{"id":29915,"date":"1999-05-31T11:11:00","date_gmt":"1999-05-31T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=29915"},"modified":"2022-09-15T19:21:36","modified_gmt":"2022-09-15T17:21:36","slug":"frl-katjas-naehkaestchen-folge-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1999\/05\/frl-katjas-naehkaestchen-folge-12\/","title":{"rendered":"Frl. Katjas N\u00e4hk\u00e4stchen, Folge 12"},"content":{"rendered":"\n<p>Liebe Lesende! Sein Leben lang ist der Mensch in Gemeinschafts-Haushalte gepre\u00dft. Erst in der Familie, dann in Studenten-WGs, und zum Schlu\u00df in der ersten &#8222;gemeinsamen Wohnung&#8220;. Nur Laien denken, da\u00df es sich dabei einfach um eine Form der Zweckgemeinschaft handelt, die \u00f6konomischen und romantischen Bed\u00fcrfnissen gleicherma\u00dfen entgegenkommt. Insider wissen, da\u00df es sich in Wirklichkeit um eine erdbebenhafte Ersch\u00fctterung f\u00fcr Individuum und Paar gleicherma\u00dfen handelt. Was die Soziologen &#8222;Selbst\u00fcberwindung&#8220; oder &#8222;Konsensfiktion&#8220; nennen, schl\u00e4gt sich nicht zuletzt auch rein optisch in der Wohnungs-Gestaltung nieder.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Zeit nun, nach f\u00fcnf Monaten ein Res\u00fcme zu ziehen, denn viele Paradigmenwechsel haben sich wieder ereignet, diesmal dekorativer Art. Vor allem in Wohnzimmer und K\u00fcche, im Bad gibt\u00b4s eher wenig einzurichten. Diese neuen Paradigma sind aus der Perspektive Frl. Katjas: Holz und Kabel, Funktionalit\u00e4t und Multifunktionalit\u00e4t, Chaos und Gro\u00dfz\u00fcgigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Holz&#8220;, zumal naturbelassen, war mir als Material zur Interieur-Gestaltung bislang unbekannt. Mit Plastik und Blech ging\u00b4s doch auch. Vor allem in der K\u00fcche. Aber jetzt: wie hell und freundlich pl\u00f6tzlich Regale und Arbeitsplatte ausschauen! Wie rustikal und human das Antlitz der heimischen Zubereitungsst\u00e4tte! \u00dcberhaupt &#8222;<em>Arbeits<\/em>platte&#8220; &#8211; welch neue Errungenschaft f\u00fcr mich, kannte ich doch bisher nur eine gelegentliche &#8222;<em>Abstaub<\/em>platte&#8220; infolge meiner Beschr\u00e4nkung auf industriell gefertigte Instant-Nahrung. Und wie sinnvoll inzwischen auch der &#8222;K\u00fchlschrank&#8220;, den zuvor h\u00f6chstens mal ein einsames P\u00e4ckchen Kr\u00e4uterquark bev\u00f6lkerte. Und wie eng neuerdings meine Kleidung, vor allem in H\u00fcfth\u00f6he. Nein, ich \u00fcbertreibe.<\/p>\n\n\n\n<p>Holz also. Und Kabel. Kabel, Kabel und Kabel. \u00dcberall Kabel. Quell vieler Freuden beim Dr\u00fcberstolpern, Rausrei\u00dfen und Unterbrechen von Stromkreisen. Heimat unz\u00e4hliger Staubm\u00e4use, die von ihrer Spannung leider allzu w\u00f6rtlich angezogen werden und bei heftigen Luftstr\u00f6men lustige T\u00e4nze vollf\u00fchren. Resultat einer (aus meiner Sicht) explosionsartig potenzierten medialen Vernetzung mit ISDN-Anlage, Internet, Zip-Laufwerk, Scanner, Verst\u00e4rker, Boxen, Mini-Disc, Weltallradio, Receivern und Satellitensch\u00fcssel.