{"id":29338,"date":"1997-10-14T11:11:00","date_gmt":"1997-10-14T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=29338"},"modified":"2022-06-18T01:44:31","modified_gmt":"2022-06-17T23:44:31","slug":"guided-by-female-voices","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/10\/guided-by-female-voices\/","title":{"rendered":"Guided By (female) Voices"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Telefoninterview mit Hindernissen<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"168\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/intertel.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-29339\"\/><figcaption>Vielbesch\u00e4ftigter Hinternet-Mitarbeiter<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Hinter-Net! Mitarbeiter sind vielbesch\u00e4ftigte Menschen und die Redaktion mangels spendabler Sponsoren (haaallloo! h\u00f6rt uns jemand da drau\u00dfen?!) arm wie eine Kirchenmaus. Das hei\u00dft u.a. gr\u00fcner Tee (Iiigitt!&nbsp;<em>die Red.<\/em>) und Salzstangen statt Champagner und Kaviar bei den Redaktionssitzungen. Und nat\u00fcrlich keine Flugtickets zu Interviewterminen in M\u00fcnchen, Hamburg oder London. Wenn der zu interviewende Berg nicht zu uns kommt, bleibt als letzte M\u00f6glichkeit meist nur noch ein Telefoninterview<\/strong><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>So geschehen auch letztens als Guided By Voices in Deutschland weilten, um ihr aktuelles Album &#8222;Mag Earwhig&#8220; zu promoten. Und so traf es sich, da\u00df unser amerikanischer Starreporter Mike Lehecka in Saarbr\u00fccken mit dem amerikanischen GBV-Mitglied John Petkovic in Hamburg telefonierte:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie wahrscheinlich auch der letzte Fan inzwischen wei\u00df, haben Guided By Voices, die Pop-Sonderlinge und Medienlieblinge ein v\u00f6llig neues Lineup. Immer noch dabei ist der Chef Bob Pollard. Gegangen sind Tobin Sprout, Mitch Mitchell und Bobs Bruder Jim, obwohl sie noch auf f\u00fcnf der 21 St\u00fccke auf &#8222;Mag Earwhig&#8220;, dem aktuellen Guided By Voices Album zu h\u00f6ren sind. Ebenfalls nicht mehr dabei ist Kevin Fennell. Sie wurden ersetzt durch vier Mitglieder der Cleveland-Band Cobra Verde: Gitarrist John Petkovic, Gitarrist Doug Gillard, Schlagzeuger Dave Swanson and Bassist Don Depew. Der Waschzettel der Plattenfirma verk\u00fcndet gute und schlechte Nachrichten. Die gute Nachricht \u00fcber die neue Besetzung ist, da\u00df das Durchschnittsalter von 39 auf 33 Jahre gesunken ist. Die schlechte Nachricht: Das Durchschnittsalter ist von 39 auf 33 Jahre gesunken.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch ist &#8222;Earwhig&#8220; eine der besten der unz\u00e4hligen Guided By Voices-Ver\u00f6ffentlichungen. Gewohnt kompromisslos &#8211; mal abgesehen von der besseren Aufnahmequalit\u00e4t. Mein Interview mit John Petkovic fand direkt nach Ver\u00f6ffentlichung von &#8222;Mag Earwhig&#8220; statt.<\/p>\n\n\n\n<p>John ist neu dabei und damit nicht verantwortlich f\u00fcr die Vergangenheit der Band, f\u00fcr die vielen Ver\u00e4nderungen, die Experimente und die zahlreichen, manchmal nur schwer aufzutreibenden Ver\u00f6ffentlichungen . Trotzdem zeigt sich vom Beginn des Interviews an, da\u00df auch er ein Mann mit ungew\u00f6hnlichen Musiktheorien und einem interessanten Kommunikationsstil ist. Dabei frage ich ihn nur, wie das neue Lineup von Guided By Voices zustande kam. Eine unschuldige kleine Frage, dachte ich, mit der man sich ein, zwei Minuten aufh\u00e4lt. Bevor wir \u00fcber das neue Album reden. H\u00e4tte ich geahnt, da\u00df mit der Beantwortung der Frage auch unsere 30 Interviewminuten zu Ende sein w\u00fcrden, h\u00e4tte ich mit etwas Einfacherem begonnen. Etwas in der Art von: &#8222;Wie ist denn das Wetter da oben in Hamburg?