{"id":30043,"date":"1999-01-14T11:11:00","date_gmt":"1999-01-14T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=30043"},"modified":"2022-08-03T05:03:14","modified_gmt":"2022-08-03T03:03:14","slug":"meret-becker-nachtmahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1999\/01\/meret-becker-nachtmahr\/","title":{"rendered":"Meret Becker: Nachtmahr"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/musik\/cd-m\/images\/meret2.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Hat Meret auf ihrer ersten CD &#8222;Noctambule&#8220; noch \u00fcberwiegend Interpretationen von Hollaender-Liedern, Brecht-Chansons und traditionellem Liedgut geliefert, handelt es sich bei &#8222;Nachtmahr&#8220; um ihre erste selbstkomponierte CD. Bei den Texten nahm die 29j\u00e4hrige Anleihen bei Erich K\u00e4stner (&#8222;Traum vom Gesichtertausch&#8220;), Gottfried Keller (&#8222;Ballade vom kleinen Meretlein&#8220;) und Lewis Caroll (&#8222;Geistgest\u00f6rt&#8220;), alles andere stammt aus ihrer Feder. Und wie der Titel schon vorwegnimmt, kreist das zentrale Thema des Albums um Zust\u00e4nde, bei denen Wirklichkeit und Unwirklichkeit verschmelzen, Alptr\u00e4ume, Gespenstisches, fantastische Assoziationen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Zwar l\u00e4\u00dft Meret keinen Zweifel daran aufkommen, da\u00df sie ein bewegtes Innenleben f\u00fchrt, aber bei der musikalischen Ausgestaltung ihrer Traumgeschichten hapert es zuweilen. Die singende S\u00e4ge und leiernden Kirmesorgelkl\u00e4nge &#8211; Merets unverzichtbare Utensilien bei der Umsetzung von schwummeriger Traumatmo &#8211; nerven nach einigem H\u00f6ren genauso wie diese Kleinm\u00e4dchenstimme, mit der sie ihre Texte vorzugsweise wiedergibt. Der Song &#8222;Prise de T\u00eate&#8220; \u00fcberrascht dann auch positiv: Meret skizziert mit fester dunkler Stimme in franz\u00f6sischer Sprache eine n\u00e4chtliche Momentaufnahme. Aha! Sie kann es also noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant auch die gesangliche Darbietung in &#8222;Bobinke&#8220;. Keine Ahnung, ob es richtiges Jiddisch ist, was Meret da singt, aber in jedem Fall steigert sie sich zu rotzig-frechen H\u00f6hen; das Ganze hat echten Drive. In der folgenden &#8222;Ballade vom kleinen Meretlein&#8220; ist \u00fcbrigens Otto Sander als Sprecher der Ausz\u00fcge aus dem Roman &#8222;Der gr\u00fcne Heinrich&#8220; von Gottfried Keller zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00fcbrigen St\u00fccke der CD konnten mich nicht mehr fesseln. Leider. Es entstand eher der Eindruck, da\u00df sich alles wiederholt, Merets oft farblose Stimme sich mit dem nicht sonderlich variablen musikalischen Hintergrund vermischt und alles ineinanderwabert. Vielleicht sollte Meret doch besser bei der Interpretation bleiben. Die Wandlungsf\u00e4higkeit, die sie auf ihrer ersten CD bewies, wird hier jedenfalls nicht erreicht. Daf\u00fcr scheint Meret in punkto Fotoaufnahmen nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig zu lassen: f\u00fcr das Plattencover mimt sie eine elisabethanische Lady. Ihre Autogrammkarten zeigen sie als japanische Geisha oder gestylt \u00e0 la Audrey Hepburn. Und die Aufnahmen, die sie f\u00fcr den &#8222;Playboy&#8220; (mit dem wei\u00dfen Knuffelh\u00e4schen von &#8222;Noctambule&#8220;!) gemacht hatte, waren ja auch ganz \u2026 \u00e4h \u2026 interessant.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben bereits bekannten Musikern des Debutalbums stand Meret hier wieder vor allem Alexander Hacke zur Seite. Er zeichnet auch als Produzent verantwortlich und singt mit Meret zusammen das (Liebes)-Lied &#8222;Im Bauch&#8220;. Im Februar soll ja das Wunschkind der beiden zu Welt kommen. Ach ja: Und wo bei &#8222;Noctambule&#8220; noch das Fehlen eines ausf\u00fchrlicheren Booklets ger\u00fcgt wurde, kann man sich bei &#8222;Nachtmahr&#8220; nicht \u00fcber unterschlagenen Textabdruck nebst Linernotes beklagen: die \u00e4u\u00dfere Aufmachung der CD ist recht kunstvoll.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Meret Becker: Nachtmahr<br \/>(Philips Classics, 538082-2)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hat Meret auf ihrer ersten CD &#8222;Noctambule&#8220; noch \u00fcberwiegend Interpretationen von Hollaender-Liedern, Brecht-Chansons und traditionellem Liedgut geliefert, handelt es sich bei &#8222;Nachtmahr&#8220; um ihre erste selbstkomponierte CD. 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