{"id":21785,"date":"2009-10-16T07:40:01","date_gmt":"2009-10-16T07:40:01","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/10\/buchmesse-2009\/"},"modified":"2022-06-06T20:48:24","modified_gmt":"2022-06-06T18:48:24","slug":"buchmesse-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/10\/buchmesse-2009\/","title":{"rendered":"Buchmesse 2009"},"content":{"rendered":"\n<p>Die wichtigste Frage gleich vorweg: Was tr\u00e4gt die Buchmessebesucherin heuer mit Vorliebe? Ersch\u00fctternde Antwort: Strickwaren (besonders schwarze Strumpfhosen) und Stiefel. Aber kommen wir zum angenehmen Teil unseres diesj\u00e4hrigen Aufenthaltes im Schlaraffenland der B\u00fccher&#8230;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ein Novum gleich am Eingang. &#8222;Bitte Arme ausbreiten, damit ich Sie scannen kann!&#8220; W\u00e4hrend allerhand verd\u00e4chtiges Volk (Buchh\u00e4ndlerinnen, Schulklassen, Verleger) in die Hallen str\u00f6mt, halten mich zwei strenge Herren dezent, aber bestimmt an. Ich breite die Arme aus \u2013 und werde gescannt. Einer h\u00e4lt freundlicherweise mein T\u00e4schchen mit dem Plastiksprengstoff, der andere erkundet mit einem Metalldetektor meinen potentiell gef\u00e4hrlichen K\u00f6rper. Es piepst. &#8222;Was haben Sie im linken Knie?&#8220; &#8222;Einen Nagel. Seit 42 Jahren. Noch nie explodiert.&#8220; Der Kontrolleur nickt. Das gen\u00fcgt. Ich darf mich endlich ins Get\u00fcmmel st\u00fcrzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Stand des Conte Verlags, Halle 4.1, G138. Die Mann- und Frauschaft ist vollst\u00e4ndig zur Promotion des guten Buches angetreten. Man reicht dem Neuank\u00f6mmling ohne Umst\u00e4nde ein aus Lyoner, Weck und Dibbelabbes bestehendes saarl\u00e4ndisches Fr\u00fchst\u00fcck, mit Original Ur-Pils nachzusp\u00fclen. Wer aber ist der junge Mann, der da sein Fr\u00fchst\u00fcck jauchzend \u00fcber die Auslegeware des Nachbarstandes erbricht? Krimiportalpapst Lars Schafft! Kein Saarl\u00e4nder, sondern aus Essen und daher an saarl\u00e4ndisches Essen nicht gew\u00f6hnt. Ich g\u00f6nne ihm zehn Minuten der Erholung, bevor wir uns zum Stehkaffee zur\u00fcckziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lars, noch immer bleich im Gesicht, hat viel Neues zu erz\u00e4hlen. Tolle Projekte stehen vor der T\u00fcr. Zum Beispiel das &#8222;Krimi-Bett&#8220;, in dem sich ab November erotische Krimis austoben sollen. Ebenfalls geplant: &#8222;Der Krimi-Stuhl&#8220; f\u00fcr besonders besch&#8230; Werke der Genreliteratur. Garantierte Selbstl\u00e4ufer, lallt Lars und h\u00e4lt sich an der Wand fest. Ich bestelle einen Krankenwagen und verabschiede mich eilig.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zu Conte. Creative Art Director Markus \u00fcberreicht mir ein am Mittwoch vom Kollegen Georg zur\u00fcckgelassenes Geschenk: ein angebissenes Spinat\/Joghurt-Sandwich. DAS h\u00e4tte man Lars anbieten sollen! Jetzt wird auch Markus gr\u00fcn im Gesicht, schreit &#8222;Ich krieg die Gelbsucht!&#8220; und kotzt, bis er schwarz wird. Eine Hommage an die saarl\u00e4ndische Jamaika-Koalition, wie ich nicht ohne R\u00fchrung feststelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Anwesenheitsstunde beginnt. Ob \u00fcberhaupt jemand auftauchen wird? Wahrscheinlich nicht. Oder doch? Tats\u00e4chlich! Das ist&#8230; Else Laudan! R\u00fchrige Verlegerin der Ariadne Krimis! Mir kommen die Tr\u00e4nen. Wir bieten uns spontan das Du an. Ob ich nicht einen Frauenkrimi schreiben m\u00f6chte? &#8222;Nat\u00fcrlich unter weiblichem Pseudonym. Mit einer weiblichen Protagonistin. Und statt eines Ohres wie in den ARMEN LEUTEN sollte wenigstens EIN Gem\u00e4cht abges\u00e4belt werden.