{"id":21966,"date":"2011-01-18T10:51:17","date_gmt":"2011-01-18T10:51:17","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/01\/helmut-zenker\/"},"modified":"2022-06-07T18:38:22","modified_gmt":"2022-06-07T16:38:22","slug":"helmut-zenker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/01\/helmut-zenker\/","title":{"rendered":"Helmut Zenker"},"content":{"rendered":"\n<p>Gestern gleich zweimal \u00fcber den Geburts- und Todestag von Helmut Zenker (11.1.1949 \u2013 7. 1.2003) gestolpert und f\u00fcr ein paar Gedanken liegen geblieben. Zenker erfand den Polizeimajor Kottan \u2013 hie\u00df er nicht Adolf mit Vornamen? \u2013 Held einer Serie, die einem die hedonistischen 80er Jahre ertr\u00e4glich machte, wenn es \u00fcberhaupt die 80er waren, gef\u00fchlt auf jeden Fall, keine Lust zu googeln.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Serie lief hierzulande zun\u00e4chst in den Regionalprogrammen, ich erinnere mich fl\u00fcchtig an Werbeunterbrechungen und dass es noch kein Privatfernsehen gab. (Allerdings: Ich habe inzwischen doch gegoogelt und das was ich so vor mich hin plaudere, mag nicht stimmen, auch das mit den 80ern stimmt so nicht ganz. Fakten gibt es \u2192<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kottan\">hier<\/a>). Kottan hat einen Beinamputierten dabei und einen cholerischen Chef, der mit einem Kaffeeautomaten hoffnungslos Krieg f\u00fchrt. Entgegen der posthumen Einsch\u00e4tzung \u2013 skurril, \u00fcberdreht, typisch \u00f6sterreichisch verschm\u00e4ht \u2013 waren die fr\u00fchen Folgen von einem krachenden Realismus. Das Milieu der kleinen Leute, alles auf der Haaresbreite zwischen Alltag und Wahnsinn equilibrierend, wer abst\u00fcrzt, der steht wieder auf. Das \u00e4ndert sich, als man den Kottan-Darsteller austauscht, den verwitterten Franz Buchrieser durch den pfiffig-verschlagenen Lukas Resetarits ersetzt. Nun wird es, ja was eigentlich? Surrealistisch? Hyperrealistisch? Keinesfalls crazy oder, b\u00f6ses Wikipedia, \u201eslapstickhaft\u201c. Nennen wir es metarealistisch. \u00dcber und unter dem humoristischen Chaos verschachtelt sich die Wirklichkeit in all ihrer brachialen Normalit\u00e4t und, sorry, seit ich Kottan kenne \u2013 nein, WEIL ich Kottan kenne \u2013 kann mir der ganze pr\u00e4zise Realismus hochgelobter Serien gestohlen bleiben, dieses Echtzeitged\u00f6ns und der beinahe sozialistische Realismus der polizeilichen Arbeitswelt. N\u00f6, Kinners, so wird das nix.<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzte Folge. Die Serie ist immer mehr in diesen Metarealismus emporgestiegen, wer nach Krimihandlung sucht, steigt langsam nicht mehr durch. Der letzte M\u00f6rder schlie\u00dflich ist ein Affe, und damit schlie\u00dft sich auch krimihistorisch ein Kreis, das komplette Genre implodiert und f\u00e4llt auf seinen Ausgangspunkt, die sattsam bekannte Poe-Story, zur\u00fcck. \u00dcberhaupt haben wir es nicht mehr mit Menschen zu tun, eigentlich nie zu tun gehabt, immer nur Figuren, Figuren, Figuren, die Personifikationen von etwas anderem, das sich anders nicht fassen l\u00e4sst. Das fand ich damals schon sehr sch\u00f6n und finde es heute geradezu hellsichtig, denn man sollte sich wieder mehr der Urspr\u00fcnge entsinnen. Du kannst etwas nicht erkl\u00e4ren, also erkl\u00e4rst du es. Das ist Krimi.<\/p>\n\n\n\n<p>So, jetzt rappele ich mich wieder auf. Helmut Zenker ist tot, Adolf Kottan lebt, der alte Dichterspruch eben. Merkw\u00fcrdigerweise war es immer der Beinamputierte, der mich am meisten beeindruckte. Da geht einer versehrt durch die Versehrtheiten und nie war die Heilung ferner. Auch das ist Krimi.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern gleich zweimal \u00fcber den Geburts- und Todestag von Helmut Zenker (11.1.1949 \u2013 7. 1.2003) gestolpert und f\u00fcr ein paar Gedanken liegen geblieben. 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