{"id":2632,"date":"2007-04-21T01:46:32","date_gmt":"2007-04-21T01:46:32","guid":{"rendered":"http:\/\/mitty.de\/frlc\/2007\/04\/21\/logh-north\/"},"modified":"2022-08-18T01:36:42","modified_gmt":"2022-08-17T23:36:42","slug":"logh-north","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/04\/logh-north\/","title":{"rendered":"Logh: North"},"content":{"rendered":"\n<p>Liebe auf den zweiten Blick! Es gibt Bands, die sich beinahe jedem Zugriff entziehen \u2013 auch dem des t\u00fcchtigen Konsumenten von einschl\u00e4gigen Musikzeitschriften, Magazinen und Blogs. Keine der britischen Musikpostillen namens \u201eNew Musical Express\u201c (NME) oder \u201eThe Wire\u201c treiben sie als die n\u00e4chste \u201eSau\u201c durchs Dorf und in den deutschen Musikmedien finden sie in der Regel auch nur als Randnotiz statt. So Logh aus dem s\u00fcdschwedischen Lund.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><br \/>Nach 3 Alben, vom melancholisch-leisen Deb\u00fct \u201eEvery Time A Bell Rings An Angel Gets His Wings\u201c, \u00fcber das w\u00fctend-d\u00fcstere \u201eThe Raging Sun\u201c, bis zum ruhig entspannten \u201eA Sunset Panorama\u201c, folgte die Musik der 1998 gegr\u00fcndeten Logh einem eigenwilligen musikalischen Grundtenor zwischen Fragilit\u00e4t und Ausbruch, ohne sich jedoch dabei jedes Mal zu wiederholen. Sie schafften es, den geneigten H\u00f6rer immer wieder herauszufordern, genau hinzuh\u00f6ren. Es ist ihr reduzierter und aufs wesentliche konzentrierter (Gitarren-)Sound, der unverwechselbar ist \u2013 wohl \u00fcberlegt gesetzte Akkorde, die im Raum stehen und diesen ausf\u00fcllen, um dann entweder loszupreschen oder den H\u00f6rer zart zu umgarnen und zu begleiten.<br \/>Mit ihrem 4. Album \u201eNorth\u201c schaffen sie es, uns angesichts ihres bisherigen musikalischen Kosmos wiederum zu \u00fcberraschen und dazu zu animieren, neugierig und fokussiert ihrer Musik zu lauschen. So lange, bis man es schlie\u00dflich schafft, die vermeintlich unscheinbare und schlichte musikalische Oberfl\u00e4che freizulegen &#8211; gleich einem Arch\u00e4ologen &#8211; bis sie schlie\u00dflich den Blick auf einen lange verborgenen Mosaikboden freigibt, an dessen Sch\u00f6nheit und Details man sich dann langfristig erfreuen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Musik und Ihre Entstehung auch immer in Ihrem jeweiligen regionalen Kontext gesehen werden muss, ist sicherlich grunds\u00e4tzlich richtig und gilt nat\u00fcrlich auf f\u00fcr f\u00fcr die Schweden von Logh. Bei ihnen aber die \u201enordische\u201c Karte zu spielen, um ihre Musik \u201eeinordnen\u201c zu k\u00f6nnen \u2013 wozu man aufgrund der in ihr innewohnenden Kargheit, Melancholie, Weite und Tiefe geneigt ist \u2013 scheint auf den ersten Blick nat\u00fcrlich nahe liegend, jedoch nicht hinreichend, den Gesamtkosmos bzw. die Attit\u00fcde dieser Band erfassen zu k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich ist Schweden sowie das Label Bad Taste Records, auf dem Logh ver\u00f6ffentlichen, ja auch in erster Linie f\u00fcr die h\u00e4rtere musikalische Gangart bekannt &#8211; und melancholisch-reduzierte Musik, die zum zuh\u00f6ren einl\u00e4dt, ist auch in anderen Regionen dieser Welt zu finden, die mehr Sonne, W\u00e4rme und Menschenmassen zu bieten haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Also, Logh sind einfach poppiger geworden \u2013 an den Umst\u00e4nden ihrer schwedischen Heimat liegt es sicherlich nicht. Sie haben ihr gewohnt minimalistisch-pointiertes (Gitarren-)Soundspektrum um fl\u00e4chige Keyboardsounds, Piano, epische Arrangements und Backgroundges\u00e4nge erweitert. Auf den ersten Blick scheinen diese Facetten den Klang ihres neuen Albums zu beherrschen und es braucht letztendlich mehrer Anl\u00e4ufe, um sie zu durchdringen und die darunter bzw. dazwischen liegenden musikalischen Details freizulegen und zu erkennen. Diese sind immer noch unverkennbar Logh, so wie man sie kennt!