{"id":21795,"date":"2009-10-27T16:49:21","date_gmt":"2009-10-27T16:49:21","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/10\/ski-2\/"},"modified":"2022-06-17T20:12:43","modified_gmt":"2022-06-17T18:12:43","slug":"ski-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/10\/ski-2\/","title":{"rendered":"SKI -2-"},"content":{"rendered":"\n<p>SKI \u2013 Serie Krimi International: Eine Reihe von Story- und Figurenvorgaben und f\u00fcnf Versuche, sie in jeweils einst\u00fcndigen Kriminalh\u00f6rspielen weiterzuentwickeln. \u00dcber das tragf\u00e4hige Konzept und die Arbeiten von Merle Kr\u00f6ger und Norbert Horst wurde \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2009\/10\/ski-1.php\">im ersten Teil<\/a> unserer kleinen Studie berichtet. Fehlen noch die H\u00f6rspiele von Sabina Altermatt, Nathan Markov und Pieke Biermann sowie das abschlie\u00dfende Res\u00fcmee.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Altermatt und Markov verwenden die Biografien der beiden Protagonisten Murat \u00c7elik und Ines Pelzer auf sehr \u00e4hnliche Weise. Sie nehmen jeweils ein D\u00e9tail und stellen es ins Zentrum eher herk\u00f6mmlicher Krimistories. Altermatt bedient sich der Autisten\/Savant-Thematik. In &#8222;Der Kongress&#8220; weilt Ines Pelzer auf einem ebensolchen und lernt einen schweizer Kollegen kennen. Dessen Forschungsgebiet ist die bewusste Herbeif\u00fchrung eines Gehirnzustandes, der auch bei &#8222;Normalmenschen&#8220; die savant-Ph\u00e4nomene ausl\u00f6sen kann. Nach einer heftigen sexuellen Konfrontation (anders kann man es n\u00e4mlich nicht nennen) liegt der Kollege tot neben Pelzer im Bett. Gemeinsam mit dem sofort herbeigerufenen \u00c7elik macht sich Pelzer in die Schweizer Berge auf, um in der Klinik des Toten dessen Experimenten auf den Grund zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden Helden geraten in ein Abenteuer, das sie als beinahe Feldwaldwiesen-Detektive absolvieren. Das Thema ist nat\u00fcrlich \u00fcbertrieben starkgeb\u00e4rdig, zynische Menschenversuche, vor allem aber kann manche Unlogik nicht \u00fcberspielt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Markov hantiert in &#8222;Der Nazischatz&#8220; mit einem zur Story hochgepuschten Detail und marginalisiert damit das Grundkonzept. Pelzer und \u00c7elik reisen nach Italien, um \u00c7eliks aus dem Erdbebenerlebnis herr\u00fchrendes Trauma von einem Spezialisten behandeln zu lassen. Der aber ist justament ermordet worden. Rasch gelangen sie auf die Spur des titelgebenden Nazischatzes, weitere Morde ereignen sich bis zum genre\u00fcblichen Showdown. Wurde uns bei Altermatt Pelzer als auf harten Sex stehend pr\u00e4sentiert, erwischt es bei Markov ihren m\u00e4nnlichen Partner. Der entdeckt angesichts der jungen Laura seine gesamte s\u00fcdliche Glut wieder und geriert sich als hei\u00dfverliebter Hochpubertist. Was wiederum Pelzer furchtbar eifers\u00fcchtig macht&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Folgen der Reihe f\u00fchren dazu, dass die roten F\u00e4den immer d\u00fcnner werden. Die jeweiligen Stories h\u00e4tten auch ohne sie funktioniert \u2013 als herk\u00f6mmliche Krimih\u00f6rspiele. Interessant ist vor allem die Formatierung der Protagonisten zu gem\u00e4\u00df eines Rollenklischees agierenden &#8222;Detektiven&#8220; in actionlastigen Stories. Als Lesetexte auf normale Romanl\u00e4nge ausgelegt, lie\u00dfen sich daraus m\u00f6glicherweise ordentliche Krimis machen. Als relativ kurze H\u00f6rtexte funktionieren sie nur bedingt, weil sie die