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/haus1.gif\" alt=\"Haus mit Sch\u00fcssel\" width=\"180\" height=\"180\"\/><\/p>\n\n\n\n<p>So besitze ich jetzt nicht nur mehr als drei k\u00fcmmerlich Glotz-Kan\u00e4le, sondern erstmals seit Jahren auch wieder einen Empfang, der diesen Namen verdient. Gro\u00dfer Gott, ist Dagmar Berghoff geliftet&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p>Stichwort &#8222;Funktionalit\u00e4t&#8220;. Auch dies eine Sache, die ich erst lernen mu\u00dfte. Zahlreiche Tr\u00e4nen flossen, als ich die frisch montierten K\u00fcchenregale mit meinem Repertoire an Sammlerst\u00fccken aus den 50er Jahren belegen wollte, zusammengekauft auf den Flohm\u00e4rkten der Welt (naja, vorwiegend bei Besuchen in Berlin) und von enormem historischem Wert. Und von noch gr\u00f6\u00dferem&nbsp;<em>dekorativem<\/em>&nbsp;Wert!&nbsp;<em>Dies<\/em>&nbsp;eine Sache, die Frl. Katjas&nbsp;<em>Mitbewohner<\/em>&nbsp;noch lernen mu\u00df: die Freuden, resultierend aus gef\u00e4lliger&nbsp;<em>Pr\u00e4sentation<\/em>!!! Die Daseinsberechtigung von Dingen nur um ihrer h\u00fcbschen optischen Erscheinung willen! Die Bedeutung eines schadlosen \u00e4sthetischen Rufs! Der psychologische Nutzen einer&nbsp;<em>aufger\u00e4umten<\/em>,&nbsp;<em>gefegten<\/em>&nbsp;Wohnung! Der herrliche Anblick aus geputzten Fenstern! Die Ersparnis kostbarer Zeit durch das \u00dcberfl\u00fcssigmachen nervenzerr\u00fcttender Suchaktionen! Denn schlie\u00dflich: das Auge wohnt mit!!!<\/p>\n\n\n\n<p>Zahlreiche Tr\u00e4nen flossen, doch ein Kompromi\u00df wurde gefunden: der kostbare K\u00fcchen-Schnickschnack aus den 50ern (darunter ein Flaschen\u00f6ffner in Form eines gitarrespielenden Mexikaners, eine gl\u00e4serne Erdnu\u00dfschale im Ufo-Design, zierliche Vasen mit biologistischem Am\u00f6ben-Muster, ein unbrauchbarer Kochtopf in hellblau und rosa, \u00fcberhaupt jede Menge Sch\u00e4lchen, Sch\u00fcsselchen und K\u00e4nnchen in Pastellfarben, Salz- und Pfefferstreuer in Form eines mintfarbenen Cadillacs samt Zapfs\u00e4ule, futuristische Eier- und bunte Aluminiumbecher, farbige Schnapsgl\u00e4ser in einer goldenen Halterung, eine Kunststoffkuh mit wackelndem Kopf, ein gelber Aschenbecher von atemberaubender Schlichtheit, dessen Verwendung bei Strafe verboten ist&#8230;) bekam ein eigenes Regal im Wohnzimmer, und auf die Bretter in der K\u00fccher durften &#8211; unverst\u00e4ndlicherweise, aber nunmehr anerkannterma\u00dfen &#8211; Utensilien, die zur Speisenzubereitung vonn\u00f6ten, insbesondere auch mehrfach am Tag, sowie Gl\u00e4ser, Teller und Tassen, darunter zahlreiche mit besonders ansehnlichen Comic-Motiven aus der Mitgift Frl. Katjas, die vertragsgem\u00e4\u00df in der ersten, zum Betrachter hingewandten Reihe stehen d\u00fcrfen &#8211; m\u00fcssen. Im Zweifelsfall sind zuerst die Tassen aus der zweiten Reihe zu verbrauchen. Befinden sich in der zweiten Reihe keine Tassen mehr, sind zun\u00e4chst alle in der Wohnung verf\u00fcgbaren dreckigen Exemplare zu sp\u00fclen. Fallen Ostern und Weihnachten auf einen Tag, d\u00fcrfen die Tassen aus der ersten Reihe benutzt werden. Nachdem zuvor genannte Regeln ausgesch\u00f6pft wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun zur &#8222;Multifunktionalit\u00e4t&#8220;. Als Resultat einer ausgepr\u00e4gten F\u00e4higkeit meines Mitbewohners, sein Dasein auf die T\u00e4tigkeiten &#8222;Ablegen&#8220; und &#8222;Stapeln&#8220; zu