{"id":29543,"date":"1998-06-21T11:11:00","date_gmt":"1998-06-21T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=29543"},"modified":"2022-06-23T18:14:03","modified_gmt":"2022-06-23T16:14:03","slug":"neil-young-crazy-horse-weld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/06\/neil-young-crazy-horse-weld\/","title":{"rendered":"Neil Young &#038; Crazy Horse &#8211; Weld"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;Das ist so &#8217;ne Art Best-of als Live-Album.&#8220; So bekam ich diese Platte in meiner Schulzeit angepriesen. Und weil Neil Youngs &#8222;Farmer John&#8220; zu unseren ersten Party-Hits geh\u00f6rte, lieh ich mir die &#8222;Weld&#8220; Doppel-CD. Weil sie auf eine 90er-Kassette passen sollte und ich dem Altrocker im Baumwollhemd noch nicht so richtig traute, blieb ich auf Jahre teilerleuchtet: Songs, die ich heute liebe, rockten mir damals spontan nicht genug. Die sehns\u00fcchtige Hippie-Romanze \u201cCinnamon Girl\u201d erschien mir als Rock-Schlager, \u201cPowderfinger\u201d erinnerte mich nur an Indianer-Ferienspiele mit Tipi &amp; Schminke oder das entsprechende Was-ist-was-Buch.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Neil Young wird gern &#8211; pathetisch aber treffend &#8211; &#8222;Pate des Grunge&#8220; gennant. Bis heute habe ich ihn, wenn es denn \u00fcberhaupt mal passierte, nur mit Pearl Jam und &#8222;Rockin&#8216; in the free world&#8220; im Fernsehen sehen k\u00f6nnen. \u201cWeld\u201d ist ein Zeugnis davon, da\u00df alte Herren schon vor Sub-Pop und dem Seattle der 90er R\u00fcckkopplungsharmonien mit br\u00fcchigem Gesang zelebrieren konnten. Es wimmelt auf dem Album von Geschichten, erg\u00e4nzt von Liebesliedern, beides in x-min\u00fctige Krachorgien geh\u00fcllt, die immer gef\u00fchlvoll und h\u00f6rbar bleiben. Crazy Horse rumpeln durch die Songs und singen harmonische Ch\u00f6re, Neil Young gibt seine immer etwas verzweifelte Stimme dazu und haut in die Saiten, dass es klingt als w\u00e4re sein Equipment total verrostet und der Verst\u00e4rker \u00fcberdreht. So entsteht eine spr\u00f6de Sch\u00f6nheit, garniert mit Live-Atmosph\u00e4re. Die langen Songs sind mit ausgedehnten Gitarrensoli best\u00fcckt. Dabei handelt es sich aber nicht um die seit den 70ern beliebten Fingerfertigkeits-Protz-Orgien der Gitarren-Griffbrett-Onanie; vielmehr wirkt es, als w\u00e4ren die Soli Mittel dazu, die Atmoph\u00e4re der St\u00fccke erstens l\u00e4nger und zweitens unartikuliert wirken zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Relative Schwachpunkte des Albums sind &#8222;Welfare mothers&#8220; und &#8222;F*!#in&#8216; up&#8220; (die etwas eint\u00f6nig wirken) und die &#8222;Blowin&#8216; in the wind&#8220; Coverversion. K\u00fcnstlerisch gesehen ist diese zwar interessant arrangiert: \u00dcber einem Teppich aus Kriegsl\u00e4rm erheben sich der Crazy Horse-Chor und die Solo-Gitarre, die unsicher aber kraftvoll die Gesangslinie nachspielt und zwischendurch ihren eigenen Ger\u00e4uschekrach erklingen l\u00e4\u00dft. Leider ist der Song an sich einfach zu abgenudelt um ihn immer wieder zu h\u00f6ren, im Gegensatz zum Rest des Albums.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Trackzusammenstellung verschont den H\u00f6rer mit den weniger r\u00fchmlichen Teilen des Young\u2019schen Werks, wie Songs, die unspektakul\u00e4r Rockstandards folgten oder weit \u00fcber die Grenze des ertr\u00e4glichen Kitschs hinaus dudelten (ich sage nur &#8222;Harvest Moon&#8220;). Die vielgeschm\u00e4hten Vocoder-\/Synthie-Experimente der \u201cTrans\u201d tauchen nicht auf &#8211; schade eigentlich drum, aber mit Crazy Horse h\u00e4tte das wohl eh nicht funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Krachaspekt des Albums kann man sich auch pur geben: &#8222;Arc&#8220; ist eine Bonus-Disc (gibt&#8217;s einzeln oder als &#8222;Arc-Weld&#8220;), auf der eine \u201ccompilation composition\u201d der Sorte &#8222;Neil l\u00e4\u00dft die Gitarre vor&#8217;m Verst\u00e4rker stehen&#8220; zu h\u00f6ren ist. Das beliebte Rock-Ritual, den Schlu\u00dfakkord r\u00fcckkoppelnd immer weiter zu schrammeln und dazu die Becken scheppern und Toms donnern zu lassen wird hier 35 Minuten mit eingestreuten Songzitaten aufrechterhalten &#8211; nur f\u00fcr eingefleischte Fans.<\/p>\n\n\n\n<p>Die &#8222;Weld&#8220; ist eine Sammlung der rockigen Neil-Yong-Klassiker. Anfang der Neunziger war es so &#8217;ne Art Best-of als Live-Album.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Neil Young &amp; Crazy Horse - Weld<br \/>(WEA\/1991)<\/pre>\n\n\n\n<p>Tracklist:<br \/>Neil Young &amp; Crazy Horse &#8211; Weld CD 1<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Hey hey, my my (into the black) 05:42<\/li><li>Crime in the city 06:33<\/li><li>Blowin&#8216; in the wind 06:48<\/li><li>Welfare mothers 07:04<\/li><li>Love to burn 09:58<\/li><li>Cinnamon Girl 04:47<\/li><li>Mansion on the hill 06:14<\/li><li>F*!#in&#8216; up 07:09<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Neil Young &amp; Crazy Horse &#8211; Weld CD 2<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Cortez The Killer 09:47<\/li><li>Powderfinger 05:56<\/li><li>Love And Only Love 09:19<\/li><li>Rockin&#8216; In The Free World 09:22<\/li><li>Like A Hurricane 14:00<\/li><li>Farmer John 05:00<\/li><li>Tonight&#8217;s The Night 08:43<\/li><li>Roll Another Number 05:21<\/li><\/ol>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Das ist so &#8217;ne Art Best-of als Live-Album.&#8220; So bekam ich diese Platte in meiner Schulzeit angepriesen. 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