&#8220;. Wie auch immer, hier kommt sie, die Geschichte der neuen Guided By Voices:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Wir hatten&#8230; Ich war&#8230;. Wir waren in&#8230; Nun, wir (Cobra Verde) machten eine Tour zusammen mit Guided By Voices. Wir waren bei Scat Records unter Vertrag und Guided By Voices waren bei Scat Records. Und 1994 gab es dann eine Scat Records Tour, &#8222;Insects of Rock Tour&#8220; genannt. Quer durch die USA. Es war das erste Mal, da\u00df wir Bob trafen, aber es stellte sich heraus, da\u00df er ein Fan von Death of Samantha war, der Band, in der drei von uns vor Cobra Verde gespielt hatten und mit der wir drei Alben und eine EP in den sp\u00e4ten 80ern auf Homestead ver\u00f6ffentlicht hatten.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"100\" height=\"100\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/birne.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-29340\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/birne.gif 100w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/birne-60x60.gif 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 100px) 100vw, 100px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>An dieser Stelle ging in meinem Kopf eine kleine Gl\u00fchbirne an und ich erinnerte mich, wo ich den Namen John Petkovic schon einmal gelesen hatte. In Robert Christgaus &#8222;1980&#8217;s Record Guide&#8220; gibt es eine lustige Besprechung eines Homestead Samplers mit Death of Samantha. Christgau schrieb, alle Bands kl\u00e4ngen gleich und stellte sich vor, wie Mrs. Petkovic versuchte herauszufinden, auf welchen Songs denn wohl ihr Sohn mitspielte. Ich las John die Stelle vor und wir beide lachten herzhaft. Aber zur\u00fcck zur Guided By Voices-Story:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Bob Pollard war ein Fan von Death of Samantha und wir waren Fans von Guided By Voices, und seit 1994 haben wir uns immer wieder gesprochen und wurden richtig gute Freunde, denn wir interessieren uns f\u00fcr das gleiche Zeug, wie Can und eine ganze Menge von diesem Krautrockzeug. Wir waren auch sehr erfreut, nach Deutschland zu kommen, mit den Leuten zu reden und etwas \u00fcber Krautrock herauszufinden.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle lief mir schon ein Schauer \u00fcber den R\u00fccken bei dem Gedanken, das k\u00f6nnte der Beginn eines halbst\u00fcndigen Vortrags \u00fcber Krautrock werden. Wir alle lieben Krautrock, wir k\u00f6nnen nicht ohne sein, aber ich bin mir nicht sicher, ob wir auch nur noch ein einziges Mal h\u00f6ren wollen, wie toll diese wacky German Bands aus den fr\u00fchen 70ern gewesen waren. Aber gl\u00fccklicherweise hat das Krautrock-Revival inzwischen seinen Mediens\u00e4ttigungsgrad erreicht, so da\u00df interviewte Bands wissen, da\u00df sie hier nicht mehr ins Detail gehen m\u00fcssen. Es reicht zu erw\u00e4hnen, da\u00df sie Krautrock lieben, um sich einen Anteil Credibility zu sichern. Also schnell weiter im Text:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Wir waren Fans von Can und Devo&nbsp;<\/em>(die auch aus Ohio stammen)<em>&nbsp;und von vielem von diesem 60er-Jahre-Kram&nbsp;<\/em>(ziemlich gro\u00dfe Schublade, das)<em>&nbsp;und Psychedelic-Musik. Und wir m\u00f6gen vieles aus der Postpunkecke und Krautrock&nbsp;<\/em>(jetzt reicht&#8217;s!)