{"id":29885,"date":"1998-09-28T11:11:00","date_gmt":"1998-09-28T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=29885"},"modified":"2022-09-15T19:11:55","modified_gmt":"2022-09-15T17:11:55","slug":"frl-katjas-naehkaestchen-folge-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/09\/frl-katjas-naehkaestchen-folge-4\/","title":{"rendered":"Frl. Katjas N\u00e4hk\u00e4stchen, Folge 4"},"content":{"rendered":"\n<p>Zun\u00e4chst mal m\u00f6chte ich mich f\u00fcr die viele liebe Post (Frl. Katjas Briefk\u00e4stchen&#8230;) bedanken, f\u00fcr die polemischen \u00c4u\u00dferungen zu meiner Lieblingsband und die \u00fcberfl\u00fcssigen Hinweise auf Internet-Lyrics-Suchmaschinen: isch abe gah kein\u00b4 Internet-Anschlu\u00df!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Deshalb kann man in Leserbriefen theoretisch auch k\u00fcbelweise H\u00e4me und Spott \u00fcber mir ausgie\u00dfen: ich krieg\u00b4s gar nicht mit! Ich bin auf den Chefredakteur meines Vertrauens angewiesen, der mir sicherlich (nat\u00fcrlich!) alles naturgetreu wiedergibt. Eigentlich hatten wir gewettet, da\u00df kein Mensch meine Kolumne liest, und f\u00fcr jede Leserzuschrift, die das widerlegt, wurde mir ein kleines Eigenheim versprochen, davon ist jetzt pl\u00f6tzlich allerdings keine Rede mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schlimmste an der Leserpost jedoch ist: das Lob. Im Grunde m\u00fc\u00dfte ich jetzt erst mal ein paar Jahre k\u00fcnstlerischer Pause einlegen, mir \u00b4ne Farm kaufen, Philosophie studieren, von mir bislang ignorierte Meisterwerke der Weltliteratur lesen (z. B. Joyce\u00b4 &#8222;Ulysses&#8220;, Musils &#8222;Mann ohne Eigenschaften&#8220; und Prousts &#8222;Auf der Suche nach der verlorenen Zeit&#8220; sowie last not least das Gesamtwerk von Johnson und Handke &#8211; h\u00f6r ich da jemanden laut lachen?!), den Dalai Lama treffen, zu mir finden und den ganzen Druck loswerden, der nun auf mir lastet, denn sicher kann es nur schlechter werden, und ich entt\u00e4usche alle, die mich mal gut fanden. Mein Chefredakteur sagt, das sei ein &#8222;writer\u00b4s block&#8220;: eine Schreibblockade, und das h\u00e4tten alle. Na dann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/fernseh.gif\" alt=\"Ich glotz TV\" width=\"120\" height=\"132\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Aufmerksame Leser wissen, wie \u00fcppig sich mein TV-Programm-Angebot gestaltet; ich leb gewisserma\u00dfen noch auf dem Stand&nbsp;<em>der<\/em>&nbsp;Jahrzehnte, wo man morgens in der Schule nur rein rhetorisch zu fragen brauchte: &#8222;Haste auch geseh\u00b4n, &#8230;?&#8220;, denn&nbsp;<em>nat\u00fcrlich<\/em>&nbsp;hatten\u00b4s alle gesehen, es gab ja nur drei Programme. Aber damit nicht genug: ich krieg diese drei kl\u00e4glichen Programme auch noch in verdammt \u00fcbler Qualit\u00e4t, verwackelt und vergrie\u00dft, selten in Farbe. Wohn wahrscheinlich in \u00b4nem Funkloch oder so. Also, f\u00fcr Nachrichten reichts, mehr ist halt nicht drin &#8211; jedenfalls nicht&nbsp;<em>visuell<\/em>. Ein Antennenverst\u00e4rker und \u00e4hnliches k\u00e4m mir aber auch nicht ins Haus, das br\u00e4chte mich n\u00e4mlich um einen ganz wichtigen Kick, der ja gerade darin besteht, da\u00df ich fast nichts erkenn, denn so h\u00e4lt die Glotze immer mal wieder ein paar nette \u00dcberraschungen f\u00fcr mich parat.&nbsp;<em>Das<\/em>&nbsp;mu\u00df wirkliches Erlebnisfernsehen sein!