{"id":29545,"date":"1999-05-29T11:11:00","date_gmt":"1999-05-29T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=29545"},"modified":"2022-06-23T18:15:09","modified_gmt":"2022-06-23T16:15:09","slug":"yazoo-upstairs-at-erics","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1999\/05\/yazoo-upstairs-at-erics\/","title":{"rendered":"Yazoo: Upstairs At Eric&#8217;s"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das sch\u00f6nste R\u00e4tsel des Pop<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Yazoo-Upstairs-At-Erics.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Yazoo-Upstairs-At-Erics.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-29546\" width=\"250\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Yazoo-Upstairs-At-Erics.jpg 596w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Yazoo-Upstairs-At-Erics-500x503.jpg 500w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Yazoo-Upstairs-At-Erics-145x146.jpg 145w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Yazoo-Upstairs-At-Erics-60x60.jpg 60w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Yazoo-Upstairs-At-Erics-120x120.jpg 120w\" sizes=\"(max-width: 596px) 100vw, 596px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Bis heute haben Yazoo einen riesigen Stammplatz in meinem Fan-Herzen inklusive Altar und Kerzen, aber ich r\u00e4tsel bis heute, ob sie einfach nur die &#8222;perfekte Band&#8220; waren oder eher ein Anti-Ph\u00e4nomen des Pop, das tolle Musik gemacht hat?!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Fest steht: Yazoo waren keine wirkliche Band, sie waren ein Duo bzw. ein Projekt. Ohne gro\u00dfe Vorbereitung taten sich Anfang der 80er zwei Meister ihres Fachs zusammen, obwohl ihre musikalischen Vorlieben unterschiedlicher nicht h\u00e4tten sein k\u00f6nnen. Es gab keine Message, keine Selbstinszenierung und kein role model. Wer wollte sich schon wiederfinden in einem schm\u00e4chtigen, publicityscheuen Synthie-T\u00fcftler und einer korpulenten, resoluten S\u00e4ngerin in weiten Gew\u00e4ndern? Au\u00dferhalb des Studios gingen sie sich aus dem Weg, und nachdem der Zauber des Anfangs verflogen war, trennten sie sich konsequent und unspektakul\u00e4r nach nur 16 Monaten. Sie hinterlie\u00dfen ein H\u00e4ufchen Hit-Singles und zwei LPs, darunter ein Deb\u00fct-Album, das mich jedesmal von Neuem umhaut: &#8222;Upstairs at Eric\u00b4s&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gesucht wird\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im englischen Melody Maker annoncierte um die Jahreswende 81\/82 die Halbfranz\u00f6sin Alison Moyet als &#8222;female singer looking for rootsy blues band&#8220; und erhielt Antwort von einem Elektronik-Freak namens Vince Clarke. Beide stammten aus Basildon in England und kannten sich fl\u00fcchtig aus gemeinsamen Musikschul-Zeiten Jahre zuvor (Er: Geige, Sie: Oboe).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Liebe des Ex-Punks Moyet geh\u00f6rte der schwarzen Musik, besonders dem Blues. Sie sang in diversen Bands, allerdings eher unter Ausschlu\u00df der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Vince Clarke war kein Unbekannter, er hatte gerade aus freien St\u00fccken eine junge, vielversprechende Band namens Depeche Mode verlassen, just nach Erscheinen deren erster LP. Die Gr\u00fcnde waren vielschichtig und lagen irgendwo zwischen wachsendem Promo-Rummel und unterschiedlichen kreativen Vorstellungen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich pr\u00e4zise-unpr\u00e4zise waren Clarkes Zukunftspl\u00e4ne, klar war einzig, da\u00df er weder eine neue Band suchte noch vom Independent-Domizil Mute zu einem Major-Label wechseln wollte. Nach eigener Aussage trieb es ihn lediglich wieder ins Studio, um zu sehen, ob er\u00b4s noch konnte. Auch Moyet kalkulierte rein rational und sah prim\u00e4r die Chance professioneller Aufnahmen, die sie