{"id":29667,"date":"2000-11-29T11:11:00","date_gmt":"2000-11-29T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=29667"},"modified":"2022-09-18T03:51:58","modified_gmt":"2022-09-18T01:51:58","slug":"lektion-16-ein-gespraech-mit-herrn-aol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/11\/lektion-16-ein-gespraech-mit-herrn-aol\/","title":{"rendered":"Lektion 16:\u00a0Ein Gespr\u00e4ch mit Herrn AOL"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"120\" height=\"120\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/compi.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-29635\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/compi.gif 120w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/compi-60x60.gif 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Helle Aufregung in den HINTERNET!-Redaktionsr\u00e4umen. Herr AOL pers\u00f6nlich hat sich zu einem &#8222;roundtable&#8220;-Gespr\u00e4ch angek\u00fcndigt, und nach dem spontanen Ankauf einer solchen Rundtafel sitzen wir gespannt um selbige und starren zur T\u00fcr, durch die ER gleich treten wird: Beherrscher des WWW, Weltmeister der Niveaulosigkeit, Zelebrator der schrottigsten Software seit Adams Reinfall mit dem Apfel.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wir? Beginnen wir von links nach rechts: Chef Walter, heute zur Feier des Tages in einer HUGO-BOSS-Badehose mit appliziertem Schl\u00fcsselanh\u00e4nger &#8211; Herr Becker, unser Fr\u00fchst\u00fccksbeauftragter, der schon fr\u00fch wu\u00dfte, was er werden wollte (&#8222;weil mein Kleinhirn die Form eines Milchbr\u00f6tchens hat&#8220;) &#8211; Fr\u00e4ulein Babsi, die neue Dauervolont\u00e4rin, wie immer hauteng ihre bl\u00fchenden zwanzig Jahre perfekt in ein Nichts von Kleidchen mit nichts drunter gezw\u00e4ngt (unsere bisherige Dauervolont\u00e4rin, deren Namen wir an dieser Stelle nicht mehr erw\u00e4hnen d\u00fcrfen, ist endlich im kaum verdienten Ruhestand und leitet jetzt, zusammen mit ihrer Urenkelin Angelika, einen Safaripark bei Essen) &#8211; ja, und ich nat\u00fcrlich, Experte f\u00fcr alles, was mit dem Computer zu tun hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Und da kommt er! Erste \u00dcberraschung: Vor uns steht nicht der erwartete gro\u00dfkotzige amerikanische Manager mit dicker Cuba-Zigarre, sondern ein schon \u00e4lterer gro\u00dfkotziger deutscher Rentner aus der Celler Gegend, weltkriegserfahren und transpirierend, Adolf Otto Lustig mit Namen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie er denn \u00fcberhaupt dazu gekommen sei, so etwas wie AOL ins Leben zu rufen, fragt Chef Walter, gleich nachdem sich Herr Lustig jovial vorgestellt und &#8211; &#8222;Entschuldigung!&#8220; &#8211; von den Kurven unseres Fr\u00e4ulein Babsi Gebrauch gemacht hat. &#8222;Ja&#8230;&#8220; antwortet er philosophisch. &#8222;Was soll man denn machen, wenn man pl\u00f6tzlich Rentner geworden ist?&#8220; Wir senken betroffen die K\u00f6pfe. Das ist ein echtes menschliches Problem, das wir morgen sogleich in einer Kolumne gei\u00dfeln m\u00fcssen. &#8222;Morgens die Gartenzwerge putzen, mittags aus abgebrannten Streichh\u00f6lzern den K\u00f6lner Dom originalgetreu nachbauen &#8211; und abends? Ich frage Sie: Was macht man abends?&#8220; Wir wissen es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nun&#8220; f\u00e4hrt Lustig fort und schl\u00e4gt ein Bein \u00fcber das andere, wobei dieses eine das andere des Fr\u00e4ulein Babsi &#8211; &#8222;Entschuldigung!&#8220; &#8211; wie zuf\u00e4llig tangiert. &#8222;Nun&#8230;also &#8230; ich hab in der BILD gelesen, die Zukunft hei\u00dfe Internet, und da ich nicht Internet hei\u00dfe, wollte ich wenigstens so tun als ob. Mit einem 286er hat alles angefangen. Das war mein erster Pfeil-S\u00f6rfer, sozusagen. Heute haben wir einen 486er, bald einen Pentium. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir dann die Geb\u00fchren leicht erh\u00f6hen&#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Pfeil-S\u00f6rfer&#8220; murmelt Herr Becker und macht sich Notizen. &#8222;Damit man pfeilschnell s\u00f6rfen kann, gelt, Herr Lustig?