{"id":29332,"date":"1997-08-18T11:11:00","date_gmt":"1997-08-18T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=29332"},"modified":"2022-08-26T15:05:03","modified_gmt":"2022-08-26T13:05:03","slug":"interview-john-mayall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/08\/interview-john-mayall\/","title":{"rendered":"Interview: John Mayall"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Es war eine sehr aufregende Zeit<\/h2>\n\n\n\n<p>1963 zog John Mayall von seiner Heimatstadt Macclesfield, England nach London. Im Gep\u00e4ck eine immer noch relativ neue Idee: eine Bluesband zu gr\u00fcnden. Das war damals nicht gerade in Mode, aber Mayall&#8217;s Bluesbreakers, und die Gruppen, die seine Musiker danach gr\u00fcndeten, \u00e4nderten das nachhaltig. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Eric Clapton spielte auf Mayall&#8217;s zweiten Album, &#8222;Bluesbreakers&#8220; (1966) bevor er die Band verlie\u00df, um mit einem anderen ex-Bluesbreaker, Jack Bruce CREAM zu gr\u00fcnden. Peter Green ersetzte Clapton und spielte auf dem &#8218;Hard Road&#8216; Album bevor er, gemeinsam mit Drummer Mick Fleetwood und Bassist John McVie Mayall verlie\u00df, um Fleetwood Mac zu gr\u00fcnden. Mayall nahm danach mehrere gute Alben mit dem sp\u00e4teren Rolling Stone Mick Taylor auf. Das Problem ist, da\u00df Mayall nie f\u00fcr etwas anderes Lob bekam, als daf\u00fcr, diese drei Gitarristen entdeckt zu haben. Mayall seinerseits meint dazu:&nbsp;<em>&#8222;In all den B\u00fcchern scheinen sie immer nur \u00fcber Eric, Peter und Mick schreiben zu wollen. \u00dcber viele andere der gro\u00dfen Musiker mit denen ich zusammen gespielt habe spricht man kaum. Und es gibt leider nichts, was ich dagegen tun kann.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was John Mayall interessant macht, ist was er Anfang 1969, nach dem Ausstieg von Mick Taylor und der Aufl\u00f6sung der Bluesbreakers machte. Es w\u00e4re ein Leichtes f\u00fcr ihn gewesen, die Boogie Rock Jams, die Cream und Fleetwood Mac bekannt gemacht hatten, endlos zu wiederholen. Stattdessen zog Mayall nach Kalifornien und schlug dort eine g\u00e4nzlich andere musikalische Richtung ein. Er gr\u00fcndete eine Band mit dem akustischen Gitarristen Jon Mark, dem Fl\u00f6tisten und Saxofonisten Johnny Almond &#8211; und keinem Schlagzeuger. Das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit war das gro\u00dfartige Album &#8222;Turning Point&#8220; (1969). Sp\u00e4ter versuchte er sich an einer &#8222;Jazz Blues Fusion&#8220; mit einer gr\u00f6\u00dferen Band. Auf dem exzellenten Live Album &#8222;Movin&#8216; On&#8220; (1972) spielte er dann mit insgesamt 10 Musikern, darunter zwei Bassisten. F\u00fcr Mayall war es eine verr\u00fcckte Zeit voller Ver\u00e4nderungen und Experimente, \u00e4hnlich der Phase, die Neil Young in den 80er Jahren durchlebte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das erste, wor\u00fcber ich mit John Mayall spreche, ist meine Theorie, da\u00df er damals auf der Suche nach seiner eigenen Identit\u00e4t war. John ist \u00e4u\u00dferst freundlich und gerne bereit, \u00fcber seine Vergangenheit zu sprechen. Allerdings haut er meine Theorie sofort ungespitzt in den Boden:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Zu dieser Zeit war ich mir meiner selbst sehr sicher. Aber so oft wie wir live spielten, immer auf Tour, dachte ich, da\u00df ich die M\u00f6glichkeiten meines Spiels mit der Heavy Lead Guitar ausgesch\u00f6pft hatte. Ich wollte etwas anderes machen, da damals dieser (heavy) Stil von den ganzen britischen Bluesbands \u00fcbernommen wurde. Da hatte ich die Idee mit dieser Besetzung ohne Schlagzeuger und mit ziemlich ungew\u00f6hnlicher Instrumentierung. Wir hatten nur acht St\u00fccke in unserem Repertoire, davon finden sich sieben auf dem &#8222;Turning Point&#8220; Album. Das ganze bewies mir eins: ich konnte eine Reihe seltsamer Instrumente nehmen, sie zusammenf\u00fcgen und es funktionierte. Damit habe ich mein musikalisches Vokabular erweitert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Danach verpflichtete ich (den Violinisten) Sugarcane Harris und (den ex-Canned Heat Gitarristen) Harvey Mandel, wieder ohne Schlagzeug (auf dem 1970er Album &#8222;USA Union&#8220;). Und das f\u00fchrte dann dazu, da\u00df ich Jazzmusiker in meine Musik einband. Diese Reise durch die 70er Jahre erlaubte es mir, mit einer Reihe gro\u00dfartiger Musiker zu arbeiten, die Jazz und Blues vermischten, mit der Betonung auf dem Blues. Zur gleichen Zeit machte Cannonball Adderly \u00e4hnliches, aber von einem Jazz-Standpunkt aus, indem er etwas Blues zu seinem Jazz mixte. Das war eine sehr aufregende Zeit.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mayall sagt, da\u00df er all diese stilistischen Ver\u00e4nderungen nicht geplant hatte, ihm der Umzug in die USA aber die M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnete, mit einigen der Musiker zu spielen, die er sch\u00e4tzte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Das war das Tolle daran, in Amerika zu leben. Ich war in einer Position, in der ich Musiker um mich hatte, die ich bewunderte &#8211; (den Trompeter) Blue Mitchell und (den Gitarristen) Freddie Robinson zum Beispiel. With the jazz thing I just went along with flow of it because it kind of took care of itself.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der zweiten H\u00e4lfte der 70er Jahre versuchte sich Mayall an neuen Ideen, aber diese Ideen waren nicht immer seine eigenen. Ein 75er Album (&#8222;Notice to Appear&#8220;) wurde produziert von der New Orleans Legende Allen Toussaint.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Das war eine merkw\u00fcrdige Sache. Es war eine Phase, in der mein Management und meine Plattenfirma versuchten, die Entscheidungsgewalt zu \u00fcbernehmen. Sie haben mich mit dieser Platte regelrecht \u00fcberrollt. Sie schickten mich nach New Orleans um mit Allen Toussaint zu arbeiten. Ich bewunderte seine Arbeit zwar, aber es war nicht meine Art zu arbeiten. Ich bin es gewohnt, ins Studio zu gehen und loszulegen. Aber Allen wartet manchmal tagelang bis ihn eine Inspiration \u00fcberkommt und in der Zwischenzeit machst du einfach garnichts. Schlie\u00dflich wurde es ein sehr merkw\u00fcrdiges Album, in erster Linie ein Allen Toussaint Album mit mir als S\u00e4nger.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Das &#8222;Bottom Line&#8220; Album (1979) war ein weiteres Beispiel daf\u00fcr, da\u00df die Verantwortlichen die Kontrolle an sich rissen. Sie verpflichteten Bob Johnston (Bob Dylan Produzent), um all diese unterschiedlichen Studiomusiker zusammenzubringen. Und ich wurde beiseite geschoben. Aber das waren die beiden einzigen Male an die ich mich erinnern kann, wo&nbsp;<strong>sie<\/strong>&nbsp;mir die Kontrolle entrei\u00dfen konnten.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann fand Mayall zur\u00fcck zum Blues-Rock, zum vier-Musiker-Band-Format, dem er den Weg gebahnt hatte. 