{"id":21909,"date":"2010-08-06T10:05:49","date_gmt":"2010-08-06T10:05:49","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/08\/wolfgang-bitburger-rests-in-pieces\/"},"modified":"2022-06-13T00:13:00","modified_gmt":"2022-06-12T22:13:00","slug":"wolfgang-bitburger-rests-in-pieces","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/08\/wolfgang-bitburger-rests-in-pieces\/","title":{"rendered":"Wolfgang Bitburger rests in pieces"},"content":{"rendered":"\n<p>Wolfgang Bitburger, der Doyen der deutschen Krimikritik, ist tot. Der bei Kollegen wie Autoren wegen seiner stets kenntnisreichen und ausgewogenen Rezensionen gleicherma\u00dfen gesch\u00e4tzte Bitburger verstarb gestern im Alter von 89 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls, den er bereits im Fr\u00fchjahr w\u00e4hrend der Tagung &#8222;Krimikritik \u2013 Fluch oder Segen oder beides?&#8220; in Bad Krotzingen erlitten hatte. &#8222;Wir verlieren einen Gentleman der liebevollen Krimianalyse&#8220;, heisst es in einem Nachruf des &#8222;Itzehoer Volksboten&#8220;, f\u00fcr den Bitburger ebenso schrieb wie f\u00fcr andere Massenmedien.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>as indes bis heute niemand wusste: Zu jeder Rezension, die Bitburger verfasste, gibt es eine Alternativversion, die der Kritiker in einem geheimen Ordner auf seinem Laptop verbarg, um sie, wie er es selbst formulierte, &#8222;hundert Jahre nach meinem Tod zu ver\u00f6ffentlichen, wenn das hierzulande schwelende Krimiarschlochtum den Weg allen Krimiarschlochtums gegangen ist, n\u00e4mlich direktemang in die Urne des Vergessens&#8220;. Klare Worte, die schockieren. War Bitburger shizophren? Oder ist es die Krimiszene, die einen klardenkenden Menschen in die Psychose zu treiben vermag? Wir wissen es nicht. Obwohl noch keine hundert Jahre seit Bitburgers Tod verflossen sind, wohl aber bald 100 Stunden, ver\u00f6ffentlichen wir exklusiv einige Ausz\u00fcge aus den Alternativrezensionen. Jeden Hinweis auf konkrete Personen haben wir selbstverst\u00e4ndlich anonymisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;&#8230; Schnallenprosa. Wer sagt cdt35f endlich einmal, dass Menstruation nicht mit Motivation verwechselt werden darf? Wer sch\u00fctzt uns f\u00fcrderhin vor den Erg\u00fcssen einer Frau, in die sich l\u00e4ngst nichts mehr ergie\u00dft?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Sein neuer Roman ist wie der alte, n\u00e4mlich so alt, dass selbst ich nicht mehr wei\u00df, wo er ihn abgeschrieben hat. Dass hier die indirekte Rede fr\u00f6hliche Urst\u00e4nd feiert, freut uns. Noch mehr w\u00fcrde uns freuen, hielte der Autor endlich einmal ganz direkt die Schnauze.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Es gibt Menschen, die mit Staubsaugern Sex haben. 56tur3 hat mit Kriminalliteratur Sex. Die kann sich dagegen ebenso wenig wehren wie ein Staubsauger. Gerechterweise \u00e4hnelt das Bild des Orgasmus eher einem tropfenden Wasserhahn denn einer Eruption.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Dieser Kriminalroman hat alles, was ein deutscher Kriminalroman heutzutage braucht: Ein h\u00e4ssliches Cover, einen zwergendeutschen Klappentext und die \u00fcbliche Empfehlung des Gro\u00dfkritikers gj6jtur, der f\u00fcr Geld auch die Beipackzettel von Kopfschmerztabletten mit der Prosa von Patricia Highsmith vergleichen w\u00fcrde.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Es gibt S\u00e4tze, die einen umhauen. Es gibt sogar S\u00e4tze, die werden geschrieben, um zu t\u00f6ten. Im neuen Kriminalroman von vbn549 finden wir S\u00e4tze, die einen umhauen, weil sie schon tot waren, bevor sie geschrieben wurden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Fr\u00fcher einmal beherrschten selbst Groschenschreiber die Syntax der deutschen Sprache. Heutzutage halten Krimischreiber Syntax f\u00fcr einen griechischen Badeort und die deutsche Sprache f\u00fcr etwas, mit dem man dort eine Schweinshaxe bestellen kann.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ostasiatische Philosophien kennen das Nirvana. Deutsche Krimiautoren erschaffen es jeden Tag aufs Neue.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Liest man zwischen den Zeilen des neuen Thrillers von 5ijzu6, wird man \u00fcberrascht sein, dass sich dort genau das findet wie in den Zeilen. N\u00e4mlich nichts.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Dieser Krimi ist wie eine h\u00e4ssliche Frau. Du kannst ihm nur beiwohnen, wenn das Licht aus ist.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich frage mich, warum Leute Krimis schreiben, bevor sie ihren Namen schreiben k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Grad f\u00e4hrt drau\u00dfen die M\u00fcllabfuhr vorbei. Ich lese diesen sogenannten Kriminalroman. Ich schaue den M\u00e4nnern nach, die die Tonnen wegrollen. Was f\u00fcr ein ehrenwerter Beruf. Und hier sitzt jemand, der nicht mehr will und beurteilt einen, der es nicht kann, aber etwas wollte, was jetzt nicht mal mehr die M\u00fcllabfuhr mitnimmt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Bitburger, der Doyen der deutschen Krimikritik, ist tot. 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