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich nenn mal zwei Beispiele: neulich wollte ich mir die BRAVO sparen, aber trotzdem mitkriegen, was man als junger Mensch zur Zeit so h\u00f6rt, und schaltete eine billige kleine Videoclip-Sendung im ZDF(!!!) ein. Dort sah ich das neueste Produkt der von mir sehr gesch\u00e4tzten Faithless, und der eingeblendete Titel besagte: &#8222;God is a O. J.&#8220;. Am \u00e4u\u00dfersten Horizont meiner Gehirnwindungen wollte gerade das Attribut &#8222;geschmacklos&#8220; heraufd\u00e4mmern (mal ganz abgesehen davon, da\u00df es auch inkorrektes Englisch w\u00e4re, denn bei unbestimmten Artikeln vor Vokalen h\u00e4ngt man ja ein &#8222;n&#8220; ans &#8222;a&#8220;, und das &#8222;e&#8220; in &#8222;the&#8220; w\u00fcrde man in dem Fall als &#8222;i&#8220; sprechen &#8211; au\u00dfer nat\u00fcrlich vor &#8222;USA&#8220; &#8211; Springsteen singt ja auch nicht &#8222;Born in thee USA&#8220; &#8211; das geht wegen des &#8222;j&#8220;s vor dem &#8222;u&#8220; (ju-\u00e4ss-\u00e4i), das nehmen die Amis als Konsonant), &#8211; aber ich schweife ab. Jedenfalls; grad als ich mich moralisch entr\u00fcsten wollte, h\u00f6rte ich den Faithless-S\u00e4nger intonieren: &#8222;God is a D. J.&#8220;. Ein&nbsp;<em>Deeeee<\/em>&nbsp;Jay, ach so.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/ansage1.gif\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"213\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Anderes Beispiel: irgendwann vor ein paar Wochen schaltete ich mich mal wieder in die ARD-Lachnummer &#8222;Sabine Christiansen&#8220; ein, wo das Aussuchen der Talk-G\u00e4ste den Redaktions-Praktikanten obliegt. Es ging um irgendwas Strafrechtliches, Kindesmi\u00dfbrauch oder so, und in der Runde sa\u00df &#8211; Edzard Reuter!!! Der ehemalige Daimler-Chef als Promi-Experte in einer Diskussion \u00fcber Vergewaltigung! Gut, wie gesagt, in Sachen &#8222;G\u00e4ste&#8220; \u00fcberrascht mich bei Christiansen eh nichts mehr, aber hier mu\u00df ich sie doch rehabilitieren, denn sp\u00e4ter in der Sendung erhaschte ich noch einen kl\u00e4renden Blick auf die Namens-Einblendung (nachdem ich anfing, mich zu wundern, da\u00df Reuter jetzt einen Doppelnamen tr\u00e4gt) und las: Edzard&nbsp;<em>Schmidt<\/em>-Jortzig, Bundesjustizminister. Na gut. Das sind so die kleinen Freuden, die ich mit meinem Fernseher erlebe, und ich m\u00f6chte sie wahrlich nicht missen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/ansage2.gif\" alt=\"ZDF-Ansagerin bei der Arbeit\" width=\"200\" height=\"207\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>(P. S.: Nachtrag zur ZDF-Abrechnung vor ein paar Wochen: hat k\u00fcrzlich noch jemand au\u00dfer mir gesehen, wie sich Barbara Hahlweg bei der Vorschau auf die 5 Uhr-Nachrichten &#8211; vom pl\u00f6tzlichen Rotlicht \u00fcberrascht &#8211; noch die Haare sprayte?!!)<\/p>\n\n\n\n<p>Viel lieber als diese kleinen Freuden mit meinem Fernseher misse ich dagegen Alt-Bundestrainer Vogts und vielleicht auch bald Alt-Bundeskanzler Kohl &#8211; betone jedoch gleich, da\u00df ich weder Teamchef Schr\u00f6der noch Kanzler Ribbeck oder wie auch immer willkommen hei\u00dfe. Dies war sowieso nur meine ziemlich konstruierte \u00dcberleitung zu einem anderen scheidenden lieben alten Bekannten: Stephan Derrick. Allerdings kann ich noch ein bi\u00dfchen hoffen, denn nicht wirklich an Derrick selbst, sondern vielmehr am kammerspielartigen Ambiente der Serie h\u00e4ngt mein Herz. Doch vielleicht erbt Siska ja mit dem Sendeplatz