{"id":21864,"date":"2010-02-22T17:18:23","date_gmt":"2010-02-22T17:18:23","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/02\/fred-vargas-der-verbotene-ort-avw\/"},"modified":"2022-06-17T23:37:42","modified_gmt":"2022-06-17T21:37:42","slug":"fred-vargas-der-verbotene-ort-avw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/02\/fred-vargas-der-verbotene-ort-avw\/","title":{"rendered":"Fred Vargas: Der verbotene Ort (avw)"},"content":{"rendered":"\n<p><em>(Seit Anna Veronica Wutschel als Leiterin der Abteilung Qualit\u00e4tskontrolle bei wtd t\u00e4tig ist, j\u00e4tet sie unerm\u00fcdlich im Rezensionsweinberg des Herrn dpr. Alle vollst\u00e4ndig misslungenen Besprechungen des Chefs m\u00fcssen durch eine fachkundige austariert werden, \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2009\/05\/fred-vargas-der-verbotene-ort.php\">Fred Vargas<\/a> macht den Anfang. Wurde aber auch Zeit&#8230;)<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201cWas hei\u00dft das, Plog?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Das k\u00f6nnte ein Name sein. Die Ur-Form eines Namens. Oder auch ein Wort, das bis eben noch nichts oder alles in sich einschloss. Und somit F\u00fcnkchen von Wahrheit oder Wirklichkeit einfangen k\u00f6nnte &#8211; f\u00fcr den, der es ausspricht, und f\u00fcr den, der den Sinn aufnimmt. Logisch &#8211; da kann ein Plog immer nur ein echter Plog sein, oder eben nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich an derartigen Spielereien mit Festlegungen, Zuschreibungen, Verk\u00f6rperung und Performanz, an Spielarten von Relativit\u00e4t und Gewissheit erfreuen kann, wird einen Vargas immer zu sch\u00e4tzen wissen. Schwelgerisch skurril, ebenso dingfest wie sinnlich unterl\u00e4uft Vargas unbeschwert Grenzen von Normalit\u00e4t und Realit\u00e4t, von Klischees und Kategorien, durch die sie sich hindurchschachtet, um sie als ebenso gerechtfertigt wie belanglos gebrechlich hinter sich zu lassen. Viel Sinn liegt da im Unglaubbaren, viel Wundersames im Verb\u00fcrgten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cDer Verbotene Ort\u201d erz\u00e4hlt von scheu\u00dflich blutigen Verbrechen, gr\u00e4bt in Geschichte und Mythologie und brilliert in seinem absolut klug-verdrehten Erz\u00e4hlstil. Der Plot indes hat sich nicht ganz so \u00fcberzeugend ineinander schichten lassen wollen, der Fall f\u00e4hrt wenig Spannung auf, und die Story um Vampire besticht nicht eben durch Schauerlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Polizeikongress f\u00fchrt Kommissar Adamsberg nach London. Doch statt ernsthaft \u00fcber die \u2018Harmonisierung\u2019 von Migrationsstr\u00f6men zu debattieren, zieht Adamsberg den Spaziergang vor. Und trifft bei einem seiner n\u00e4chtlichen Ausfl\u00fcge auf siebzehn Paar Schuhe, in denen siebzehn am Kn\u00f6chel sauber abgetrennte Paar F\u00fc\u00dfe stecken. Als w\u00e4re dies nicht makaber genug, scheint diese ausgesetzte Schuh-Sammlung auch noch auf den ber\u00fcchtigten (Kult-)Friedhof Highgate zuzusteuern.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2018Sache der Engl\u00e4nder\u2019, befindet Adamsberg und sieht sich, kaum nach Paris zur\u00fcckgekehrt, mit einem weiteren entsetzlichen Verbrechen konfrontiert. Ein \u00e4lterer Herr mit vielen Feinden wurde nicht einfach get\u00f6tet. Er wurde zerst\u00fcckelt, zerkr\u00fcmelt und dann in kleinsten Teilchen am Tatort verstreut. Bald wird sich herausstellen, dass der T\u00e4ter dabei weniger in fanatisch wilder Zerst\u00f6rungswut agierte, sondern vielmehr einem undurchschaubaren Muster, einem Ritual, folgte. Es gibt weitere Tote und Mordanschl\u00e4ge. Danglard, Adamsbergs weiser Kollege, glaubt unter den in London entdeckten Schuhen ein Paar seines verstorbenen Onkels zu erkennen. Und ein manipuliertes (Medien-)Fiasko beschert Adamsberg ganz unvermutet Familienzuwachs. Zudem ersch\u00fcttert den Kommissar die Einsicht zutiefst, dass er von h\u00f6chsten Stellen sabotiert wird, doch l\u00e4sst er sich nicht so leicht irritieren und begibt sich auf eine Reise nach Serbien: dorthin, wo Danglards Onkel lebte, wo das Motiv des M\u00f6rders verborgen liegen k\u00f6nnte, wo aller Vampirismus seinen Ursprung nahm.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel Arbeit f\u00fcr die altbew\u00e4hrte Truppe der Brigade criminelle, deren Mitglieder sich in alle m\u00f6glichen Ticks und Spleens aufgeteilt haben. Inbr\u00fcnstig verschw\u00f6rerische \u00c4rzte, \u00c4rzte mit \u2018goldenen\u2019 Heilh\u00e4nden, die die Psyche im Knochenger\u00fcst nicht nur ertasten, sondern auch richten k\u00f6nnen, sympathische Schl\u00e4gertypen und vom Schicksal gequ\u00e4lte T\u00e4ter kreuzen ihren Weg. Vielerlei Liebesangelegenheiten, unz\u00e4hlige Handlungsblockaden und eine jahrhundertealte Geschichte von Blutrache verkomplizieren den Gang der Ermittlungen.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u201cDer Verbotene Ort\u201d verzaubert Vargas erneut durch verquere Verstiegenheiten, ungewiss wunderbare Begebenheiten, gro\u00dfartige Figuren-Retuschierung und absurd-sinnige Dialoge. Vielerlei H\u00e4ppchen von Wirklichkeit werden zwischen Phantasie und Phantastik gestreut, um ebenso m\u00e4rchen- wie traumhaft Realit\u00e4t ausfindig zu machen. Der Vampir-Fall verheddert sich leider in seinen zahlreich ausgelegten, aber nie sehr spannenden, nie unheimlichen Blut-Schlingen. La Vargas legt keine neuen Saiten auf, doch spielt sie mit Altbew\u00e4hrtem so meisterhaft leicht und elegant wie eh und je. So gesehen: Magnifique ! Oder eben: Plog.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Fred Vargas: Der verbotene Ort. <br \/>Aufbau 2009 <br \/>(Un lieu incertain, 2008. Deutsch von Waltraud Schwarze). <br \/>423 Seiten. 19,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Seit Anna Veronica Wutschel als Leiterin der Abteilung Qualit\u00e4tskontrolle bei wtd t\u00e4tig ist, j\u00e4tet sie unerm\u00fcdlich im Rezensionsweinberg des Herrn dpr. Alle vollst\u00e4ndig misslungenen Besprechungen des Chefs m\u00fcssen durch eine fachkundige austariert werden, \u2192Fred Vargas macht den Anfang. 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