{"id":29903,"date":"1998-11-02T11:11:00","date_gmt":"1998-11-02T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=29903"},"modified":"2022-09-15T19:13:22","modified_gmt":"2022-09-15T17:13:22","slug":"frl-katjas-naehkaestchen-folge-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/11\/frl-katjas-naehkaestchen-folge-7\/","title":{"rendered":"Frl. Katjas N\u00e4hk\u00e4stchen, Folge 7"},"content":{"rendered":"\n<p>Bin wieder da. Und weil ich seit Tagen nichts anderes mach, als \u00fcber die Stadt der St\u00e4dte zu reden, will ich diesen Zwangs-Output doch gleich mal f\u00fcr mein &#8222;N\u00e4hk\u00e4stchen&#8220; nutzen. &#8222;Die Leser erwarten das&#8220;, meinte mein Chefredakteur, &#8222;denn: wenn einer eine Reise tut&#8230;&#8220;. Da ist was dran.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ja nun, mein New York-Trip begann eigentlich schon am Abend vorher, als ich mit einer selbsterstellten Liste sehenswerter Dinge vor einem NYC-Stadtplan sa\u00df und mir das Hirn zermarterte, wie ich meine viereinhalb Tage wohl am rationellsten nutzen k\u00f6nnte und dabei alles unter einen Hut krieg. Kurz bevor diese \u00dcberlegungen in einen autoaggressiven Anfall ausarteten, brach ich die Aktion resigniert ab. War auch besser so. Man mu\u00df einfach drauflos rennen, am besten mit einem gesunden NYC-Basiswissen, dann wird das schon. Laut einem meiner ca. 20 Reisef\u00fchrer nehmen sich die meisten New York-Touris immer vor, beim n\u00e4chsten Mal auch die \u00fcbrigen Boroughs zu besuchen, aber dann wirds doch jedesmal wieder nur Manhattan. Kann ich verstehen, w\u00fcrd bei mir kaum anders laufen. Grad hab ich meine Liste mal r\u00fcckblickend ausgewertet und festgestellt, da\u00df ich doch 20 von 31 Punkten abhaken kann, manche sogar zweimal, denn ich war wiederholt vor dem Dakota Building (John Lennon RIP&#8230;, Yoko Ono wohnt da heute noch, Leonard Bernstein, Judy Garland, Roberta Flack und Lauren Bacall hatten oder haben dort ein Domizil), das so hei\u00dft, weil es zum Zeitpunkt des Baus vor \u00fcber hundert Jahren so weit ab vom Schu\u00df lag, da\u00df die New Yorkeens meinten, es k\u00f6nne genausogut in Dakota liegen, und auf dem Empire State Building war ich auch doppelt: einmal tags\u00fcber und einmal abends.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/newyork1.gif\" alt=\"Streets of New York\" width=\"240\" height=\"237\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Tja, was soll ich sagen, also: New York &#8211; oder besser gesagt Manhattan- ist ein einziger &#8222;Craze&#8220;, der totale Wahnsinn eben. Metropolis, Gotham City oder wie immer man es nennen will, eine Stadt der Superlative, deren Einwohner keine \u00f6ffentlichen Aschenbecher brauchen, weil immer gen\u00fcgend Touris mit zur\u00fcckgelegtem Kopf und sperrangelweit aufgesperrtem Mund durch die Streets (quer) und die Avenues (l\u00e4ngs) rennen und die Wolkenkratzer bestaunen. Darauf sollte man als Touri auch keinesfalls verzichten, selbst wenn alle Reisef\u00fchrer davon abraten, sich als Reisender zu erkennen zu geben. Was soll man denn sonst machen? Mit gesenktem Kopf durch Manhattan schleichen? So ein Bl\u00f6dsinn.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens ist mir was ganz Seltsames passiert w\u00e4hrend meines Trips. Dazu mu\u00df ich ein bi\u00dfchen ausholen: Zahlreiche K\u00fcnstler, das kennt man ja, kommen irgendwann an einen Punkt, wo ihnen nichts mehr einf\u00e4llt. Dann steht weder im Kamasutra noch im &#8222;Reclam-F\u00fchrer f\u00fcr Frauennamen&#8220; noch ein Wort, das sie noch nicht vertont, dem sie noch kein Werk gewidmet oder nach dem sie noch keine Gitarre benannt haben. In diesem Moment kommt der K\u00fcnstler erstmals auf die Idee, die Atelier-T\u00fcr zu \u00f6ffnen, blickt erstaunt in die aufgehende Sonne (&#8222;Huch, gibts die auch noch?