{"id":29894,"date":"1998-10-05T11:11:00","date_gmt":"1998-10-05T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=29894"},"modified":"2022-09-15T19:12:25","modified_gmt":"2022-09-15T17:12:25","slug":"frl-katjas-naehkaestchen-folge-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/10\/frl-katjas-naehkaestchen-folge-5\/","title":{"rendered":"Frl. Katjas N\u00e4hk\u00e4stchen, Folge 5"},"content":{"rendered":"\n<p>Uff, die Wahl ist rum. Obwohl ich es jedesmal wieder liebe, diese Stimmabgabe so richtig live und vor Ort, diese Zeitreise ins Wahllokal (das immer in einer Schule sein mu\u00df!) mit seinem vorsintflutlichem Retro-Charme, der nichtmal durch ein einziges winziges Bit Hightech gemindert wird! Dies war meine dritte Bundestagswahl, und jedesmal in einer anderen Stadt. Aber mit Wahllokalen ist es dasselbe wie mit McDonalds-Filialen: sie sehen alle gleich aus und sind deshalb an jedem Ort ein St\u00fcck Heimat. Da sind die h\u00e4\u00dflichen, nackten Sperrholzkabinen, die mausgraue Plastikurne &#8211; wie immer herrlich improvisiert mit dem obligatorischen Schnellhefter abgdeckt -, in die man mit betont harmloser Miene seine demokratische Briefbome fallen l\u00e4\u00dft. Da sind die freundlichen, wie immer gesch\u00e4ftig mit zahlreichen Listen raschelnden Wahlleiter, denen man gern noch mahnend zurufen m\u00f6chte: Sch\u00f6n aufpassen nachher beim Ausz\u00e4hlen!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/kreuze.gif\" alt=\"3 Kreuze\" width=\"184\" height=\"80\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt wei\u00df ich auch, warum mein Stadtteil &#8222;Alt-Saarbr\u00fccken&#8220; hei\u00dft. Das war mir bisher nicht so klar, die Saarbr\u00fccker Altstadt (oder das, was man hier daf\u00fcr h\u00e4lt) liegt n\u00e4mlich in einem ganz anderen Bezirk. Gut, ich wu\u00dfte, da\u00df ich nicht grad im Studentenviertel wohn, aber nur selten hab ich mich altersm\u00e4\u00dfig so deplaziert gef\u00fchlt wie am 27. September in meinem Wahllokal morgens um zehn. Vielleicht haben um diese Zeit auch nur ein paar Kirchen, von denen es hier mehr als Superm\u00e4rkte und st\u00fcmperhafte B\u00e4cker zusammen gibt, ihre Klientel ausgespuckt; jedenfalls kam ich mir vor wie in der geriatrischen Abteilung Saarbr\u00fcckens. Das war toll, denn zwar waren viele Menschen vor mir am Eingang und im Foyer der Wahllokal-Schule, fielen aber sp\u00e4testens an der Treppe weit hinter mir zur\u00fcck, und so sparte ich etliche Minuten und sammelte wertvolle Punkte f\u00fcrs dunkelrote Trikot. Die Formulierung &#8222;wertvolle Punkte&#8220; hab ich mir bei Herbert Watterott geklaut, der sie sich eigens f\u00fcr seine Live-Kommentare der Tour de France zurechtgelegt hat, da sammelte etwa Jan Ullrich &#8222;wertvolle Punkte f\u00fcr\u00b4s gelbe Trikot&#8220; oder Eric Zabel &#8222;wertvolle Punkte f\u00fcr\u00b4s gr\u00fcne Trikot&#8220; oder irgendwer &#8222;wertvolle Punkte f\u00fcr\u00b4s Bergtrikot&#8220; usw. &#8211; egal wer und egal welches Trikot: es waren immer wertvolle Punkte, so da\u00df irgendwann auch der letzte Tour-Laie kapiert hatte, da\u00df es sich nicht um Minus-Punkte handelte. Nochmals vielen herzlichen Dank f\u00fcr diese umsichtige Betreuung, Herbert Watterott!