{"id":21793,"date":"2009-10-25T16:14:09","date_gmt":"2009-10-25T16:14:09","guid":{"rendered":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/10\/a-a-milne-das-geheimnis-des-roten-hauses\/"},"modified":"2022-06-05T23:26:29","modified_gmt":"2022-06-05T21:26:29","slug":"a-a-milne-das-geheimnis-des-roten-hauses","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/10\/a-a-milne-das-geheimnis-des-roten-hauses\/","title":{"rendered":"A.A. Milne: Das Geheimnis des roten Hauses"},"content":{"rendered":"\n<p>Es gibt gleich drei gute Gr\u00fcnde, dieses Buch zu lesen. Einmal, weil es der einzige Krimi von A.A. Milne geblieben ist, dessen ewiger Ruhm sich seiner Sch\u00f6pfung Winnie-the-Pooh verdankt. Und wer immer noch nicht wei\u00df, was einen &#8222;Landhauskrimi&#8220; charakterisiert, findet hier ein ideales Beispiel daf\u00fcr. Drittens: Gerade weil &#8222;Das Geheimnis des roten Hauses&#8220; alle Versatzst\u00fccke dieser Variante des R\u00e4tselkrimis verarbeitet, dient der Text in Raymonds Chandlers ber\u00fchmtem Essay &#8222;The simple art of murder&#8220; als Belegst\u00fcck f\u00fcr die letztliche Belanglosigkeit dieser Sorte Spannungsliteratur.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>&#8222;The whole thing is a fraud&#8220;, urteilt Chandler, ein Schwindel also, und Chandler meint damit nicht allein Milnes Buch (dem er etliche Logikfehler nachweist), er meint damit das &#8222;Golden Age&#8220; in toto, jene auf die R\u00e4tselei konzentrierte, fern der Wirklichkeit agierende Spielart der Kriminalliteratur. Aus Chandlers Sicht gewiss ein richtiges Urteil. Denn in Milnes Roman geht es um offene Fenster, au\u00dfen oder innen steckende Schl\u00fcssel, Geheimg\u00e4nge, gewechselte Unterw\u00e4sche etc., und all dies dient dem einzigen Zweck, die Intelligenz des Ermittlers zu testen und ihr letztlich zum Durchbruch zu verhelfen, dabei den Leser geh\u00f6rig zu verwirren und ordentlich an der Nase herumzuf\u00fchren. Krimi in einer seiner beliebtesten und trivialsten Formen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Ermittler hei\u00dft Anthony Gillingham, ist ein patenter Junge und &#8211; \u00dcberraschung &#8211; finanziell unabh\u00e4ngig, reist aufs Geratewohl durchs Land und kommt irgendwann mehr oder weniger zuf\u00e4llig zum titelgebenden roten Haus, in dem Mark Ablett mit Freunden die Sommer bei allerlei snobistischem Zeitvertreib zu verbringen pflegt. Doch Ablett plagen gerade andere Probleme. Er hat offensichtlich seinen Bruder, das schwarze Schaf der Familie und vor f\u00fcnfzehn Jahren nach Australien ausgewandert, ermordet und ist nun selbst verschwunden, offensichtlich auf der Flucht. Gillingham und sein Kumpel Beverley einer von Abletts G\u00e4sten, beginnen zu ermitteln. Die \u00fcbrigen G\u00e4ste sind gottlob abgereist (wieso eigentlich? Sind sie von vornherein unverd\u00e4chtig?), so dass sich das Ganze zu einem munteren Spielchen zwischen dem Ermittlerduo und Abletts Sekret\u00e4r und Verwandtem Cayley entwickelt. Der hat offenbar Abletts Flucht gedeckt und vertuscht auch sonst so einiges.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende gibt es nat\u00fcrlich die unerwartete Wendung, nachdem all die offenen Fenster, au\u00dfen oder innen steckenden Schl\u00fcssel etc. richtig interpretiert worden sind. Kreuzwortr\u00e4tsel halt. \u2013 Und nicht uncharmant. Wer sich einmal so richtig von der &#8222;realistischen&#8220; Kriminalliteratur erholen m\u00f6chte, findet in Milnes locker und nicht ohne Witz geschriebenem Schm\u00f6ker willkommenes Futter. Die in der Reihe &#8222;Fischer Crime Classic&#8220; zustande gekommene Neuausgabe mit zwei Nachworten von Lars Schafft wird uns nicht zum Landhauskrimi bekehren k\u00f6nnen. Chandlers Kritik gilt nach wie vor und ist berechtigt. Aber seien wir mal ehrlich: Manchmal muss es halt sein, dieses Sahnet\u00f6rtchen zwischen dem kr\u00e4ftigenden und gesunden Essen. Gerade f\u00fcr uns Liebhaber alter Krimis.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">A.A. Milne: Das Geheimnis des roten Hauses. <br \/>S. Fischer 2009 (The Red House Mystery, 1922. <br \/>Deutsch von Elisabeth Simon). 199 Seiten. 7,95 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt gleich drei gute Gr\u00fcnde, dieses Buch zu lesen. 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