reduzieren. &#8222;Multifunktionalit\u00e4t&#8220; also in dem Sinne, allen Dingen eine zweite, unvorhergesehene Seite abzugewinnen, die in ihrer Existenz nicht sinnhaft angelegt ist. Allgemein gesprochen funktioniert diese Gabe alle Oberfl\u00e4chen dieser Welt in Abstellm\u00f6glichkeiten um: freie Quadratmeter Fu\u00dfboden werden zu Kartonagenlagern, Lautsprecherboxen zu B\u00fccherregalen, und mit schmucken 50er-Jahre-Sofa-Tischchen werden elektronische Ger\u00e4tschaften aufgebockt. Diese Stapel-F\u00e4higkeit funktioniert horizontal und vertikal, dann hei\u00dft sie &#8222;Dranlehnen&#8220;. Denn an alle m\u00f6glichen vertikalen Ph\u00e4nomene lassen sich Schallplatten, Mappen und T\u00fcten lehnen. Die M\u00f6glichkeit, vorhandene Stapel zur Grundlage neuer Stapel zu machen, ist tendenziell auf die horizontale Variante beschr\u00e4nkt, denn in die H\u00f6he l\u00e4\u00dft es sich vortrefflich wuchern, weil da keiner durchlaufen mu\u00df. Vertikales Anwachsen versperrt \u00fcber kurz oder lang wichtige Zufahrtswege.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis ausgepr\u00e4gter Multifunktionlit\u00e4t ist: &#8222;Chaos&#8220;. Wer f\u00fcr viel Geld eine Reise zum Bermuda-Dreieck macht, kann sich auch gegen Entrichtung eines geringeren Obulus\u00b4 den Schreibtisch meines Mitbewohners anschauen!<\/p>\n\n\n\n<p>Letztes Stichwort: &#8222;Gro\u00dfz\u00fcgigkeit&#8220;. Die Eigenschaft, die Basis-Einrichtung der gemeinsamen Wohnung fast komplett der etwas eigenwilligen und, \u00e4hem, wenig kompromi\u00dfbereiten Partnerin zu \u00fcberlassen, ist weitgehend auf meinen Mitbewohner beschr\u00e4nkt. Was uns beiden das Flie\u00dfen weiterer Tr\u00e4nen erspart. Soviel zum ersten Teil der exhibitionistischen Real-Life-Serie &#8222;Gemeinsam Wohnen&#8220; (nicht zu verwechseln mit &#8222;<em>Sch\u00f6ner<\/em>&nbsp;Wohnen&#8220;, das sind meist gegens\u00e4tzliche Tatbest\u00e4nde). Fortsetzung folgt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/kolumnen\/katja\/images\/stuhl1.gif\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ein Wort aus meiner Kindergartenzeit hat wieder Konjunktur: &#8222;Arschgeige&#8220;. Es h\u00e4tten auch &#8222;Sonntagsfahrverbot&#8220;, &#8222;Mengenlehre&#8220;, &#8222;Rote Armee Fraktion&#8220;, &#8222;Waldsterben&#8220; oder &#8222;Bay City Rollers&#8220; sein k\u00f6nnen, aber es ist &#8222;Arschgeige&#8220;. Dieser Terminus wird im selben Sinne wie &#8222;Arschloch&#8220; oder schlicht &#8222;Arsch&#8220; gebraucht und ist nur geringf\u00fcgig weniger vulg\u00e4r. Anfang der 80er hatte ich lange Probleme mit dem Adjektiv &#8222;geil&#8220;, das mir zum erstenmal durch einen Hit der Band &#8222;Extrabreit&#8220; nahegebracht wurde. In &#8222;Hurra, hurra, die Schule brennt&#8220; hei\u00dft es in einer Strophe: &#8222;Das ist geil! Das ist geil&#8220;. Aber mir wollte und wollte es einfach nicht \u00fcber die Lippen, lieber schlug ich mir verlegen kirchernd die Hand vor den Mund.