<\/p>\n\n\n\n<p>Wo ich grad dabei bin: hat noch jemand au\u00dfer mir den Balanceakt des ARD-Kommentatorengespanns Emig\/Watterott mitbekommen, der sich vor circa zweieinhalb Monaten ereignete, als der legend\u00e4re Berg&nbsp;<strong>Tourmalet<\/strong>&nbsp;Teil der Tages-Etappe der Tour de France war? Sicher eines meiner diesj\u00e4hrigen TV-Highlights!!! Also: es begab sich aber, da\u00df neben der sportlichen Berichterstattung als kleines Bonbon f\u00fcr die Zuschauer auch ein t\u00e4gliches Gewinnspiel angeboten wurde, dessen L\u00f6sung an diesem Tag in der Angabe des Jahres bestand, in dem der Tourmalet erstmals Bestandteil der Tour war.<\/p>\n\n\n\n<p>Verfolgte man die Sendung bereits von Anbeginn an, also noch vor der eigentlichen Live-\u00dcbertragung der Tour selbst, war die Beantwortung der schweren, schweren Quizfrage ein Leichtes, denn ungef\u00e4hr 20 Beitr\u00e4ge zur Erl\u00e4uterung der anstehenden Etappe wiesen auf das Jahr 1910 hin, als der Tourmalet zum erstenmal bla bla&#8230; Auch die Herren Emig und Watterott h\u00e4tten jenes Jahr w\u00e4hrend der Live-\u00dcbertragung gern genannt, wurden jedoch vom st\u00fcndlich ausgestrahlten Gewinnspiel immer wieder daran erinnert, es vielleicht doch besser zu lassen. Vor allem Herbert Watterott vollf\u00fchrte einige bewundernswerte Kapriolen, immer haarscharf an des R\u00e4tsels L\u00f6sung vorbei, und lie\u00df dem Zuschauer mehrfach den Atem stocken und das Blut gefrieren. Kollege Emig dagegen reagierte zunehmend gereizt und lie\u00df seinen Co-Kommentator wissen, man br\u00e4uche ja wohl kein Gewinnspiel zu veranstalten, wenn man die L\u00f6sung gleich mitliefere. Das fand Herbert Watterott auch und setzte noch ein allerletztes Mal zu einem seiner lebensgef\u00e4hrlichen Verbal-Kunstst\u00fccke an, d. h. er gab ein paar wertvolle Tips zum L\u00f6sungsjahr, ohne dieses direkt zu nennen, etwa da\u00df im selben Jahr der Rotkreuz-Gr\u00fcnder Dunant das Zeitliche segnete etc. Und ups! &#8211; jetzt sei ihm die Jahreszahl beinah rausgerutscht, so Watterott. Und weiter: &#8222;Das ist ja in der Tat auch schon ganz sch\u00f6n lange her, genauer gesagt 88 Jahre! \u00c4\u00e4h, \u00e4\u00e4h&#8230;&#8220; Dann herrschte eine lange Minute Stille, und vor meinem geistigen Auge w\u00fcrgte ein aufgebrachter J\u00fcrgen Emig einen zerknirschten Herbert Watterott&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/wahlvolk.gif\" alt=\"Stimmabgabe\" width=\"184\" height=\"91\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Aber nochmal zur\u00fcck zur Wahl, einem extrem dankbaren Ereignis f\u00fcr schreibblockadengeplagte Kolumnisten. Eigentlich war es wie ja immer, nur zum allerersten Mal haben mich die Wahlwerbespots im Fernsehen nicht genervt! Kein Wunder, denn diesmal gab es etwas noch viel Nervigeres, n\u00e4mlich das &#8222;Wahl-Lexikon&#8220; im ZDF-Morgenmagazin, ein politisches ABC f\u00fcr kleine Dummis unter den Zuschauern. Auch von anderen Programmen wurde man noch schnell vorm Urnengang gebrieft und lernte, was Legislaturperioden, Zweitstimmen und Direktkandidaten sind. Der Schlager eines jeden Wahl-Lexikons aber hei\u00dft &#8222;\u00dcberhangmandate&#8220;! Das sind -, \u00e4hm, tja&#8230; Jawohl, ich gestehe: ich kann\u00b4s noch immer nicht erkl\u00e4ren. &#8222;\u00dcberhangmandate&#8220; sind in der