{"id":3034,"date":"1998-02-25T23:39:28","date_gmt":"1998-02-25T23:39:28","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/archiv\/?p=3034"},"modified":"2022-06-06T02:31:22","modified_gmt":"2022-06-06T00:31:22","slug":"olympia-und-fasching","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/02\/olympia-und-fasching\/","title":{"rendered":"Olympia und Fasching"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" src=\"\/images\/drzapp_logo.gif\" alt=\"\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Auch ein so ausgeglichener Mensch wie Dr. Zapp hat mal eine schlaflose Nacht. Dann greift er zur Fernbedienung und freut sich, da\u00df gerade die <strong>Olympiade <\/strong>im fernen, r\u00e4tselhaften Japan tobt. Das verspricht doch immerhin einen gewissen Neuheiten- und Unterhaltungswert und nicht die \u00fcbliche Nachtmischung aus tausendfach wiederholten Serien, Telefonsexwerbung und den sch\u00f6nsten Bahnstrecken Ostfrieslands.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>So bietet sich, morgens um vier, mal wieder Gelegenheit, altgedienten und lang-nicht-mehr-geh\u00f6rten \u00f6ffentlich-rechtlichen Moderationsveteranen bei der Arbeit zuzuh\u00f6ren. Wie etwa <strong>Klaus Angermann<\/strong>: Nachdem der deutsche Rodeldoppelpack Krausse\/Behrendt die Goldmedaille eingeackt hat, ist der v\u00f6llig aus dem Eish\u00e4uschen und kriegt sich vor Begeisterung kaum mehr ein. Und kommentiert &#8211; ganz souver\u00e4ner Journalist &#8211; seinen eigenen Gem\u00fctszustand mit einem treffenden &#8222;<em>Ich krieg mich kaum mehr ein<\/em>&#8222;. Und l\u00e4\u00dft den Goldjungs ausrichten: &#8222;<em>Ich dr\u00fcck die beiden<\/em>&#8222;. Dabei ist es auf dem Schlitten doch schon eng genug.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt Zweierrodeln. Ja, das gibt&#8217;s nur f\u00fcr die Jungs. Weil zwei M\u00e4dels oder gar mixed in diesen hyperd\u00fcnnen Gummianz\u00fcgen, das k\u00f6nnte bei den &#8211; bekannterma\u00dfen doch nicht mehr taufrischen &#8211; Herren vom IOC zu gef\u00e4hrlichen Wallungen f\u00fchren. Wie bei einigen Vertretern der ZDF-Olympiareportergilde. Kollege Rudi Cerne l\u00e4\u00dft Kollegin <strong>Kristin Otto<\/strong> wissen, da\u00df er sich ein Doppel schon vorstellen k\u00f6nnte. &#8222;<em>Aber Du liegst unten<\/em>&#8222;. Die beiden Abfahrtskommentatoren W\u00f6rndl und Donizelli h\u00e4tten Kristin Otto lieber oben gesehen (oder besser: gesp\u00fcrt). Was beweist, da\u00df es in und um Nagano gar nicht so kalt gewesen sein kann, wie uns einige mitleidsheischende Journalisten gerne weismachen wollten. Gerade Kristin Otto ist ja in Japan buchst\u00e4blich aufgetaut. Vorher kannte man sie ja nur als k\u00fchle Blonde mit beachtlichem S&amp;M-Charme. Jetzt traut sie sich was und hat offenbar die M\u00e4nner entdeckt. Die kleinen Flirteinlagen mit Lockenwickler Michael Steinbrecher gipfelten schlie\u00dflich in einer spontanen kleinen Tanzeinlage, die durch das Mitwirken von Deutschlands Eishockey-Legende Alois Schloder zu einem Dreierpack wurde. Das kam dem von allen vermi\u00dften Doppelsitzer-Rodelgef\u00fchl schon ziemlich nahe &#8211; zumindest was den K\u00f6rperkontakt angeht. Mir dr\u00e4ngt sich der Verdacht auf, da\u00df Kristin Otto nach dem Ende ihrer erfolgreichen Karierre als DDR-Schwimmerin jetzt eine Hormonkur der ganz anderen Art mitmacht. Das ZDF sozusagen als Gegengewicht zum Sportministerium. Das m\u00fcssen wirklich tolle Drogen sein, die da verarbreicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuviel davon hat eindeutig Eiskunstlauf-Kommentatorin <strong>Christa Haas<\/strong> geschluckt. Wie sonst w\u00e4re ihr wirres Gefasel zu erkl\u00e4ren? Mal ganz abgesehen davon, da\u00df sie eine Stimme hat, deren Klang dich strammstehen