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals sagten wir f\u00fcr &#8222;toll&#8220; noch &#8222;hei\u00df&#8220; oder &#8222;hart&#8220;, heute verwende ich gern den Anglizismus &#8222;cool&#8220;, und mein j\u00fcngerer Bruder bevorzugt das Wort &#8222;korrekt&#8220; mit extravielen &#8222;R&#8220;s und einem dunklen &#8222;E&#8220; am Ende, also eigentlich &#8222;korrrrrrrrrrrr\u00e4ckt&#8220;. Da m\u00e4rrrrrrrckt man den Zustrom t\u00fcrkischer Gastarbeiternachfahren an deutschen Schulen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zu den Kinderg\u00e4rten. Das sind Kinderverwahranstalten, die alleinerziehenden Elternteilen die Erwerbsarbeit erm\u00f6glichen und kleine Menschen soziales Verhalten lehren sollen. Montags gibt es Honigsalzbrot mit Apfelschalen-Tee und mittwochs Hirsebrei, den ich hasse.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute sind Kindergartenpl\u00e4tze knapp, doch zu meiner Zeit gab es so viele, da\u00df meine Eltern mich sogar im Urlaub im Bayrischen Wald in einen gesteckt haben. Da sa\u00df ich dann ver\u00e4ngstigt und an einem Playmobil-M\u00e4nnchen lutschend in der Ecke, zur Isolation verdammt, weil die anderen Kinder eine fremde Sprache sprachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals war auch noch die Zeit der &#8222;Kinder<em>l\u00e4den<\/em>&#8222;, ich glaub, da gab\u00b4s die Kinder zu kaufen, mit denen dann die leerstehenden Kindergartenpl\u00e4tze gef\u00fcllt wurden. Das waren die Jahre, wo ich dem Eierschneider Gitarrenriffs entlockte und meinen kleinen roten Puppenwagen zum Feuerwehrauto umfunktionierte. Aus Tischen und St\u00fchlen baute ich &#8222;Raumschiff Enterprise&#8220;, und die Badewanne versch\u00f6nerte ich mit Fingerfarben. Der wichtigste Mensch in meinem Leben war mein Teddy &#8222;Mogli&#8220;. Einmal hab ich ihn samstags in einem Bekleidungsgesch\u00e4ft liegenlassen und die Katastrophe erst abends bemerkt. Meine Familie teilte zwangsl\u00e4ufig diese Horrornacht, denn ich hab die ganze Zeit nur geweint, und meine Mutter mu\u00dfte mir ihren kleinen Finger zum Festhalten geben. Gleich sonntagmorgens mu\u00dften die Besitzer ihren des Laden aufschlie\u00dfen und meinen Teddy wieder freilassen. Er war genauso traumatisiert wie ich. Mogli hatte \u00fcbrigens ein beigefarbenes Fell und eine Schaumstoff\u00fcllung, also keine Drehgelenke oder so\u00b4n Zeug, er war einfach nur weich und platt.<\/p>\n\n\n\n<p>A propos &#8222;platt&#8220; &#8211; hoffentlich liest mein Freund nicht mit, denn ich hab mich verliebt. In einen anderen. In &#8222;Flat Eric&#8220;! Das ist die Pl\u00fcschpuppe aus der Levis-Werbung, die mit ihrem Kumpel beim Autofahren von der Polizei gestoppt wird. Und dann halten die beiden ihre Ausweise hin. Flat Eric hat einen eigenen mit einem kleinen Flat-Eric-Pa\u00dfbild. Gleich morgen hol ich mir die CD, aber nur wegen des Cover-Photos mit Flat Eric!!! Gott, ist der s\u00fc\u00df&#8230; Dieses unwiderstehliche Orange und die breite Schnauze mit den schwarzen Knopfaugen, hach!<\/p>\n\n\n\n<p>Der Flat Eric-Hype ist im Moment wirklich immens, er gibt sogar Interviews! Ich werd mich auch mal um einen Termin bem\u00fchen. Eigentlich kann ich mich auf eine einzige Frage beschr\u00e4nken: &#8222;Hast du heute abend schon was vor?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Gibt\u00b4s die Puppe eigentlich zu kaufen? Bei all dem Rummel m\u00fc\u00dfte sich doch das Merchandising lohnen. M\u00f6chte ihn nicht eine freundliche Spielwarenfirma in Serie geben und mich von meiner Sehnsucht erl\u00f6sen? Na?!!