Politik ungef\u00e4hr das gleiche wie &#8222;Abseits&#8220; im Sport. Man wei\u00df es so dunkel, aber im Grunde&#8230; Und das mir, Gemeinschaftskunde Leistungskurs! Aber das war noch fast in den 80ern, und da gab\u00b4s wahrscheinlich noch keine \u00dcberhangmandate, denn sonst w\u00fc\u00dfte ich bestimmt, was das ist&#8230; Naja, ich hab auch mal als Neuntkl\u00e4\u00dflerin im Sozialkundeunterricht behauptet, in Deutschland g\u00e4be es Wahlzwang, also jeder W\u00e4hler w\u00fcrde notfalls an den F\u00fc\u00dfen ins Wahllokal geschleift. Das kam, weil ich meine Mutter mal gefagt hab, ob man eigentlich w\u00e4hlen mu\u00df, und da passierte wohl ein kleines Mi\u00dfverst\u00e4ndnis. Wie peinlich! Au\u00dferdem hab ich in meiner m\u00fcndlichen Soziologie-Zwischenpr\u00fcfung behauptet, der Bundeskanzler w\u00fcrde direkt gew\u00e4hlt, wo doch jedes Kind wei\u00df, da\u00df der Bundeskanzler nicht direkt gew\u00e4hlt wird. Mir fiel es angesichts des entsetzten Gesichts meines Professors auch augenblicklich wieder ein. Aber ich hatte halt am selben Tag noch mittags zu meinem damaligen Freund gesagt: &#8222;Den Scharping w\u00e4hl ich nicht!&#8220; Deshalb ein solcher Kurzschlu\u00df. Okay okay, es war dieselbe Pr\u00fcfung, in der mich mein Professor nach einem wichtigen, ziemlich pr\u00e4genden Ereignis in der franz\u00f6sischen Geschichte fragte, das wir Deutschen hingegen so nicht vorzuweisen h\u00e4tten, was das wohl sei? Nun, ich konnte jede Menge Spitzfindigkeiten \u00fcber die Nachkriegszeit (mein Thema!) aufz\u00e4hlen, die alle bewiesen, da\u00df da jemand wirklich gelernt hatte &#8211; doch von dem Drama, da\u00df sich unterdessen in meinem Kopf abspielte, ahnte ich nichts: in einer Haarnadelkurve meines Kleinhirns stand die Franz\u00f6sische Revolution, verzweifelt winkend. Aber die Verbindungssynapsen zum Gro\u00dfhirn hatten schon Dienstschlu\u00df, und so war mein Prof gezwungen, sich seine Frage selbst zu beantworten.<\/p>\n\n\n\n<p>Du liebe G\u00fcte, wie komm ich denn dazu, hier lauter unangenehme Intimit\u00e4ten auszuplaudern? So war das eigentlich nicht gedacht!!! Wurde mir ein Wahrheitsserum injiziert? Schreib ich am Ende gar unter Hypnose? Wu\u00dften Sie, da\u00df Kolumnisten neben Talkshowg\u00e4sten die Hauptklientel von Psychotherapeuten sind? Uns unterscheidet nur eines: bei den Talkshowg\u00e4sten ist klar, da\u00df sie schon vorher nicht ganz dicht gewesen sein k\u00f6nnen, aber wir Kolumnisten werden erst durch unseren kr\u00e4ftezehrenden Job zu nervlichen Wracks. Wir sind die vergessenen Vorruhest\u00e4ndler, die Ende September ein zus\u00e4tzliches 3-Millardenloch in den Bundeshaushalt rissen. Mein Makler sucht mir bereits ein T\u00fcrmchen in T\u00fcbingen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/rocket.gif\" alt=\"Auf in die USA\" width=\"91\" height=\"68\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Bald flieg ich \u00fcbrigens nach New York (juhu!), und introspektiv, wie ich nun mal bin, entdecke ich momentan an mir selbst zahlreiche Nebeneffekte meiner Reiseplanung, die ich so noch gar nicht kannte. Punkt eins: normalerweise hab ich im Jahr zwei &#8222;Kaufl\u00f6cher&#8220; von jeweils drei Monaten. Eins zieht sich von Januar bis M\u00e4rz, und das andere von Juni bis