&#8220;), reibt sich die roten \u00c4uglein und wagt vorsichtig ein paar Schritte. Meist enden derartige Expeditionen am n\u00e4chsten Kiosk oder am Wagen der Aids-Hilfe, wo\u00b4s kostenlos frische Spritzen gibt, doch einige wenige schaffen es auch bis in die Stadt und wieder zur\u00fcck ins Studio, wo sie ihre neugewonnenen Eindr\u00fccke sogleich verarbeiten. Saarbr\u00fccker K\u00fcnstler nennen ihre Sch\u00f6pfungen dann gern &#8222;Wilhelm Heinrich Br\u00fccke&#8220;, &#8222;Auf der Mainzerstra\u00dfe&#8220; oder &#8222;Gedr\u00e4nge in der Saargalerie&#8220;. Das verkauft sich nicht sooo gut. Musisch begabte K\u00fcnstler der amerikanischen Ostk\u00fcste nennen ihre Werke dagegen &#8222;New York, New York&#8220;, &#8222;On Broadway&#8220; oder &#8222;Skating in Central Park&#8220;. Das verkauft sich schon besser. Auch hierzulande. Und so kommt es, da\u00df eine junge, saarl\u00e4ndische New York-Touristin an jedem Pl\u00e4tzchen in Manhattan promt die entsprechende Melodie im Kopf hat, ganz automatisch und ohne das irgendwie geplant zu haben. Verr\u00fcckt, oder? Aber wahr. Wahr ist auch, da\u00df in Downton Manhattan immer irgendwer Sinatras Evergreen auf den Lippen hat, ob gesummt oder gepfiffen. Das h\u00f6rt man in jeder Stra\u00dfe und an jeder Ecke. Und nicht etwa aus aus der &#8222;Dose&#8220; oder von diversen Tontr\u00e4gern, nein: richtig live und menschelnd!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/pumpkin.gif\" alt=\"Gesundes Gem\u00fcse?\" width=\"195\" height=\"151\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Ende Oktober ist ganz New York nat\u00fcrlich im Halloween-Fieber, in den Gesch\u00e4ften sieht\u00b4s aus wie bei uns an Fastnacht hoch drei: da gibt es nichts, was es nicht gibt. Kost\u00fcme von Ghost bis Zombie, Peanuts-Masken und auch solche von amerikanischen Pr\u00e4sidenten, interessanterweise allerdings nur von Nixon und Clinton (!), und Clinton gibts sogar in zwei Ausf\u00fchrungen: einmal seri\u00f6s und einmal als &#8222;Wild Clinton&#8220; mit anz\u00fcglich im Mundwinkel positionierter Zunge&#8230; Ich hab mir nur einen kleinen Donald-Schnabel zum Aufsetzen gekauft, ist allerdings vielleicht doch ein bi\u00dfchen extravagant f\u00fcr Saarbr\u00fcckens Flaniermeilen. Mein Bruder hat ihn auch mal aufprobiert, und ihm stand er viel besser als mir, also durfte er ihn behalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch allerhand Schnickschnack gibts in diesen &#8222;Halloween Megastores&#8220;, jede Menge Snacks in K\u00fcrbisform, Totenkopfrasseln, abgehackte Gummih\u00e4nde und eine lebensgro\u00dfe Plastikratte, die inmitten einer glitzernden Blutlache in einer Mausefalle eingeklemmt liegt, zuckt und r\u00f6chelt. Batteriebetrieben f\u00fcr $ 30.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/newyork2.gif\" alt=\"Strassenschluchten\" width=\"220\" height=\"255\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Das mit dem Shoppen hat bei mir allerdings noch nicht so geklappt, was \u00e4u\u00dferst verwunderlich ist, denn schlie\u00dflich kann ich auf reichlich Erfahrung zur\u00fcckblicken, bin sozusagen seit \u00fcber 20 Jahren &#8222;im Gesch\u00e4ft&#8220;! Aber ich hab weder schr\u00e4ge Deko-St\u00fccke noch billige CDs gefunden (nein, ich hatte sogar zun\u00e4chst M\u00fche, \u00fcberhaupt Record-Stores zu