&#8220; Kein Problem! Wir organisieren einen Bierdeckel und formulieren den Vorvertrag. Freuen Sie sich also auf den Herbst 2010 und das Deb\u00fct von Samantha \u00dcbelreiter&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum ist Else gegangen (nicht ohne mich zu einer Lesung von Christine Lehmann um 14 Uhr im Cafe Cosmopolitan, Hauptbahnhof, gegen\u00fcber den Gleisen 3 und 4, erster Stock einzuladen), erscheint ein weiteres bekanntes Gesicht. Willi Voss! Einige Jahre war es still um den Veteran gewesen, jetzt startet er mit &#8222;Pforte des Todes&#8220; m\u00e4chtig durch. Schock: Ich habe noch kein Rezensionsexemplar! Sofort eilt Willi zum Pendragonstand und kommt \u2013 kaum 20 Sekunden sp\u00e4ter \u2013 mit einem handsignierten und pers\u00f6nlich zugeeigneten B\u00fcchlein zur\u00fcck. Man darf gespannt sein&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>So. Gleich 12 Uhr. Kommt wohl niemand mehr*. Denkste. Wer dr\u00fcckt mich pl\u00f6tzlich fest an sich? Es ist keine Geringere als Anobella. Fluchtversuche zwecklos. Ich setze mich still aufs B\u00e4nkchen und lausche ihren guten Ratschl\u00e4gen. Nicht jedes Jahr einen neuen Krimi ver\u00f6ffentlichen, das m\u00f6gen die Leser nicht! Mehr Winzerkrimis besprechen, das ist der neue Trend! Endlich mal ein paar neue Jeans kaufen, die Schuhe finden auch keine Gnade, zu b\u00fcrgerlich. Und sonst? Ja, ihr Deb\u00fctkrimi laufe prima. Wenn er so weiter laufe, sei mit einer Ver\u00f6ffentlichung noch vor dem vollst\u00e4ndigen Wegschmelzen des antarktischen Festlandseises zu rechnen. Ob wir einen Kaffee trinken sollen? Aber gerne! Ich verabschiede mich von den lieben Contes (Anobella greift 70 Postkarten mit dem Arme-Leute-Motiv ab) und wir setzen uns auf eine Treppenstufe, um coffee to go (n\u00e4mlich auf die Hose) zu trinken. Anobella sieht blendend aus wie immer. Ich spendiere ihr Georgs angebissenes Spinat\/Joghurt &#8211; Sandwich (der Spinat entpuppt sich als Brokkoli, der Joghurt als undefinierbare Mixtur aus Erdbeeren, belgischer Markenbutter und X). N\u00e4chstes Jahr wieder bei Conte? Aber nur, wenn ich mir endlich neue Klamotten und Schuhe zulege. Wird gemacht&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher als sonst entferne ich mich von der Messe. Auf zu Christine Lehmanns Lesung. &#8222;Mit Teufelsg&#8217;walt&#8220; hei\u00dft ihr neuestes Werk, sie hat \u2013 mit An- und Abmoderation \u2013 gerade einmal 45 Minuten Zeit, dann kommt schon der n\u00e4chste Lesewillige. &#8222;22 Stunden Literatur&#8220; nennt sich die Marathonveranstaltung. Aber die 45 Minuten reichen, um auf das Buch neugierig zu machen. Es geht um die Gebaren von Jugend\u00e4mtern, ein Baby, eine tote Familienrichterin und nat\u00fcrlich Lisa Nerz, die schnoddrige Protagonistin. &#8222;Noch Fragen?&#8220; Ob die Jugend\u00e4mter bei ihr nicht zu schlecht wegk\u00e4men? Muss man wirklich alles so \u00fcberspitzt darstellen? Warum nicht ausgewogener? Christine Lehmann weist darauf hin, dass sie durchaus das Dilemma der Jugend\u00e4mter anerkenne und auch thematisiere. Es sei eben schwierig, das alles. Trotzdem. Warum so negativ? Eine sch\u00f6ne Gelegenheit, wieder einmal \u00fcber die Aufgabe der Literatur nachzudenken, die kaum darin bestehen kann, &#8222;ausgewogen&#8220; zu sein. Jedoch: Keine Zeit. Mein Zug nach Hause k\u00fcndigt sich an.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Es war wieder sch\u00f6n in Frankfurt. Sch\u00f6n voll, sch\u00f6n laut, sch\u00f6n \u00fcbel (der Espresso), sch\u00f6n lieb (alle Leute, die ich getroffen habe). N\u00e4chstes Jahr wieder? Nein! Ja!<br \/><em><br \/>*leider blieb zu wenig Zeit f\u00fcr die Besucher Kirsten Reimers und Frank Nowatzki. Aber das holen wir n\u00e4chstes Jahr nach&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die wichtigste Frage gleich vorweg: Was tr\u00e4gt die Buchmessebesucherin heuer mit Vorliebe? Ersch\u00fctternde Antwort: Strickwaren (besonders schwarze Strumpfhosen) und Stiefel. 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