auch Derricks Revier und seine Klientel. Mir w\u00fcrden die gemeinsamen Fernseh-Freitagabende mit meiner Mutter bzw. unser Fachsimpeln \u00fcber die Einrichtungen (besser als jeder IKEA-Katalog!) jedenfalls sehr fehlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/ordnung.gif\" alt=\"Ordnung ist das halbe Leben\" width=\"150\" height=\"128\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Selten sah ich solch geschmackvolle Raumgestaltung mit solch ausgewogenen Proportionen, solch erlesenen Farben und solch exquisiten Kunstaccessoires. Neidisch betrachtete ich die Penthouse-Wohnungen der Studenten und die luxuri\u00f6sen Appartements der Prostituierten. Irgendwas mu\u00dfte ich falsch gemacht haben&#8230; Sehr viel realit\u00e4tsnaher ist da doch immer noch &#8222;Aktenzeichen XY&#8230; ungel\u00f6st&#8220;, logo (da sind die F\u00e4lle ja auch authentisch). Ede Zimmermann (jetzt: Butz Peters) entlie\u00df mich immer tiefberuhigt und mit einem wohligen Aufatmen, denn wo kann ich mich sicherer f\u00fchlen als in einem Land, wo nur Menschen etwas zust\u00f6\u00dft, die ihre Wohnung immer sch\u00f6n aufr\u00e4umen, bei denen nie Klamotten auf dem Boden rumliegen, nirgends dreckiges Geschirr, Essensreste, Altpapierberge oder vollgestopfte M\u00fcllt\u00fcten das Auge beleidigen?!? Oder hat man in den Filmchen bei XY schon mal irgendwann ein Opfer gesehen, das in einer Dreckh\u00f6hle wohnte? Und wie siehts bei mir aus? Genau! Fundiertes Wissen ist das beste Ruhekissen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Kolumne hei\u00dft bekanntlich &#8222;Frl. Katjas N\u00e4hk\u00e4stchen&#8220;, weil ich bevorzugt aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen plaudere, also aus meinem beschaulichen Alltag berichte. Und der spielt sich zu einem nicht geringen Teil am Telefon, in Superm\u00e4rkten und Kaufh\u00e4usern ab, denn als alleinwohnender Single mu\u00df man ja irgendwie den Kontakt zur Au\u00dfenwelt wahren, gerade wenn sich das Studentenleben nur noch vor h\u00e4uslichen B\u00fccherbergen abspielt. So kommt es, da\u00df ich jetzt auch noch das Verbrauchermagazin &#8222;<strong>Frl. Katjas Warenk\u00f6rbchen<\/strong>&#8220; in meine Kolumne integriere und andere an meinen Konsumerfahrungen teilhaben lasse. Als kochfauler alleinwohnender Single landen manchmal schon komische Sachen in meinem Einkaufsw\u00e4gelchen, und oft erw\u00e4ge ich, vielleicht zwischendurch mal in einem anderen Stadtteil einzukaufen, um dem R\u00f6ntgenblick der immergleichen Verk\u00e4uferinnen zu entgehen, die sicher schon bl\u00f6de Spr\u00fcche \u00fcber mich machen, wenn ich den Laden verlassen habe. Bin ich eigentlich die einzige verk\u00e4uferphobische Kundin weit und breit?<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls werde ich jetzt immer mal, wenn sich\u00b4s ergibt, ausgew\u00e4hlte Artikel auf die Showb\u00fchne stellen oder vor den Kadi zerren, je nachdem. Dabei verteile ich A-Noten f\u00fcr den k\u00fcnstlerischen Ausdruck (Design, Grschmack etc.) und B-Noten f\u00fcr das technische Verm\u00f6gen (n\u00f6tiger Aufwand an Geschirr, Besteck etc. oder auch einfach nur an Lappen und Eimer&#8230;). Die Noten entsprechen den \u00fcblichen Schul-Zensuren (1 = Klasse, 6 = Schei\u00dfe).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1) Uncle Ben\u00b4s Knusperreis-Scheiben &#8222;K\u00e4se&#8220;, &#8222;Honig-Nu\u00df&#8220; etc.