finden), da mu\u00df ich mich auf meinem n\u00e4chsten Besuch besser vorbereiten. Vielleicht kann mich vorher jemand abh\u00f6ren. Nichtsdestotrotz, mein Geld bin ich losgeworden. H\u00e4tt Euch auch gewundert, liebe Leser, wenn nicht, gell?!! Zu meinem Gl\u00fcck gab es in Manhattan n\u00e4mlich zwei Disney- und ein Warner Brothers-Store: die haben jetzt ein paar Devisen mehr und daf\u00fcr ein paar Puppen weniger (um genau zu sein: einen Donald, eine Daisy, eine Mickey Maus als Freiheitsstatue, eine Superman, einen Batman und ein Wonder Woman), au\u00dferdem noch ein paar Quietschfiguren, einige Fingerp\u00fcppchen und eine Mickey-Lichterkette. Man kann sich vorstellen, wie\u00b4s bei mir zuhause aussieht. Babe in Toyland&#8230; Ach ja, ich hab auch einen &#8222;Candy Hander&#8220;, bei dem mir ein kleiner Plastik-Bugs Bunny auf Knopfdruck einen Smartie aus einer Plastik-M\u00f6hre schaufelt. Dazu les ich dann mein neues Buch &#8222;Movie Screamers&#8220;, ein &#8222;Play-a-sound&#8220;-Wunderwerk presented by &#8222;Looney Tunes Productions&#8220;, einer Warner Bros-Unterfirma. Der Clou besteht in einer Plastiktafel mit 16 Feldern, die bei Ber\u00fchrung verschiedene Ger\u00e4usche von sich geben. Eigentlich fast menschlich, oder? Und da bald Halloween ist, umfassen die Sounds neben Satzfetzen der \u00fcblichen Warner-Stars (Bugs Bunny, Duffy Duck, Tweety, Roadrunner etc.) auch noch unheimliches T\u00fcrenquietschen, irres Gel\u00e4chter, angsterf\u00fclltes Herzklopfen, grelles Psycho-Zirpen (wittwittwittwitt&#8230;) und die akustische Simulation eines Gangs auf Zehenspitzen. Das Buch selbst bietet Stories wie &#8222;Friday the 14th&#8220;, &#8222;Daffy the Vampire Slayer&#8220;, &#8222;Speedbumps&#8220; oder &#8222;Night of the looney dead&#8220;. In den Texte sind jeweils die entsprechenden T\u00e4felchen angegeben, so da\u00df man sich seinen Soundtrack selbst zusteuern kann. Es ist aber auch v\u00f6llig legitim, sich ohne besonderen Anla\u00df an den Sounds zu erfreuen. Bis die Batterien leer sind&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Die New Yorker habens da besser, die brauchen nur in die entsprechenden Stores zu gehen, denn da wird man ohnehin permanent beschallt: bei Warner mit den schrillen Toons-auf-LSD-Stimmen und den albernen Indikativ-Melodien, und bei Disney mit den s\u00fc\u00dflich-pappigen Songs und den bekannten Zeichentrick-Vocals. Im Disney-Store stand ich einmal ungew\u00f6hnlich lange (in New York ist alles, was \u00fcber 1 min Wartezeit hinausgeht, ungew\u00f6hnlich lange &#8211; es sei denn, im Empire State Building sonntagabends) an der Kasse und vor mir eine etwa 20j\u00e4hrige, unschwer als solche zu erkennende Amerikanerin, die munter und vergn\u00fcgt ein etwa zehnstrophiges, uns Europ\u00e4ern unbekanntes Disney-Lied, das von der gro\u00dfen Leinwand \u00fcber uns herabschallte, mitsang, und zwar bis auf das letzte I-P\u00fcnktchen!!! Mit CDs hatte ich, wie bereits erw\u00e4hnt, so meine Schwiereigkeiten, daf\u00fcr mu\u00dfte ich im Virgin-Megastore laut lachen, als ich unter den Singles den Schweine-Song der \u00c4rzte erblickte, mit einem fetten &#8222;Import&#8220;-Aufkleber drauf!