{"id":21978,"date":"2011-02-22T15:25:35","date_gmt":"2011-02-22T15:25:35","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/02\/kurt-bracharz-der-zweitbeste-koch\/"},"modified":"2022-06-18T02:40:22","modified_gmt":"2022-06-18T00:40:22","slug":"kurt-bracharz-der-zweitbeste-koch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/02\/kurt-bracharz-der-zweitbeste-koch\/","title":{"rendered":"Kurt Bracharz: Der zweitbeste Koch"},"content":{"rendered":"\n<form class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\" style=\"display: inline;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2011\/cover\/bracharz.jpg\" alt=\"bracharz.jpg\" width=\"200\" height=\"324\"\/><\/form>\n\n\n\n<p>Der zweitbeste Koch ist immer besser als der erstbeste, denn der hei\u00dft bekanntlich Hunger. Nur leider ist der zweitbeste, ein Chinese, spurlos verschwunden. Er hat in einer Art Mega-China-Event-City mitten in Wien gekocht, einem fern\u00f6stlichen Disneyland mit Restaurants, Hotels, einem Riesenrad (kleiner als das im Prater) \u2013 und einem Zoo. In diesem kulinarischen Paradies verkehrt auch Romanheld Xaver Ypp und das von berufswegen, er ist n\u00e4mlich Gourmetkritiker der Zeitschrift \u201eLukull\u201c.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Kurt Bracharz ist \u00d6sterreicher und das sagt im Krimimetier etwa so viel wie die Spammail, man habe im spanischen Lotto eine Million gewonnen. Der Mann schreibt irgendwie \u201elustig\u201c, aber wer jetzt \u201eWolf Haas!\u201c ausruft, lerne zur Strafe den erstbesten Koch kennen. Yaver Ypp formuliert sich elegant und eher lakonisch durch diesen \u201eFall\u201c, der lange gar keiner ist, sondern nichts mehr als Assoziation und Mutma\u00dfung, wie schon das sch\u00f6ne Cover \u2013 canned Panda\u2013 nahe legt. Chinesen essen bekanntlich alles, und warum h\u00e4lt man einen Zoo mit seltenen Tieren? Genau. Es gibt folglich detaillierte Einblicke in die f\u00fcrchterlichen Essgewohnheiten Chinas, nebst knapper Chronik verb\u00fcrgten Kannibalismus unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Frage, ob ein saftiges Steak aus dem Oberschenkel meines Lieblingsfeindes tats\u00e4chlich gourmetzungentauglich w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich tummeln sich auf den knappen 177 Seiten auch allerhand bizarre Gestalten: ein minderj\u00e4hriger \u201eidiot savant\u201c, den Ypp in die Gastroszene einf\u00fchrt, weil er \u00fcber den absoluten Geschmacksnerv verf\u00fcgt, eine junge und bet\u00f6rend sch\u00f6ne Eurasierin, ein Jude, der drauf schaut, dass es in Chinarestaurants auch koscher zugeht, ein Bruder beim Geheimdienst, ein paar skurrile Typen aus der Kritikerschaft, chinesische Driaden und so weiter, kurzum: Alles was man braucht, um einen Krimi zu schreiben, der nichts weniger ist als das klappentexten behauptete \u201ehartgesotten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn das Finale ist wie erwartet und erhofft l\u00e4ppisch, \u00fcberdreht und daher belanglos. Aber darum geht es auch nicht. Sondern eher darum, wie Ypp, der im eigentlichen Sinne recht wenig ermittelt, sich seine Geschichten zusammenreimt, aus Wissen und Halbwissen und Assoziationen, und das eben bis an den Rand der B\u00f6sartigkeit, wenn das Wohl des Magens \u00fcber alles geht, \u00fcber Tier- und Artenschutz sowieso.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt sind B\u00fccher zu empfehlen, bei denen man schon nach einer Seite sicher wei\u00df, dass sich der Autor keine uns\u00e4glichen Plattit\u00fcden erlauben wird, kein umst\u00e4ndliches Beschreiben des Nichtigen, und dass Mord nicht unbedingt zum Krimi geh\u00f6rt wie die Fritten zu den Muscheln. Eine richtig sch\u00f6ne Sexszene (ohne Vollzug trotz chemischer St\u00e4rkung) gibt es auch noch, zwischen dem \u00fcber 60j\u00e4hrigen Ypp und der knapp \u00fcber 20j\u00e4hrigen Eurasierin, also was will man mehr. Ja, klar, mehr Bracharz nat\u00fcrlich und das nicht wieder erst in 16 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Kurt Bracharz: Der zweitbeste Koch. <br \/>Haymon 2010. 177 Seiten. 17,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der zweitbeste Koch ist immer besser als der erstbeste, denn der hei\u00dft bekanntlich Hunger. Nur leider ist der zweitbeste, ein Chinese, spurlos verschwunden. Er hat in einer Art Mega-China-Event-City mitten in Wien gekocht, einem fern\u00f6stlichen Disneyland mit Restaurants, Hotels, einem Riesenrad (kleiner als das im Prater) \u2013 und einem Zoo. 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