<\/p>\n\n\n\n<p>Warum nun der typische Logh-Sound in einen Mantel aus Pop-Appeal geh\u00fcllt ist? Warum nicht! War Pop nicht schon immer ein Zeichen der Weiterentwicklung und Reife von vielen Bands, wenn die jugendliche Sturm- und Drangzeit Ihren Zenit \u00fcberschritten hat und man sich neuen musikalischen Horizonten und Herausforderungen zuwenden wollte \u2013 siehe \u201eThe Beatles\u201c, \u201eThe Clash\u201c und \u201eThe Jam\u201c bzw. \u201eThe Style Council\u201c. Ist nicht auch momentan wieder die Hinwendung zum Pop gerade bei solchen bei Bands zu konstatieren, die sich bisher durch ruppige Musik auszeichneten \u2013 siehe die letzten Alben von \u201eTrail of Dead\u201c, \u201eBloc Party\u201c und \u201eAereogramme\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Muss man sich nicht als vermeintlicher Indie-Nerd (Was ist eigentlich noch wirklich Indie?) auch von dem Gedanken verabschieden, dass Pop-Appeal nicht immer gleich Mainstream-Attit\u00fcde bedeutet \u2013 siehe \u201eThe Shins\u201c. Und jetzt auch noch Logh? Aber soweit, dass eine Hollywood-Gr\u00f6\u00dfe die Schweden im n\u00e4chsten Blockbuster als die neuen Weltverbesserer ausruft, wird es jedoch ganz sicher nicht kommen. Daf\u00fcr ist nicht nur ihre Musik zu intim, sondern auch der pers\u00f6nliche Eindruck, den man von den Jungs gewinnt, wenn man sie auf der B\u00fchne sieht &#8211; ein zu aufrichtiger und authentischer was ihre Sache angeht. Von Hype-Gefahr keine Spur!<\/p>\n\n\n\n<p>Der Albumopener \u201eSaturday Nightmares\u201c, der von der Einsamkeit des Zerstreuung suchenden Wochenend-Partyvolks handelt, zieht einen gleich in seiner epischen Breite und dem fetten Schlagzeug in seinen Bann und ist bereits einer der H\u00f6hepunkte eines an solchen reichen Albums, dass textlich um allt\u00e4gliche Befindlichkeitsthemen und die Facetten der schwedische Heimat kreist. In die gleiche musikalische Kerbe schlagen die Songs \u201eThe Invitation\u201c, \u201eAll The Trees\u201c und \u201eThieves in the Palace\u201c, die als Musterbeispiele f\u00fcr das neu gewonnene Pop-Verst\u00e4ndnis Loghs stehen, das \u00fcber dem gewohnt sparsamen und eigenwilligen Klang der Schweden schwebt. \u201eThieves In The Palace\u201c ist in seiner vielseitigen und dynamischen Struktur nahezu eine Indie-Pop-Suite im besten Sinne.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas ruhiger geht es hingegen bei den restlichen Songs des Albums zu. Sanft von Keyboards getragene St\u00fccke wie \u201eDeath To My Hometown\u201c und \u201eSometimes\u201c sowie Akustiknummern wie \u201eWeather Islands\u201c, \u201eThe Black Box\u201c und \u201eForest Eyes\u201c pendeln zwischen gelegentlichen musikalischen Ausbr\u00fcchen, klassischer Logh\u00b4scher Gitarrenarbeit, Brian Eno\u00b4schen Klangtupfern sowie Procol Harum\u00b4schen A Whiter Shade of Pale-Tastensounds (\u201eSometimes\u201c). Das sph\u00e4rische \u201eNew Hope\u201c mit der Textzeile \u201e\u2026the only danger here is being safe so there\u00b4s no time to waste\/no time for being bored, no fear and no resort\/the party\u00b4s over, the lights are out\/but hey, we can\u00b4t stop now\/let\u00b4s find some place off the map\/a place where it\u00b4s not so safe\/let\u00b4s go party somewhere else.\u2019 subsumiert schlie\u00dflich eindrucksvoll die musikalische Grundhaltung Loghs: Risiko ja, Wiederholung nein!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alben:<\/strong><br \/>Every Time A Bell Rings An Angel Gets His Wings (Bad Taste Records\/Soulfood &#8211; 2002)<br \/>The Raging Sun (Bad Taste Records\/Soulfood &#8211; 2003)<br \/>A Sunset Panorama (Bad Taste Records\/Soulfood &#8211; 2005)<br \/>North (Bad Taste Records\/Soulfood &#8211; 2007)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Links:<\/strong><br \/><a href=\"http:\/\/www.logh.se\">Logh Website<\/a><br \/><a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/logh\">Logh auf MySpace<\/a><br \/><a href=\"http:\/\/www.badtasterecords.se\">Bad Taste Records<\/a><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Logh: North<br \/>Bad Taste Records\/Soulfood<br \/>V\u00d6: 5.4.2007<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe auf den zweiten Blick! 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