{"id":21914,"date":"2010-08-23T09:16:30","date_gmt":"2010-08-23T09:16:30","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/08\/schlachteplatte-01-10\/"},"modified":"2022-06-18T02:24:40","modified_gmt":"2022-06-18T00:24:40","slug":"schlachteplatte-01-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/08\/schlachteplatte-01-10\/","title":{"rendered":"Schlachteplatte 01.10"},"content":{"rendered":"\n<p><em>(Im Hause Wutschel hat man sich einer alten l\u00e4ndlichen Tradition erinnert, der Hausschlachtung. Wo aber fr\u00fcher Nutztiere unters Messer kamen und lecker Wellfleisch, Blut- und Leberwurst etc. hergeben mussten, zerlegt Hausherrin Anna Veronica Wutschel ab sofort s\u00fc\u00dfe kleine Krimis in handlich-appetitlich-krimikritische Portionshappen. Deftig, naturbelassen, wohlschmeckend.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Ein ganzer Harem junger M\u00e4dchen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2010\/cover\/SP1.jpg\" alt=\"SP1.jpg\" width=\"197\" height=\"299\"\/>\n\n\n\n<p>gefangen in einem Verlies. Ein in mehrfacher Hinsicht \u00e4u\u00dferst ambitionierter M\u00f6rder und ein Ermittler, der pers\u00f6nlich betroffen ist. Das kennt man bereits? Das hat man l\u00e4ngst gelesen? Jilliane Hoffman, ehemalige Staatsanw\u00e4ltin, scheint ihren B\u00fccherbestand durchgegangen zu sein und wie ein phantasieloser Buchhalter Bilanz gezogen zu haben. Sie arrangiert viel Herzschmerz um das Verschwinden von Teenagern, um ihr eigentlich ernstes Thema P\u00e4dophilie und die Gefahren des Internets. Doch legt die Autorin dabei so lieblos falsche F\u00e4hrten um Pinsel schwingende Herren, schustert derart verwunderliche Motive f\u00fcr die Handlungen des T\u00e4ters zusammen, als habe sie bereits beim Entwerfen des Textes das Interesse an eben diesem verlassen. So liest sich <em>M\u00e4dchenf\u00e4nger<\/em> wie ein ebenso berechenbares wie erm\u00fcdendes Man\u00f6ver aus Fakten, Kitsch und obsz\u00f6ner Brutalit\u00e4t &#8211; wie die karge Imitation eines Bestsellers.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><em>Jilliane Hoffman: M\u00e4dchenf\u00e4nger. <\/em><br \/><em>Wunderlich 2010 <\/em><br \/><em>(Pretty Little Things, 2010. Deutsch von Sophie Zeitz). <\/em><br \/><em>464 Seiten. 19,95 Euro. <\/em><\/pre>\n\n\n\n<p><strong>Nur eine simple Masche <\/strong><\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2010\/cover\/SP2.jpg\" alt=\"SP2.jpg\" width=\"196\" height=\"300\"\/>\n\n\n\n<p>scheint Jonathan Nasaw clever b\u00f6se aufzuziehen. Dabei kn\u00f6pft er sich die Realit\u00e4t so knallhart, so tragikomisch vor, als schriebe er mit gewetzten Krallen. Der 15-j\u00e4hrige Little Luke erlebt Entsetzliches &#8211; nach dem ersch\u00fctternden Selbstmord seiner h\u00f6chst kriminellen Eltern, beginnt f\u00fcr ihn eine Odyssee, bei der Tote seinen Fluchtweg pflastern. Auch Special-Agent E. L. Pender, der kahle H\u00fcne mit dem t\u00f6dlich schlechten Mode-Geschmack, muss einiges verdauen, musste er sich doch in seinen letzten beiden F\u00e4llen eine Menge Snuff-Movies ansehen. Etwas Ablenkung ist vonn\u00f6ten, und da trifft es sich gut, dass er tanztechnisch einiges drauf hat und so die eine oder andere Dame zwischen seine Laken k\u00f6dern kann. Die entspannte Lage schl\u00e4gt jedoch um, als sich Little Luke, ein moderner Candide \u00fcbrigens, der durch die schlechteste aller Welten gejagt wurde, entschlie\u00dft, f\u00fcr alles ihm angetane \u00dcbel Rache zu nehmen. Keine Frage, dass auch Pender ganz oben auf seiner Todesliste steht. Wer aber in Penders Sandkasten Unruhe stiften will, sollte gewieft sein. Doch wie es scheint, hat Little Luke l\u00e4ngst alle D\u00fcsternis des Infernalischen hinter sich gelassen. Nasaw beweist erneut, was f\u00fcr ein Verpackungsk\u00fcnstler er ist: Unter dem erbarmungslos B\u00f6sen, dem heftig Spektakul\u00e4ren verbirgt sich das Chaos des Verletzlichen. So wird <em>Der Sohn des Teufels<\/em> zu einem cool rasanten, abgr\u00fcndigen Thriller-Trip!