{"id":21842,"date":"2010-01-12T13:59:02","date_gmt":"2010-01-12T13:59:02","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/01\/kathy-reichs-das-grab-ist-erst-der-anfang\/"},"modified":"2022-06-12T22:10:43","modified_gmt":"2022-06-12T20:10:43","slug":"kathy-reichs-das-grab-ist-erst-der-anfang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/01\/kathy-reichs-das-grab-ist-erst-der-anfang\/","title":{"rendered":"Kathy Reichs: Das Grab ist erst der Anfang"},"content":{"rendered":"\n<p><em>(Unsere Spezialistin f\u00fcr forensische Mahlzeiten, an denen man sich gerne die Finger verbrennt, jubelt. Kathy Reichs hat wieder zugeschlagen! Leider so, dass man schon nach wenigen Seiten in gn\u00e4dige Leseohnmacht f\u00e4llt. Aber lesen Sie selbst, wie <strong>Anna Veronica Wutschel<\/strong> en d\u00e9tail urteilt&#8230;)<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wozu eigentlich nervenaufreibende Spannung? Wozu tiefsinnige Ein- und Ansichten, wenn man den Leser auch mit einer seichten, gar simplen Story verw\u00f6hnen kann? Anscheinend dieser Devise folgend, l\u00e4sst Kathy Reichs ihr fiktives alter ego, die forensische Anthropologin Tempe Brennan, erneut durch ein tief verschneites Montreal und durch eine einduselnde Story schlittern. Zwar hat letztlich ein scheu\u00dflicher Gesell die h\u00f6chst lebendige Tempe ins Grab verbannt, doch verhei\u00dft die Lekt\u00fcre von <em>Das Grab ist erst der Anfang <\/em>f\u00fcr den Leser eher eine artige Erholungskur von Stress und Alltag.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei geht es &#8211; wie erw\u00e4hnt &#8211; dramatisch los: Als Tempe aus einer Ohnmacht erwacht, ist sie gefesselt, orientierungslos und in eisiger K\u00e4lte begraben. Wer ist der T\u00e4ter? Wo befindet sich Tempe? Wie lange liegt sie bereits unter der Erde? Und was soll das \u00fcberhaupt? Tempe hat keine Ahnung. Da derartige Lebendig-Begraben-Szenen generell nicht viel mehr hergeben als klaustrophobische Panik, vor allem, wenn sich das Opfer an nichts Vorausgegangenes erinnert, scheinen diese eingeschobenen Szenen allerdings lediglich wie ein winziger Kunstgriff, um kurvenreich gradlinig die letzten Wochen und Tage vor der Entf\u00fchrung abzuerz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die haben es nat\u00fcrlich in sich. Tempe wird nicht nur von einem anonymen B\u00f6sewicht verleumdet und bedroht, nein &#8211; auch ihr Assistent macht sich unbeliebt, eine eigentlich nicht kompetente Kollegin fingert in Tempes F\u00e4llen herum und weist ihr dabei Fehler \u00fcber Fehler nach. Der Chef f\u00e4llt Tempe in den R\u00fccken, ihr neuer Nachbar kann sie immer noch nicht leiden, und zu allem \u00dcbel verspeist sie auch noch ein verdorbenes Sandwich. Doch mit eiserner Kasernenhofdisziplin versucht Tempe, ihre Kompetenz unter Beweis zu stellen, schlie\u00dflich muss sie nicht nur um ihren Ruf als Expertin, sondern letztlich auch um ihr Leben bangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00dcbrigen wird zwischen netten Familientreffen und vielen Skeletten, deren Identit\u00e4t erforscht werden muss, auch noch ein Serienm\u00f6rder gejagt, der \u00e4ltere Frauen ganz hinterh\u00e4ltig abschlachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum zu glauben, dass bei so viel Aufregung weder Spannung noch Schwung in der Story aufflackern wollen. Neben vielen simplen Intrigen tischt Kathy Reichs vornehmlich das bekannte Liebesweh auf, das Tempe mit Lieutenant Detective Andrew Ryan verbindet. Und bietet selbstverst\u00e4ndlich etliche Einblicke in die Forensik, die gr\u00f6\u00dftenteils wie aus dem Lehrbuch heruntergeschrieben scheinen. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit altbew\u00e4hrten Mittelchen holpert sich Reichs durch den Rest des Textes: flapsige, auf cool getrimmte Dialoge, Ein-Wort-S\u00e4tze, die untereinander gereiht auf Tempo und Seitenzahl dr\u00fccken, sowie \u00fcberaus langatmige Beschreibungen von Landschaften und Mitmenschen. Vor allem an Letzteren m\u00e4kelt Tempe gern schnippisch herum, da sie nun einmal (das erinnert inzwischen sehr an Kay Scarpettas <em>R\u00fchr-Mich-Nicht-An-Universum<\/em>) von vielen Trotteln und M\u00f6chtegern-Experten umgeben ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt jedoch passiert recht wenig. W\u00e4hrend die Intrigen in der Endlosschleife kurven, wird Tempe von allen b\u00f6sen Geistern verfolgt. Derartig \u00fcberschaubare Einfachheiten k\u00f6nnten den Leser immer wieder geradewegs in die feinste Tiefenentspannung f\u00fchren. Damit man w\u00e4hrend der Lekt\u00fcre aber nicht versehentlich ganz ins Nickerchen absackt, bastelt Kathy Reichs gerissen Cliffhanger an das Ende eines jeden Kapitels, die unweigerlich zum Weiterlesen verf\u00fchren (sollen) &#8211; z. B.: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201cWow\u201d, sagte Miller. \u201cHeilige Schei\u00dfe\u201d, sagte ich. &#8211; <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>So schaukelt Kathy Reichs ihren 12. Thriller durch k\u00fcnstlich aufgepeitschte Wogen und treibt ihre Protagonistin geruhsam durch eine nat\u00fcrlich zutiefst berechtigte Paranoia. <\/p>\n\n\n\n<p><br \/>(Anna Veronica Wutschel)<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Kathy Reichs: Das Grab ist erst der Anfang. <br \/>Blessing 2009. 383 Seiten. 19,95 Euro. <br \/>(206 Bones. 2009. Deutsch von Klaus Berr)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Unsere Spezialistin f\u00fcr forensische Mahlzeiten, an denen man sich gerne die Finger verbrennt, jubelt. Kathy Reichs hat wieder zugeschlagen! Leider so, dass man schon nach wenigen Seiten in gn\u00e4dige Leseohnmacht f\u00e4llt. 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