&#8220; Lustig nickt ihm g\u00f6nnerhaft zu. Wird&#8217;s noch weit bringen, dieser schleimige Fr\u00fchst\u00fccksonkel! &#8222;Ja&#8230; mit Kommunikation kenne ich mich halt aus. Schon damals in El Alamein &#8211; M\u00f6nsch, was haben wir mit den Engl\u00e4ndern gechattet! Zack, zack, zack, da blieb kein Friedhof trocken!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Apropos&#8230;&#8220; meldet sich sch\u00fcchtern unser Fr\u00e4ulein Babsi. &#8222;Ist S\u00f6rfen wirklich so gef\u00e4hrlich? Erst gestern habe ich wieder gelesen: S\u00d6RFER VON HAI ANGEFALLEN&#8230;. Wenn man da vielleicht was abgebissen bekommt&#8230;.&#8220; Sorgenvoll streicht sie mit den Handfl\u00e4chen \u00fcber den wohlgeformten Oberk\u00f6rper, acht gierige Augenpaare streichen in Gedanken mit. &#8222;Keine Sorge, sch\u00f6ne Frau!&#8220; beruhigt Lustig galant. &#8222;AOL-Gew\u00e4sser sind so seicht, da\u00df nicht einmal eine Flunder darin \u00fcberleben kann!&#8220; &#8222;Das freut mich!&#8220; freut sich Babsi. &#8222;Eigentlich mag ich ja Fisch. Vor allem in Tomatenpaprikaso\u00dfe.&#8220; &#8222;Genau!&#8220; nimmt Lustig den Faden auf und r\u00fcckt n\u00e4her an den unglaublichen Leib der unglaublich reizenden Babsi. &#8222;Fisch , in kleinen Dosen zu sich genommen, hat noch niemandem geschadet!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Apropos geschadet.&#8220; melde ich mich nun zu Wort. &#8222;Wie stehen Sie eigentlich zu der Kritik, die AOL-Software \u00fcbernehme quasi die Herrschaft \u00fcber das Betriebssystem des Anwenders?&#8220; Chef Walter schickt mir einen b\u00f6sen Blick. Keine unangenehmen Fragen!, sagt dieser Blick. Sonst m\u00fcssen wir die 50 Riesen wieder hergeben, die uns Herr Lustig prophylaktisch \u00fcberwiesen hat, damit wir keine unangenehmen Fragen stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Lustig lacht nur. &#8222;Alles Unsinn!&#8220; Ich, ganz investigativer Journalist, bohre weiter. &#8222;Aber&#8230;wie erkl\u00e4ren Sie sich dann, dass die AOL-Software den User bevormundet &#8211; ja, ich wage kaum es zu sagen: sogar zensiert?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt rutscht Herr AOL doch etwas unruhig auf seinem Campingst\u00fchlchen herum. Ich fasse sofort nach, wie eine Flunder, die Blut geleckt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Folgendes ist mir erst neulich passiert. Ich schreibe einen Aufsatz \u00fcber neue Berufe in der bunsenbrennerherstellenden Industrie und darin diesen Satz: &#8222;Fakt ist, da\u00df Grafiker die neuesten Bunsenbrenner getreu den Maximen des Philosophen Karl Popper&#8230;.&#8220; &#8211; Tja, und weiter komme ich nicht, weil pl\u00f6tzlich ein Warnfenster aufgeht und mir mitteilt: &#8218;Sie haben in diesem Satz viermal schmutzige und vulg\u00e4re Umschreibungen des Fortpflanzungsaktes verwendet! AOL kann das nicht zulassen! Au\u00dferdem haben Sie vier Rechtschreibfehler in diesem Satz. Es mu\u00df &#8222;fuck&#8220; hei\u00dfen, nicht &#8222;Fakt&#8220;, &#8222;ficken&#8220;, nicht &#8222;Grafiker&#8220;, &#8222;bumsen&#8220;, nicht &#8222;Bunsenbrenner&#8220; und &#8222;poppen&#8220;, nicht &#8222;Popper&#8220;.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00e4ulein Babsi err\u00f6tet herzallerliebst und wird von Herrn AOL v\u00e4terlich in den Arm genommen. &#8222;Das ist eben unsere moralische Verantwortung, und dazu stehen wir auch! Punkt!&#8220; Langsam gleitet seine Rechte in Fr\u00e4ulein Babsis Ausschnitt. &#8222;Unsere Mitglieder sollen immer sicher sein, da\u00df wir Tag und Nacht an sie denken. So. Jetzt mu\u00df ich leider gehen. Hat mich gefreut, aber es ist Zeit f\u00fcr mein Mittagsschl\u00e4fchen. Kommen Sie mit, Fr\u00e4ulein Babsi?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nachtrag: Fr\u00e4ulein Babsi hat \u00fcberraschend gek\u00fcndigt, wir suchen dringend eine neue Dauervolont\u00e4rin! Ihre Vorg\u00e4ngerin leitet inzwischen \u00fcbrigens nicht mehr den Safaripark bei Essen, sondern ist unter die Provider gegangen. &#8222;KPD&#8220; hei\u00dft ihr Online-Dienst, &#8222;D&#8220; steht f\u00fcr &#8222;Deutschland&#8220;. Ob das gutgeht?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Helle Aufregung in den HINTERNET!-Redaktionsr\u00e4umen. 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