{"id":29882,"date":"1998-09-08T11:11:00","date_gmt":"1998-09-08T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=29882"},"modified":"2022-09-15T19:11:03","modified_gmt":"2022-09-15T17:11:03","slug":"frl-katjas-naehkaestchen-folge-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/09\/frl-katjas-naehkaestchen-folge-3\/","title":{"rendered":"Frl. Katjas N\u00e4hk\u00e4stchen, Folge 3"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"120\" height=\"105\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/typewrit.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-29877\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Dem Himmel sei dank, ich bin eine Erstgeborene. F\u00fcr Erstgeborene ist die ganze Welt ein Abenteuerland, denn sie haben keine \u00e4lteren Geschwister, die sie ihnen erkl\u00e4ren. So k\u00f6nnen sie entdecken und immerzu entdecken und dabei viele kuriose Erfahrungen machen: lots of stuff, mit dem sich sp\u00e4ter Kolumnen f\u00fcllen lassen. Man sieht: es ist nicht unwichtig, an welcher Stelle man in der Geschwisterchronologie steht. Langj\u00e4hrige Forschungen ergaben, da\u00df Rebellen und R\u00e4delsf\u00fchrer (Che Guevara und Konsorten) meist j\u00fcngere Geschwister sind, die sich gegen alles, aber auch einfach alles auflehnen. Anders werden sie n\u00e4mlich nicht beachtet, denn die angesehenste, verantwortungsvollste Position haben ja schon die Erstgeborenen inne. Die sind in der Regel damit besch\u00e4ftigt, j\u00fcngeren Geschwistern Vorschriften zu machen und die Delegationsw\u00fcnsche der Eltern zu erf\u00fcllen. Viele von ihnen werden Kolumnisten. In der Tat ist es Zeit f\u00fcr eine empirische Untersuchung, die kl\u00e4rt, wieviele aller Kolumnisten Erstgeborene sind. Ich wette, eine ganze Menge. Gott sch\u00fctze uns Erstgeborene.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u00dcber all dem h\u00e4tte ich beinah die mittleren Geschwister vergessen, und genau das ist ihr Schicksal: sie sind zu unspezifisch, verschwinden f\u00f6rmlich zwischen den Extremen &#8222;Erstgeborene&#8220; und &#8222;Nesth\u00e4kchen&#8220;. Lisa Simpson ist so ein &#8222;Sandwich-Kind&#8220;, nicht ohne Grund singt sie in ihrem Geburtstagsst\u00e4ndchen: &#8222;Happy birthday, armes mittleres Kind&#8220;. Nicht ohne Grund singt sie sich ihr Geburtstagsst\u00e4ndchen selbst!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/wolke.gif\" alt=\"Katjas Schreibmaschine?\" width=\"120\" height=\"144\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Und all dies nur, um auf ein Thema zu kommen, dem ich schon l\u00e4nger auszuweichen versuche, aber es dringt nunmal durch alle Ritzen in mein N\u00e4hk\u00e4stchen: die 80er Jahre. Sie liegen momentan f\u00f6rmlich in der Luft, so wie vor hundert Jahren Marx und Freud in der Luft lagen. (Das hei\u00dft nicht, da\u00df sich die Leute damals wirklich die M\u00fche gemacht h\u00e4tten, ihre Schriften zu lesen: sie lagen halt in der Luft.) Und jetzt liegen die 80er in der Luft. Vergangenheit entsteht dann, wenn die Songs der eigenen Jugend in Frank Laufenbergs Oldie-Sendung als Tages-Hit von vor 10 Jahren laufen. Heute macht das, glaub ich, Klaus Sch\u00fcrholz: Frank Laufenberg ist selbst schon Vergangenheit! Und