{"id":30098,"date":"2000-03-31T11:11:00","date_gmt":"2000-03-31T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=30098"},"modified":"2022-06-29T01:05:25","modified_gmt":"2022-06-28T23:05:25","slug":"bolschewistische-kurkapelle-schwarz-rot-taenze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/03\/bolschewistische-kurkapelle-schwarz-rot-taenze\/","title":{"rendered":"Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot: T\u00e4nze"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Bolschewistische-Kurkapelle-Schwarz-Rot-Taenze.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Bolschewistische-Kurkapelle-Schwarz-Rot-Taenze.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-30101\" width=\"250\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Bolschewistische-Kurkapelle-Schwarz-Rot-Taenze.jpg 500w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Bolschewistische-Kurkapelle-Schwarz-Rot-Taenze-145x145.jpg 145w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Bolschewistische-Kurkapelle-Schwarz-Rot-Taenze-60x60.jpg 60w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Bolschewistische-Kurkapelle-Schwarz-Rot-Taenze-120x120.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>&#8222;Smells like teen spirit&#8220; hat &#8222;Smoke on the water&#8220; l\u00e4ngst abgel\u00f6st. In der Kategorie &#8222;Attraktivster Song f\u00fcr jugendliche M\u00f6chtegern-Rockstars&#8220;. Es wird von Cello-Lehrern berichtet, die seit bald zehn Jahren am Wunsch ihrer Sch\u00fcler verzweifeln, den Grunge-Klassiker auf vier Saiten zu kratzen. Mein Bruder brauchte vor sechs Jahren dringendst eine E-Gitarre, um sich im Schnellverfahren die Griffe des Nirvana-Hits draufzuschaffen. Wie sich zeigte, tats\u00e4chlich die einzige Bestimmung des bedauernswerten Utensils, das seit seiner kurzen &#8222;Smells like\u2026&#8220;-Bl\u00fcte in der Ecke vor sich hin staubt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wer hat das Paradest\u00fcck der flugs dazuerfundenen Generation X nicht alles auf Tontr\u00e4ger gebannt?! Ein Fahrstuhlmusik-Projekt namens &#8222;The Moog Cookbook&#8220;, der Elvis-Verschnitt &#8222;The King&#8220; und nun also das Bolschewistische Kurorchester Schwarz-Rot. Eine FDJ-Blaskapellen-Version &#8211; exakt das, was im Cover-Reigen noch fehlte. Ein Gag, mehr nicht. Das Anti-Pathos der Slacker, die schwer ertr\u00e4gliche (weil echte) Leidenschaft des Kurt Cobain und nat\u00fcrlich der Stellenwert des Songs f\u00fcr die Rockgeschichte fordern solch bizarre Ausw\u00fcchse f\u00f6rmlich heraus. Zur Kenntnis genommen und ab daf\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Derlei Sperenzchen bietet das Album noch mehrere: der Whos &#8222;My Generation&#8220;, Peter Thomas\u00b4 &#8222;Raumpatrouille Orion&#8220;, ein Flower-Power-Medley aus Stones, Turtles und Box Tops, einen Laibach-Titel und das &#8222;Arbeiterkampflied&#8220; der g\u00f6ttlichen Foyer des Arts (mit Feinschreiber Max Goldt). Covern, das k\u00f6nnen sie also, aber so richtig spannend wird die Sache erst bei Takes wie &#8222;P\u00f6rpel Hasi und die Explosion&#8220; und &#8222;Schlafst\u00f6rung&#8220;. Wenn die rohe Kraft der Blues-Riffs eines Jimi Hendrix mit der elaborierten Avantgarde der Einst\u00fcrzenden Neubauten kombiniert wird. Oder wenn die schlichten Hooks von Janis Joplins &#8222;Move over&#8220; in Hanns Eislers k\u00fchnes &#8222;Er r\u00fchrte an den Schlaf der Welt&#8220; \u00fcbergehen. Geschickt verkn\u00fcpft, nicht nach der halsbrecherischen Das-Eckige-passt-auch-ins-Runde-Methode von Big Daddy, die Anfang der 90er nach dieser Masche endlos Kuriosit\u00e4ten mit Wiedererkennungseffekt strickten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, denn das Bolschewistische Kurorchester Schwarz-Rot hat einen eigenen, unverwechselbaren Sound: das simple Uff-Ta-Ta des proletarischen Agit-Pop. In den Bl\u00fctejahren des Trash, wo jeder \u00e4sthetische Schnellschu\u00df das Etikett &#8222;Kult&#8220; aufgepappt kriegt, war es nur eine Frage der Zeit, wann der satte Klang kommunistischer Musikkultur Eingang in die Regale findet. Sp\u00e4tenstens seit IFA Wartburg ist es soweit und \u00e4hnlich augenzwinkernd positioniert das Liebhaber-Label Plattenmeister nun die Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot. Wer auch immer sich dahinter verbergen mag &#8211; professionelle Instrumentalisten sind es allemal. Teils Spa\u00dftruppe, die aus der Not eine Tugend macht und sich statt Arbeiterliedern halt &#8222;aufpeitschende Melodien des Rock\u00b4n\u00b4Roll&#8220; vornimmt. Teils aber auch eingefleischte Traditionalisten, die hingebungsvoll wie in alten Zeiten osteurop\u00e4ische Folklore darbieten: absoluter H\u00f6hepunkt des Albums! Mitrei\u00dfend klingen sie, ein Blasorchester mit viel Holz, viel Schmi\u00df und noch mehr Ohrw\u00fcrmern im Repertoire. Klotzen, nicht kleckern. Das aber mit Pfiff!<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot<br \/>T\u00e4nze<br \/>(Plattenmeister)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Smells like teen spirit&#8220; hat &#8222;Smoke on the water&#8220; l\u00e4ngst abgel\u00f6st. In der Kategorie &#8222;Attraktivster Song f\u00fcr jugendliche M\u00f6chtegern-Rockstars&#8220;. 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