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich beginne meine Beurteilung mit einem Zitat von Homer Simpson: &#8222;Auf sowas hab ich fr\u00fcher mein Bier draufgestellt&#8220;. Richtig, aber nicht ganz: das m\u00fcssen Scheiben der Sorte &#8222;Naturreis&#8220; gewesen sein, denn von denen hier h\u00e4tte er sein Glas schwerlich nochmal abgekriegt.<br \/>Die Werbung gaukelt uns vor, die Pariser Schickeria schm\u00fccke sich zur Zeit mit handt\u00e4schchengro\u00dfen T\u00fcten mit kleinen Reiscrackern in den Sorten &#8222;Apfel-Zimt&#8220;, &#8222;Schoko&#8220; oder &#8222;Karamel&#8220; drin (und \u00fcberhaupt, was hei\u00dft das schon: in Paris tr\u00e4gt man auch Evian-Flaschen in goldenen Halterungen mit Schulterriemen&#8230;) &#8211; aber jeder wei\u00df, da\u00df die echten, gro\u00dfen Cracker ein Abfallprodukt der Baumwollindustrie sind und seit der amerikanischen Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung noch 222 Jahre vergehen sollten, bis eine Formel gefunden ward, mit deren Hilfe die Kalorienarmut der Reiskapseln durch einen z\u00e4hen, klebrigen \u00dcberzug wieder zunichte gemacht werden konnte.<br \/>A-Note:6<br \/>B-Note:3<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2) Landliebe Joghurt &#8222;Pfirsich-Karamel&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Igittigitt. Hat jemand mal in seiner Grundschulzeit versucht, einen Radiergummi (&#8222;Ratzefummel&#8220; hie\u00df das damals) anzuz\u00fcnden: so wie das stinkt, schmeckt dieser Joghurt. Der verr\u00e4ucherte Aspekt steht wohl f\u00fcr den Karamel-Anteil, denn den hab ich sonst nicht rausgeschmeckt &#8211; wohl aber den Pfirsich-Part, der auch durch kleine Fruchtst\u00fccke allzu penetrant vertreten war. Da werden sich einige Herren und Damen wohl nochmal ein paar Stunden in ihr Lebensmittel-Labor zur\u00fcckziehen und im &#8222;Kleinen Chemiker&#8220; schm\u00f6kern m\u00fcssen. Wenn wir wei\u00dfen Rauch sehen (nicht riechen!) lassen wir Euch wieder raus, und dann zeigt Ihr mal, wie man ein neues, wohlschmeckendes Karamel-Aroma zusammenmanscht! Noch besser: mein Supermarkt qu\u00e4lt mich nicht nochmal durch die Abwesenheit des Landliebe-Joghurts &#8222;Vanille&#8220; und zwingt mich so zu schockierenden Erfahrungen mit unbekannten Sorten der dritten Art.<\/p>\n\n\n\n<p>A-Note:6<br \/>B-Note:2<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3) L\u00f6slicher Instant-Kaffee, gefriergetrocknet (alle Marken)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/kaffee.gif\" alt=\"Kaffee am morgen\" width=\"120\" height=\"118\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Das Schreckgespenst s\u00e4mtlicher Lebensabschnittsgef\u00e4hrten, gibt\u00b4s bei mir nach dem Z\u00e4hneputzen im Stehen am Fenster: jagt die M\u00fcdigkeit zum Teufel und die Geschmacksnerven gleich mit. Aber dennoch! Wer will schon morgens immer erst Papier in den Filter, Pulver ins Papier, Wasser abmessen und in die Maschine &#8211; und dann: wart, wart, wart&#8230; Nein danke.<br \/>A-Note:1 (mich faszinieren die kleinen K\u00f6rnchen jeden Morgen wieder aufs neue)<br \/>B-Note:1<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/rocket.gif\" alt=\"Fly me to the moon\" width=\"91\" height=\"68\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Hach ja, ein jubil\u00e4umsreiches Jahr schickt sich da gerade an, den Sommer mit einem letzten Fu\u00dftritt vor die T\u00fcr zu jagen und den Herbst ins Haus zu bitten: G\u00f6tz George und Romy Schneider&nbsp;(RIP) werden 60, James Hetfield schon 50 (man sieht\u00b4s ihm nicht an), auch die Br\u00f6tchen vom B\u00e4cker bei mir an der Ecke kennen noch die Zeit vor der deutschen Einheit, und Madonna, Michael Jackson und Prince sind jetzt 40.