l\u00e4\u00dft, kriegt sie keinen kompletten Satz zusammen. Penetrant bis zum Anschlag kritisiert sie jeden Sportler, der sich da auf dem Eis abm\u00fcht, und verdirbt einem jede Freude &#8211; falls man welche hat an den Kufenartisten. Ich gehe jede Wette, da\u00df diese Frau vor ihrem ZDF-Engagement Sportlehrerin war. Noch nie klang das Wort &#8222;\u00c4sthetik&#8220; so grausam wie aus dem Mund dieser Moderatoren-Domina. Mein liebes Fr\u00e4ulein, bevor wir st\u00e4ndig von Leistung und Versagern reden, sollten wir uns in japanischer Bescheidenheit und Selbstkritik \u00fcben. Dann klappt&#8217;s auch mit den Zuschauern.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir nun zu etwas Erfreulichem: Co-Kommentatoren. Der aktuelle Trend beim Fernseh-Sport.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz vorne liegt heuer der <strong>Weissflog<\/strong> Jens. Warum? Weil die offizielle Amtssprache im deutschen Wintersport Bayerisch ist und es so viele rotb\u00e4ckige Skim\u00e4dels gibt, deren Worte ich nicht verstehe, da\u00df man sich wirklich \u00fcber einen Ossi freut, der einem im Interview einen hins\u00e4chselt. So wie Jens Weissflog, der uns Einsichten und Weisheiten quasi aus seinem Warsteiner-Hut zaubert.<\/p>\n\n\n\n<p>Was w\u00e4ren wir ohne fachm\u00e4nnische Co-Kommentatoren wie den Wasi oder den Bittner Armin, die sich einfach eine Kamera um den Bauch schnallen und den Hang runterrutschen? Wir w\u00fc\u00dften heute noch nicht, wie man sich f\u00fchlt, wenn man die Piste runtergondelt. Mich erinnert das \u00fcbrigens an Besoffen-nach-Hause-gehen, aber das nur am Rande.<\/p>\n\n\n\n<p>Stichwort &#8222;Gef\u00fchl&#8220;. Ganz wichtig f\u00fcr einen Co-Moderator. Er mu\u00df uns die Emotionen vermitteln, als ehemaliger Aktiver kennt er ja die Wettkampfsituation. Nat\u00fcrlich ist da auch das Expertenwissen gefragt, aber mal ehrlich: Fachm\u00e4nnische Kommentare sind doch meistens nur von Fachm\u00e4nnern zu dechiffrieren. Richtig sch\u00f6n wird&#8217;s doch erst, wenn es den Experten vor lauter Emotion fast aus der Bahn tr\u00e4gt &#8230; &#8222;<em>Joa, der Sepple, dem t\u00e4t i&#8217;s g\u00f6nnen, der Sepple, der&#8230;<\/em>&#8220; und das ganze nat\u00fcrlich im derbsten bayrisch-verf\u00e4rbten Dialekt.<\/p>\n\n\n\n<p>Da greift Euer Dr. Zapp zur Fernbedienung und versucht seinem Namen alle Ehre zu machen. Wenn das mal so einfach w\u00e4re. Findet man doch kaum einen Sender, der nicht Olympia oder Fasching sendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Karneval, Fasching, Faasenacht oder wie diese organiserte <strong>Schenkelklopferei <\/strong>sonst noch genannt wird &#8211; an allen Orten und auf allen Kan\u00e4len. Fr\u00fcher gabs nur Mainz bleibt Mainz, man sa\u00df bei ARD oder ZDF in der ersten Schunkelreihe und hatte ansonsten seine Ruhe. Dieses Jahr versuchen sich die Sender mit Faschingsberichterstattung derartig zu \u00fcberbieten, da\u00df es wohl kaum mehr eine Prunkveranstaltung gibt, bei der keine Kamera steht. Ob Bliesmengen Bolchen, Castrop Rauxel oder Papenburg. Nur RTL hat nix mehr abbekommen und sendet deshalb drei N\u00e4chte lang Karneval in Rio. Was ja nur konsequent ist: das ist viel exotischer und verspricht vor allem viel mehr Titten und \u00c4rsche. Nackt versteht sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sollte man doch mal wieder ein gutes Buch lesen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"\/images\/random\/197.gif\" alt=\"\"\/><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch ein so ausgeglichener Mensch wie Dr. Zapp hat mal eine schlaflose Nacht. Dann greift er zur Fernbedienung und freut sich, da\u00df gerade die Olympiade im fernen, r\u00e4tselhaften Japan tobt. 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