<em>,&nbsp;alles m\u00f6gliche eben. Wir haben alle die gleichen Schallplatten in unserer Sammlung.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Bob wollte eine andere Richtung einschlagen, da dieses Lo-Fi Zeug mehr das Ergebnis mangelnder M\u00f6glichkeiten im Studio war. Er konnte zwar ins Studio gehen, aber er war nie besonders gl\u00fccklich mit den Ergebnissen, da er nie mit Leuten arbeiten konnte, die die gleichen musikalischen Vorstellungen hatten.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Credibility Move Number 2: Nachdem du geholfen hast, eine Mini-Bewegung auf den Weg zu bringen, sieh zu, da\u00df du rechtzeitig alles abstreitest, bevor der Backlash einsetzt. &#8222;<em>Lo-Fi? Zum Teufel, das war nur ein verdammtes Versehen, weil ich die Bedienungsanweisung nicht gelesen hatte!<\/em>&#8220; Und &#8222;Mag Earwhig&#8220; ist gut genug, da\u00df man das glauben k\u00f6nnte. Das Album klingt nicht wie das Werk von Lo-Fi Jungs, die ihre Fans verprellen wollen. Es klingt wie das Album, das Pollard immer schon machen wollte. John erkl\u00e4rt das so:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Wir sprachen dar\u00fcber und ich sagte Bob: Schau Dir Deine absoluten Lieblingsplatten an. Sie wurden alle aufgenommen unter Zuhilfenahme unterschiedlicher Sounds und unterschiedlicher Techniken in Studios, in denen du das machen konntest. Auf einer Vierspurmaschine geht das einfach nicht, weil du schon durch die Anzahl der Spuren eingeschr\u00e4nkt bist.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Nat\u00fcrlich wurde der ganze 60er Jahre Popkram auf Vierspurmaschinen aufgenommen, aber ich war leider nicht schnell genug, um ihn mit diesem Argument zu unterbrechen.)<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Schon bevor &#8218;Under the Bushes Under the Stars&#8216; herauskam, sprach Bob davon nach Cleveland zu kommen und mit uns an neuem Material zu arbeiten. Er sagte, er wolle mit uns arbeiten, weil er wu\u00dfte, da\u00df wir nicht versuchen w\u00fcrden irgendwas v\u00f6llig Verr\u00fccktes zu machen und das ganze nicht in ein Avantgardeprojekt verwandeln w\u00fcrden. Ich glaube, es war so im Sommer 96 als er anrief und sagte: &#8218;yeah I definitely want to come up to Cleveland.&#8216; Tats\u00e4chlich machten wir die ersten Pl\u00e4ne schon Ende 95. Damals lief gerade diese Friedenskonferenz. Du erinnerst Dich noch an die Bosnien-Friendenskonferenz in Dayton?&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bitte anschnallen, jetzt wird&#8217;s interessant, auch wenn ein paar Details unterwegs verloren gehen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich arbeitete als Korrespondent f\u00fcr eine Nachrichtenagentur und ich berichtete von diesen Friedensgespr\u00e4chen. Es war eine lustige Situation. Eines Nachts war ich mit einigen Leuten von einem der Verhandlungsteams unterwegs. Sie mu\u00dften das Hotel verlassen, weil sie dachten, die amerikanische Regierung k\u00f6nnte ihre Zimmer verwanzt haben. Ich ging also mit diesen Jungs aus und wir landeten schlie\u00dflich an einem dieser Fast-Food-Orte. Und sie meinten nur: &#8218;Was zum Teufel ist das?