{"id":21910,"date":"2010-08-09T10:30:18","date_gmt":"2010-08-09T10:30:18","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/08\/robert-b-parker-alte-wunden\/"},"modified":"2022-06-17T22:11:19","modified_gmt":"2022-06-17T20:11:19","slug":"robert-b-parker-alte-wunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/08\/robert-b-parker-alte-wunden\/","title":{"rendered":"Robert B. Parker: Alte Wunden"},"content":{"rendered":"\n<form class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2010\/cover\/parker.jpg\" alt=\"parker.jpg\" width=\"180\" height=\"299\"\/><\/form>\n\n\n\n<p>Ein neuer Auftrag f\u00fcr Spenser (na ja, im Original von 2003) und die alten Reflexe. Nichts zu bem\u00e4ngeln, Kriminalliteratur auf bestem Unterhaltungsniveau, gute Bekannte, die tun, was sie schon immer getan haben. Ein Bank\u00fcberfall von 1974, bei dem eine scheinbar Unbeteiligte erschossen wurde, sorgt diesmal f\u00fcr &#8222;alte Wunden&#8220;, als die Tochter der Get\u00f6teten Spenser um Aufkl\u00e4rung bittet. Die Aktion war von einer &#8222;studentischen Aktionsgruppe&#8220; durchgef\u00fchrt worden und rasch zeigt sich, dass alte Wunden, wenn sie aufbrechen, schnell zu neuen f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ja doch, hier wimmelt es nur so von Klischees. Sie sind teils den genreeignen Schubladen f\u00fcr hartgesottene Detektive entnommen, teils den Gesetzen der Serie geschuldet, die eben auf Redundanzen setzen muss. Spenser ist Spenser, seine Entourage ebenfalls gute Bekannte. Man kommt f\u00fcr knapp \u00fcber 200 Seiten mit ihnen zusammen, verlebt einen netten Abend und trennt sich dann wieder, diesmal jedoch im beunruhigenden Wissen, dass es bald ein Ende haben wird. Denn Robert B. Parker ist vor ein paar Monaten verstorben, wir warten auf die letzten \u00dcbersetzungen und suchen uns dann einen neuen Hort des Erwartbaren.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Kriminalliteratur ist es ja schon merkw\u00fcrdig. Entweder wollen wir das Neue oder das Alte, das Irritierende oder das Vertraute, die Umsetzung s\u00e4mtlicher &#8222;Genregesetze&#8220; oder deren permanenten Bruch. Und immer steht im Zentrum das Klischee, so auch in dieser Spenser-Episode. Aber, und das unterscheidet Parkers Arbeitsweise angenehm von der \u00fcblichen epigonalen Klonerie, diese Klischees triefen nicht aus den Poren eines in jeder Hinsicht aufgeblasenen Textkorpus. Sie besitzen Form, sie kennen ihre Grenzen und halten sich daran.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine wesentliche Rolle spielen dabei die Dialoge, screwballeske Selbstironie inklusive, gleichzeitig Verschnaufpausen der wie stets wacker voranschreitenden Handlung. Bei der Parker nat\u00fcrlich nicht mit den Tricks eines jahrzehntelangen Berufslebens spart. Dass Spenser \u00fcberhaupt Fahrt aufnimmt, auf Spuren gesetzt wird und letztlich den Fall l\u00f6st, verdankt er doofen Ganoven, die ihn fr\u00fchzeitig und ohne Not piesacken. H\u00e4tten sie es gelassen, Spenser drehte sich wahrscheinlich immer noch im Kreis. Es wird munter gemordet, mal drei, mal zwei B\u00f6sewichte bei\u00dfen ins Gras, ohne dass es irgendjemanden gro\u00df scheren w\u00fcrde. So ist das halt im Spenser-Kosmos.<\/p>\n\n\n\n<p>Das mag aufgesetzt sein, funktioniert aber, weil es dem ebenfalls stark klischeeverd\u00e4chtigen Fall \u2013 die politische Situation in den 70ern, Terroristen, die l\u00e4ngst im B\u00fcrgerlichen angekommen sind, wir kennen das selbst zur Gen\u00fcge aus der 68er-Diskussion \u2013 sofort die ideologisch verbr\u00e4mte Spitze nimmt. Hier geht es um Verbrechen und Verbrecher, das ist auf beinahe r\u00fchrende Weise altmodisch, aber auch erfrischend frei von moralischen Gesten. Parkers Romane sind selbst dann, wenn sie ein wenig zu routiniert daherkommen, immer auch Zeuge einer urspr\u00fcnglichen Kraft von Kriminalliteratur. Reduziert auf das Wesentliche, beinahe wortkarg, eine zu Spannung destillierte Menschentypologie.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist, noch einmal, nicht neu, es ist alte Schule, Teil eines roten Fadens, der sich durch die Kriminalliteratur zieht, nichts, das uns aufr\u00fcttelt, ein Bummel \u00fcber den j\u00e4hrlich stattfindenden Jahrmarkt. Und die Zuckerwatte schmeckt auch diesmal.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Robert B. Parker: Alte Wunden. <br \/>Pendragon 2010 (Back Story. 2003). <br \/>Deutsch von Emanuel Bergmann. <br \/>221 Seiten. 9,95 Euro<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein neuer Auftrag f\u00fcr Spenser (na ja, im Original von 2003) und die alten Reflexe. Nichts zu bem\u00e4ngeln, Kriminalliteratur auf bestem Unterhaltungsniveau, gute Bekannte, die tun, was sie schon immer getan haben. 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