<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich hab ich auch ein sauteures Empire State Building aus Zinn oder so und selbiges auch als 3-D-Puzzle zum Zusammenbasteln. Sowas kriegt man im Museum-Store des MoMa (Museum of Modern Art), denn selbstverst\u00e4ndlich hab ich alle gro\u00dfen New Yorker Museen besucht: den MoMa-Store, den MoMa-Bookshop, den Guggenheim-Store und den Store des Metropolitan Museum of Art&#8230; Kunstgenu\u00df mal anders! Aber ehrlich gesagt: sooo originell wie die Reisef\u00fchrer immer schreiben, ist das Angebot in diesen Museum-Shops auch nicht. Ich m\u00f6chte nicht wissen, wie es bei Reisef\u00fchrerschreibern daheim aussieht. Sicher so mit der Teakholz-Anrichte &#8222;Empire&#8220;, handgewebten Teppichen und vielen Sachen aus dem Dritte-Welt-Laden. Klar, da\u00df man dann Designer-B\u00fcroklammern aus New Yorker Museum-Stores abgefahren finden mu\u00df! Ballaststoffe sind in Manhattan allerdings nicht so g\u00e4nzlich ausgemerzt, wie ich bef\u00fcrchtet hatte. Hot Pretzels (Hei\u00dfe Brezeln) und Bagels (von der Form her wie Donuts, aber aus ultrafestem Br\u00f6tchenteig, alles urspr\u00fcnglich jiddischer Tradition und sehr zu empfehlen; Bagels gibts pikant und s\u00fc\u00df, meine Lieblingssorte ist &#8222;Zimt\/Rosinen&#8220;) unterscheiden sich doch merklich von Mac-Papp-Br\u00f6tchen, ansonsten gibts an jeder Ecke asiatische Imbi\u00dfst\u00e4nde, Hot Dogs, gebrannte Mandeln und und und. Womit wir bei den Ger\u00fcchen w\u00e4ren: in New York riechts alle zwei Meter anders, mal nach Parf\u00fcm, mal nach Kaugummi oder eben nach irgendwelchen Spezialit\u00e4ten. Und nach Industrie. Wahrscheinlich haben die da einfach nur andere Autoabgase als hier, und weil ich die nicht t\u00e4glich riechen mu\u00df, kann ichs genie\u00dfen. Die Autos sehen da auch anders aus als bei uns, eckiger und klobiger, so wie der Fluchtwagen von O. J. Simpson. A propos: von den Simpsons hab ich gar nichts gefunden, nur T-Shirts. Sind die da schon wieder out oder nur nicht salonf\u00e4hig? Ach ja, ich hab auch am Broadway vor dem Ed-Sullivan-Theater gestanden, in dem David Letterman allabendlich zu seiner Late Night Show einl\u00e4dt. Und filmm\u00e4\u00dfig sind zumindest die j\u00fcngeren New Yorkeens zur Zeit im Insektenfieber. Eines der gigantischen Werbetransparente k\u00fcndigte &#8222;ANTZ&#8220; an, und demn\u00e4chst startet &#8222;A bug\u00b4s life&#8220;, ein Wanzenleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hab auch ein Reklame-Transparent f\u00fcr den neuen Bruce Willis-Film gesehen, das so gro\u00df wie die gesamte Front meines eigenen Wohnhauses war, das selbst doch immerhin circa sechsst\u00f6ckig ist und von der normalen Breite eines Saarbr\u00fccker Mehrfamilien-Mietklotzes aus den 50er oder 60er Jahren. Mal gemutma\u00dft. Jedenfalls aus einer Zeit, als es Badezimmerfliesen in braun und nikotingelb ganz billig gegeben haben mu\u00df. Jedenfalls: so gro\u00df war dieses Plakat, ich schw\u00f6rs und hab zum Beweis auch ein Photo gemacht. Das Haus, an dem das dranhing, war nat\u00fcrlich noch viel, viel gr\u00f6\u00dfer als &#8222;mein&#8220; Haus, und das Plakat hing an einer fensterlosen Fassade. \u00dcberhaupt ist in New York alles viel gr\u00f6\u00dfer, bunter und schneller. Ein Teenager, der im Frankfurter Flughafen hinter mir lief und offenbar nach absolviertem Austauschjahr von seinen Eltern in Empfang genommen wurde, wu\u00dfte noch ein bi\u00dfchen mehr, denn er erz\u00e4hlte, die Leute seinen in Amerika auch alle viiiiieeel reicher und viiiiieeel sch\u00f6ner als hier. Nur die Lehrer seien genauso doof.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/newyork4.gif\" alt=\"Vertigo?!