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber halt &#8211; niemand vergessen? Doch, klar! Die Schl\u00fcmpfe, diese niedlichen kleinen (3 cm hohen) blauen Wichte mit den wei\u00dfen Hosen (wo hinten das kleine blaue Schw\u00e4nzchen rausguckt) und wei\u00dfen Zipfelm\u00fctzen &#8211; auch sie werden heuer 40!!! Dabei ist mir, als h\u00e4tten sie ihre Bl\u00fctezeit erst gestern gehabt, Ende der 70er, als selbst Timm Thaler um 5 Schl\u00fcmpfe wettete, da\u00df gleich ein Elefant um die Ecke kommt und Kopfstand macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/schlmpf1.gif\" alt=\"Kosmoschlumpf\" width=\"120\" height=\"134\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Auch ich hatte damals einen ganzen Schwung von Schl\u00fcmpfen, darunter einen Schottenschlumpf mit Dudelsack, einen Clownsschlumpf, einen Schlumpf mit Spiegel (der Eitelschlumpf), einen Schlumpf mit orangefarbenem Ranzen auf dem R\u00fccken (der Schulschlumpf), eine Schlumpfine, einen halbnackten Schwimmschlumpf mit Badeh\u00f6schen und einen kleinen Babyschlumpf mit Rassel. Mein Lieblingsschlumpf ist allerdings verschwunden (ich mu\u00df irgendwann mal die Spielzeugkisten meines Bruders filzen&#8230;): das war ein ganz einfacher ohne irgendwelchen Schnickschnack in der Hand oder so (ich wei\u00df auch gar nicht mehr, wie der hie\u00df; aber der hatte einen bestimmten Namen, mal meinen Bruder fragen&#8230;). Auf diesen Schlumpf waren wir beim Puppenstubenspielen immer beide ganz scharf, und obwohl er mir geh\u00f6rte, hatten wir einen sehr salomonischen Modus beim Aufteilen: alle Schl\u00fcmpfe wurden auf einen Haufen geworfen (auch der etwas primitiv aussehende Kosmoschlumpf), dann wurde gew\u00fcrfelt, und wer die h\u00f6here Punktzahl hatte, durfte sich als erstes einen wegnehmen, und von da an immer jeder abwechselnd. Dann haben wir stundenlang mit Baukl\u00f6tzen (gleicher Aufteilungsmodus) unsere Schlumpfwohnungen gebaut (der eigentliche Inhalt des Spiels!). Meine war immer sehr klein, rechtwinklig und doch verschachtelt, die meines Bruders dagegen sehr abenteuerlich, ausladend, mit schr\u00e4gen W\u00e4nden, unterschiedlich hohen Mauern und ziemlich multifunktionalen Zimmern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/schlmpf2.gif\" alt=\"Prost\" width=\"120\" height=\"123\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Beim Einrichten der Wohnungen (zur Aufteilung der M\u00f6bel, Aquarien, Telefone, Teller, Lampen, Teppiche etc.: s. o.) haben wir dann immer schon etwas angewidert-fasziniert auf die des anderen geschielt, und beim Einzug wurde dann jedesmal verabredet, die Wohnungen zu tauschen! Dann mu\u00dften zwei Schlumpf-Familien (zu denen auch einige artfremde, aber nichtsdestoweniger liebevoll integrierte, winzige braune und wei\u00dfe Monchichis geh\u00f6rten) sehr umst\u00e4ndlich ihre kleine Habe auf einen Holz- und einen Playmobil-Laster laden, und &#8211; kaum eingezogen &#8211; schon wieder umziehen&#8230; Das Beste in Sachen &#8222;Schl\u00fcmpfe&#8220; aber hatte damals eine Nachbarsfreundin: ein Schlumpfhaus aus Gummi, so richtig in Pilzform mit abnehmbarem Dach, Fensterl\u00e4den und allem Pipapo. Drinnen wohnten 10 klitzekleine Schl\u00fcmpfe in allen Regenbogenfarben (&#8222;I-hin ei-nem klei-nen Ap-fel&#8230;&#8220;). Bei einer anderen Freundin sa\u00df tags\u00fcber immer ein \u00fcberdimensionaler Oberschlumpf (oder Papaschlumpf?) aus Pl\u00fcsch auf dem Bett.