f\u00fcr ihre weitere Karriere als Demo-Material nutzen konnte. In l\u00e4ngerfristigen Dimensionen dachte keiner der beiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Januar 1982 gr\u00fcndeten sie ihr Projekt und nannten es nach einem alten Mississippi-Blues-Label. (In den USA ver\u00f6ffentlichten sie aus namensrechtlichen Gr\u00fcnden als &#8222;Yaz&#8220;.) Im M\u00e4rz erschien die erste Single &#8222;Only you&#8220;, im Juli mit &#8222;Don\u00b4t go&#8220; die zweite, und im September folgte der erste Longplay, produziert vom Duo selbst, Mute-Chef Daniel Miller &#8211; und &#8222;Engineer&#8220; Eric C. Radcliffe, dessen Mitwirkung sich wie ein roter Faden vom ersten Depeche Mode-Album bis hin zu sp\u00e4teren Clarke-Projekten zieht &#8211; und der sich nicht zuletzt im Titel des ersten Yazoo-Werks wiederfindet!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fisch trifft Fahrrad<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Start war furios: Singles und LP st\u00fcrmten die Charts und erfreuten Fans wie Kritiker gleicherma\u00dfen. Yazoo trafen den Nerv der Zeit und des Publikums so perfekt, da\u00df erst auf den zweiten &#8222;Blick&#8220; deutlich wird, wie unkonventionell das musikalische Grundkonzept tats\u00e4chlich war. Auf eine einfache Formel gebracht: Pop trifft Blues. Elektronik trifft Stimme. Technische Pr\u00e4zision trifft Emotion. Das selbstgen\u00fcgsame, sich im Augenblick ersch\u00f6pfende Wesen des Pop prallte auf die erz\u00e4hlerisch entwickelnde Natur des Blues und auf die improvisatorische Neugier des Jazz, der Moyet im Blut lag. Mit ihr kamen Feeling und Dramatik: die melancholische, dunkle Seite war eindeutig ihre Mitgift!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Upstairs at Eric\u00b4s&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Synthie-Popper Clarke brachte zudem die Offenheit einer Stilrichtung ein, die gerade am Beginn ihrer Geschichte stand &#8211; vom Crossover zweier erprobter Richtungen konnte also kaum die Rede sein. Das erste Album des Duos war vielmehr gepr\u00e4gt von einem Moment des Suchens und Ausprobierens, weil gesicherte Muster und Schablonen f\u00fcr diese Art von Musik fehlten. &#8222;Upstairs at Eric\u00b4s&#8220; war ein musikalisches Experiment!<\/p>\n\n\n\n<p>Der kreative Schub betraf auch die Konzeption der Songs und das akustische Material. Trotz des gro\u00dfen kommerziellen Erfolgs von Yazoo h\u00e4tten die meisten Takes der &#8222;Upstairs at Eric\u00b4s&#8220; mit ihrer Poesie, den vielen Br\u00fcchen und Stimmungsumschw\u00fcngen weder in den Charts noch auf der Tanzfl\u00e4che eine Chance gehabt. Songs ohne wirkliche Strophen oder Refrains mit \u00fcberlangen Intros und Fade Outs waren das Resultat eines untr\u00fcglichen Instinkts f\u00fcr Atmosph\u00e4re, der im Zweifelsfall eben \u00fcbliche &#8222;Bauformen&#8220; zum Opfer fielen. Statt dessen gab es kleine Kunstwerke, deren Struktur sich &#8222;aus dem Bauch heraus&#8220; entwickeln durfte und sich sozusagen wie von selbst ergab! Au\u00dferdem arbeiteten Yazoo viel mit gesprochenen Passagen, allerdings nicht gerappt, sondern im Sinne normaler Alltags-Kommunikation: Sprach-M\u00fcll und Doku-Fetzen, die in &#8222;I before e except after c&#8220; sogar in bester Dada-Manier zu einer Collage montiert wurden!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einheit in Vielfalt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Synthese von Pop und Blues mit Ohrwurm-Charakter macht &#8222;Upstairs at Eric\u00b4s&#8220; zu einer wirklich runden Sache. Das ganze Album ist auf fast altmodische Weise hochmelodisch &#8211; kein Wunder, schlie\u00dflich ist Vince Clarke bekennender Simon &amp; Garfunkel-Fan und spielte fr\u00fcher sogar Gitarre in einer Folk-Band(!), was sich noch am besten im Intro zu &#8222;Never never&#8220; mit seinem sp\u00e4teren Projekt The Assembly nachvollziehen l\u00e4\u00dft. Und auch Alison Moyet als Black Music-Freak hatte ein Faible f\u00fcr eing\u00e4ngige Hooks.