den Gendarmen Polt, der kein Gendarm mehr ist, aber das Ermitteln nicht lassen kann.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Also kein Gendarm mehr, der Simon Polt. Lebt weiterhin in seinem Provinznest, hat mit zwei Freunden eine Wirtschaft gepachtet, arbeitet zudem im Kaufhaus der Frau Habesam, ist immer noch mit der Lehrerin Karin Walter zusammen, die erwartet ein Kind vom Polt. Und weil man in einer Weinbaugegend ist, l\u00e4sst der Expolizist auch den Alkohol nicht ungeschoren. Dann, eines Abends, entdeckt Polt, der mit dem Nochgendarmen Norbert Sailer spazieren geht, in dessen Weingarten eine Leiche. Pulsadern ge\u00f6ffnet, Selbstmord? Eher nicht. Vieles spricht f\u00fcr Sailer als den T\u00e4ter, das glaubt auch der ermittelnde Beamte Priml, nur Polt sieht die Sache anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, und so l\u00e4uft es dahin, 167 Seiten lang. Und wird zu einem Paradest\u00fcck flei\u00dfig und gekonnt aneinandergereihter Genreversatzst\u00fccke. Der leicht versoffene Ermittler, die st\u00f6rrischen Zeugen, die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen, der nervige Beamte, das l\u00e4ndliche (Nicht-)Idyll. Manchmal hart an der Grenze zum tr\u00e4nendr\u00fcsigen Sentiment (vor allem, wenn der Polt seine Karin so richtig lieb hat), aber auch das passt ins Bild. Dann, gegen Ende, wird mit einigem Theaterdonner eine Art Psychoabgrunddrama inszeniert. Dazwischen wandelt der Exgendarm, dem man nicht zutraut, den Fall zu l\u00f6sen, ein irgendwie harmloser Mensch, glaubt man, durch eine ebenso harmlose Landschaft, \u00fcber der milder Witz wie Nieselregen spr\u00fcht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Zauberwort hei\u00dft Atmosph\u00e4re. Die kann der Komarek. Eine Atmosph\u00e4re allt\u00e4glicher Skurrilit\u00e4t, dank der sch\u00f6nen Klischees oberfl\u00e4chlich genug, um die Szenerie in toto \u00fcberblicken zu k\u00f6nnen, doch niemals so ausladend, dass man &#8222;Is ja gut!&#8220; schreien m\u00f6chte. Am Ende wird die gem\u00e4chlich laufende Maschine so richtig auf Touren gebracht, inklusive lustiger Witwe, schwerer psychischer Sch\u00e4digungen und drohender Vereitelung des Poltschen Familiengl\u00fccks (die Karin soll versetzt werden&#8230;). Dann l\u00e4sst auch der ahnungslose Polt seine Maske des Biederen fallen und hat nat\u00fcrlich alles l\u00e4ngst gewusst. Das kann man ein wenig \u00fcberzogen finden, nur, mal ehrlich, warum sollte man. Der schmale Band erz\u00e4hlt eine h\u00fcbsche Geschichte, bringt die einigerma\u00dfen plausibel zu Ende, auch mit der Karin wendet sich\u2019s zum Guten und ein bisschen Melancholie, ein bisschen menschliche Entt\u00e4uschung bleiben zur\u00fcck. Ob der Polt jetzt genug hat? Man wei\u00df es nicht. Schad w\u00e4rs, irgendwie.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Alfred Komarek: Polt. <br \/>Haymon 2009. 167 Seiten. 16,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, wir fragen jetzt nicht, was eigentlich mit den \u00f6sterreichischen Kollegen los ist, dass sie ihre ausrangierten Krimihelden noch einmal wiederbeleben m\u00fcssen. 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