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte damals \u00fcbrigens auch die &#8222;Familie Sonnenschein&#8220;. Kennt die noch jemand? Heute w\u00fcrde man sagen: Barbies f\u00fcr Arme, aber damals waren die ganz hip und teuuuuer, uijuijui! (Ich hab die auch nur gekriegt, weil meine Eltern Angst hatten, ich k\u00f6nnte durch die Geburt meines Bruders psychischen Schaden nehmen, irgendwie austicken, ein Eifersuchtstrauma kriegen oder so, die &#8222;Familie Sonnenschein&#8220; sollte das etwas abfedern. Und in der Tat hab ich damals ziemlich gestaunt, weil: meine Eltern waren sonst nicht grad besonders spendabel, aber davon sprach ich ja schon beim letzten Mal). Au\u00dferdem hatte ich ein H\u00e4uschen von Fisher Price (das waren die mit den kegelf\u00f6rmigen bunten K\u00f6rpern und obendrauf ein hautfarbener Kugelkopf) mit Garage (samt hochschiebbarem Rollo) und einer richtigen T\u00fcrklingel. Das Haus konnte man praktischerweise zuklappen und mit einem Griff wie ein K\u00f6fferchen durch die Gegend tragen. Fisher Technik hab ich dagegen geha\u00dft, obwohl man damit tolle Nasenbohrmaschinen bauen konnte, das hab ich alles meinem Bruder geschenkt. Der kann auch meinen Teil von unserer Brio-Holzeisenbahn behalten: eine &#8222;wundersch\u00f6ne&#8220; Weihnachts\u00fcberraschung meiner Eltern, die damals entweder nicht gecheckt oder aus p\u00e4dagogischen Gr\u00fcnden bewu\u00dft \u00fcberh\u00f6rt hatten, da\u00df ich mir eine&nbsp;<em>elektrische<\/em>&nbsp;Eisenbahn gew\u00fcnscht hatte. Eine&nbsp;<em>Holz<\/em>eisenbahn! Mit&nbsp;<em>acht<\/em>! Lieber Himmel&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber eins mu\u00df ich noch zu den Schl\u00fcmpfen sagen, mit ihnen verbindet mich n\u00e4mlich ein sehr intensives Erlebnis im Holidaypark Anno \u00b478. Meine Mutter ist an meinem letzten Kindergartentag mit mir nach Ha\u00dfloch gefahren, wo es aus aktuellem Anla\u00df (&#8222;Sagt mal, von wo kommt Ihr denn her? &#8211; Aus Schlumpfhausen bittesehr&#8230;&#8220;) auch eine Live-Schlumpfshow gab, in der sich ein abgehalfterter Lou van Burg als Conferencier verdingte und am Ende das unvermeidliche Lied der Schl\u00fcmpfe singen mu\u00dfte. Um ihn herum scharwenzelte eine kleine Schlumpf-Gemeinde, sichtbar lebendig und nicht etwa ferngesteuert oder so: nein, die lebten!!! In Wirklichkeit steckten da nat\u00fcrlich die holidayparkeigenen Liliputaner drin (die, deren Wohnungen man durch die Fenster ihrer H\u00e4uschen beglotzen konnte; die hatten da eine richtige Dorfgemeinschaft, sogar mit eigenem B\u00fcrgermeister), aber das konnte ich ja nicht ahnen: f\u00fcr mich gab\u00b4s die Schl\u00fcmpfe&nbsp;<em>wirklich<\/em>, und ich war gl\u00fccklich und froh, sie mal getroffen zu haben. (Den gleichen Effekt hatte das erste Krippenspiel, das ich mit meiner Kindergartengruppe in der Waldorfschule gleich nebenan besuchte.)<\/p>\n\n\n\n<p>Also, liebe Schl\u00fcmpfe: ich schlumpf Euch noch ein langes Leben und viele schlumpfige Stunden in Eurem verschlumpften Schlumpf-Dorf. Auf englisch hei\u00dft Ihr \u00fcbrigens &#8222;smurfs&#8220; und auf franz\u00f6sisch &#8222;schtroumpfs&#8220;!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zun\u00e4chst mal m\u00f6chte ich mich f\u00fcr die viele liebe Post (Frl. 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