{"id":21821,"date":"2009-11-30T11:27:29","date_gmt":"2009-11-30T11:27:29","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/11\/geht-alles\/"},"modified":"2022-06-12T23:51:17","modified_gmt":"2022-06-12T21:51:17","slug":"geht-alles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/11\/geht-alles\/","title":{"rendered":"Geht alles"},"content":{"rendered":"\n<p><em>&#8222;Das hei\u00dft, jede Entscheidung versch\u00fcttet M\u00f6glichkeiten, und dem kann man nach Feyerabend nur mit einem bedingungslos demokratischen Kulturverst\u00e4ndnis antworten. &#8220; \u2026 ich sagte, Die Kunst DES Volkes sei Dallas oder Jerry Cotton und da\u00df man erst diese studieren m\u00fcsse, wenn es einem daran gelegen sei, Kunst und Volk ein wenig n\u00e4her zu bringen&#8220;(&#8230;)&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Doch, das ist eine nette Erkenntnis, die Paul Feyerabend \u2192<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/print-archiv\/printressorts\/digi-artikel\/?ressort=li&amp;dig=2009%2F11%2F28%2Fa0207&amp;cHash=0996a87c69\">hier<\/a> hat. Feyerabend? Das ist der Mann, der &#8222;anything goes&#8220; als wissenschaftliche Maxime ausgegeben hat. Alles geht irgendwie, jede M\u00f6glichkeit ist es wert, durchdacht zu werden, die Frage ist nur: wie?<\/p>\n\n\n\n<p>Aber bei genauerer Betrachtung und unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Kriminalliteratur hat die Erkenntnis nat\u00fcrlich ihre T\u00fccken. Die Kunst des Volkes ist also, zum Beispiel, Jerry Cotton. Wer das nicht ernst nimmt, wird die Kunst nie zum Volk und das Volk nie zur Kunst bringen. Moment mal: Welche Kunst? Die hohe? Und was hei\u00dft &#8222;n\u00e4her bringen&#8220;? Sollten das beide Seiten nicht selbst schaffen? Die Kunst macht einen Schritt auf das Volk zu und das Volk einen Schritt auf die Kunst. Hm.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich also mit &#8222;der Kunst des Volkes&#8220; auseinandersetzt, sagen wir nicht nur mit Jerry Cotton, sondern generell mit Trivialliteratur, der sollte derjenige sein, der das Volk und die Kunst dazu animiert, diesen Schritt aufeinander zu zu machen. Die Kunst wird etwas trivialer, das Volk etwas weniger trivial. Und was ist trivial?<\/p>\n\n\n\n<p>Jerry Cotton; das wissen wir jetzt. Der soll auch gar nichts anderes sein, das ist also ehrliche Trivialit\u00e4t. Was aber ist mit dem &#8222;literarischen Krimi&#8220; von XY, der nat\u00fcrlich nicht trivial sein will und deshalb kein Krimi ist, sondern im Regelfall ein peinlicher Ritt durch s\u00e4mtliche Klischees der Hochliteratur? Horrorvorstellung: Da macht das Volk einen Schritt auf die Kunst zu und die Kunst einen Schritt auf das Volk, und am Ende sto\u00dfen sie beinahe mit den Nasen gegeneinander und das Ganze nennt sich dann &#8222;anspruchsvolle Kriminalliteratur&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber gut. Wir segeln hier ja im Gedenken an Paul Feyerabend unter der Flagge des &#8222;anything goes&#8220;. Und das muss auch bedeuten, Jerry Cotton zur Abwechslung mal nicht nur als &#8222;die Kunst des Volkes&#8220; zu bezeichnen, was per se abwertend ist, da es auch bedeutet, dass das Volk keine wahre Kunst hat, sondern ihr fern steht. Es muss auch bedeuten: Wenn ich mich mit den Trivia, dem Popul\u00e4ren besch\u00e4ftige, k\u00f6nnte am Ende herauskommen, dass das Volk gar nicht wei\u00df, in welche Richtung es seinen Schritt auf die Kunst zu machen muss, und die selber wei\u00df auch gar nicht, in welche Richtung sie gehen muss. Denn wo steht das Volk eigentlich?<\/p>\n\n\n\n<p>Und so weiter. Endlos. Geht alles. Richtungslos.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Das hei\u00dft, jede Entscheidung versch\u00fcttet M\u00f6glichkeiten, und dem kann man nach Feyerabend nur mit einem bedingungslos demokratischen Kulturverst\u00e4ndnis antworten. &#8220; \u2026 ich sagte, Die Kunst DES Volkes sei Dallas oder Jerry Cotton und da\u00df man erst diese studieren m\u00fcsse, wenn es einem daran gelegen sei, Kunst und Volk ein wenig n\u00e4her zu bringen&#8220;(&#8230;)&#8220;<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-21821","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21821","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21821"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21821\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21821"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21821"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21821"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}