1982 machte er eine Bluesbreakers Reunion Tour durch die USA mit Mick Taylor, John McVie and Schlagzeuger Colin Allen. In den letzten 10 Jahren ver\u00f6ffentlichte Mayall Platten, die sich sehr am Mitt-60er Bluesbreakers Stil orientierten. Und er verlor nie seinen Blick f\u00fcr neue Talente. Coco Montoya, jetzt ein recht erfolgreicher Solok\u00fcnstler, spielte auf mehreren Platten Ende der 80er\/Anfang der 90er und Mayalls aktueller Gruppe geh\u00f6rt das Gitarren-Ph\u00e4nomen Buddy Whittington an.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8218;Blues For The Lost Days&#8216; (Silvertone) hei\u00dft das Album, das Mayall und Mannschaft im April 97 ver\u00f6ffentlichten. Es beinhaltet eine Version von Freddie Kings &#8218;Sen-Say-Shun&#8216;.&nbsp;<em>&#8222;Es ist eine Tradition aus den fr\u00fchen Bluesbreakers Tagen, immer ein Freddie King Instrumental im Programm zu haben. Eric hatte &#8218;Hideaway,&#8216; Peter &#8218;The Stumble&#8216; und Mick &#8218;Driving Sideways'&#8220;,<\/em>&nbsp;sagt Mayall, und klingt dabei wie ein Vater, der stolz ist, da\u00df sein j\u00fcngster Sohn in die Schuhe seines gro\u00dfen Bruders pa\u00dft. Die CD zeigt auch Johns Talent daf\u00fcr, ungew\u00f6hnliche Themen in den Blues einzubringen. &#8222;Trenches&#8220; ist eine Beschreibung des ersten Weltkriegs.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Wenn ich ein Album zusammenstelle, denke ich an Themen, die mir eine Menge bedeuten. Ich mache mir keine Gedanken, ob das Thema passend oder unpassend f\u00fcr Bluesmusik ist. Denn bevor Du Musik machst, mu\u00dft du dir ein Thema aussuchen, und dann nimmst du dein Instrument und versuchst etwas zu spielen, das diese Stimmung einf\u00e4ngt und wenn du das geschafft hast, dann hast du die Basis des St\u00fcckes. Das Thema k\u00f6nnte also wirklich alles sein. Der 1. Weltkrieg &#8211; so weit ich wei\u00df, gab es noch nie einen Blues speziell dar\u00fcber und ich dachte mir, warum nicht? Es ist etwas, was mir viel bedeutet.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>John Mayall wird im Herbst des Jahres ausgiebig durch Europa touren. Mit seinen 63 Jahren ist er nicht \u00fcberrascht, da\u00df seine Karriere so lang andauert:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Als ich mit den Bluesbreakers anfing, kam es mir nie in den Sinn, da\u00df es eine Eintagsfliege sein k\u00f6nnte, denn du siehst dir die ganzen Blues- und Jazzmusiker an und es liegt in der Natur der Musik, da\u00df sie einfach immer weiter machen, solange sie k\u00f6rperlich dazu in der Lage sind.&#8220;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war eine sehr aufregende Zeit 1963 zog John Mayall von seiner Heimatstadt Macclesfield, England nach London. Im Gep\u00e4ck eine immer noch relativ neue Idee: eine Bluesband zu gr\u00fcnden. Das war damals nicht gerade in Mode, aber Mayall&#8217;s Bluesbreakers, und die Gruppen, die seine Musiker danach gr\u00fcndeten, \u00e4nderten das nachhaltig.<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1044,12],"tags":[2267,3698,651,3471,826],"class_list":["post-29332","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interview","category-musik","tag-blues","tag-bluesbreakers","tag-england","tag-john-mayall","tag-uk"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Mike Lehecka","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/mike\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29332","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29332"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29332\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29332"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29332"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29332"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}