{"id":21915,"date":"2010-08-18T08:43:13","date_gmt":"2010-08-18T08:43:13","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/08\/nii-parkes-die-spur-des-bienenfressers\/"},"modified":"2022-06-13T02:31:38","modified_gmt":"2022-06-13T00:31:38","slug":"nii-parkes-die-spur-des-bienenfressers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/08\/nii-parkes-die-spur-des-bienenfressers\/","title":{"rendered":"Nii Parkes: Die Spur des Bienenfressers"},"content":{"rendered":"\n<p>Beginnen wir mit einer Falschmeldung: Der Afrikakrimi boomt. Oje. Nat\u00fcrlich nicht. Was fr\u00f6hlich hypt, ist der S\u00fcdafrikakrimi und auch das ist wohl schon pass\u00e9, nachdem es sich fu\u00dfball- und tr\u00f6tenm\u00e4\u00dfig ausgehypt hat. Und Afrikakrimi? Nun ja. Der moderne Kriminalroman, wie man ihn allerorten mehr oder weniger routiniert runterschreibt. Also kein Afrikakrimi. Daf\u00fcr, wenigstens in kleinen Dosen gereicht, eine Art Abkehr vom amerikanisch-europ\u00e4isch gepr\u00e4gten Ratiokrimi. Nach Vamba Sherifs \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2009\/08\/vamba-sherif-geheimauftrag-in-wologizi.php\">&#8222;Geheimauftrag in Wologizi&#8220;<\/a> jetzt Nii Parkes mit &#8222;Die Spur des Blenenfressers&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<form class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2010\/cover\/parkes.jpg\" alt=\"parkes.jpg\" width=\"180\" height=\"299\"\/><\/form>\n\n\n\n<p>Der Anfang ist klassisch und schafft dadurch die richtige Fallh\u00f6he. In einem kleinen ghanaischen Dorf wird in einer H\u00fctte ein &#8222;Etwas&#8220; entdeckt. Nachgeburt? Teile eines Menschen? Man wei\u00df es nicht, aber der korrupte Polizeichef will es aus Karrieregr\u00fcnden wissen. Er dr\u00e4ngt den Pathologen Kayo, sich des Falles anzunehmen, wobei dr\u00e4ngen wohl das falsche Wort ist. Er setzt ihn unter Druck und demonstriert die Allmacht und Willk\u00fcr der Polizeiorgane. Kayo reist also zum Tatort und macht sich daran, den gew\u00fcnschten &#8222;CSI-Bericht&#8220; zu verfertigen. Man erwartet von ihm nicht die Wahrheit, sondern etwas politisch Verwertbares, einen &#8222;internationalen Fall&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam mit seinem Gehilfen und Aufpasser, dem Polizisten Garba, zieht es Kayo fortan immer tiefer in die l\u00e4ndliche Welt. Ein alter J\u00e4ger, ein Medizinmann, ein h\u00fcbsches M\u00e4dchen \u2013 Geschichten werden erz\u00e4hlt, Geister beschworen und Mythen in die Wirklichkeit der Moderne \u00fcbersetzt. Doch so wie sich diese Moderne mit den Traditionen nicht vers\u00f6hnen l\u00e4sst, so auch nicht deren Wahrheiten. Und so gibt es am Ende zwei davon. Die eine befriedigt die Polizei, der Kayo den gew\u00fcnschten &#8222;internationalen Fall&#8220; serviert, die andere l\u00e4sst sich weder von Kayo noch von den Lesern fassen, doch sie ahnen, dass diese &#8222;Wahrheit&#8220;, mag sie auch bar aller rationalen Logik sein, den Ereignissen am ehesten gerecht wird.<\/p>\n\n\n\n<p>So endet das Buch mit der Erkenntnis, ein Krimi d\u00fcrfe durchaus das Ziel haben, uns sein Initialgeheimnis vorzuenthalten oder es durch ein anderes, noch gr\u00f6\u00dferes Geheimnis zu ersetzen. Das hat, nebenbei, nichts mit dem beliebten \u00fcbersinnlichen &#8222;mystery&#8220; zu tun, das gelegentlich als Krimi mit esoterischem Mehrwert feilgeboten wird. &#8222;Die Spur des Bienenfressers&#8220; f\u00fchrt schnurstracks durch die Geheimnislosigkeit der heutigen Zust\u00e4nde in die Erz\u00e4hlungen der Vergangenheit. Und, man staune, irrational ist dabei genau dieses Heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal: Afrikakrimis? Wenn sich die Reibungen des Kontinents, diese st\u00e4ndige Ersch\u00fcttern durch den Konflikt von Moderne und Tradition, weiterhin in gelungene Kriminalliteratur \u00fcbersetzen lassen, dann bekommen wir ihn vielleicht, den Afrikakrimi. Und das Spannendste daran: Wir m\u00fcssen &#8222;Krimi&#8220; neu lesen lernen. Also wenn das nicht reizt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Nii Parkes: Die Spur des Bienenfressers. <br \/>Unionsverlag 2010 <br \/>(Tail of the Blue Bird. 2009). Deutsch von Uta Goridis. <br \/>221 Seiten. 16,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beginnen wir mit einer Falschmeldung: Der Afrikakrimi boomt. Oje. Nat\u00fcrlich nicht. Was fr\u00f6hlich hypt, ist der S\u00fcdafrikakrimi und auch das ist wohl schon pass\u00e9, nachdem es sich fu\u00dfball- und tr\u00f6tenm\u00e4\u00dfig ausgehypt hat. Und Afrikakrimi? Nun ja. 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