{"id":30047,"date":"2000-12-02T11:11:00","date_gmt":"2000-12-02T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=30047"},"modified":"2022-06-29T03:11:39","modified_gmt":"2022-06-29T01:11:39","slug":"bernd-begemann-sag-hallo-zur-hoelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/12\/bernd-begemann-sag-hallo-zur-hoelle\/","title":{"rendered":"Bernd Begemann: Sag Hallo zur H\u00f6lle"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Bernd-Begemann-Sag-Hallo-zur-Hoelle.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Bernd-Begemann-Sag-Hallo-zur-Hoelle.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-30128\" width=\"250\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Bernd-Begemann-Sag-Hallo-zur-Hoelle.jpg 500w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Bernd-Begemann-Sag-Hallo-zur-Hoelle-145x145.jpg 145w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Bernd-Begemann-Sag-Hallo-zur-Hoelle-60x60.jpg 60w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Bernd-Begemann-Sag-Hallo-zur-Hoelle-120x120.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Glanz und Elend der Gro\u00dfstadt wollte er einfangen. Und die Menschen der Gro\u00dfstadt feiern, der Bernd Begemann. Die Erl\u00e4uterungen zu seinem Album klingen genauso poetisiert wie alles aus dem Mund dieses wohl besten deutschen Singer-Songwriters. Was er anpackt, umgibt er mit einer Aura. Gekleidet in wohlfeile Worte. Gesungen mit samtweicher &#8222;Kandisstimme&#8220; (Spex), manchmal auch mehr gehaucht, gehacht (kein Druckfehler!). Und meist liebevoll \u00fcbertrieben, nein: ausgekostet. Er legt sich halt richtig rein in seine Texte, wie man es sonst nur vom Schlager kennt. Dieses Militant-Emotionale, Affektierte, in sich Versunkene oder einfach nur Herzzerrei\u00dfende. Mit dem schnoddrigen Charme des Westphalen, der schon zu lange in Hamburg lebt und I\u00b4s gern als \u00dc\u00b4s ausspricht. \u00dcrgendwie\u2026<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die ganze Kunst des Bernd Begemann steckt f\u00fcr mich in einem einzigen Lied \u00fcber den abgedankten TV-Oberinspektor Derrick. Ein zarter, verhuschter Shuffle, der sich zu tragischer Ekstase hochschraubt und explodiert. Man mu\u00df die ersten drei Minuten &#8211; musikdramaturgisch gesprochen ein einziger &#8222;Vorhalt&#8220; &#8211; erdulden, um den Gipfel samt Oktavsprung auszukosten. Eines Liedes, in dem sich &#8222;Harry Klein&#8220; auf &#8222;Derrick weint&#8220; reimt. Ein Meisterwerk des Vortrags! Bege-Best!!!<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Momente, wo man Begemann f\u00fcr sich selbst sprechen f\u00fchlt, sind rar. Der Mann ist ein Meister des Rollengedichts, und so l\u00e4sst er ein neuzeitliches Pand\u00e4monium vorbeiflanieren, wie man es vermutlich nicht nur in Hamburg antrift. One-Night-Stands, gl\u00fccklose und verliebte Paare, eingesch\u00fcchterte Ducker, ha\u00dferf\u00fcllte Fahrradkuriere, Teilzeit-Tr\u00e4umer, Luxus-Neurotiker, bem\u00fcht originelle WGs, Philosophen, Intellektuelle und hippe Business-Hohlk\u00f6pfe. 23 Mikrostudien, Psychogramme oder einfach eine stichprobenartige Sammlung von Augenblicken. Begemann, der lyrische Chronist mit dem R\u00f6ntgenblick.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Sag Hallo zur H\u00f6lle&#8220; musikalisch auf einen Nenner bringen zu wollen, ist aussichtslos. Begemann experimentiert mit elektronischen Klangteppichen, geisterhaftem Drum\u00b4n\u00b4Bass, Verzerrern und Hall auf der Stimme. Nur ein Teil der Songs ist s\u00fc\u00dfer Gitarren-Pop mit Ohrwurm-Melodien. Wie das &#8222;Kelly Family-Feeling&#8220; (Zitat: &#8222;gammelig, aber zusammelig&#8220;\u2026). \u00dcbrigens mit Co-S\u00e4ngerin Sophie Rois, besser bekannt als B\u00fchnen-Aktrice. Ansonsten ein paar Blues\u00b4, eine Klavier-Ballade und viel atmosph\u00e4rische Sounds, die vor allem \u00fcber den Rhythmus die Stimmung des Songs unterstreichen. Manchmal voll kalkulierter H\u00e4\u00dflichkeit und unorganisch, wie es gewissen Geschehnissen nunmal angemessen ist. Alles in allem: ein buntes Mosaik gro\u00dfer Momente, durchsetzt mit szenischen Zwischenspielen, Mini-H\u00f6rspiel und Dialogfetzen-Collagen. Eine Kunstform allein reicht eben nicht aus, um den begemann\u00b4schen Ideenstrom zu fassen. F\u00fcr die Charts mal wieder zu eigenwillig und zu kunstvoll. Aber f\u00fcr Kenner ein Quell der Freude.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Bernd Begemann<br \/>Sag Hallo zur H\u00f6lle<br \/>(Rothenburgsort\/EfA)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Glanz und Elend der Gro\u00dfstadt wollte er einfangen. Und die Menschen der Gro\u00dfstadt feiern, der Bernd Begemann. 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