&#8216; Dazu muss man wissen, da\u00df Dayton mitten im Nirgendwo liegt. Die Regierung der USA wollte, da\u00df die Friedensgespr\u00e4che in Dayton stattfanden, weil sie wu\u00dften, da\u00df in Dayton \u00fcberhaupt nichts passiert. Nicht wie in Genf, wo man jederzeit zum Shopping gehen kann. Dayton hat die \u00d6rtlichkeiten, denn dort hatten die Gebr\u00fcder Wright ihre ersten Flugzeuge gebaut&nbsp;<\/em>(Keine Ahnung was das miteinander zu tun hat, aber Hinter-Net! Leser zahlen auch keinen Zuschlag f\u00fcr diese Geschichtsstunde)&nbsp;<em>und dort gibt es auch die Patterson Air Force Base. Und es ist auch langweilig genug, um die Gedanken nicht von den Friedensverhandlungen abzulenken. Einer aus dem Verhandlungsteam, ich kann nicht sagen, wer es war, meinte: &#8218;Ich kann nicht glauben, da\u00df sie uns an diesen Ort hier gesteckt haben. Was ist das? Schau dir das an!&#8216; Es war ein&nbsp;waffle house&nbsp;<\/em>(in den USA sehr verbreitete Restaurantart. Klinisch sauber, effizient, unpers\u00f6nlich und 24 Stunden lang Fr\u00fchst\u00fcck und Waffeln)<em>.&nbsp;Es war l\u00e4cherlich. Ich wei\u00df nicht, ob es in Deutschland auch Waffeln gibt?!&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"130\" height=\"130\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/waffel.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-29341\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/waffel.gif 130w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/waffel-60x60.gif 60w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/waffel-120x120.gif 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 130px) 100vw, 130px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ich erkl\u00e4rte ihm, ja, nat\u00fcrlich kennen wir hier Waffeln. Nichts h\u00e4lt sie auf: die Belgier und ihre Waffeln. Dann fragte John, ob ich schon einmal in Amerika gewesen sei und ich antwortete &#8211; vielleicht zum Leidwesen des Lesers &#8211; wahrheitsgem\u00e4\u00df, da\u00df ich aus Minneapolis bin. Das f\u00fchrt uns auf einige Umwege, indem wir \u00fcber gemeinsame Bekannte reden (wobei ich mich im Folgenden auf die Highlights beschr\u00e4nken werde):<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Kennst Du eine Frau namens Vicki? Sie schreibt f\u00fcr ein Musikmagazin in Minneapolis namens Request.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Oh, ja. Ich kenne sie, ich schreibe in Request eine Kolumne, die sich Geezers nennt (ausschlie\u00dflich \u00fcber altgediente Rocker).&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Oh yeah, die habe ich gelesen. Du machst das?&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Yeah, aber dieses Interview ist nicht f\u00fcr Geezers.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Warum nicht? W\u00fcrde doch passen! Hey just for your own personal interest, ich schreibe f\u00fcr die Website des Cleveland Plain Dealer&nbsp;<\/em>(schon immer einer meiner Lieblingszeitungsnamen &#8212; Mike)<em>&nbsp;und habe gerade eine Geschichte der Clevelander Musikszene von den 60ern bis zu den 90ern geschrieben, mit Eintr\u00e4gen zu 140 Bands. Da findest du dann u.a. Fotos, was Trent Reznor vor Nine Inch Nails machte. Magst Du Sachen wie Pere Ubu oder Devo? Alles da, bis hin zur James Gang.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Oh yeah, ich bin auch ein gro\u00dfer Fan der Rubber City Rebels, aber die sind ja aus Akron.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich habe das Akron-Zeug auch drin. Ich sprach mit so vielen Bands wie m\u00f6glich. Ich habe Zitate von Mitgliedern der Dead Boys, und davon sind ja nicht mehr all zuviele \u00fcbrig. Wen ich nicht erwischen konnte war Cheetah Chrome, ich glaube, er lebte eine Weile in Nashville (!!) und dann ging er wieder nach New York. Falls Dich die Adresse interessiert:\u00a0www.cleveland.com\/ultrafolder\/music.