{"id":2214,"date":"2009-11-18T09:58:35","date_gmt":"2009-11-18T08:58:35","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=2214"},"modified":"2009-11-18T04:20:56","modified_gmt":"2009-11-18T03:20:56","slug":"gigante","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/11\/gigante\/","title":{"rendered":"Gigante"},"content":{"rendered":"<p>Gigantisch gross ist der Supermarkt, den Jara, einen Brocken von Mann, in seinem einsamen Wachraum mit Videokameras \u00fcberwacht.\u00a0 Etwas verloren sitzt er dort vor seinen Monitoren, l\u00f6st Kreuzwortr\u00e4tsel und l\u00e4sst die Mitarbeiter mit kleinen Diebst\u00e4hlen davonkommen. Jara f\u00fchrt ein monotones Leben.<\/p>\n<p>Eines Nachts erblickt er auf dem Bildschirm die neue Putzfrau Julia, und pl\u00f6tzlich ger\u00e4t sein regelm\u00e4\u00dfiger Lebenstakt aus dem Gleichgewicht. Auf den ersten Blick ist Jara heftig verliebt.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"\/blog\/2009\/images\/gigante3.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"220\" \/><\/p>\n<p>In dem massigen K\u00f6rper des schweigsamen Riesenbabys steckt hinter der zur Schau getragenen Lakonie gro\u00dfe G\u00fcte und Verletzlichkeit.<\/p>\n<p>Jara folgt Julia fortan \u00fcberall hin &#8211; w\u00e4hrend der Arbeit per Kamera, tags\u00fcber versteckt bei Spazierg\u00e4ngen, in Internetcaf\u00e9s, zum Karate-Kurs und sogar zu einem Date. Da Jara ein bedrohlich aussehender Typ ist, dessen Job mit \u00dcberwachung zu tun hat, k\u00f6nnte man ihn auf den ersten Blick als eine potentielle Bedrohung f\u00fcr die Putzfrau verstehen \u2013 vor allem wegen der Art, mit der er versucht, sich ihr zu n\u00e4hern. Dieser Eindruck verschwindet langsam und man beginnt zu verstehen, dass sich Jara einfach in Julia verliebt hat und keine Gefahr f\u00fcr sie darstellt.<\/p>\n<p>Doch die Liebe, die Jara sucht, scheint eine unerreichbare Sache zu sein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"\/blog\/2009\/images\/gigante2.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"232\" \/><\/p>\n<p>Als Julia infolge eines Mitarbeiterstreiks ihren Job verliert, muss Jara sich entscheiden zu handeln oder seine Sehnsucht aufzugeben.<\/p>\n<p>Der Film erz\u00e4hlt nicht von einer Beziehung, sondern von dem, was davor geschieht. Es geht um den Prozess, den ein verliebter Mensch durchstehen muss, bevor er zu handeln beginnt, um den Zeitpunkt, an dem er mit seinen Gef\u00fchlen und seinen schlimmsten \u00c4ngsten konfrontiert wird.<br \/>\nDie St\u00e4rke dieses Films liegt in wunderbarer Situationskomik und einem sicheren Gesp\u00fcr f\u00fcr Besonderheiten und Machtstrukturen in der Welt der kleinen Angestellten.\u00a0 Die Stummfilm-Szenen auf den Monitoren, wenn die Azubis sich balgen oder wenn die Putzkolonne mit ihren Putzeimerw\u00e4gelchen ausschw\u00e4rmt sind ebenso einfach wie genial inszeniert<\/p>\n<p>Fernab von Latino-Klischees und ohne die klassischen Muster der romantischen Kom\u00f6die portr\u00e4tiert Gigante illusionslos und realistisch das Ungew\u00f6hnliche im Gew\u00f6hnlichen.<\/p>\n<p>Unterstrichen wir dies durch ruhige, \u00fcberwiegend statische, aber sehr pr\u00e4zise Kameraeinstellungen, einen langsamen Erz\u00e4hlrhythmus und die pr\u00e4zise Zeichnung der Hauptfigur. Gigante erz\u00e4hlt von den gro\u00dfen Gef\u00fchlen kleiner Leute.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>Das sensible Portrait des Supermarktnachtw\u00e4chters ist das Spielfilmdeb\u00fct von Arian Biniez.<\/p>\n<p>Adri\u00e1n Biniez wurde 1974 in Buenos Aires geboren. In den 1990er Jahren war er S\u00e4nger und Komponist der argentinischen Indie-Pop-Band \u201eReverb\u201c. Die Band nahm zwei Alben auf und ging regelm\u00e4\u00dfig auf Tour. 2003 spielte Biniez eine kleine Rolle als Karaoke-Musiker in dem vielbeachteten Film &#8222;Whisky&#8220;. Im selben Jahr zog er nach Montevideo in Uruguay, wo er bis heute lebt. Hier begann er als Drehbuchautor f\u00fcr die Produktionsfirma \u201eTaxi Films\u201c zu arbeiten. Er schrieb mit an der preisgekr\u00f6nten TV-Serie &#8222;El Fin del Mundo&#8220;.<\/p>\n<p>2005 nahm er am \u201eTalent-Campus\u201c der Filmhochschule in Buenos Aires teil. Im gleichen Jahr drehte er seinen ersten Kurzfilm, &#8222;8 Hours&#8220;, der sowohl beim Independent Filmfestival Buenos Aires als auch beim Internationalen Filmfest Uruguay den ersten Preis gewann. Sein zweiter Kurzfilm &#8222;Total Availability&#8220; lief ebenfalls im Wettbewerb des Independent Filmfestival Buenos Aires.<\/p>\n<p>(Birte Gernhardt)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"\/blog\/2009\/images\/gigante1.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<h4>Daten &amp; Fakten<\/h4>\n<p><strong>Titel:<\/strong> Gigante<\/p>\n<p><strong>Produktionsland:<\/strong> <a>Deutschland, <\/a><a>Argentinien, <\/a><a>Uruguay, <\/a><a>Niederlande <\/a><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Produktionsjahr:<\/strong> 2008<\/p>\n<p><strong>L\u00e4nge:<\/strong> 88 (Min.)<\/p>\n<p><strong>Verleih:<\/strong> Neue Visionen<\/p>\n<p><strong>Kinostart:<\/strong> 01.10.2009<\/p>\n<p><strong>Regie:<\/strong> <a>Adri\u00e1n Biniez <\/a><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Drehbuch:<\/strong> <a>Adri\u00e1n Biniez <\/a><strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Kamera:<\/strong> <a>Arauco Hern\u00e1ndez Holz <\/a><strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Hauptdarsteller:<\/strong> <a>Horacio Camandulle, <\/a><a>Leonor Svarcas, <\/a><a>N\u00e9stor Guzzini, <\/a><a>Federico Garc\u00eda, <\/a><a>Fabiana Charlo <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gigantisch gross ist der Supermarkt, den Jara, einen Brocken von Mann, in seinem einsamen Wachraum mit Videokameras \u00fcberwacht.\u00a0 Etwas verloren sitzt er dort vor seinen Monitoren, l\u00f6st Kreuzwortr\u00e4tsel und l\u00e4sst die Mitarbeiter mit kleinen Diebst\u00e4hlen davonkommen. 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