{"id":30041,"date":"1997-02-28T11:11:00","date_gmt":"1997-02-28T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=30041"},"modified":"2022-08-23T00:52:41","modified_gmt":"2022-08-22T22:52:41","slug":"ben-becker-und-lautlos-fliegt-der-kopf-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/02\/ben-becker-und-lautlos-fliegt-der-kopf-weg\/","title":{"rendered":"Ben Becker: Und lautlos fliegt der Kopf weg"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/cd-b\/images\/benbeck.gif\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>&#8222;Und lautlos fliegt der Kopf weg&#8220; ist die erste CD des Schauspielers Ben Becker. Der Bruder der Chanteuse und ebenfalls Schauspielerin Meret Becker (&#8222;Noctambule&#8220;) begann vor einem Jahr, eigene Lyrik vorzutragen. Musikalische Unterst\u00fctzung fand er dabei in Ulrik Spies und Jaki Engelken, die bereits f\u00fcr verschiedene Film- und Theaterprojekte die Musik beisteuerten. Der ungew\u00f6hnliche Titel ist gleichzeitig Programm: &#8222;Das Wort &#8218;lautlos&#8216; hat etwas Weiches, der Rest h\u00f6rt sich sehr brutal an. Erst wenn Gegens\u00e4tze aufeinanderprallen passiert was&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wie der 32j\u00e4hrige Becker bei &#8222;Bio&#8220; schon die kulturell interessierte \u00d6ffentlichkeit wissen lie\u00df, tr\u00e4gt er die Philosophie der Punk-Rebellion noch in sich, &#8222;nur schlage ich keine Autos mehr kaputt. Ich mache Musik, da kann ich ins Mikro br\u00fcllen&#8220;. Gleich im ersten St\u00fcck &#8222;Rocker&#8220; verbindet Becker beides und l\u00e4\u00dft ein paar Rocker zu Trashkl\u00e4ngen auf einer imagin\u00e4ren B\u00fchne einen Benz demolieren. Der Operner macht deutlich: Hier handelt es sich nicht um gef\u00e4lligen Mainstream, wie man es bei pl\u00f6tzlich singenden Schauspielern vielleicht vermuten k\u00f6nnte. In den Songs, &#8222;in denen ich meine kleine Welt beschreibe&#8220;, schl\u00fcpft Becker zwar auch in Rollen, jedoch entspringen diese seiner mehr oder weniger konkrete Formen annehmenden Gedankenwelt. Pers\u00f6nliche Assoziationen an die Kindheit, die 60er Jahre, Brian Jones, Juri Gagarin oder diffuse Erinnerungsfetzen pers\u00f6nlicher Erlebnisse l\u00e4\u00dft Becker Revue passieren. Mit pr\u00e4gnanter sonorer Stimme pr\u00e4sentiert und interpretiert Becker jede dieser kleinen Geschichten, untermalt von den rockigen Gitarren- und spacigen Synthiekl\u00e4ngen seiner Mitmusiker. Ein Anspieltip ist das St\u00fcck &#8222;U-Bahn&#8220;. Zu Fury-In-The Slaughterhouse-m\u00e4\u00dfigen Gitarrenriffs beginnt Becker eine scheinbar harmlose Geschichte zu erz\u00e4hlen, die sich im weiteren Verlauf jedoch genau wie die Musik zum Desaster steigert. Gesellschaftliche Au\u00dfenseiter fand Becker schon immer faszinierend.<\/p>\n\n\n\n<p>Die oftmals r\u00fcde Prosa und Beckers mal beschw\u00f6rend rezitierende, mal schreiende Stimme erinnern teilweise an die Einst\u00fcrzenden Neubauten, aber auch Einfl\u00fcsse von Lou Reed oder den Sprechtheatern Heiner M\u00fcllers vermag man zu orten. Becker selbst sieht sich eher &#8222;zwischen den fr\u00fchen Velvet Unterground und Serge Gainsbourg&#8220;, verweigert aber eine Kategorisierung. &#8222;Ich spiele eben gern \u00fcber mehrere Oktaven und lasse mich ungern festlegen&#8220;. Der Schauspieler