{"id":25169,"date":"1996-08-20T11:11:00","date_gmt":"1996-08-20T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=25169"},"modified":"2022-08-26T12:25:11","modified_gmt":"2022-08-26T10:25:11","slug":"interview-david-munyon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1996\/08\/interview-david-munyon\/","title":{"rendered":"Interview: David Munyon"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Haufen alter Hippies&#8230;<\/h2>\n\n\n\n<p>David Munyon begann so um 1967 in Kalifornien Musik zu machen. Anfangs spielte er Gitarre in einigen Bands, die so nette Namen wie\u00a0<em><strong>Grapes of Wrath<\/strong><\/em>\u00a0( wie das Steinbeck Buch) oder\u00a0<em><strong>East Coast Chapter<\/strong><\/em>\u00a0hatten. Die Bands konnte er nie zusammenhalten, da die Jungs zum Milit\u00e4r mu\u00dften oder einfach zuviel tranken.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/cd-m\/images\/munyon2.jpg\"><\/a>Daraufhin beschlo\u00df er, nur noch allein mit der Acoustic in den USA zu reisen, um in Cafes, Restaurants und gelegentlich in Bars zu spielen. 1986 ging er schlie\u00dflich nach Nashville und traf dort Greg Humphrey, seinen heutigen Produzenten und begann ein Projekt zusammen mit Matt Rowlins und Leland Sklar, Anthony Crawford, Billy Joe Williams jr.. In ihrem Haus haben sie sich zusammen gesetzt und in 4 bis 5 Tagen auf 24 Spuren ein Album aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Unterst\u00fctzung von ein paar Freunden aus Kalifornien brachten sie die Platte auf einem eigenen Label (Los Hermanos) raus. Ihnen fehlte es aber am n\u00f6tigen Kleingeld, um das gute St\u00fcck vern\u00fcnftig zu verkaufen. Insgesamt wurden nur einige hundert St\u00fcck der &#8218;Code Name: Jumper&#8216; verkauft. Auf einer Messe in Texas traf er dann jemanden vom deutschen Label Glitterhouse. Glitterhouse brachte das Album und die Nachfolger &#8222;<a href=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/cd-m\/munyon.php\">Acrylic Teepees<\/a>&#8220; und &#8222;slim possibilities&#8220; in Europa raus und unterst\u00fctzte Munyon schon auf seiner ersten Europatournee vor drei Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>David Munyon ist eine unglaublich charismatische Per\u00f6nlichkeit. W\u00e4hrend seiner Konzerte sitzt er mit seiner Acoustic auf einem Stuhl, vor ihm ein Notenst\u00e4nder, auf dem sein Songbook mit mehr als 400 Songs liegt. Die Aura um ihn herum l\u00e4\u00dft sich nur mit einem Hochspannungskondensator vergleichen. Man hat st\u00e4ndig das Gef\u00fchl, die Spannung springt \u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider gibt es immer wieder besch&#8230; Publikum. Jauchzende Barfu\u00dft\u00e4nzer und Landeier, die nie die Klappe halten k\u00f6nnen. Irgendwann schlie\u00dft Du deine Augen und h\u00f6rst ihm zu. Vor dem geistigen Auge laufen die Geschichten ab, von denen er erz\u00e4hlt. Alles andere erscheint irrelevant. Im Anschlu\u00df an sein Konzert im K\u00f6lner MTC nimmt er sich Zeit f\u00fcr ein kurzes Interview. Im kleinen Backstage Raum spielt sich Steve Wynn hinter mir f\u00fcr seinen Auftritt warm. Munyon ist anzusehen: Er hat alles mitgemacht, die schlimmsten Dinge gesehen und erlebt; hat kleine Dinge gesehen, die ihm eine Riesen-Freude bereitet haben. Sein Gl\u00fcck strahlt er aus jeder Pore seines vernarbten Gesichtes; ohne zu lachen, ohne zu l\u00e4cheln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinter-Net!:<\/strong>&nbsp;Mr. Munyon, auf Ihren Platten spielen Sie mit einer Band, hier auf der PopKomm spielten Sie aber ganz allein&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Munyon:<\/strong>&nbsp;Ich spiele meist allein. F\u00fcr diese Europatournee wollte ich eigentlich mit der Band spielen, mit der ich auch die letzten Platten aufnahm. Ich kann es mir einfach nicht leisten, eine Band zu engagieren. Au\u00dferdem haben die meisten eine Familie in Nashville und daher wenig Interesse, mehrere Monate durch Europa zu touren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinter-Net!:<\/strong>&nbsp;Was f\u00fcr ein Unterschied ist f\u00fcr Sie live mit oder ohne Band zu spielen ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Munyon:<\/strong>&nbsp;Ich hatte bis jetzt nur einige Male die Gelegenheit dazu. Unter anderem mit Warren Haynes ( Allman Brothers). Sonst spiele ich nur mit anderen zusammen, wenn es sich zuf\u00e4llig ergibt. Vielleicht werden wir auf der n\u00e4chsten Tour mit Band spielen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinter-Net!:<\/strong>&nbsp;Spielen sie mit Band die gleichen Songs ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Munyon:<\/strong>&nbsp;Ja, da \u00e4ndert sich nicht viel. F\u00fcr diese Tour war sie geplant mit David Pomeroy am Bass, mit Craig Krampf an den Drums und mit Al Perkins (Ex-Emmylou Harris Band) an der E-Gitarre. Die meisten wollten nicht ohne Familie touren. Viele Musiker aus Nashville wollen im Moment in kein Flugzeug steigen, da Freunde im Crash in Florida gestorben sind. Und Chet Atkins Bassist ist mit der TWA 800 \u00fcber Long Island abgest\u00fcrzt. Jetzt ist er vielleicht im Himmel und schreibt Songs mit Elvis. Ich hatte genug Glauben und war sicher, heil anzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinter-Net!:<\/strong>&nbsp;Kommen in Europa andere Leute zu Ihren Konzerten als in den USA ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Munyon:<\/strong>&nbsp;Das Publikum in Europa ist v\u00f6llig anders. Ich w\u00fcnschte, ich k\u00f6nnte es mitnehmen. Sehr enthusiastisch und die Leute behandeln mich mit sehr viel Respekt. Manchmal spiele ich in Nashville in einem Cafe f\u00fcnf Stunden am St\u00fcck und bekomme keinen Applaus. Die gro\u00dfen Shows in Nashville, das ist nur Country. Ich habe allerdings kein stereotypisches Country Publikum. In den USA ist es normalerweise so: Komme ich in eine Stadt, frage ich einfach solange, bis ich irgendwo spielen darf. Dadurch kommen die Leute eher zuf\u00e4llig. Reisen liegt mir im Blut. Mein Vater war in der Navy, und arbeitete f\u00fcr die NASA, wir haben schon immer aus dem Koffer gelebt. Bis jetzt habe ich in den USA, Kanada und Europa gespielt, wir planen aber im Fernen Osten (Japan, Taiwan) zu touren. In China wurde ein Einreiseverbot verh\u00e4ngt. Aus politischen Gr\u00fcnden. Ein Song vom ersten Album, Bejing Dreams, handelt vom Massaker w\u00e4hrend des letzten Revolutionsversuchs.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinter-Net!:<\/strong>&nbsp;Wieviel Politik liegt in Ihren Texten ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Munyon:<\/strong>&nbsp;Ich glaube ich war schon immer ein politischer Songwriter, habe auch Politikwissenschaften an der Uni studiert. Mir war aber nie bewu\u00dft, da\u00df ich politische Songs schreibe, bis eine Verlegerin sagte, ich schreibe politische Texte. Erst da wurde es mir richtig bewu\u00dft. Ich sehe mich aber lieber als ein Geschichtenerz\u00e4hler.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinter-Net!:<\/strong>&nbsp;Sehr oft sprechen Sie von \u00bbwir\u00ab, wenn es um Ihre Musik geht<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Munyon:<\/strong>&nbsp;Wir ist Gott, ich, alle, die mit geholfen haben. Ich spiele Gitarre, seit ich 13 bin und jetzt nach 30 Jahren bekomme ich eine solche Anerkennung, das ist ein gutes Gef\u00fchl. Es war anscheinend das Warten wert. Glitterhouse macht gute Arbeit, die beste Firma, die ich haben k\u00f6nnte. Mit 13 hatte ich kein Geld, jetzt habe auch nicht viel mehr. Ich lebe \u00bbon a steady diet of miracles\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinter-Net!:<\/strong>&nbsp;Haben Sie den Erfolg noch erwartet ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Munyon:<\/strong>&nbsp;Irgendetwas hat mich immer vorangetrieben. Mit 17 habe ich angefangen in LA aufzutreten, dann wurde meine Mutter in Florida erschossen. Irgendwelche Verr\u00fcckte, die neben ihr wohnten, haben mit einem Gewehr durch Wand geschossen und sie dabei get\u00f6tet. Ich war zu der Zeit in LA. Im Milit\u00e4r war ich einige Male, auch in Vietnam, bin aber immer wieder zur Musik zur\u00fcck gekommen. Einige Jahre Alkoholkrankheit, habe es aber \u00fcberstanden. Die Dinge laufen sehr gut im Moment, ich bin sehr gl\u00fccklich, f\u00fchle mich