<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><em>Jonathan Nasaw: Der Sohn des Teufels. <\/em><br \/><em>Heyne 2010 <\/em><br \/><em>(The Boys From Santa Cruz 2010. Deutsch von Jochen Stremmel). <\/em><br \/><em>493 Seiten. 9,95 Euro. <\/em><\/pre>\n\n\n\n<p><strong>Schwer lastende Bedrohlichkeiten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2010\/cover\/SP3.jpeg\" alt=\"SP3.jpeg\" width=\"197\" height=\"293\"\/>\n\n\n\n<p>liegen auf der Szenerie. Im Berlin der sp\u00e4ten 70er behauptet eine Mutter, das Kind, das man ihr \u00fcbergibt, sei nicht ihr eigenes &#8211; doch niemand will ihr glauben.<br \/>Gut 30 Jahre sp\u00e4ter erwacht eine junge Frau in Edinburgh v\u00f6llig benebelt und mit aufgeschnittenen Pulsadern &#8211; doch die Theorie vom Selbstmord verweigert sie strikt. Wie Zo\u00eb Beck (aka Henrike Heiland) ihre Story um (Eltern-)Liebe, Zuneigung, Abstammung, um Realit\u00e4t und Paranoia clever \u00fcber solch gro\u00dfe Zeitspanne konstruiert, ist beeindruckend. Dennoch &#8211; irgendwie scheinen die Figuren der x-ten Folge einer Vorabend-Soap entsprungen, nachdem l\u00e4ngst alle erdenklichen Plots und Konstellationen durchgeackert worden sind. Ein Quotenpusher muss her, ein chicer Styling-Clou: Der nicht vor der Schmalspur des Aberwitzig-Dramatisch-Banalen zur\u00fcckschreckt und mit detailsicheren Beobachtungen ebenso auf Extravaganz wie auf Konsens zielt. Etwas l\u00e4ssiger, etwas weniger am Bestseller orientiert erz\u00e4hlt, w\u00e4re <em>Das alte Kind <\/em>&#8211; das nicht mit Charlotte Links <em>Das andere Kind <\/em>verwechselt werden will &#8211; durchaus ein Must-Have der Saison. Wie dieser verf\u00fchrerisch gef\u00e4hrliche, gr\u00fcn-goldene Brokatmantel!<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><em>Zo\u00eb Beck: Das alte Kind. <\/em><br \/><em>Bastei-L\u00fcbbe 2010. 302 Seiten. 7,99 Euro. <\/em><\/pre>\n\n\n\n<p><strong>Ein kleines Meisterst\u00fcck<\/strong><\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2010\/cover\/SP4.jpg\" alt=\"SP4.jpg\" width=\"197\" height=\"339\"\/>\n\n\n\n<p>der Kompositionskunst liefert Deon Meyer. Nur <em>Dreizehn Stunden<\/em> &#8211; wie der Titel es besagt &#8211; stehen Bennie Griessel zur Verf\u00fcgung, um zwei Morde aufzukl\u00e4ren: Ein ber\u00fchmter Musikproduzent wurde erschossen, einer amerikanischen Touristin die Kehle durchgeschnitten. Eigentlich soll Griessel die Aufkl\u00e4rung dieser beiden F\u00e4lle, die j\u00fcngeren Kollegen \u00fcbertragen wurden, lediglich als Mentor begleiten. Doch bald l\u00e4uft alles aus dem Ruder, vor allem als sich herausstellt, dass eine weitere Touristin von einer hartn\u00e4ckig m\u00f6rderischen Bande immer noch in und um Kapstadt gejagt wird. \u00dcber all diesem Schlamassel liegen Griessels private Probleme, die ihn &#8211; h\u00e4tte er nur die Zeit dazu &#8211; qu\u00e4len. Aber immerhin &#8211; obwohl der Polizeiapparat hei\u00dfl\u00e4uft und unter enormem (Zeit-)Druck agiert, bleibt noch ein Min\u00fctchen, um Griessel zum Kaptein zu bef\u00f6rdern. Deon Meyer wei\u00df mit purem Terror, rasanter Action sowie tiefgr\u00fcndigen Emotionen und ganz leisen T\u00f6nen wie spielerisch zu jonglieren. Dabei seziert er all die Hoffnungen, den Rassismus, die Angst und Ignoranz, die Profitgier und andere Beschr\u00e4nkungen einer Gesellschaft. <em>Dreizehn Stunden<\/em> ist klug und spannend &#8211; ein sich virtuos entfaltendes Furioso.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><em>Deon Meyer: Dreizehn Stunden. '<\/em>\n<em>R\u00fctten &amp; Loening 2010 (13 Uur, 2009. Deutsch von Stefanie Sch\u00e4fer). <\/em>\n<em>470 Seiten. 19,95 Euro. <\/em><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Im Hause Wutschel hat man sich einer alten l\u00e4ndlichen Tradition erinnert, der Hausschlachtung. Wo aber fr\u00fcher Nutztiere unters Messer kamen und lecker Wellfleisch, Blut- und Leberwurst etc. hergeben mussten, zerlegt Hausherrin Anna Veronica Wutschel ab sofort s\u00fc\u00dfe kleine Krimis in handlich-appetitlich-krimikritische Portionshappen. 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