<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00f6, offenbar nicht. Mittlerweile ist es einen Tag sp\u00e4ter, ich hab in allen Levis-Stores und &#8222;Toys R us&#8220; nachgefragt, aber nix is. Vielleich besser so, schlie\u00dflich hab ich einen eifers\u00fcchtigen Freund, der langsam mi\u00dftrauisch wird. W\u00e4r wahrscheinlich auch ein bi\u00dfchen auff\u00e4llig, jede Nacht die Puppe zwischen uns&#8230; Aber wo soll sie denn sonst hin? In den Kleiderschrank? Mit unschuldigem Blick aufs Sofa? Als Talismann auf meinen Schreibtisch? Hm, mal seh\u00b4n.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wom\u00f6glich ist es wirklich besser so, am Ende ist Flat Eric ein ganz mieser Idiot, mit dem man kein vern\u00fcnftiges Wort reden kann, der immer nur in Autoradios Kassetten wechselt und den Ellbogen aus dem Fenster h\u00e4ngen l\u00e4\u00dft. Echt? Nee, glaub ich nicht, so sieht der gar nicht aus. Ich vertraue lieber meiner weiblichen Intuition. Aber die sagt mir seit kurzem, da\u00df Flat Eric ein Hund ist. Schlie\u00dflich hei\u00dft ein Take auf der CD &#8222;Sick dog try to speak&#8220;, und das in B\u00e4lde erscheinende Album nennt sich &#8222;Analog worms attack&#8220;. Iiiiiiiiihhhhhhhhh, W\u00fcrmer! Und dann all diese Warnungen im Boolet und auf der Scheibe: &#8222;Do not eat this record!&#8220;. Wem mu\u00df man denn sowas noch extra sagen, wenn nicht einem Hund? Ojeh. Konnte ich mich so irren? Am Ende w\u00e4r das mit uns beiden eh nix geworden, weil ich ihm zu humanoid bin?! Und zu wei\u00dfh\u00e4utig. Oder weil ich kein Auto hab. Ja, vermutlich. Schei\u00dftyp. Wenn man schon Flat Eric hei\u00dft&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Naja, bald wird er sich vor Frauen kaum retten k\u00f6nnen, denn alle Teenie-Medien f\u00fcllen derzeit ihr Fr\u00fchjahrsloch damit, Flat Eric eine kleine Freundin zu suchen. &#8222;Flat Erica&#8220;. Wie originell! Bravo hat ein Preisausschreiben veranstaltet (ich hab zur Sicherheit gleich die ganze Auflage aufgekauft&#8230;), und die Sendung &#8222;Chart-Attack&#8220; im ZDF (Hallo!) bittet um Einsendungen m\u00f6glichst vieler Flat Ericas, einen Preis gibt\u00b4s auch zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gibt mir Gelegenheit, kurz zwei d\u00e4mliche ZDF-Moderatoren zu dissen. Zum einen Mike Diehl, den Conferencier der gerade erw\u00e4hnten Kinder-Disco mit Live-Ambiente. Zu seinen Aufgaben geh\u00f6rt auch, die w\u00f6chentlichen Single-Top Ten zu pr\u00e4sentieren und jeweils eine coole Info zu den Songs abzulassen. Aber 13j\u00e4hrigen zu erz\u00e4hlen, da\u00df Debbie Harry Hormone gegen Wechselbeschwerden und \u00c4lterwerden nimmt, halt ich f\u00fcr ziemlich bescheuert! Nun gut, vielleicht tummeln sich Blondie ja schon wochenlang in den deutschen Charts und Mike Diehl hat l\u00e4ngst sein ganzes Pulver verschossen, denn was soll man sonst auch zu dem Thema sagen? Da\u00df Blondie als erste Band in einem Popsong rappten, da\u00df Debbie Harry mal als Playboy-Bunny jobbte und die letzten Jahre vorwiegend ihren kranken Freund, den Gitarrist der Band, gepflegt hat? Zum Beispiel.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"216\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/blond.