{"id":2902,"date":"1997-06-12T01:20:07","date_gmt":"1997-06-11T23:20:07","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/archiv\/?p=2902"},"modified":"2023-01-11T04:26:27","modified_gmt":"2023-01-11T03:26:27","slug":"zum-tod-von-ronnie-lane","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/06\/zum-tod-von-ronnie-lane\/","title":{"rendered":"Nobody&#8217;s Listenin&#8216;"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zum Tod von Ronnie Lane<\/h2>\n\n\n\n<p>Bis in die fr\u00fchen 1990er Jahre hinein schien ein Song seines Albums &#8222;One For The Road&#8220; unabwendbare G\u00fcltigkeit zu besitzen: Nobody&#8217;s Listenin&#8216;. In seiner englischen Heimat hatte man den kleinen S\u00e4nger, Songwriter und Bassisten mit dem verschmitzten Grinsen eigentlich l\u00e4ngst vergessen. Ronnie Lane war 1984 in die USA \u00fcbergesiedelt, um (klimatisch) angenehmere Bedingungen f\u00fcr sein Leiden &#8211; er erkankte in den sp\u00e4ten 70ern an Multipler Sklerose &#8211; zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>In der texanischen Musikszene blieb er sogar &#8211; trotz seines Handicaps &#8211; recht aktiv, und er geno\u00df die Wertsch\u00e4tzung, die ihm, dem Gr\u00fcnder der legend\u00e4ren britischen Modband THE SMALL FACES und den daraus hervorgegangenen Party-Rockern THE FACES, ausgerechnet hier von vielen Musikern entgegengebracht wurde. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die englische Presse nahm hingegen kaum Notiz von ihm; alles, was er nach den SMALL FACES musikalisch zu Wege gebracht hatte, interessierte sie nicht. Seine &#8222;good time music&#8220;, die er mit seiner Band SLIM CHANCE seit seinem Weggang von den FACES 1973 spielte, galt vielen Kritikern als zu &#8222;leichtgewichtig&#8220;, zu &#8222;uncool&#8220;, vor allem zu wenig &#8222;britisch&#8220;. Ronnie k\u00fcmmerte sich nicht um &#8222;musical correctness&#8220;, er machte immer nur das, was er auch machen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Schr\u00e4ge und harte T\u00f6ne waren in der Tat seine Sache nicht. Er mochte nat\u00fcrliche Musik im wahrsten Sinne des Wortes; er verleugnete zwar nicht seine Herkunft aus dem proletarischen Londoner East End, aber er liebte eben das Leben auf dem Lande, und er liebte l\u00e4ndliche Musik, Folkmusic, Country Blues, Tex-Mex, Cajun Music&#8230; Seine spezielle Mixtur wollte in den Hochzeiten von Punk und New Wave kaum jemand h\u00f6ren, aber es k\u00fcmmerte ihn nicht. Er blieb sich treu, verschm\u00e4hte jegliche Trends, verkaufte sich auch nicht an den Mainstream (wie z.B. sein FACES-Gegenspieler Rod Stewart).<\/p>\n\n\n\n<p>Reich geworden ist er von seiner Musik nie und um die ihm zustehenden Tantiemen von alten SMALL FACES-Songs wurde er in gro\u00dfem Stil betrogen. Deshalb taten sich seine Ex-Kollegen Ian McLagan und Kenny Jones vor wenigen Jahren zusammen und gr\u00fcndeten einen Musikverlag, der Ronnies Urheberrechte gegen\u00fcber Plattenfirmen wahrnehmen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem (junge) BritPop-Musiker (z. B. OASIS, OCEAN COLOUR SCENE) hatten schlie\u00dflich auch den Songwriter Ronnie Lane entdeckt und waren ihm zu Ehren ins Studio gegangen, um seine Songs f\u00fcr eine Tribute-EP aufzunehmen. Leider kommt sie, wie auch die lange angek\u00fcndigte CD-Ver\u00f6ffentlichung seiner Live-Aufnahmen f\u00fcr die BBC, f\u00fcr ihn zu sp\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 4. Juni 1997 starb Ronnie Lane in Trinidad, Colorado, an den Folgen einer schweren Lungenentz\u00fcndung.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Tod von Ronnie Lane Bis in die fr\u00fchen 1990er Jahre hinein schien ein Song seines Albums &#8222;One For The Road&#8220; unabwendbare G\u00fcltigkeit zu besitzen: Nobody&#8217;s Listenin&#8216;. 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