September (&#8222;Ja, mit Sonnenschein von Juni bis September&#8230;&#8220;). Ab September fang ich jedes Jahr an, mir selbst Dinge zu Weihnachten zu schenken, denn das ist Grund genug, was zu kaufen. Das gleiche gilt f\u00fcr die Zeit von M\u00e4rz bis Juni: da schenk ich mir schonmal Sachen zum Geburtstag. Das ist immer Klasse, wenn jemand zum Beispiel sagt: hey, diese Gummi-Mickey-Maus ist aber toll. Dann sag ich: ja, hab ich schon im voraus zum Geburtstag bekommen, und die Person fragt dann: von wem?, und dann sag ich: von mir. Wie gesagt, von Juni bis September ist normalerweise nix (eigentlich w\u00fcrde es jetzt so langsam wieder losgehn), aber wenn man eine Flugreise im Herbst plant, sieht die Sache nat\u00fcrlich ganz anders aus. Was ist zum Beispiel, wenn ich abst\u00fcrze? Wenn, dann jedenfalls nicht, ohne die neue &#8222;<a href=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/cd-f\/faithless.php\">Faithless<\/a>&#8220; geh\u00f6rt zu haben, die ich mir infolgedessen sofort kaufen mu\u00df. Und warum mir den &#8222;<a href=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/sampler\/lolarent.php\">Lola rennt<\/a>&#8222;-Soundtrack zu Weihnachten w\u00fcnschen, wenn ich da vielleicht schon bei die Fische bin? Nee, der mu\u00df gleich her.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/flyaway.gif\" alt=\"Fly me to NY\" width=\"195\" height=\"100\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Punkt zwei: leidige Erledigungen. Toll ist so\u00b4ne Flugreisen-Planung n\u00e4mlich auch in bezug auf anstehende Pr\u00fcfungen. Denn warum mir meine vielleicht letzten Lebenswochen mit Lernen verderben?!! Da w\u00fcrde ich mich sicher im freien Fall noch m\u00e4chtig dr\u00fcber \u00e4rgern&#8230; Hhm, eins ist aber schon komisch: wieso noch \u00b4ne neue Winterjacke, wenn ich dann doch vielleicht gar nicht mehr da bin? Oder h\u00e4tt ich besser \u00b4ne Schwimmweste gekauft? Fragen \u00fcber Fragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute war ich \u00fcbrigens bei Schlecker einkaufen, und seitdem seh ich klarer. Bisher dachte ich immer, Menschen nehmen ab, um irgendwem zu gefallen oder weil die Badesaison ansteht oder so. Mitnichten! Menschen nehmen ab, um bei Schlecker einkaufen zu k\u00f6nnen! Denn nur Fliegengewichte verm\u00f6gen sich durch die irrwitzig engen G\u00e4nge zwischen den Regalen zu winden! Allein das Tragen eines Rucksacks l\u00e4\u00dft das Durchstreifen dieser Nadel\u00f6hre zum H\u00f6llentrip werden. Ich zieh mir zwar zur Sicherheit immer noch schnell ein Extra-P\u00e4ckchen &#8222;Nerven&#8220; am Automaten, bevor ich einen dieser L\u00e4den betrete, aber es hilft nichts: Schlecker-Besuche treiben mich in den Wahnsinn! Sicher war Herr Schlecker, der Erfinder der Schlecker-M\u00e4rkte, als Kind jahrelang in einem Brunnenschacht eingeklemmt oder er mu\u00dfte sich das einzige Bett mit zw\u00f6lf Geschwistern teilen. Und weil er es nicht anders kennt, legt er eben auch seine Gesch\u00e4fte als Sardinenb\u00fcchsen an. Das ist Platzangst im eigentlichen Sinn: Angst vor zuviel Platz!