{"id":2594,"date":"2007-05-27T00:42:40","date_gmt":"2007-05-27T00:42:40","guid":{"rendered":"http:\/\/mitty.de\/frlc\/2007\/05\/27\/das-letzte-blumfeld-konzert\/"},"modified":"2022-08-03T17:52:13","modified_gmt":"2022-08-03T15:52:13","slug":"das-letzte-blumfeld-konzert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/05\/das-letzte-blumfeld-konzert\/","title":{"rendered":"Das letzte Blumfeld-Konzert"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eSuperstarfighter\u201c. Das ist er also. Der letzte Song, den Blumfeld in ihrer Karriere gespielt haben. Aber das passt, wie so vieles an Jochen Distelmeyers Band: <em>\u201eUnd ich sagte: \u201aBitte hilf mir! Vergiss die Lieder, die ich spiel, die hatten nie etwas zu tun mit Dir, die sind so hohl wie ich\u00b4 und darauf Du: Und davon handeln wir.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"\/weblog\/2007\/images\/blumfeld_ende.gif\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n\n<p>Fast drei Stunden dauerte der Abgesang in der Hamburger Fabrik, die gro\u00dfe Blumfeld-Gala, der Showdown, the Last Waltz. Zwei Abende nacheinander sagt die wichtigste deutsche Band der letzten 20 Jahre in ihrer Heimatstadt Goodbye. Seit Monaten waren die Auftritt der Band in der 1.200 Menschen fassenden Halle ausverkauft. Blumfeld spielen ihr letztes Konzert &#8211; einen Tag nach Bob Dylans 66. Geburtstag.<br \/><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/weblog\/2007\/images\/blumfeld1.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Tr\u00e4nen flossen keine, und wer bedeutende Worte erwartet hatte, wurde entt\u00e4uscht. Stattdessen gab\u00b4s das, wof\u00fcr das Quartett seit Jahren steht: die beste deutsche Rock- und Popmusik, die zu kriegen ist.<br \/>Von Anfang an konzentriert und zupackend st\u00fcrzen sich Distelmeyer, Andre Rattay am Schlagzeug, Lars Precht am Bass und Vredeber Albrecht an den Keyboards in die Songs. Vom erst viel geschm\u00e4hten und dann doch hoch gelobten Album \u201eVerbotene Fr\u00fcchte\u201c spielen sie nur drei Lieder. Ansonsten gilt: Das ist ein Abend f\u00fcr Hits. Keines ihrer sechs Alben bleibt unerw\u00e4hnt, es wirkt, als ob die Band noch mal zum ganz gro\u00dfen Rundumschlag ausholen will: Seht her, das alles haben wir gemacht &#8211; die Wirkung bleibt nicht aus. Das Publikum kommt immer mehr in Schwung, feiert den Abschied. Wehm\u00fctig und mit letzter aufb\u00e4umender Begeisterung. Schon nach 80 Minuten ist das Set beendet, aber der Zugabenteil dauert noch l\u00e4nger als das regul\u00e4re Programm. Blumfeld spielen schnelle Rock-\u00b4n\u00b4-Roll-Nummern wie den \u201eApfelmann\u201c (Distelmeyer: \u201eAuch mal was Verbotenes tun: mitklatschen!\u201c) oder \u201eSonntag\u201c und sie spielen die ruhigen, schwerm\u00fctigen Lieder wie \u201eGraue Wolken\u201c, \u201eEintragung ins Nichts\u201c oder \u201eKommst du mit in den Alltag\u201c.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/weblog\/2007\/images\/blumfeld2.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p> Mit Gr\u00fcndungsmitglied Eike Bohlken am Bass gibt\u00b4s Songs ihres 91er-Deb\u00fctalbums, mit \u201eDiktatur der Angepassten\u201c und \u201eWir sind frei\u201c kommen am Ende noch mal die auf ihre Kosten, die in den Texten weniger Lyrisches und daf\u00fcr mehr Politik und konkrete Gesellschaftskritik verlangt hatten. All die Diskussionen und Grabenk\u00e4mpfe der vergangenen Zeit &#8211; vorbei. Was bleibt, ist die Musik: It\u00b4s the same old Song.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMan muss auch loslassen k\u00f6nnen\u201c, sagt Distelmeyer am Schluss, und die Band kann es. Locker wie selten zuvor stehen sie bei ihrem letzten Auftritt auf der B\u00fchne.<br \/>Und wenn dann Lied f\u00fcr Lied die letzten 16 Jahre Revue passieren, wird einem noch einmal schlagartig klar, was diese Band ausmacht. Niemandem, der deutsche Texte singt, ist es jemals so gegl\u00fcckt, Poesie mit Politik, Pop mit Punkrock-Haltung und \u00c4sthetik mit Aussage zu verbinden. Und all das mit Stil, mit Eleganz, mit Leidenschaft. Blumfeld hatten Charakter, Blumfeld hatten ein Gesicht. Sie blieben nicht gleich, aber sie blieben immer bei sich selbst.<br \/><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/weblog\/2007\/images\/blumfeld3.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Mehr noch als in einzelnen Songs oder in der Gesamtheit der Alben erschlie\u00dft sich das beim Live-Erlebnis. Immer sprachen alle \u00fcber Distelmeyer und seine Texte &#8211; die wenigsten sprachen \u00fcber ihn als Performer. Immer noch unerreicht: Distelmeyer allein auf der B\u00fchne, im schwarzen Hemd. In der rechten Hand das Mikro, in der linken die brennende Zigarette. Vom Band l\u00e4uft \u201eTausend Tr\u00e4nen tief\u201c, der sanft vor sich hingroovende Elektrobeat im George-Michael-Stil. Und dann f\u00e4ngt er an zu croonen &#8230; Ein solcher Song mit einem solchen S\u00e4nger: Wo ist einer in Sicht, der das k\u00f6nnte?<br \/>Wer Blumfeld, wer Jochen Distelmeyer und seine phantastische Band je sah und h\u00f6rte, erlebte ein Ph\u00e4nomen: Ein Dichter, der ein Pop-Star sein kann. Eine Botschaft, die keine Parole, sondern Lyrik ist. Sch\u00f6ngeister, die rocken. K\u00fcnstler, nicht fern von dieser Welt und trotzdem weit entfernt von \u201eMedien, M\u00e4rkten, Merchandise\u201c, um einen Song der Band zu zitieren.<br \/>Ein anderer geht so: \u201eThank you, Satan, ich kann mich spalten.\u201c Genau das haben Blumfeld jetzt getan. Es ist ein Jammer.<br \/>(km)<br \/>Handyfotos mit freundlicher Genehmigung von Mirko Bertram<br \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSuperstarfighter\u201c. Das ist er also. Der letzte Song, den Blumfeld in ihrer Karriere gespielt haben. Aber das passt, wie so vieles an Jochen Distelmeyers Band: \u201eUnd ich sagte: \u201aBitte hilf mir! Vergiss die Lieder, die ich spiel, die hatten nie etwas zu tun mit Dir, die sind so hohl wie ich\u00b4 und darauf Du: Und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[12],"tags":[1140,3686,741,1381,3058],"class_list":["post-2594","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musik","tag-abschiedskonzert","tag-blumfeld","tag-hamburg","tag-live","tag-livekritik"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2594","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2594"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2594\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2594"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2594"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2594"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}