Becker sieht seinen Platz in Zukunft wieder verst\u00e4rkt auf der B\u00fchne. TV-Serien wie &#8222;Friedemann Brix&#8220; seien die Ausnahme gewesen. &#8222;Da konnte ich dem Reiz, mit unserem einzigen Star Harald Juhnke zu spielen, nicht wiederstehen&#8220;. Wie sieht er aber seine musikalische Zukunft? &#8222;Ich wei\u00df es selbst kaum zu sagen, ob ich wirklich ernst genommen werden m\u00f6chte. F\u00fcr mich ist diese Musik wie eine Skulptur, die ich in den Raum stelle. Sollen die Leute entscheiden, ob sie erschrocken, am\u00fcsiert oder vielleicht sogar gelangweilt sind.&#8220; So sind die H\u00f6rer wohl selbst dazu aufgefordert und eingeladen, diese ungew\u00f6hnliche und h\u00f6renswerte Sammlung von Kurzgeschichten, Jazz, Punk, Minimalismus und Trash-Rock zu beurteilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Biografisches:<\/strong><br \/>Nach seiner Schauspielerausbildung trat Becker in verschiedenen Schauspielh\u00e4usern (u.a. Hamburg, Berlin, D\u00fcsseldorf, Stuttgart) in Klassischen B\u00fchnest\u00fccken wie &#8222;Maria Magdalena, &#8222;Kabale und Liebe&#8220;, &#8222;Romeo und Julia&#8220; auf.<br \/>Bundesweit bekannt geworden ist Becker jedoch durch seine Mitwirkung in Kinofilmen und TV-Serien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Filme:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Eine Liebe in Deutschland&#8220; (1983)<br \/>&#8222;Polizeiruf 110 &#8211; Totes Gleis&#8220; (1984) (Auszeichnung mit dem Grimme-Preis in Gold)<br \/>&#8222;Das Serbische M\u00e4dchen&#8220; (1991)<br \/>&#8222;Tatort &#8211; Tod im H\u00e4cksler&#8220; (1991)<br \/>&#8222;Der Brocken&#8220; (1992)<br \/>&#8222;Landschaft mit Dornen&#8220; (1992)<br \/>&#8222;Arme Schweine&#8220; (1993)<br \/>&#8222;Die Serpentint\u00e4nzerin&#8220; (1993)<br \/>&#8222;Schlafes Bruder&#8220; (1995)<br \/>&#8222;Die zuk\u00fcnftigen Gl\u00fcckseligkeiten&#8220; (1995)<br \/>A.S. &#8211; Der kleine Bruder (1995)<br \/>&#8222;Tatort &#8211; Die Kampagne&#8220;(1995)<br \/>&#8222;Alles nur Tarnung (1996)<br \/>&#8222;Friedemann Brix &#8211; Eine Schw\u00e4che fuer Mord&#8220; (1996)<br \/>&#8222;Samson and Delilah&#8220; (1996)<br \/>Gastrollen in 2 Episoden der TV-Serie &#8222;Die Drei&#8220; (1996) und zwar:<br \/>&#8222;Supergirl&#8220; (4.10.96) und &#8222;Ich habe Luensmann nicht get\u00f6tet&#8220; (6.12.96)<\/p>\n\n\n\n<p>1995 f\u00fchrte Becker erstmals auch Regie. Aus seiner Feder stammt das Drehbuch zur Punk-Romanze &#8222;Sid &amp; Nancy&#8220;, die er mit seiner Schwester Meret in der weiblichen Hauptrolle in Szene setzte.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Ben Becker: Und lautlos fliegt der Kopf weg\n(MCA\/Universal Music)\nDas Booklet der CD enth\u00e4lt neben s\u00e4mtlichen Texten noch eine Kurzgeschichte von Ben Becker.\n<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Und lautlos fliegt der Kopf weg&#8220; ist die erste CD des Schauspielers Ben Becker. Der Bruder der Chanteuse und ebenfalls Schauspielerin Meret Becker (&#8222;Noctambule&#8220;) begann vor einem Jahr, eigene Lyrik vorzutragen. Musikalische Unterst\u00fctzung fand er dabei in Ulrik Spies und Jaki Engelken, die bereits f\u00fcr verschiedene Film- und Theaterprojekte die Musik beisteuerten. 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