SWF 3 \u00fcberhaupt jetzt auch&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>J\u00fcngst las ich, da\u00df mein Lieblingskolumnist Max Goldt in seiner Jugend jede Woche im Radio die Hitparade h\u00f6rte und alle Pl\u00e4tze fein s\u00e4uberlich in ein Schulheft eintrug, sogar mit den Plazierungen der Vorwoche in Klammern. Er \u00e4u\u00dferte den Plan, mit weiteren Artgenossen in punkto jugendlicher Listenf\u00fchrung eine Selbsthilfegrupppe zu gr\u00fcnden. Da sollte ich mich vielleicht mal melden, ich hab das n\u00e4mlich auch gemacht &#8211; original! &#8211; sogar mit den Plazierungen der Vorwoche in Klammern, Tatsache!!!<\/p>\n\n\n\n<p>In der Hauptsache aber hab ich aufgenommen! Aufgenommen, aufgenommen und aufgenommen. Ich war so s\u00fcchtig, da\u00df ich sogar die Spots f\u00fcr Hit-Sampler aus der Radio-Werbung aufgenommen hab! 20 K-Tel-Superhits. Nur bei Arkade&#8230; Mein Kassettenrecorder war immer auf &#8222;Aufnehmen&#8220; plus &#8222;Pause&#8220; geschaltet, und die Pause-Taste hab ich schon Sekunden vor den Songs runtergedr\u00fcckt, damit ich sie p\u00fcnktlich zum ersten Ton raufschnellen lassen konnte. Meine Lieblingslieder hab ich doppelt und dreifach aufgenommen &#8211; zur Sicherheit, falls mal \u00b4ner Kassette was passiert. Dabei mu\u00df ich oft den \u00dcberblick verloren haben (meist kam ich auch mit dem Beschriften nicht nach), denn ich hab jede Menge Kassetten, auf denen das gleiche Lied f\u00fcnfmal drauf ist, und das ist unlogisch, denn w\u00e4re der Kassette was passiert, w\u00e4ren ja alle f\u00fcnf Aufnahmen weg gewesen!<\/p>\n\n\n\n<p>Auch meine Klassenkameraden haben viel aufgenommen, und immer nur das Neueste. Aber in einem Punkt haben wir uns unterschieden, dar\u00fcber komm ich bis heute nicht hinweg: parallel zur Song-Fluktuation in den Charts haben meine Klassenkameraden ihre Kassetten immer wieder \u00fcberspielt und hatten so jeweils nur die aktuelle Top-Ten zur Hand. Was aus den Charts drau\u00dfen war, hat nicht weiter interessiert. Ex und hopp. Nicht zu fassen. Ich dagegen hab jeden neuen Charts-Rush archiviert, was mir enorme Probleme in Sachen Leerkassetten-Beschaffungskriminalit\u00e4t bescherte, aber dazu sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/kassette.gif\" alt=\"Spul it, baby\" width=\"120\" height=\"107\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Gestern hab ich in meinen Kassetten-Kartons gew\u00fchlt und tats\u00e4chlich mal wieder alte Tapes aus den 80ern angeh\u00f6rt. Ich kann mir das leisten, denn ich hab ja meine Kassetten nicht immer wieder \u00fcberspielt! Jedenfalls hab ich irgendwann beim x-ten Zur\u00fcckspulen desselben Songs eine interessante Entdeckung gemacht: das wahre Faszinosum war gar nicht das Lied selbst, sondern die Stimme nach dem Lied, die sagte &#8222;Platz 20 in den deutschen Single-Charts, letzte Woche noch Platz sowieso&#8230;&#8220;! Kaum zu glauben, aber diese S\u00e4tze sind f\u00fcr mich Heimat, Geborgenheit, Mutterliebe&#8230; Mit diesen Fetzen bin ich abends ins Bett gegangen, morgens aufgestanden, mittags mit dem Walkman radgefahren. Ich hab Tausende davon, denn aus Angst, neue Titel und Interpreten nicht schnell genug mitschreiben zu k\u00f6nnen oder den Namen nicht