\" width=\"200\" height=\"181\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck nach Manhattan: an der oberen 5th Avenue, wo nicht nur die gro\u00dfen Museen sind, sondern auch die wirklich, wirklich Superreichen wohnen (aus einem dieser Appartmenth\u00e4user mit den gr\u00fcnen Markisen \u00fcber dem Eingang wurde vor gut vier Jahren Jackie Kennedy Onassis getragen, mit den F\u00fc\u00dfen voran. Ist mal jemandem aufgefallen, da\u00df sie mit Marge Simpson den gleichen M\u00e4dchennamen, n\u00e4mlich Bouvier, teilt? Ist mal jemandem aufgefallen, da\u00df Marges Mutter auf den Vornamen Jacqueline h\u00f6rt?!! Und noch ein letztes in Sachen &#8222;amerikanisches Kulturgut&#8220;: f\u00e4llt jemandem vielleicht au\u00dfer diversen &#8222;Nightmare&#8220;-Filmen noch was zur Elm Street ein? In einer Elm Street, n\u00e4mlich der von Dallas, fielen einst die t\u00f6dlichen Sch\u00fcsse auf John F. Kennendy.), \u00e4h, wo war ich stehengeblieben? Ah ja, das ist am Computer gottseidank ganz praktisch: ich mu\u00df nur eine halbe Seite h\u00f6her schauen, und dann wei\u00df ich wieder da\u00df ich von den tollen Backwaren-Shops an der upper 5th sprechen wollte, wo es alle m\u00f6glichen europ\u00e4ischen Br\u00f6tchen-Sorten gibt, ziemlich edel und eigentlich noch besser als hier!<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Downtown-Industrie-Geruch sprach ich ja schon. Der erinnerte mich an meine Geburtsstadt Mannheim, und die lieb ich ja \u00fcber alles, auch wenn manch anderer sie einfach nur krank und dreckig finden mag. Ist sie ja auch. Aber so als Leitlinie kann man formulieren: wer Mannheim mag, der mag auch Manhattan, und das nicht nur wegen der Quadrateaufteilung, die beide gemeinsam haben, sondern eben vom ganzen Gestus her: viel Industrie-Look mit nackten, dreckigen Geb\u00e4uden und daneben richtig sch\u00f6ne, kunstvolle Schmuckbauten. So ungef\u00e4hr ist auch Downtown Manhattan.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Wort noch zu Manhattans Br\u00fccken: wer sie \u00fcberquert, sollte ruhig ein St\u00fcndchen einplanen, denn abgesehen von der immensen Flu\u00dfbreite mu\u00df man auch noch eine gewaltige Aufstiegsdistanz dazurechen: New Yorker Br\u00fccken fangen nicht einfach an einem Ufer an und h\u00f6ren am andern auf, sondern sie beginnen irgendwo mitten in der Stadt, ungef\u00e4hr 1 km vom Flu\u00df entfernt, und reichen nochmal ebensoweit in den gegen\u00fcberliegenden Bezirk rein! Aber es lohnt sich!!! Die sch\u00f6nst New Yorker Br\u00fccke ist nat\u00fcrlich die Brooklyn Bridge \u00fcber dem East River, \u00fcber hundert Jahre alt, mit gotischen Pfeilern und einer Seilkonstruktion, die von Poeten gern mit einer Harfe verglichen wird: so ziemlich die gr\u00f6\u00dfte architektonische Unternehmung des 19. Jahrhunderts und eine der ersten Stahlbr\u00fccken. Allein der Bau hat circa 20 Menschen das Leben gekostet, der deutsche Konstrukteur hat die Fertigstellung auch nicht mehr miterlebt, und einige Leichen sollen sogar im Pfeilerfundament eingemauert sein. Das ist aber eine Legende, die ich dem Travolta-Streifen &#8222;Staying alive&#8220; entnommen habe. In &#8222;Saturday Night Fever&#8220; st\u00fcrzt gar ein lebensm\u00fcder Kumpan von Tony Manero von der Brooklyn Bridge. Au\u00dferdem hab ich noch eine Kassette mit Material aus der Steinzeit der Video-Clip-\u00c4ra, und da ist eine Disco-Version von &#8222;Bridge over troubled water&#8220; drauf, so Ende der 70er Jahre, wo eine schwarze S\u00e4ngerin im Flimmerfummel \u00fcber die Brooklyn Bridge st\u00f6ckelt. Ja, diese Brooklyn Bridge ist schon zurecht ein Wahrzeichen Manhattans, denn sie ist wunderwundersch\u00f6n, nur leider kann man nicht direkt aufs Wasser runtergucken, weil untendrunter die Autospuren viel breiter sind als der Fu\u00dfg\u00e4ngerweg. Aber einen tollen Blick auf die Skyline hat man! Und auf die Manhattan Bridge.