{"id":21968,"date":"2011-01-24T09:39:36","date_gmt":"2011-01-24T09:39:36","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/01\/elmore-leonard-road-dogs\/"},"modified":"2022-06-18T02:40:55","modified_gmt":"2022-06-18T00:40:55","slug":"elmore-leonard-road-dogs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/01\/elmore-leonard-road-dogs\/","title":{"rendered":"Elmore Leonard: Road Dogs"},"content":{"rendered":"\n<form class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2011\/cover\/road%20dogs.jpg\" alt=\"road dogs.jpg\" width=\"188\" height=\"299\"\/><\/form>\n\n\n\n<p>Warum sollen wir eigentlich Elmore Leonards \u201eRoad Dogs\u201c lesen? Erwarten uns \u201egesellschaftliche Relevanz\u201c, \u201epackende Milieustudien\u201c, gar \u201epsychologische Tiefer\u201c? Eher nicht. Ein bisschen ist das wie ein Roman von Saul Bellow. Es wird einem was erz\u00e4hlt und man braucht schon einiges Abstraktionsverm\u00f6gen, um herauszufinden: Hey, der schreibt da grad \u00fcber mich.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Leonards Geschichte \u00fcber die beiden Knastkumpels (f\u00fcr nichts anderes stehen die titelgebenden \u201eRoad Dogs\u201c) Jack Foley (Rekordbankr\u00e4uber) und Cundo Rey (kleinw\u00fcchsiger kubanischer Gangster) ist in ihrer Entwicklung vorhersehbar. Im Knast schmiedet man ein Zweckb\u00fcndnis, Cundo vermittelt Foley eine Anw\u00e4ltin, die dessen Strafe von 30 Jahren auf 30 Monate runterdr\u00fcckt, dann kommen beide frei und Cundo erwartet Gegenleistungen, fragt sich nur welche. Als St\u00f6rfaktor des M\u00e4nnerb\u00fcndnisses gibt es Dawn Navarro, Cundos Ehefrau, die acht Jahre auf ihren Liebsten gewartet hat, \u201ewie eine Heilige\u201c, glaubt der, aber nun doch nur wie eine geldgeile Hy\u00e4ne. Und es gibt Jimmy, der w\u00e4hrend Cundos Abwesenheit den kriminellen Laden zusammengehalten und ausgebaut hat, sowie einen von Foley besessenen FBI-Agenten und den jungen Latino Tico, den Dawn becirct und benutzt. Vergessen wir nicht die Schauspielerin, die sich von ihrem toten Gemahl verfolgt glaubt (oder das Ganze nur spielt) und ein zartes Verh\u00e4ltnis zu Foley anschiebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Beinahe ein Kammerspiel, Menschenschach, bei dem die Figuren zugleich die Spieler sind und sich gegenseitig zum jeweils eigenen Vorteil auf dem Brett verschieben. Schauspielerei. Nicht umsonst redet man gelegentlich \u00fcber Filme. Das im Titel mitschwingende Motiv der Freundschaft ger\u00e4t zu einem immer dubioseren Begriff, pendelt zwischen Hass und Liebe, stets den Kriterien von N\u00fctzlichkeit unterworfen. Ein typisches Krimiklischee also, seit man uns gelehrt hat, Gut und B\u00f6se seien nun doch nicht die steinernen Monumente, als die sie der Schund in seiner Denkfaulheit gehauen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt wie immer bei Leonard wunderbar pointierte Dialoge und humoristische Miniaturen, am sch\u00f6nsten in der Verbindung Fowleys zu seiner Schauspielerin, wo man zwischen Unterhosen und Philosophie hin und her springt. Man ist nicht auf das Was gespannt, viel mehr auf das Wie. Und so entwickelt sich aus einem nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig nervenzerrei\u00dfenden Plot eine souver\u00e4n durchkomponierte Handlung menschlicher Interaktionen, so dass wir am Ende nicht mehr wissen wollen, worauf Leonard hinauswill (\u201egesellschaftliche Relevanz\u201c u.a., s.o.), sondern es uns mit jeder neuen Wendung d\u00e4mmert, was das alles mit uns und unserer Berechnung zu tun hat. Das macht dem Alten so schnell niemand nach.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Elmore Leonard: Road Dogs. Eichborn 2011 <br \/>(Road Dogs, 2009. Deutsch von Conny L\u00f6sch und Kirsten Riesselmann). <br \/>303 Seiten. 19,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum sollen wir eigentlich Elmore Leonards \u201eRoad Dogs\u201c lesen? Erwarten uns \u201egesellschaftliche Relevanz\u201c, \u201epackende Milieustudien\u201c, gar \u201epsychologische Tiefer\u201c? Eher nicht. Ein bisschen ist das wie ein Roman von Saul Bellow. 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