<sup><a href=\"#1Update\">1<\/a><\/sup>&#8222;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hinter-Mike empfiehlt nachhaltig einen Besuch dieser Seite, falls Ihr Euch f\u00fcr Punk Rock aus Cleveland interessiert. Dead Boys, Pagans, Rubber City Rebels, it&#8217;s great. Aber pl\u00f6tzlich beamt uns John zur\u00fcck zu diesem&nbsp;<em>waffle house<\/em>&nbsp;in Dayton:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Dann wei\u00dft Du also was ein Waffelhaus ist. Und die Typen aus dem Verhandlungsteam meinten: <\/em>&#8222;What the fuck is going on here?&#8220;<em> Warst Du schon einmal in Dayton? Nein? Das ist jetzt&nbsp;off the record, aber es ist&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/blond.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-29342\" width=\"150\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Leute, glaubt es oder nicht, aber genau in dem Moment, in dem John &#8222;<em>off the record<\/em>&#8220; sagte (immer wieder lustig, wenn ein Journalistenkollege die Formulierung gebraucht; er sollte es ja wirklich besser wissen), ert\u00f6nte die Stimme eines wundersch\u00f6nen deutschen Fr\u00e4uleins vom Band (ich stelle sie mir etwa wie Eva Hermann vor, aber daf\u00fcr haben wir jetzt keine Zeit), die mir erz\u00e4hlte, da\u00df Johns Telefonkarte aufgebraucht sei. Ich legte auf und wartete hoffend, da\u00df John eine andere Telefonkarte finden und mich zur\u00fcckrufen w\u00fcrde. Es dauerte etwa f\u00fcnf Minuten:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Hey Mike, tut mir leid. Irgendeine Frau hat mir da irgendwas erz\u00e4hlt. Keine Ahnung, worum es ging.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich erkl\u00e4rte ihm, da\u00df es Eva Hermann war, die mich um Verzeihung daf\u00fcr bat, da\u00df sie ein Kind mit einem anderen Mann zusammen hat.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Du hast also schon etwas deutsch gelernt. Ich habe deutsch studiert. Ich komme damit zurecht, aber nicht besonders gut.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Langsam f\u00fchlte ich mich wie dieses Verhandlungsteam. Werden wir je aus diesem&nbsp;<em>waffle house<\/em>&nbsp;herauskommen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Okay,&nbsp;waffle house. Es gibt da dieses Viertel in Dayton, etwa so wie es bei euch die Reeperbahn gibt. Wir haben so was auch, allerdings mit Fast Food. In Dayton ist es so eine Art&nbsp;Fast Food Row. So hei\u00dft es nat\u00fcrlich nicht offiziell. F\u00fcr diese Jungs hie\u00df das also, erst in einem Waffelhaus mitten im Nirgendwo rumh\u00e4ngen, um sp\u00e4ter biertrinkend&nbsp;<\/em>(Rolling Rock, eines der besseren amerikanischen Biere. Hei\u00dft: fast so gut wie Karlskrone)<em>&nbsp;in Bobs Garage zu landen. Wir hingen also herum und sprachen \u00fcber Musik. Er sagte: &#8218;Was ist mit Quadrophenia? Wie haben sie den Sound hinbekommen?'&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich nehme an, John meinte damit, da\u00df Bob nach Quadrophenia fragte, nicht einer der Friedensunterh\u00e4ndler des ehemaligen Jugoslawien. Ich bin mir aber sicher, wenn Pete Townshend w\u00fc\u00dfte, da\u00df sein Werk Thema einer Diskussion (wenn auch inoffiziell) bei den Daytoner Friedensverhandlungen war, der alte Geezer w\u00fcrde sofort eine komplette neue Rockoper dar\u00fcber schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;In dem Studio, in dem wir aufgenommen haben, hatten sie all diese analogen Synthesizer, alle m\u00f6glichen Gitarren und jede Menge alter Ger\u00e4tschaften. Bob meinte dann: &#8222;Okay ich h\u00e4tte gerne solche Sounds auf der Platte. Aber Tobin bekam Zwillinge und Mitch war besch\u00e4ftigt mit Mitch Mitchell&#8217;s Terrifying Experience. Den Namen hat er von Bob. Und auch Bob wollte etwas anderes machen. Er wollte keine glatte Hi-Fi-Platte in einem teuren Tonstudio machen, sondern eine Platte, die klingt wie die Platten, die er wirklich mag. Und deshalb sagte er: &#8218;Wir machen das in Cleveland.