{"id":29645,"date":"2000-10-01T11:11:00","date_gmt":"2000-10-01T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=29645"},"modified":"2022-09-18T04:00:56","modified_gmt":"2022-09-18T02:00:56","slug":"lektion-6-datentraeger-ein-beruf-mit-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/10\/lektion-6-datentraeger-ein-beruf-mit-zukunft\/","title":{"rendered":"Lektion 6:\u00a0Datentr\u00e4ger &#8211; ein Beruf mit Zukunft"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"120\" height=\"120\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/compi.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-29635\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/compi.gif 120w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/compi-60x60.gif 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Geschichte des Datentr\u00e4gers beginnt knapp vier Monate nach der Erfindung des Feuers. Erst mit seiner Hilfe war es m\u00f6glich, an die W\u00e4nde der Wohnh\u00f6hlen gemalte Zeichen \u00fcberhaupt als solche wahrzunehmen. Nat\u00fcrlich waren die ersten so entstandenen Daten von der Banalit\u00e4t jeder Pionierleistung: &#8222;1a-Mammut zum Selberschlachten&#8220; wurde da geschrieben, oder &#8222;Neanderthaler raus!&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Da\u00df dem neuen Medium in seiner Urform keine gro\u00dfe Zukunft beschert war, hatte im wesentlichen zwei Gr\u00fcnde: Zum ersten versuchte ein findiger Kleinunternehmer namens Bill Stonegates den Datenmarkt an sich zu rei\u00dfen, indem er eine neue Hardware namens &#8222;Hammer und Mei\u00dfel&#8220; verkaufte, die sich aber, da weder die Eisen- noch die Bronzezeit schon angebrochen waren, rasch als untauglich erwies. Mit einem Holzmei\u00dfel war den harten H\u00f6hlenw\u00e4nden nicht beizukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Grund war noch fataler: Der Datentr\u00e4ger selbst entpuppte sich als zu unhandlich, wenn es darum ging, Daten von einem Ort zum anderen zu transportieren. Eine ebenfalls von Stonegates lancierte L\u00f6sung namens &#8222;portable cave&#8220; scheiterte grandios, denn auch sie besa\u00df eine Breite von 20 Metern, bei einer H\u00f6he von 40 und einer Tiefe von 10.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst die Neuzeit hat den Datentr\u00e4ger zu einem wahrhaft flexiblen und schier unersch\u00f6pflichen Medium werden lassen. W\u00fcrde man die Menge an Daten, welche auf eine handels\u00fcbliche Diskette passen, in ihrer urspr\u00fcnglichen Darstellungsform speichern, entspr\u00e4che die Anzahl der ben\u00f6tigten H\u00f6hlenw\u00e4nde, aneinandergereicht, etwa der Entfernung von der Andromeda-Galaxis bis zum Betageuzenebel. Um den Vorgang der Datenerstellung und -speicherung binnen einer Zeitspanne von sieben Jahrhunderten abzuschlie\u00dfen, br\u00e4uchte man so viele Mitarbeiter, da\u00df &#8211; reihte man deren Nasenhaare aneinander, dies eine Strecke erg\u00e4be, die das vierfache des Umfangs des gesamten Universums ausmacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei ist die Diskette mit ihren 1,4 MB-Volumen bereits ein \u00fcberholter Datentr\u00e4ger. Aktuelle Festplatten fassen das zigtausendfache, allerdings sind sie nichts anderes als gro\u00dfe Disketten. Ein sogenannter &#8222;Kopf&#8220; ritzt Nullen und Einsen (Schriftart: Arial, Schriftgr\u00f6\u00dfe: 12) in die Oberfl\u00e4che der Festplatte. Werden Daten gel\u00f6scht, streicht der Kopf diese Nullen und Einsen einfach wieder durch. Ist die Festplatte voll, kann man sie wegschmei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nat\u00fcrlich ist das ebenso wenig die Zukunft wie etwa CD-ROM oder DVD. Nein, die Zukunft hei\u00dft &#8222;humaner Datentr\u00e4ger&#8220;, und das bedeutet: Sp\u00e4testens bis zum Jahre 2050 werden zehn Milliarden neue Arbeitspl\u00e4tze geschaffen. (Andere Quellen sprechen von 54 Arbeitspl\u00e4tzen bis zum Jahr 2390. Die Wahrheit liegt wahrlich wie immer in der Mitte.)<\/p>\n\n\n\n<p>Ein englisches Forscherteam der Uni Oxbridge entwickelt zur Zeit ein Verfahren, Daten im genetischen Code der Spezies Mensch zu speichern. Die Geschichte ist selbstverst\u00e4ndlich viel zu kompliziert, als da\u00df ein gew\u00f6hnlicher Hinternetleser sie verstehen k\u00f6nnte. Nur so viel: Durch dieses Verfahren gelangen Informationen in die Blutbahn, wo sie so lange zirkulieren, bis sie mitsamt einer gewissen Blutmenge abgezapft und decodiert werden. Aktuell ben\u00f6tigt das englische Forscherteam etwa einhundertzw\u00f6lf Liter Blut der Gruppe 1b, um die Nachricht &#8222;Ich komme gleich zum Essen, Schatz, was gibt&#8217;s denn, hoffentlich nicht wieder Salamitoast&#8220; zu speichern. Man sieht also, da\u00df das Prinzip schon stimmt und jetzt nur noch verfeinert werden mu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens in zwanzig Jahren wird dann der Beruf des Datentr\u00e4gers so allgemein bekannt und akzeptiert sein wie etwa heutzutage der sehr ehrenwerte Job des Brieftr\u00e4gers. Nach einer dreij\u00e4hrigen Ausbildung, bei der besonderer Wert auf gute Blutwerte gelegt wird, beginnt der Datentr\u00e4ger seine verantwortungsvolle T\u00e4tigkeit. Morgens um 6 geht er zum Absender, wo man ihm eine Menge Daten ins Blut spritzt. Danach f\u00e4hrt\/ l\u00e4uft\/ fliegt er zum wartenden Empf\u00e4nger, der ihm eine geringe Menge seines wertvollsten K\u00f6rpersaftes abzapft und die Daten mittels eines hochkomplizierten Verfahrens entnimmt. Nach einer Nottransfusion ist Feierabend, der Datentr\u00e4ger kehrt in seine Gruft zur\u00fcck, wo schon ein herrlicher Sarg darauf wartet, ihm den Schlaf zu vers\u00fc\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie man h\u00f6rt, soll es dann auch m\u00f6glich sein, andere K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten zum Datentransport einzusetzen. Tr\u00e4nen, Schwei\u00df &#8211; ja, selbst das, was immer dann zum Vorschein kommt, wenn es uns ganz besonders wohl ist soll sich eignen. F\u00fcr letztere Variante des Datentransports gibt es bereits einen aussichtsreichen Bewerber, den allseits beliebten Schlager- und Liebesk\u00fcnstler J\u00fcrgen Drews.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte des Datentr\u00e4gers beginnt knapp vier Monate nach der Erfindung des Feuers. Erst mit seiner Hilfe war es m\u00f6glich, an die W\u00e4nde der Wohnh\u00f6hlen gemalte Zeichen \u00fcberhaupt als solche wahrzunehmen. 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