fast wieder wie ein Kind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinter-Net!:<\/strong>&nbsp;Was hat Sie zum Weitermachen getrieben ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Munyon:<\/strong>&nbsp;Songs konnte ich immer schreiben, egal ob ich meinen Job verloren habe oder etwas anderes mich umgeworfen hat. Songs konnte ich immer schreiben. Jemand aus meiner Kirche zeigte mir vor einiger Zeit einen Vers aus der Bibel \u00bb Gott schenkt uns unsere Lieder in der Nacht\u00ab Es ist meine Bestimmung, Songs zu schreiben. In den letzten Jahren war Gott sehr gut zu mir, fast h\u00e4tten sie mich untergekriegt, ich bin wohl gerade noch davon gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinter-Net!:<\/strong>&nbsp;Denken Sie, die vermehrten Reisen und der Erfolg werden Ihre Musik ver\u00e4ndern ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Munyon:<\/strong>&nbsp;Die Musik wird sich nicht ver\u00e4ndern, vielleicht wird sie besser. Ich lerne vielleicht einige neue Akkorde. Greg (Produzent) und ich haben lange dar\u00fcber nachgedacht, was wir machen wollen. Versuchen wir zu einem Major Label zu kommen, aber mit unserer Musik, 7-8 min\u00fctige Songs \u00fcber Jesus, Krishna, Buddah, Rama, Vishnu, damit will die gro\u00dfe Country-Industrie nichts zu tun haben. Sie m\u00f6gen die Musik vielleicht, k\u00f6nnen sie aber nicht bei ihrem Publikum vermarkten. So beschlossen wir \u00bbZur H\u00f6lle mit dem Geld !\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinter-Net!:<\/strong>&nbsp;Sie sprechen sehr oft von Gott, aber auch vielen anderen Religionen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Munyon:<\/strong>&nbsp;Es gibt da ein Buch: \u00bbAutobiography of a Yogi\u00ab. Er verbindet alle Religionen, und sagt, es sind alles nur Namen, genauso wie es viele Namen f\u00fcr Blumen oder B\u00e4ume gibt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinter-Net!:<\/strong>&nbsp;Ist dies ein Teil Ihrer Message ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Munyon:<\/strong>&nbsp;So ungef\u00e4hr. Wir hoffen auch etwas peace zu bringen, wenn wir nicht vorher aus der Stadt gejagt werden. Wir sind halt ein Haufen alter Hippies<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/munyon-und-carrzy.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/munyon-und-carrzy.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-25171\" width=\"300\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/munyon-und-carrzy.jpg 700w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/munyon-und-carrzy-500x343.jpg 500w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/munyon-und-carrzy-145x99.jpg 145w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><figcaption>Backstage: der K\u00fcnstler und sein Interviewer<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Haufen alter Hippies&#8230; David Munyon begann so um 1967 in Kalifornien Musik zu machen. Anfangs spielte er Gitarre in einigen Bands, die so nette Namen wie\u00a0Grapes of Wrath\u00a0( wie das Steinbeck Buch) oder\u00a0East Coast Chapter\u00a0hatten. Die Bands konnte er nie zusammenhalten, da die Jungs zum Milit\u00e4r mu\u00dften oder einfach zuviel tranken.<\/p>\n","protected":false},"author":32,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1044,12],"tags":[3524,766,1078,412,1456,2930,662],"class_list":["post-25169","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interview","category-musik","tag-david-munyon","tag-gott","tag-interview","tag-koln","tag-popkomm","tag-singer-songwriter","tag-usa"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Carsten Frank","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/carrzy\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25169","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/32"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25169"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25169\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25169"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25169"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25169"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}