<\/p>\n\n\n\n<p>Stilistisch liegen Yazoo zwischen New Romantic und New Wave: sie klingen einfach erfrischend realistisch! Das Song-Spektrum ist trotzdem sehr breit: Disco-Feger der fr\u00fchen 80er, herzzerrei\u00dfende Schnulzen und nicht-kategorisierbare Eigensch\u00f6pfungen. Der Sound ist meist funky, aber auch mal elegisch mit klassischer Klavierbegleitung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine Maschine ist eine Maschine ist ein Mensch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Songwriting waren beide beteiligt, ansonsten jedoch herrschte strikte Arbeitsteilung: Clarke war f\u00fcr den Instrumental-Part zust\u00e4ndig und Moyet Alison Moyetf\u00fcr den Gesang.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Elektronik-Arrangements sind typisch f\u00fcr die erste britische Synthie-Pop-Generation (plastisch-monumentale Blockbildung, harte Beats, percussives Geplucker und weicher Melodie-Flu\u00df) und typisch f\u00fcr Vince Clarke, n\u00e4mlich originell und sensibel.<\/p>\n\n\n\n<p>Moyet steht dem technischen Equipment in nichts nach und kommt mit ihrer Ausdruckskraft und Wandlungsf\u00e4higkeit einem kleinen Orchester gleich. Nie wieder danach konnte Clarke ein vergleichbares Potential nutzen! Moyet f\u00fcllt die coolen Elektronik-Kl\u00e4nge mit Leben, Power und Sinnlichkeit, sch\u00f6pft aus einem riesigen Arsenal an Stimmungen, z. T. bis an die Grenzen des H\u00e4\u00dflichen gehend, und schafft in den Backing-Vocals geniale Kontraste.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Songs in der Einzelkritik:<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Don\u00b4t go&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der new-wave-igste Titel des Albums mit k\u00fchlen Synthie-Fanfaren, hartem Disco-Stomp und Moyets Stimme in voller Bandbreite. Zweite Hit-Single.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Too pieces&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kategorien wie &#8222;Strophe&#8220;, &#8222;Refrain&#8220; und &#8222;Mittelteil&#8220; versagen hier, im Grunde sind nur Vokal- und Instrumental-Passagen zu trennen! Zaghaften Synthie-Formeln schiebt sich erst sp\u00e4t der Rhythmus unter, dann Moyets vokale Einstimmung, die sich in pathetischem Harmonie-Gesang entfaltet, bevor das St\u00fcck zur\u00fcck ins Instrumentale f\u00e4llt, fast v\u00f6llig zum Stillstand und nur langsam wieder in Gang kommt. Die karge Instrumentation klingt nach und nach aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Bad connection&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Flotter Disco-Funk mit kurzatmigem Synthie-Geplucker, harten Beats und souligen Vokal-Echos im Hintergrund. Das Break im Mittelteil kombiniert \u00e4therische Ges\u00e4nge mit verzerrter Telephon-Stimme, und monotones Tuten bildet den Schlu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;I before e except after c&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eindeutigstes Indiz f\u00fcr den experimentellen Charakter der fr\u00fchen Yazoo! Weder Instrumental noch Song, sondern ein Patchwork aus geloopten Sprachfetzen, hysterischen Lachern, sph\u00e4risch-dumpfen Synthie-Kl\u00e4ngen und Ba\u00df-Fragmenten. Nicht sch\u00f6n zu h\u00f6ren, aber ein wertvoller Einblick in die musikalische Seele des Paares bzw. Vince Clarkes, denn solche elektronischen Spielereien d\u00fcrften kaum von Moyet ausgegangen sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Midnight&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Basiert allein auf der Melodie: erstmals steht der Gesang nicht nur als ear-catcher im Vordergrund, sondern diktiert die gesamte musikalische Struktur! Ein klassischer tiefschwarzer Blues, der eindeutig auf Moyets Konto geht und auch &#8222;nackt&#8220; \u00fcberlebt