notwendige Konzentrierung auf das Wesentliche nicht hinbekommen. Ein Problem, das grunds\u00e4tzlich auch f\u00fcr Kurzgeschichten und Kriminalerz\u00e4hlungen mittlerer L\u00e4nge gilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sechste und letzte Folge, &#8222;Kriegskosten&#8220;, geht auf das Konto von Pieke Biermann. Und jetzt geschieht etwas Wunderbares. La Biermann schafft es auf be\u00e4ngstigend souver\u00e4ne Weise, s\u00e4mtliche F\u00e4den nicht nur der Vorgabe, sondern auch die von den Kollegen ausgelegten, zusammenzufassen und gleichzeitig das Geflecht zu dekonstruieren. Pelzer und \u00c7elik befinden sich in Berlin \u2013 wo sonst. Die Ausgangssituation \u2013 Pelzers Vater, der Exterrorist Darius, wurde erschossen \u2013 wird noch einmal aufgefrischt, ebenso die wunderbare Wiederauferstehung von \u00c7eliks totgeglaubtem Vater (im Beitrag von Merle Kr\u00f6ger). Die Gewissheiten geraten ins Wanken, neue kommen hinzu, und das alles verpackt Pieke Biermann in vier Jahrzehnte deutsche Protest- und Terrorgeschichte, mit wunderbarem Personal, von dem man sofort mehr erfahren m\u00f6chte. Am Ende reist \u00c7elik zur\u00fcck in die T\u00fcrkei. Aber die Geschichte ist nicht aus, ganz im Gegenteil. Sie k\u00f6nnte sofort wieder beginnen, ebenso wie das Projekt SKI. \u00dcber Biermanns Talent zu treffenden Verknappungen, geradezu expressionistischen Beschreibungen und \u00fcberhaupt zum richtigen Wort zur richtigen Zeit und Gelegenheit brauchen wir gar nicht erst zu reden.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich ist es gerade die Nichteinheitlichkeit des Projekts, die SKI interessant und gelungen macht. Alle AutorInnen standen vor ungew\u00f6hnlichen Herausforderungen und haben sich ihrer auf ganz pers\u00f6nliche Art angenommen. Vom Ausbruch aus dem Korsett (Altermatt und Markov) \u00fcber die Differenzierung der Migrationsthematik (Kr\u00f6ger und Horst) bis zur finalen Raffung und gleichzeitigen Ausweitung durch Pieke Biermann l\u00e4sst sich alles besichtigen, was Krimikonzeption im Allgemeinen ausmacht. Zu reden w\u00e4re meines Erachtens nach wie vor \u00fcber Formales. Das SKI-Projekt kommt als eine Verbindung von H\u00f6r- und Lesetext daher. Die Musik von Matthias Manzke passt dazu, sie ist vielschichtig und unterst\u00fctzend. Ob eine Konzentration auf die erweiterten M\u00f6glichkeiten des H\u00d6Rspiels (besonders durch den Einsatz weiterer SprecherInnen) die Wirkung noch verst\u00e4rkt h\u00e4tte? Man wei\u00df es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Hut ab vor dem Mut aller Beteiligten. Und eins ist gewiss: Sollte das Kriminalh\u00f6rspiel eine Zukunft haben, dann nur mit solchen Projekten wie SKI. Ambitionierten, risikoreichen Kollaborationen unterschiedlicher Charaktere, die die Grenzen eines zwar betagten, aber noch nicht anachronistischen Mediums weiterziehen. \u2013 Die sechs Folgen sind (noch) auf der \u2192<a href=\"http:\/\/www.funkhauseuropa.de\/sendungen\/funkhaus_europa\/2009\/ski_index.phtml\">Internetseite von Funkhaus Europa<\/a> nachzuh\u00f6ren, eine CD-Ver\u00f6ffentlichung ist geplant.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SKI \u2013 Serie Krimi International: Eine Reihe von Story- und Figurenvorgaben und f\u00fcnf Versuche, sie in jeweils einst\u00fcndigen Kriminalh\u00f6rspielen weiterzuentwickeln. \u00dcber das tragf\u00e4hige Konzept und die Arbeiten von Merle Kr\u00f6ger und Norbert Horst wurde \u2192im ersten Teil unserer kleinen Studie berichtet. 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