{"id":21848,"date":"2010-01-25T11:17:56","date_gmt":"2010-01-25T11:17:56","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/01\/yrsa-sigurardottir-die-eisblaue-spur\/"},"modified":"2023-08-14T01:12:04","modified_gmt":"2023-08-13T23:12:04","slug":"yrsa-sigurardottir-die-eisblaue-spur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/01\/yrsa-sigurardottir-die-eisblaue-spur\/","title":{"rendered":"Yrsa Sigur&#273;ard\u00f3ttir: Die eisblaue Spur"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;Die eisblaue Spur&#8220; ist eines jener B\u00fccher, bei deren Lekt\u00fcre man Gott auf den Knien dankt, kein \u00dcbersetzer zu sein. Man transportiert aus dem Isl\u00e4ndischen ins Deutsche so wie man meinetwegen eine Fuhre Kartoffeln von M\u00fcnchen nach Hamburg schafft. Sich an die Verkehrsregeln halten, z\u00fcgig fahren, aber wissen, dass Kartoffeln ein relativ bed\u00fcrfnisloses Gut sind, dass auch schon mal einen Wackler vertr\u00e4gt. Ansonsten wird\u2019s eine recht langweilige Fahrt. Und die d\u00fcrfte auch \u00dcbersetzerin Tina Flecken beim Transport dieses Buches gehabt haben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Inhalt gerafft: Auf einer isl\u00e4ndischen Forschungsstation im Gr\u00f6nl\u00e4ndischen Eis sind drei Mitarbeiter verschwunden. Der Rest der Mannschaft hat die Station danach unter Protest verlassen, die Arbeit liegt brach, was betr\u00e4chtliche Konsequenzen f\u00fcr die Firma, ihre Bank und Versicherung haben kann. Also schickt man die Rechtsanw\u00e4ltin Dora, ihren deutschen Freund, den Expolizisten Matthias, ehemalige Mitarbeiter und andere zur Forschungsstation, damit sie nach dem Rechten sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>So weit so banal. Warum sich die gr\u00f6nl\u00e4ndische Polizei des Falles nicht annimmt? Angeblich ist sie ziemlich desinteressiert. Dass sie sp\u00e4ter ganz ordentliche Arbeit leistet, ist also gelinde gesagt mysteri\u00f6s. Und warum befragt man die nach Island zur\u00fcckgekehrten MitarbeiterInnen nicht? Hier ist die Antwort leicht: Weil dann der Fall nach h\u00f6chstens 50 Seiten gekl\u00e4rt worden w\u00e4re und selbst der dreisteste Verlag darauf mit dem gro\u00dfz\u00fcgigsten Satzspiegel kein Buch h\u00e4tte machen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es sehr viel gr\u00f6nl\u00e4ndische Landschaft und sehr viel arktisches Wetter. Es gibt die Probleme und Mythen der Ureinwohner, ein wenig Alkoholmissbrauch, Homosexualit\u00e4t und Mobbing im tragischen Dreierpack, es gibt menschliche Abgr\u00fcnde und den ganzen Rest, den man schon kennt. Irgendwann hofft man auf S\u00e4tze jenseits des Erwarteten, aber sie kommen nicht. Das Buch liest sich nicht schlecht, wenn drau\u00dfen Schnee liegt und der Wind pfeift. Aber irgendwie ist es spannender, selber aus dem Fenster zu gucken und sich anzuschauen, wie da drau\u00dfen Schnee liegt und der Wind pfeift.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schlimme n\u00e4mlich ist: Man glaubt die Geschichte einfach nicht. Allzu konstruiert, allzu bekannt, allzu viel Dokumentarfilm-Folklore. Man liest sich mechanisch durch, nichts an dem man sich erfreuen k\u00f6nnte, man ahnt, dass hier Einfachst-Isl\u00e4ndisch in Einfachst-Deutsch \u00fcbersetzt werden musste, was auch halbwegs gelungen ist. Eine gute Nachricht f\u00fcr Leute also, die die Sprache in Krimis eh als st\u00f6rendes Element empfinden. Alle anderen werden das Buch nach wenigen Seiten aus der Hand legen \u2013 wenn sie es nicht lesen, weil bei ihnen eben gerade kein Schnee liegt und kein Wind pfeift.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Yrsa Sigur\u0111ard\u00f3ttir: Die eisblaue Spur <br \/>(Au\u00f0nin, 2008. Deutsch von Tina Flecken). <br \/>339 Seiten. 8,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die eisblaue Spur&#8220; ist eines jener B\u00fccher, bei deren Lekt\u00fcre man Gott auf den Knien dankt, kein \u00dcbersetzer zu sein. Man transportiert aus dem Isl\u00e4ndischen ins Deutsche so wie man meinetwegen eine Fuhre Kartoffeln von M\u00fcnchen nach Hamburg schafft. 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