h\u00e4tte, die Synthies sind hier entbehrlich und passen sich nur unterst\u00fctzend an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;In my room&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Intro erklingen verzerrte Dialogfetzen und das englische Vaterunser, von Clarke zu kargem Synthie-Puls deklamiert. Moyets kr\u00e4ftiges Lamento legt sich mit stockenden Beats dar\u00fcber. Der schwerf\u00e4llige Song kommt langsam in Flu\u00df, steuert auf seinen H\u00f6hepunkt zu, explodiert mit scharfem Klirren und bricht wieder ab. Gebet- und Gesangsfragmente l\u00f6sen sich unregelm\u00e4\u00dfig ab und werden schlie\u00dflich schichtweise abgebaut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Only you&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Titel sagt\u00b4s schon: die einzig echte Schnulze des Albums! Tr\u00f6pfelnde Synthie-T\u00f6ne und weiche Elektronik-Schwaden verbinden sich gleichberechtigt mit Moyets spr\u00f6de-unterk\u00fchltem Gesang, der diesem zuckers\u00fc\u00dfen St\u00fcck Soul-Torte die n\u00f6tige Coolness gibt. Nonchalante Umsetzung mit herrlich gelangweiltem Fade Out. Kurios: obwohl keine zwei Jahre sp\u00e4ter in der a cappella-Fassung der Flying Pickets ein Mega-Hit, kennt kaum jemand das Original!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Goodbye seventies&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Startet mit wuchtigen Synthie-Riffs und m\u00fcndet in nerv\u00f6s-funkiges Geflimmer mit einem Hauch Industrial-Glamour. Disco hoch drei! Moyet holt vokal alles aus sich raus, mi\u00dfachtet die zehn \u00e4sthetischen Gebote und oszilliert zwischen Soul und Gospel!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Tuesday&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie &#8222;Too pieces&#8220; mehr Stimmungsgem\u00e4lde als Song: melancholisch-unheilschwanger und milde depressiv mit retardierenden Momenten und starken Kontrasten. Ein wabernder Syntie-Generator sucht sich die Tonh\u00f6he, tuckernder Rhythmus, Industrial-Donner und watteweiche Glocken-Plops gesellen sich hinzu. Moyet stimmt sich fr\u00f6stelnd summend im Background ein, apathisch und elegisch schiebt ihr Gesang dann den Song voran.<\/p>\n\n\n\n<p>Geniales Spiel mit N\u00e4he und Distanz: die unterschiedlichen Schichten des Songs (vor allem das ferne Fl\u00fcstern) schaffen ein transparentes und fast dreidimensionales Relief. Diesmal liefern die schleifenden Synthie-Linien die W\u00e4rme, nicht Moyets Stimme!<\/p>\n\n\n\n<p>Dann mitten im Song der Umschwung: \u00fcber karger Instrumentation kommt das St\u00fcck zum Stehen, dann zu belebtem Beat-Herzschlag zur\u00fcck in die erste Stufe zu neuer, flotter Synthie-Melodie und Hintergrund-Rauschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Winter kills&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dumpfe Donner-Schl\u00e4ge und schwere Klavier-Akkorde mit zierlich perlendem Melodie-Flu\u00df im Hintergrund als Intro der d\u00fcster-dramatischen Blues-Ballade in Moll. Moyet steuert verhalten singend, fl\u00fcsternd und wispernd auf den Gipfel, den hoffnungsvollen Ausbruch eines Rufs zu. Dann wieder Stimmungsgem\u00e4lde, hohe sph\u00e4rische Backing-Ges\u00e4nge von fern, Synthies werden dumpfer und kommen n\u00e4her, bis der Song erstirbt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Bring your love down (Didn\u00b4t I)&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gr\u00f6\u00dfer k\u00f6nnte der Kontrast zweier Takes nicht sein: Disco-Funk at its best und mit seiner harten Diktion den Stil des Nachfolge-Albums vorwegnehmend. Flotte Synthies, monotoner Beat, knappe \u00dcberg\u00e4nge. Trotz h\u00fcbscher Ohrwurm-Melodie kann Moyet vokal nichts &#8222;Schwarzes&#8220; einbringen: hier wird nicht erz\u00e4hlt, es geht nicht um Atmosph\u00e4re, sondern alles konzentriert sich auf den Moment. Eingef\u00fcgte Sprechtexte lockern auf, und ein variationsreich ausgewalzter Refrain liefert das Fade Out.