<\/p>\n\n\n\n<p>Ansonsten kann ich noch die Queensboro Bridge empfehlen (laut Reisef\u00fchrer ein &#8222;Artefakt des Industrie-Zeitalters&#8220;), geht auch \u00fcber den East River, aber weiter oben, da wo der Central Park anf\u00e4ngt, und f\u00fchrt \u00fcber &#8222;Roosevelt Island&#8220;, eine schmale, langgestreckte Insel im East River. Mu\u00df man sich mal vorstellen: eine Insel im East River! Und was aussieht wie ein Industrie-Maschinenpark, ist in Wirklichkeit Heimstatt f\u00fcr 20 000 Menschen, die leben n\u00e4mlich auf Roosevelt Island. Krass, oder?!! Von der Queensboro Bridge, einer gedrungenen Konstruktion aus Hunderten von Stahlstreben, zu zahlreichen B\u00f6gen angeordnet, hat man zumindest einen direkten Blick runter aufs Wasser. Die Fu\u00dfg\u00e4ngerspur ist allerdings nach Norden hin, nur an einem Rand der Br\u00fccke, deshalb kann man Downtown Manhattan nur durch die Pfeiler sehen, macht aber nix, die Ecke da oben und was man sieht, ist eh strange genug. \u00dcber Roosevelt Island f\u00e4hrt auch eine Seilbahn mit \u00f6ffentlicher Gondel. Ist direkt an mir vorbeigerauscht, mu\u00df ich beim n\u00e4chsten Mal auch ausprobieren!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/newyork3.gif\" alt=\"Rappende Rapper\" width=\"240\" height=\"193\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens: das mit den qualmenden Gullideckeln ist kein Klischee, die rauchen in New York wirklich, auch bei strahlendem Sonnenschein, mu\u00df was mit der Kanalisation zu tun haben. An jeder Ecke gibts Wasserspender, aber so mit Strahl und zum Dr\u00fcberbeugen. Und das mit den Polizeisirenen stimmt auch, die geh\u00f6ren zum normalen Ger\u00e4uschpegel einfach dazu, und ich vermisse sie zur Zeit insbesondere nachts. Und an vielen Stra\u00dfenr\u00e4ndern stehen Schwarze und rappen. Was meine Mutter, die mit mir reiste, zu der Aussage hinri\u00df: &#8222;Oh, \u00fcberall Techno-Musik.&#8220; F\u00fcr meine Mutter ist alles jenseits von Elvis und Beatles = Techno. \u00dcberhaupt entspannen sich zwischen meiner Mutter und mir einige Dialoge, die Au\u00dfenstehende unter die Rubrik &#8222;Absurdes Theater&#8220; einordnen w\u00fcrden. In Wahrheit resultierten sie einfach aus den haarstr\u00e4ubenden Englisch-Kenntnissen meiner Mutter und ihrer grandiosen Verwechslungsgabe. &#8222;Oh, hier ist die Carnegie Hall. Ich dachte, die steht in London. Nein? Aber da gibts doch auch die Carnegie Street, wo damals die ganzen Hippies waren.&#8220; Was meine Mutter meinte, war die Carnaby Street! (&#8222;Was so alles geschieht, auf der Carnaby Street, didum didum&#8230;&#8220;)<\/p>\n\n\n\n<p>Mein absoluter Lieblingsdialog aber war der folgende, gef\u00fchrt in einem McDonalds in der 8th Avenue bei einem Gespr\u00e4ch \u00fcber New Yorker Essen im allgemeinen:<br \/>Ich: Dieses Kringel-Br\u00f6tchen hei\u00dft Bagel.<br \/>Meine Mutter: Oh, das kommt sicher von Igel.<br \/>(Einschub: &#8222;Beagle&#8220; h\u00e4tt ich ja noch verstanden, das klingt wirklich fast genauso und bezeichnet im \u00fcbrigen eine Hundrasse, deren ber\u00fchmtester Vertreter auf den Namen &#8222;Snoopy&#8220; h\u00f6rt.)<br \/>Ich: Wieso Igel?<br \/>Meine Mutter: Weil sich das so \u00e4hnlich schreibt: E-A-G-L-E.<br \/>Ich: Ja gut, aber das hat doch von der Form her Null \u00c4hnlichkeit.<br \/>Meine Mutter: Och wieso, ist doch beides rund.<br \/>Ich: \u00c4h, Eagle hei\u00dft aber nicht Igel: Eagle ist der Adler.<br \/>Meine Mutter: Ach so.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bin wieder da. 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