<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den Strohhalm-G\u00e4ngen allein ist es aber nicht getan, nein, auf den wenigen Zentimetern zwischen den Regalen ist zwar kein Platz f\u00fcr Kunden, wohl aber &#8211; oh Wunder &#8211; f\u00fcr unz\u00e4hlige 2 m hohe blecherne Transportw\u00e4gen mit Produktpaletten, denn bei Schlecker ist immer, immer, immer Entladezeit!!! Das ist komisch, denn oft, sehr oft, geh ich unverrichteter Dinge, aber zerm\u00fcrbt, wieder aus dem Laden, weil\u00b4s genau die Sachen, die ich brauch, grad nicht gibt&#8230; Ja, bei Schlecker wird das Einkaufen zur Odyssee, denn man kann nat\u00fcrlich nicht einfach so zwischen den G\u00e4ngen hin- und herhuschen, da stehen ja schon die Blechkarren. Nein, man mu\u00df exakt denselben langen Zick-Zack-Weg, den man gekommen ist, auch wieder zur\u00fcck nehmen. W\u00e4ren W\u00e4lder wie Schlecker-L\u00e4den konstruiert, k\u00f6nnten H\u00e4nsel und Gretel heute noch leben. Rotk\u00e4ppchen auch, denn niemand kommt hier vom Wege ab, so sehr er auch m\u00f6chte. Schlecker-Grundrisse inspirierten einst diverse Freizeitpark-Gr\u00fcnder zur Sch\u00f6pfung vertracker Labyrinthe, in denen Menschen, die sich gern thrillen lassen, die sch\u00f6nsten Szenen ihrer n\u00e4chtlichen Alptr\u00e4ume nachspielen k\u00f6nnen. Kommt zu Schlecker, da gibt\u00b4s das umsonst, aber bringt viel Zeit mit!<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch was, wo ich grad da&#8211; Moment, Augenblick mal, ich mu\u00df mir nur gerade ein Taschentuch holen gehen, denn im Fernsehen l\u00e4uft eine Reportage \u00fcber die schlimme Not deutscher \u00c4rzte, die so unglaublich gut und selbstlos sind, aber der b\u00f6se, b\u00f6se (Ex-)Gesundheitsminister Seehofer&#8230;, und da mu\u00df ich immer weinen. Am \u00e4rgsten hat es die Gyn\u00e4kologen getroffen: die sind sowas von arm, da\u00df sie sich nicht mal ordentliche Poster f\u00fcr die Praxisw\u00e4nde leisten k\u00f6nnen. Deshalb schenken ihnen die Patientinnen immer Photos von ihren Kindern, und die Gyn\u00e4kologen basteln sich daraus dann ganz tolle gro\u00dfe Photow\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist Zeit f\u00fcr einen neuen Teil von&nbsp;<strong>&#8222;Frl. Katjas Warenk\u00f6rbchen&#8220;<\/strong>. Diesmal hat mich mein Chefredakteur mit einem bunten T\u00fctchen aus einer Wundert\u00fcte best\u00fcckt, und auch ich halte nat\u00fcrlich die Augen offen, ob\u00b4s irgendwo was Bl\u00f6des f\u00fcr mein neues Verbrauchermagazin gibt. Oder auch was besonders Gutes. Die richtig ekligen Sachen kommen erst in zwei Wochen dran, dann ist mein Bruder zu Besuch bei mir, und da mu\u00df ich mir sozusagen nicht selbst die Zunge schmutzig machen. Nein nein, war nur Spa\u00df, ich bin doch kein Geschwisterschinder. Fragt meinen Bruder! Oder nein, fragt besser mich&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heinerle &#8222;Knusper-Reis&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als ich noch klein war, bin ich am letzten August-Wochenende immer auf die Dorf-Kirmes gegangen, hab den Autoscootern zugeguckt und mir sehr sorgf\u00e4ltig \u00fcberlegt, wie ich meine 50 Pfennig anlege, die ich in monatelanger Selbst\u00fcberwindung angespart hatte. Viel mehr als ein T\u00fctchen wie dieses war selten drin. Ein paar fossile Puffreisk\u00f6rner, entdeckt bei den Ausgrabungen einer antiken Wasserfarben-Fabrik. Jaaa, die Togen waren wei\u00df, aber Snacks waren auch damals schon bunt! Das mit der &#8222;Zunge schmutzig machen&#8220; war \u00fcbrigens keineswegs metaphorisch gemeint, sondern bitterernst. Ich hab als pflichtbewu\u00dfte Verbrauchersch\u00fctzerin nat\u00fcrlich den Zungen-Test gemacht, denn f\u00fcr schlechtinformierte Konsumenten kann sowas peinlich werden, wenn man zum Beispiel auf einer Party anmutig lachen will und die Mundh\u00f6hle dabei schillert wie eine Farbpalette, noch dazu in den Trend-Farben der fr\u00fchen 80er: Neongelb, Neongr\u00fcn, Grellorange und Pink. Ja, in der Tat: von &#8222;Heinerle Knusper-Reis&#8220; nur vor Licht-aus-Partys kosten oder wenn\u00b4s alle machen, dann f\u00e4llts nicht so auf. By the way: es gibt da diese Plastikfolie mit eingeschwei\u00dften Luftkammern, mit der man fragile Fracht auspolstert. Die eigentliche Attraktion daran aber ist das penible Aufknacken jeder einzelnen Luftkammer mit Daumen und Zeigefinger. Das kann Stunden dauern, weil es s\u00fcchtig macht. (Ich erkl\u00e4re mir dieses Spielchen mit dem menschlichen Erledigungstrieb, der den Homo sapiens auch in der Freizeit nicht zur Ruhe kommen l\u00e4\u00dft und unter anderem f\u00fcr das Bauen von Sandburgen verantwortlich ist.) Jedenfalls: das klappt auch mit &#8222;Heinerle Knusper-Reis&#8220; und ist weniger gesundheitssch\u00e4dlich als der Verzehr.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">A-Note: 6<br \/>B-Note: 1 (man kann beim Knacken das T\u00fctchen drum lassen)<\/pre>\n\n\n\n<p>Zum Schlu\u00df schnell noch ein Dankesch\u00f6n an Herrn K\u00f6nig aus Wien von der Zeitschrift &#8222;Die Presse&#8220;, der an einem Tag Ende September im ZDF-ach so&#8230;-Morgenmagazin den Presseschau-Job machte. Dabei erw\u00e4hnte er eine Zeitung, die dem damaligen SPD-Schatten-Wirtschaftsminister Jost Stollmann zwar eine Titelgeschichte widmete, dort allerdings mit keinem Wort eine h\u00f6chst umstrittene Passage aus dessen Rede vom Vortag erw\u00e4hnte, die so kurz vor der Bundestagswahl nochmal f\u00fcr Furore sorgte. O-Ton Herr K\u00f6nig: &#8222;Den Namen der Zeitung nenne ich jetzt&nbsp;<em>nicht<\/em>, der zust\u00e4ndige Redakteur wird es heute sowieso schwer genug haben.&#8220; Find ich gut! Ich guck doch keine Presseschau, um informiert zu werden! Presseorgane sind ohnehin vollkommen austauschbar und spielen in Politik und Meinungsbildung keinerlei Rolle, oder? Au\u00dferdem zieh ich meinen Hut vor so viel journalistischer Solidarit\u00e4t! Mich st\u00f6rt einzig, da\u00df&nbsp;<em>\u00fcberhaupt noch<\/em>&nbsp;auf Inhalte von Presse-Artikeln eingegangen wird, wo es doch auch reichen w\u00fcrde, einfach nur darauf hinzuweisen, da\u00df in irgendeiner Zeitung irgendwas steht, und dabei ein paar geschw\u00e4rzte Titelseiten in die Kamera zu halten. Um mal vorzumachen, welchen Effekt ich mir davon erhoffe, sag ich jetzt gar nichts mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Uff, die Wahl ist rum. Obwohl ich es jedesmal wieder liebe, diese Stimmabgabe so richtig live und vor Ort, diese Zeitreise ins Wahllokal (das immer in einer Schule sein mu\u00df!) mit seinem vorsintflutlichem Retro-Charme, der nichtmal durch ein einziges winziges Bit Hightech gemindert wird! Dies war meine dritte Bundestagswahl, und jedesmal in einer anderen Stadt. 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