zu verstehen, hab ich die Absagen vorsichtshalber immer mitgeschnitten. Ich hab sogar einen Mitschnitt, wo der Moderator sagt: &#8222;Wenn Sie jetzt nicht nachgeblendet haben, sind Sie selber schuld, dann haben Sie meine Stimme n\u00e4mlich mit drauf&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht schneid ich mal lauter solche Abmoderationen zusammen und mach mir daraus eine ganze Kassette. Die kann ich dann zur Beruhigung vor Pr\u00fcfungen h\u00f6ren oder wenn ich demn\u00e4chst im Flieger nach New York sitz, klein und mickrig vor Flugangst. Die anderen h\u00f6ren dann ihre teuren Autogenes-Training-Tapes oder Englisch-Schnellkurse &#8211; und ich meine Charts-Notierungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/monkeydo.gif\" alt=\"Katjas Leser?\" width=\"120\" height=\"146\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Viele Leser werden sich jetzt fragen: Wo hatte das M\u00e4dchen nur all die vielen Leerkassetten her, denn Leerkassetten waren doch teuer, und so wie wir die Eltern der Kolumnistin kennen, bekam sie Anfang der 80er h\u00f6chstens 5 Mark Taschengeld im Monat?!! Stimmt. Und zumal ich auch gar nicht wu\u00dfte, wo man Leerkassetten kauft. Ich wu\u00dfte auch nicht, wo es die Vinyl-Singles gab, aus denen sich meine geliebten Hitparaden zusammensetzten. Das meine ich, wenn ich sage, Erstgeborene k\u00f6nnen die Welt noch selbst entdecken!<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Leerkassetten: wenn man Eltern hat, die als Eheberater arbeiten, hat man auch Leerkassetten. Das hei\u00dft, man hat jede Menge Kassetten im Haus, auf denen sich Menschen \u00fcber Eheprobleme unterhalten (&#8222;Herr Schneider, verstehen Sie, da\u00df ihre Frau sich dadurch verletzt f\u00fchlt?&#8220;&#8230;) und im Hintergrund die Stra\u00dfenbahn einer gro\u00dfen Rhein-Neckar-Metropole rauscht. Wenn man diese Kassetten \u00fcberspielt, macht man sie r\u00fcckwirkend zu Leerkassetten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Singles, dem Stoff, aus dem die Charts sind: sie entdeckte ich erstmals in einer gro\u00dfen, wenn nicht sogar der gr\u00f6\u00dften Ruhrgebiets-Metropole \u00fcberhaupt. Damals war ich elf, mit den Taschen voller Geld, zugesteckt von gutm\u00fctigen \u00e4lteren, weiblichen Verwandten. Davon h\u00e4tte ich mir viele Leerkassetten kaufen k\u00f6nnen, doch in der Musikalien-Abteilung eines gro\u00dfen Kaufhauses stie\u00df ich auf eine ganze Wand mit kleinen Schallplatten &#8211; und siehe da: es waren all die Songs und Interpreten, die sich in meiner geliebten Hitparade tummelten! Also hab ich mich erstmal eingedeckt &#8211; und jetzt kommt etwas, das wirklich wichtige Leute dank Marcel Proust in ihrem Leben immer mal wieder in Frageb\u00f6gen einsetzen m\u00fcssen (ich tu\u00b4s ungefragt in meiner eigenen Kolumne): die erste selbstgekaufte Schallplatte, ein Topos der biographischen Musiksoziologie! Bei mir war\u00b4s &#8222;Codo&#8220; von D\u00f6f. Und gleich einen Tag sp\u00e4ter bin ich nochmal hin und hab mir &#8222;Leuchtturm&#8220; von Nena und &#8222;Comment ca va&#8220; von den Shorts gekauft. Z\u00e4hlt das auch noch?