&#8216; Er stellte ein Tape mit etwa f\u00fcnfzehn Songs zusammen und schickte es nach Cleveland. Wir h\u00f6rten es uns drei, vier Tage lang an, dann kam er am folgenden Wochenende zu uns und wir spielten in zwei Tagen die Basictracks ein. Er ging wieder zur\u00fcck nach Dayton und wir arbeiteten weiter an dem Album. Zwei Wochen sp\u00e4ter kam er wieder und f\u00fcgte noch einiges dazu. Wir gingen die Sache nicht wie eine 5-Mann-Band an, die ins Studio geht und einen Song nach dem anderen raushaut. Wir spielten erst die Basictracks ein und f\u00fcgten dann Sachen dazu, die f\u00fcr den einzelnen Song gut waren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Auf einigen Songs spiele ich nicht mit, auf anderen ist Doug nicht drauf, jeder machte halt nur das, was f\u00fcr den Song gut war. H\u00f6r dir zum Beispiel &#8218;Bulldog Skin&#8216; an. Ich glaube, das ist der geradlinigste Song, den Guided By Voices je aufgenommen haben, aber das Intro ist sehr abstrakt. Man h\u00f6rt Grillen, drei Synthesizer, ein Kurzwellenradio auf Sendersuche und eine Farfisa-Orgel, die versucht einen Akkord zu finden. Wenn sie den Akkord dann hat, verschwindet der ganze abstrakte Kram und du hast den geradlinigsten Guided By Voices-Song aller Zeiten. Wir wollten nicht wie Guided By Voices klingen, aber gleichzeitig sagte er nicht: &#8222;Ich will, da\u00df es wie ein Song von &#8218;Bee Thousand&#8216; klingt&#8220;. Ich denke, Bob wollte eine Platte, die etwas anders war als &#8218;Under the Bushes&#8216;, die von Anfang bis Ende ziemlich \u00e4hnlich klang. Bob hat es nicht gesagt, aber ich glaube, er wollte eine Hi-Fi Version von &#8218;Bee Thousand&#8216;, mit vielen St\u00fccken und Songschnipseln.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Alright! Zweite Frage! Und zwar: waren die 15 Songs, die Bob euch auf Kassette schickte, schon fertig bevor ihr angefangen habt aufzunehmen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Nein, waren sie nicht. Es gab von den Songs nur das rohe Skelett. Vielleicht klingt es pr\u00e4tenti\u00f6s, aber Bob gab uns die Songs wie ein Glas, in das wir all unsere Ideen hineinwerfen konnten. Das Endergebnis basierte auf dem, was wir in das Glas hineinwarfen. Zum Beispiel bei &#8222;Portable Men&#8217;s Society&#8220;, da gibt es diese hochgepitchten Streichersynthies, etwas v\u00f6llig neues f\u00fcr Guided By Voices. Diese Art von Sound hatten sie vorher noch nie gehabt. Vorher hatten sie vielleicht nie die Zeit, um so was zu machen. &#8218;Bulldog Skin&#8216; war urspr\u00fcnglich nur eine Akustikgitarre und wandelte sich im weiteren v\u00f6llig.. Und bei &#8218;Not Behind the Fighter Jet&#8216; gab es urspr\u00fcnglich einen g\u00e4nzlich anderen Refrain, aber jetzt endet es im Mittelteil, weil es sich an der Stelle einfach aufl\u00f6ste. Wir dachten, ok, das ist gut so, wir lassen es sich aufl\u00f6sen. Ich glaube, eines der Geheimnisse der Guided By Voices-Musik ist eine einfache, fast kinderliedartige Melodie, die das Interesse weckt, aber daneben passieren all die anderen Dinge. Die St\u00e4rke der Melodien hat sich nicht ge\u00e4ndert, aber die Farben und Details sind&#8230; nicht extremer, aber in eine andere Richtung gelenkt. Oder vielleicht doch extremer. Wie auf &#8218;Mute Superstar&#8216;, da gibt es ein ziemlich mechanisch klingendes Riff, aber auch ein verr\u00fcckter Synthesizersound, der auf- und abschwellt. Ich denke wir haben einige Dinge umgesetzt, die wir auf einer 4Spur-Aufnahme nicht hinbekommen h\u00e4tten.