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-29342\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Soweit zu Mike Diehl. Kommen wir zu Patricia Sch\u00e4fer, der blonden Sprechpuppe im ZDF-Morgenmagazin. Letzte Woche begr\u00fc\u00dfte sie als Live-Talk-Gast einen Korrespondenten, der bis dato telefonisch aus dem zerbombten Belgard berichtet hatte, erst wenige Stunden zuvor zur\u00fcckgekehrt war und nicht gerade angenehme Wochen hinter sich hatte. Man kann zu Kriegsreportern stehen, wie man will, aber ihn pubert\u00e4r kichernd mit der Feststellung zu begr\u00fc\u00dfen, da\u00df man ihn bis jetzt ja immer nur als kleines eingeblendetes Foto kannte, scheint mir nicht die richtige L\u00f6sung. Dem Korrespondenten ging es \u00e4hnlich. Er und Millionen Fernsehzuschauer verzogen keine Miene, w\u00e4hrend sich Frau Sch\u00e4fer fast na\u00dfmachte vor Giggeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Unl\u00e4ngst sah ich \u00fcbrigens noch eine Reportage \u00fcber eine Gerichtsmedizinierin, die den ganzen Tag mit Leichen zu tun hat, exhumiert, obduziert und an Mordopfern rumschnippelt. Der Film war ziemlich eklig, und manche Bilder gingen mir noch Tage sp\u00e4ter nicht aus dem Kopf. Am schlimmsten war die Szene, als man die privat sehr gl\u00e4ubige Gerichtsmedizinerin mit ihrer Familie beim Abendessen sah. Sie und ihr Mann sind beide in der Kirchengemeinde t\u00e4tig (er bereitet den Fr\u00f6mmel-Nachwuchs auf die Erstkommunion vor!), und da ist es klar, da\u00df vorm Abendessen erstmal gebetet wird. Los geht\u00b4s mit Bekreuzigen, und zwar nicht etwa so hingeschnuddelt und Murmelmurmel, sondern mit perfekter Choreographie und deutlich artikuliertem Spr\u00fcchlein, dann dieses Komm-Herr-Christ-sei-unser-Gast-und-segne-was-du-uns-bescheret-hast, noch ein sorgf\u00e4ltig inszeniertes Kreuzzeichen, und dann &#8211; das Grellste von allem &#8211; fassen sich die Familienmitglieder bei den H\u00e4nden und reimen: Gu-ten-Appe-tit, al-le-es-sen-mit! Flanders live! &#8211; Die Frau meinte, sie sch\u00f6pfe in ihrer Familie die Kraft, ihren Job zu ertragen. Ich hab eher den Eindruck, sie sch\u00f6pft in ihrem Job die Kraft, diese Familie zu ertragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kenn solche Familien noch aus meiner Jugend (Hessische Geschichten), die wohnten n\u00e4mlich in unserer Stra\u00dfe. Da gabs noch mehr so schlaue Spr\u00fcche, zum Beispiel &#8222;Beim Essen wird nicht getrunken, weil sich sonst Essen und Trinken im Magen vermischen&#8220;, &#8222;Mit dem Essen spielt man nicht&#8220; und &#8222;Essen wegwerfen ist eine S\u00fcnde, denn in Afrika verhungern die Kinder&#8220;. Und wenn man seinen Teller leer i\u00dft, sterben in Afrika weniger Kinder. Logisch, oder? &#8211; Spr\u00fcche aus dem Mund von Menschen, die sonntags in der Kirche die F\u00fcrbitten vorlesen d\u00fcrfen. Man nennt sie &#8222;Laien&#8220;, und das vollkommen zu Recht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Lesende! Sein Leben lang ist der Mensch in Gemeinschafts-Haushalte gepre\u00dft. Erst in der Familie, dann in Studenten-WGs, und zum Schlu\u00df in der ersten &#8222;gemeinsamen Wohnung&#8220;. 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