<\/p>\n\n\n\n<p>Das waren also die Initialz\u00fcndungen meiner Obsession: Charts, Leerkassetten und Singles. Und &#8222;Bravo&#8220; nicht zu vergessen! Und die &#8222;Top-Hefte&#8220; mit den Texten der aktuellen Hits!! Das mu\u00dften nicht immer englische Hits sein, ich war mitunter auch f\u00fcr den Abdruck deutscher Texte dankbar. Bis heute sind diverse Liedzeilen in meiner Muttersprache f\u00fcr mich Quell\u00b4 nicht abrei\u00dfender Spekulationen! Ich hab mir mal die M\u00fche gemacht, ein paar rauszusuchen, vielleicht kann man sich \u00fcbers Internet austauschen und Abhilfe schaffen:<\/p>\n\n\n\n<p>Da ist z. B. eines meiner liebsten Lieblingslieder: &#8222;Rosemarie&#8220; von Hubert Kah. Den Refrain verstehe ich bis heute nicht ganz. &#8222;Aaaah, ich bin jetzt K\u00f6nig dieser Stadt&#8220;, soweit, so gut. Aber dann? Ich versteh nur sowas wie &#8222;Prinz Charles f\u00fcr eine Nacht&#8220;. Abgesehen davon, da\u00df da zwischendrin was fehlt &#8211; ist das korrekt?<\/p>\n\n\n\n<p>Oder &#8222;Berlin&#8220; von Ideal: irgendwo in der circa dritten Strophe versteh ich noch: &#8222;Ein Taxi f\u00e4hrt zu Romy Haag, Flasche Sekt hundertf\u00fcnfzig Mark&#8220;. Aber dann: &#8222;In Westdeutschland lernt man Geld ???, mal seh\u00b4n was im Dschungel l\u00e4uft.&#8220; Wer kann helfen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/frau.gif\" alt=\"Nicht Katja\" width=\"120\" height=\"153\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Mein pers\u00f6nliches Lieblingsjahr ist \u00fcbrigens 1983. Bin ich die einzige, die ein Lieblingsjahr hat? Wenn ja, ist das Anla\u00df zu Hoffnung oder zu Verzweiflung? Warum 1983, wei\u00df ich auch nicht. Ich war mir dessen allerdings schon 1983 bewu\u00dft &#8211; nicht erst aus einer r\u00fcckwirkend nostalgischen Verkl\u00e4rung heraus! Vor kurzem war alle Welt im pr\u00e4-apokalyptischen Titanic-Fieber. Klar, die Jahrtausendwende steht vor der T\u00fcr, und da kriegen viele Menschen Muffensausen. Anfang der 80er gab\u00b4s &#8222;Das Boot&#8220;, quasi die Vorhut der Titanic, und auch \u00b483 herrschte schon eine Art verfr\u00fchter fin-de-si\u00e8cle-Stimmung, denn viele gro\u00dfe Bands l\u00f6sten sich auf, z. B. Police, Supertramp etc., und alle haben geschrien, nur mir war das wurscht. (H\u00e4tte ich allerdings die Solokarriere von Sting vorhergesehen, h\u00e4tte ich am lautesten von allen geschrien&#8230;!) Stattdessen hab ich Ideal, UKW und Yazoo hinterhergetrauert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich so zur\u00fcckdenk, mu\u00df ich sagen, da\u00df sich die Gruppen damals noch mit viel Stil trennten und dies vor allem immer lange vorher bekanntgaben. Old-school-Splits! Im Fall von Supertramp konnte man schon von der Chronik eines angek\u00fcndigten Todes sprechen. (Wahrscheinlich, damit nochmal so richtig viele Fans in die Konzerte kamen. Hinterher konnte man die Trennung ja immer noch abblasen und neu ank\u00fcndigen, wenn wieder Ebbe in der Kasse war. Oder man trennte sich tats\u00e4chlich und kam erst wieder zusammen, wenn die Solokarrieren im Sande verlaufen waren. \u00dcbrigens galt Rod Stewarts Welthit &#8222;Baby Jane&#8220; damals als sein Comeback, das mu\u00df man sich mal vorstellen!).