{"id":30254,"date":"1997-02-02T11:11:00","date_gmt":"1997-02-02T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=30254"},"modified":"2022-07-02T00:02:58","modified_gmt":"2022-07-01T22:02:58","slug":"david-bowie-earthling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1997\/02\/david-bowie-earthling\/","title":{"rendered":"David Bowie: Earthling"},"content":{"rendered":"\n<p>Man k\u00f6nnte sagen, David Bowie habe einen weiteren Markstein seiner Karriere erreicht. Seinen ersten weltweiten Hit hatte er 1969 mit &#8222;Space Oddity&#8220;. Vierzehn Jahre sp\u00e4ter, 1983 ver\u00f6ffentlichte er sein letztes wirklich erfolgreiches Album, Let&#8217;s dance. Das war vor 14 Jahren, das hei\u00dft er ist jetzt genauso lange langweilig und bedeutungslos wie er vorher gut war.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Auf &#8222;Earthling&#8220; setzt Bowie seine Gewohnheit fort, nach allem zu greifen, was wie der neueste Trend aussieht. Das funktionierte gut zu Zeiten, als er noch mit Eno (1977, Low) oder Nile Rodgers (1983, Let&#8217;s dance) zusammenarbeitete. Aber um heute hip zu sein, ist eine ganz andere Art von dancefloorkompatibler Musik gefragt und die einzige Qualifikation, die sein Mitstreiter Reeves Gabrels hat, ist, vor sechs Jahren mal eine EMF-Platte geh\u00f6rt zu haben. (Wann immer ein alter Sack wie Bowie versucht, sich modernistisch zu geben, klingt es bestenfalls nach EMF!).<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Bowie und Gabrels ist diese neue Musik nichts als eine M\u00f6glichkeit, seine kraftlose Stimme und uninspiriertes Songwriting hinter Technik zu verbergen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Album beginnt mit den rauh Rhythmen von &#8222;Little Wonder&#8220;. Von der ersten Textzeile an \u00fcbernimmt sich Bowie mit der Stimme. Oft versucht er seine stimmlichen M\u00e4ngel mit einem \u00fcbertrieben Cockney-Akzent zu \u00fcberspielen, der mich auf der Stelle nervt. Diese M\u00e4tzchen treibt Bowie auf fast jedem Album seit dem 84er Tonight. In den 70ern hatte er das noch nicht n\u00f6tig.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn er wenigstens etwas pers\u00f6nliches oder witziges zu sagen h\u00e4tte, fielen die stimmlichen Schw\u00e4chen nicht so ins Gewicht, oder bes\u00e4\u00dfen sogar einen gewissen Charme. Aber mit Songs wie &#8218;Battle For Britain&#8216; und &#8218;I&#8217;m Afraid of Americans,&#8216; versucht Bowie, irgend eine unklare Botschaft zu vermitteln. Das ist ein anderes Problem Bowies, das bis zu Tin Machine Songs wie Crack City oder I Can&#8217;t Read zur\u00fcckreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er noch gut war, zu Zeiten von &#8222;Diamond Dogs&#8220; oder &#8222;Five Years&#8220;, zelebrierte er den Niedergang der Gesellschaft . Jetzt versucht er uns Vortr\u00e4ge \u00fcber unsere Fehler zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird aber bald deutlich, da\u00df Bowies gr\u00f6\u00dftes Problem Reeves Gabrels hei\u00dft. Der starke Teil der Tin Machine war ihre Rhythmusgruppe, Hunt und Tony Sales. Der schwache Teil war Gabrels, dessen Girarensounds wie Zahnarztbohrer klingen und der \u00fcberhaupt kein Talent zum Songschreiben hat. Warum gibt Bowie diesem Kerl nur so viel Kontrolle \u00fcber sein musikalisches Schicksal?<\/p>\n\n\n\n<p>Gabrels ist Mitautor bei sieben der neun Titel, trotzdem klingen sie nicht, als seien sie auf einer Gitarre komponiert worden. Das w\u00e4re in Ordnung, wenn &#8222;Earthling&#8220; eine Dance Club Platte w\u00e4re. Aber wirkliche Dance Musik K\u00fcnstler sind gesichtslose DJs, die 12 Stunden pro Nacht arbeiten und den Gro\u00dfteil ihrer Tantiemen an die K\u00fcnstler abf\u00fchren, die sie samplen oder neu abmischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das will Bowie sicher nicht, er will weiter ein Popstar sein. Nur die harte Arbeit &#8211; Popsongs schreiben und singen &#8211; die will er nicht mehr machen. Oder, wahrscheinlicher, kann er nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">David Bowie: Earthling\n(Virgin Records)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man k\u00f6nnte sagen, David Bowie habe einen weiteren Markstein seiner Karriere erreicht. Seinen ersten weltweiten Hit hatte er 1969 mit &#8222;Space Oddity&#8220;. Vierzehn Jahre sp\u00e4ter, 1983 ver\u00f6ffentlichte er sein letztes wirklich erfolgreiches Album, Let&#8217;s dance. 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