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Nachruf<\/h3>\n\n\n\n<p>Soviel zur &#8222;Upstairs at Eric\u00b4s&#8220;. Der Yazoo-Epilog kann nahtlos ansetzen, denn noch vor Beginn der Aufnahmen zum zweiten Album &#8222;You and me both&#8220; (ver\u00f6ffentlicht im Juni 1983) war die Trennung des Duos beschlossene Sache, obwohl der kommerzielle Erfolg vermutlich angedauert h\u00e4tte. Aber die Faszination des Neuen hatte sich verfl\u00fcchtigt, der Erwartungsdruck nahm der Arbeit die Unbelastetheit, Vince Clarke war einmal mehr zerm\u00fcrbt vom Tour-Stre\u00df (1982 im Anschlu\u00df an die &#8222;Upstairs at Eric\u00b4s&#8220; durch Gro\u00dfbritannien), und Alison Moyet entwickelte immer mehr Selbstbewu\u00dftsein, bis die auseinanderklaffenden Anschauungen schlie\u00dflich das Projekt sprengten. &#8222;You and me both&#8220; enthielt die bitters\u00fc\u00dfe Perle &#8222;Nobody\u00b4s Diary&#8220; und verst\u00e4rkte Motown-Ankl\u00e4nge mit souligen Backing-Ch\u00f6ren. Der melodische Einfallsreichtum und die abwechslungsreiche Gestaltung waren dieselben wie auf dem Deb\u00fct-Album, doch die experimentelle Frische war dahin, die Songs konventionell und schematisch konzipiert und mechanischer umgesetzt, kein von g\u00e4ngigen Schranken entbundenes Ausufern in stilistisch-strukturelles Neuland mehr. Das Projekt &#8222;Yazoo&#8220; war am Ende. Clarke arbeitete zun\u00e4chst mit diversen Formationen, deren Existenz sich gerade noch anhand jeweils einer Single-Ver\u00f6ffentlichung nachweisen l\u00e4\u00dft (mit The Assembly und mit Paul Quinn), bis er 1985 mit Partner Andy Bell &#8222;Erasure&#8220; gr\u00fcndete.<\/p>\n\n\n\n<p>Moyet startete 1984 eine furiose Solokarriere mit erklassigem Pop, den sie mit ihrem selbstbewu\u00dften Blues-Gesang dominierte. Auch als Jazz-S\u00e4ngerin erntete sie Auszeichnungen, doch Ende der 80er verebbte der Ruhm der Alison Genevi\u00e8ve, genannt &#8222;Alf&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Wirkliche Kunst hat etwas Zeitloses, und die &#8222;Upstairs at Eric\u00b4s&#8220; klingt selbst nach Jahr und Tag noch immer taufrisch. Nachahmer fand das Experiment keine, auch die Protagonisten selbst versuchten keine Wiederbelebung, die im Alleingang ohnehin zum Scheitern verurteilt gewesen w\u00e4re. Es bleibt die Erinnerung an eine aufregend neue und hochklassige Kooperation, die sich schneller verfl\u00fcchtigte als eine Sternschnuppe!<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Yazoo\nUpstairs At Eric's\nMute, 1982<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das sch\u00f6nste R\u00e4tsel des Pop Bis heute haben Yazoo einen riesigen Stammplatz in meinem Fan-Herzen inklusive Altar und Kerzen, aber ich r\u00e4tsel bis heute, ob sie einfach nur die &#8222;perfekte Band&#8220; waren oder eher ein Anti-Ph\u00e4nomen des Pop, das tolle Musik gemacht hat?!<\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[12],"tags":[3618,3742,2967,3071,1382,3745,3741,3744,3743,3668],"class_list":["post-29545","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musik","tag-80er","tag-alison-moyet","tag-debuet","tag-duo","tag-mute","tag-old-school-rezension","tag-projekt","tag-synthie-pop","tag-vince-clarke","tag-yazoo"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Katja Preissner","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/kp-2\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29545","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/21"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29545"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29545\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29545"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29545"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29545"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}