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wird dieses Lineup von Dauer sein oder wird die n\u00e4chste Guided By Voices wieder mit v\u00f6llig anderer Besetzung eingespielt werden?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Wir sprachen gerade heute morgen dar\u00fcber, mit der Arbeit zu einer neuen Platte zu beginnen. Matador will das aktuelle Album noch eine Zeit lang promoten, so da\u00df es da schon einige Zeitbeschr\u00e4nkungen gibt und wir nicht sofort eine neuen neuen Longplayer aufnehmen k\u00f6nnen. Aber wir machen uns schon Gedanken, wie das n\u00e4chste Album werden soll. Es ist hart in zwei Bands gleichzeitig zu spielen (Cobra Verde gibt es ja auch noch) und manchmal macht es einen verr\u00fcckt. Die Bands sind allerdings sehr unterschiedlich und das macht es leichter. Und da in Guided By Voices alle Cobra Verde-Mitglieder spielen wissen wir alle ziemlich genau, wohin sich jeder andere musikalisch entwickelt.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Johns Stimme verschwindet und Eva kommt zur\u00fcck &#8211; richtig flehend diesmal. Ich kann mich nicht mehr beherrschen und alles ist vergeben. Und dann&#8230; nun ja, ich versprach ihr, nicht dar\u00fcber zu reden, was dann passierte. Sorry. Jedenfalls rief John noch einmal an und ich frage, ob er oder Bob jemals frustriert waren, weil Guided By Voices nicht mehr Erfolg haben:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich glaube, wenn Guided By Voices erfolgreicher w\u00e4re, k\u00f6nnten wir viele Dinge, die wir jetzt machen, gar nicht tun. Es gibt eine so treue Fangemeinde, besonders im Internet, da\u00df wir wissen, wir k\u00f6nnen verschiedene Dinge ausprobieren.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle verabschiede ich mich aus Angst, was ich Eva noch so alles versprechen k\u00f6nnte, wenn sie noch einmal auftauchen w\u00fcrde. John, einer der nettesten Kerle, mit dem ich je geredet habe, fragt bescheiden:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Was it okay? Did you get some good stuff to write about?&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" id=\"1Update\" style=\"background-color:#c2c2c2\"><sup>1<\/sup>Update: John Petkovics Flei\u00dfarbeit ist leider nicht mehr online, der\/die geneigte Leser:in findet aber eine Kopie in der wayback machine unter: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/19990224103059\/http:\/\/www.cleveland.com\/ultrafolder\/music\/timeline\/index.html\" target=\"_blank\">Cleveland Rocks Timeline<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Telefoninterview mit Hindernissen Hinter-Net! Mitarbeiter sind vielbesch\u00e4ftigte Menschen und die Redaktion mangels spendabler Sponsoren (haaallloo! h\u00f6rt uns jemand da drau\u00dfen?!) arm wie eine Kirchenmaus. Das hei\u00dft u.a. gr\u00fcner Tee (Iiigitt!&nbsp;die Red.) und Salzstangen statt Champagner und Kaviar bei den Redaktionssitzungen. Und nat\u00fcrlich keine Flugtickets zu Interviewterminen in M\u00fcnchen, Hamburg oder London. 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