{"id":21925,"date":"2010-09-20T10:17:12","date_gmt":"2010-09-20T10:17:12","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/09\/garry-disher-rostmond\/"},"modified":"2022-06-17T22:09:38","modified_gmt":"2022-06-17T20:09:38","slug":"garry-disher-rostmond","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2010\/09\/garry-disher-rostmond\/","title":{"rendered":"Garry Disher: Rostmond"},"content":{"rendered":"\n<form class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2010\/cover\/rostmond.jpg\" alt=\"rostmond.jpg\" width=\"200\" height=\"333\"\/><\/form>\n\n\n\n<p>Garry Disher hat seine Verdienste. Die Reihe um den Gangster Wyatt (bei Pulpmaster erschienen) ist mehr als eine Variation des &#8222;irgendwie guter Gangster&#8220;-Schemas, mit den Romanen um den Polizisten Hal Challis (beim Unionsverlag) sind ihm in der Vergangenheit nicht nur spannende Krimis, sondern auch geschickt verzahnte Psychogramme der australischen Gesellschaft gelungen. Keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit; und wie schnell man damit scheitern kann, zeigt Disher fatalerweise in seinem neuen Roman &#8222;Rostmond&#8220; h\u00f6chstselbst.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dabei ist eigentlich alles wie sonst. Challis und sein Team sind vielbesch\u00e4ftigt, ein Massenbes\u00e4ufnis von Schulabg\u00e4ngern steht an, der Kaplan einer exklusiven Privatschule wird ins Koma gepr\u00fcgelt, ein Rechtspopulist mit Einfluss macht Druck und das Liebesleben unseres Helden, der seit kurzem mit Kollegin Ellen Destry zusammenwohnt, schlittert in eine Krise. Auch der Rest des Teams hat so seine Probleme und zu unguter Letzt wird eine Frau ermordet, und einem Mann, der ein Vergewaltiger ist, \u00fcbel mitgespielt. Idyllisches Australien.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, alles wie immer. Und doch: ganz anders. Denn die Einzelteile f\u00fcgen sich einfach nicht zusammen. Die Geschichte mit dem Kaplan wird irgendwann durch eine l\u00e4ppische Aufkl\u00e4rung beendet, womit auch der unangenehme rechte Politiker, der so ziemlich alle g\u00e4ngigen Klischees bedient, von der Bildfl\u00e4che verschwindet. Die Beziehungsprobleme erreichen schnell einen Punkt, an dem sie nur noch durch naiv-pschologisches Nabelschauen nerven (vor allem als Ellen Destry sich auch noch als Kleptomanin outet) und im Fall der ermordeten Frau bem\u00fcht Disher einen der \u00e4ltesten Autorentricks, um den T\u00e4ter zu entlarven. Spannung liest sich anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Stattdessen durchschaut man Dishers Anliegen schon nach wenigen Seiten. Er f\u00fchrt uns aggressiv-psychotische oder sonst irgendwie aus dem Lot geratene M\u00e4nner vor, denen verwirrte Frauen gegen\u00fcberstehen, die entweder nicht wissen, was sie tun sollen oder einfach das Falsche tun. Das k\u00f6nnte spannend werden, wird es aber nicht, weil, siehe oben, die einzelnen Belegst\u00fccke vorgef\u00fchrt und nach einer Weile abgehakt werden. Irgendwie scheint es Disher genervt zu haben, schon wieder einen Krimi schreiben zu m\u00fcssen, was sich leider auch im Handwerklichen nicht ganz \u00fcbersehen l\u00e4sst. Wenn etwa eine 16j\u00e4hrige so redet, als habe sie gerade einen Grammatikduden verschluckt, spricht das nicht unbedingt f\u00fcr sorgf\u00e4ltige Ausarbeitung (ob es sich im Englischen auch so unglaubw\u00fcrdig liest wie im Deutschen, wei\u00df ich nicht).<\/p>\n\n\n\n<p>Am nervigsten indes ist diesmal Hal Challis selbst. Er denkt und gr\u00fcbelt, denkt und gr\u00fcbelt, was ja nicht schlecht sein muss. Die Ergebnisse aber sind nichtssagend bis trivial, an allem hat er etwas auszusetzen, was auch nicht schlecht sein muss, doch irgendwann kommt man drauf: Hal Challis wird in &#8222;Rostmond&#8220; zur australischen Ausgabe von Mankells Wallander, ein m\u00fcrrisch r\u00e4sonnierender Tropf, und das ist des Guten etwas zu viel. Denn, siehe oben, es gibt in diesem Roman nichts, was sich diesem Charakter und seinen Erg\u00fcssen in den Weg stellen w\u00fcrde, keine wirkliche Spannung, kein konsequent durchgezogener Faden, keine dramaturgische \u00dcberraschung.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Garry Disher war schon wesentlich besser. Hoffnung: Er wird es wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Garry Disher: Rostmond. <br \/>Unionsverlag 2010 <br \/>(Blood Moon, 2009. Deutsch von Peter Torberg). <br \/>347 Seiten. 19,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Garry Disher hat seine Verdienste. 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