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/mann.gif\" alt=\"Mann mit Bart\" width=\"120\" height=\"131\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Aber nochmal zur\u00fcck zu Supertramp: hier in Deutschland hatten sie ihren letzten Fernsehauftritt in Fuchsbergers &#8222;Auf los geht\u00b4s los&#8220;. Ich fand\u00b4s, wie gesagt, nicht weiter schade um die Band mit dem nervigen Fistelstimmens\u00e4nger, ich hab auch Jon Anderson, Peter Cetera und Philip Bailey geha\u00dft. Au\u00dferdem hasse ich klavierspielende S\u00e4nger wie Elton John, Billy Joel, Joe Jackson etc. Man kann sich mein Entsetzen vorstellen, als ich letztes Jahr von einer gemeinsamen Elton-John-und-Billy-Joel-Tour las&#8230; Aber ich will hier jetzt kein Fa\u00df aufmachen. Obwohl &#8211; wenn ich schon mal dabei bin: wie kommt es, da\u00df momentan wieder alle Welt so tut, als w\u00e4re Dieter Bohlen der schlimmste Flie\u00dfband-Produzent aller Zeiten? Erinnert sich niemand mehr an Jeff Lynne??? Hat wirklich niemand mehr die widerlichen Wah-Wah-Songs von ELO im Ohr? Oder handelt es sich um eine kollektive Verdr\u00e4ngungsleistung? M\u00fc\u00dfte ich Jeff Lynne, Frank Farian, Peter Neuruhrer und Tony Marshall mit verbundenen Augen (Bata wei\u00df, was ich meine&#8230;), nur mit den H\u00e4nden tastend anhand ihrer Frisuren unterscheiden, s\u00e4he ich ziemlich alt aus. Vielleicht h\u00e4tte ich doch nicht in meinen 80er-Jahre-Kassetten w\u00fchlen sollen (die B\u00fcchse der Pandora&#8230;), jetzt ist manch alte Wunde wieder aufgerissen.<\/p>\n\n\n\n<p>A propos Jeff Lynne: was ist eigentlich aus den ganzen Keyboardern geworden, die mit dem Ende der Dekade aus ihren Bands entr\u00fcmpelt wurden? Keine 80er-Jahre-Band war denkbar ohne Keyboarder. Selbst Hardrock-Combos wie Saga, Loverboy oder Van Halen hielten sich einen Tastenman, der zu ihrem Sound fl\u00e4chige Synthie-Fanfaren beisteuerte. Wenn ich heute Film-Aufnahmen mit 80er-Rock-Gruppen live on stage sehe, mu\u00df ich lachen. Und doch stimmt es mich melancholisch: Sag mir, wo die Keyboarder sind, wo sind sie geblieben? Irgendwo sitzen Heerscharen arbeitsloser Keyboarder und gr\u00e4men sich. Oder sie sinnen auf Rache und f\u00fchren Finsteres im Schilde, angef\u00fchrt von den Herren Emerson, Lake und Palmer. Das m\u00f6ge Gott verh\u00fcten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber mit den Saxophonisten ist es doch das gleiche. Saxophonisten sind das Insignium ausgepr\u00e4gter Dekadenz, nur Dandy-Gruppen wie Spandau Ballet oder Supertramp konnten sich einen Saxophonisten leisten. Und heute, wo sind die einstigen Qu\u00e4lgeister? Abgetaucht in den Jazz-Underground, wo sie aufgrund ihrer Pop-Vergangenheit so verfehmt sind wie Fernsehschauspieler am Theater? Wir werden es nie erfahren, und auch mein B\u00fcchlein &#8222;Zitate von A bis Z&#8220; wei\u00df keinen Rat. Aber ein Bonmot, mit dem ich dieses Dokument des Hasses beschlie\u00dfen will: &#8222;K\u00f6nnen wir nicht alle dichten, so wollen wir doch alle richten&#8220;. Genau! In zwei Wochen mehr davon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem Himmel sei dank, ich bin eine Erstgeborene. F\u00fcr Erstgeborene ist die ganze Welt ein Abenteuerland, denn sie haben keine \u00e4lteren Geschwister, die sie ihnen erkl\u00e4ren. 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