{"id":30543,"date":"1999-04-01T11:11:00","date_gmt":"1999-04-01T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=30543"},"modified":"2022-07-06T00:44:52","modified_gmt":"2022-07-05T22:44:52","slug":"cassius-1999","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1999\/04\/cassius-1999\/","title":{"rendered":"Cassius: 1999"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/cassius-1999.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/cassius-1999.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-30544\" width=\"250\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/cassius-1999.jpg 500w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/cassius-1999-145x145.jpg 145w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/cassius-1999-60x60.jpg 60w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/cassius-1999-120x120.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Cassius, das sind Philippe Zdar &#8211; seines Zeichens ein Teil von Motorbass &#8211; und Hubert &#8222;Boombass&#8220; Blanc Francard, Studioproduzent und Betreiber des Boombass-Studios. Zusammen haben sie seit 1991 alle Alben von MC Solar produziert. Im Fr\u00fchjahr 1994 erschien auf MoWax eine \u00e4u\u00dferst housige Funkplatte mit allem, was die heutige House\/Deep House Fraktion Frankreichs an Einfl\u00fcssen zur Technokultur beigetragen hat. Nur wenig sp\u00e4ter kamen Remixe von solch illustren Epigonen der Detroiter Szene wie Carl Craig und dem aus dem angrenzenden kanadischen Windsor stammenden Ritchie Hawtin, im Jetzt bereits die Grand-Seigneurs ihrer Produzentengilde. 1996 folgte auf Zdars Seite die immer noch veritabelste und eigenst\u00e4ndigste Houseplatte aller Zeiten: &#8222;Pansoul&#8220; von Motorbass ist ein Meilenstein an Deepness. Die zarten und tiefen Fragmente dieser Musik sind stets mit einem funkigen aber unaufdringlichen Bass ums\u00e4umt. Aufgrund einer schlechten bis keiner Promotion ging dieses Meisterwerk unter.Genauso erging es der Single &#8222;Foxxy Lady&#8220; von &#8222;L\u00b4homme qui valait trois milliards&#8220; auf &#8222;Cassius&#8220;, dessen Inhaber Hubert Blanc Francard auch gleichzeitig Produzent war.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Heute hei\u00dft das Label, so wie das Projekt &#8222;Cassius&#8220;, die Platte &#8222;1999&#8220; und gefeatured wird die gesamte Bandbreite der in der Vergangenheit gesammelten Erfahrungen. Mittlerweile besitzt die Pariser Housefraktion ein anderes, von Medien geh\u00e4tscheltes Umfeld. Hier kann nichts mehr schief gehen: Daft Punk hatten 1997 einen weltweiten Erfolg mit dem Longplayer &#8222;Homework&#8220; und den Single- und Videohits &#8222;Da Funk&#8220;, &#8222;Around The World&#8220; und &#8222;Revolution 909&#8220;. Etienne DeCrecy besetzte mit dem Mix-Projekt &#8222;Superdiscount&#8220; und dem Hit &#8220; Prix Choc&#8220; die obersten Chartpositionen, Air blubberten 1998 erfolgreich auf allen Videokan\u00e4len und hauchten mit \u00e4therischer Moog-Nostalgia und bourgeoiser Gestik &#8222;Sexy Boy&#8220;. Vor nicht allzu langer Zeit konnte Thomas Bangalter von Daft Punk mit &#8222;Stardust&#8220; und &#8222;Music Sounds Better With You&#8220; Gold einheimsen. Die Pariser Club-Szene schwimmt oben auf der Erfolgswelle. Dann dieser kalkulierte Schachzug: &#8222;1999&#8220; ist schon aufgrund des Namens eine der Gespr\u00e4chsthemen in allen Musikgazetten. Nichtsdestotrotz war Prince seiner Zeit schon voraus, doch man kann zu dieser Promoaktion stehen wie man will: So simpel, da\u00df das Naheliegende so weit entfernt liegt, da\u00df sich keiner traut zuzufassen. &#8222;Der Zuschlag geht an die Herren Zdar und Blanc-Francard!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>S\u00e4mtliche Einfl\u00fcsse oben beschriebener Stilistiken lassen sich hier finden: Funk, House, sogar Elektro-Beats. Doch vornehmlich wird das Black-Music-Revival der Motown-\u00c4ra aus den Siebziger Jahren gefeiert &#8211; man achte dabei auch auf die angegebenen Sample-Quellen. Das macht &#8222;1999&#8220; h\u00f6chst tanzbar. So feinsinnig, verspielt und mysteri\u00f6s wie &#8222;Pansoul&#8220; klingt das Cassius-Unterfangen allerdings nicht. Von der Grundstimmung Happiness getrieben, erf\u00fcllt die Musik eher den Anspruch von Clubtauglichkeit. Nicht mit der &#8222;Hau-drauf&#8220;-Attit\u00fcde wie Daft Punk, aber doch mit dem Bestreben zu kicken, regiert meist die offene Hi-Hat und die knackige 4\/4-Bassdrum. Wah-Wah und Disco-Streicher machen diese Ansammlung von Sp\u00e4t-Siebziger-Pop Zitaten zu einer Aufforderung den Arsch in Bewegung zu setzen. (Zitatreise, keine Obsz\u00f6nit\u00e4t: Remember Funkadelic back in 1971?) Die G-Funk-Einfl\u00fcsse sind stark vertreten und der Schwei\u00df rinnt aus den Lautsprechern. Wer hat gesagt, die Franzosen verst\u00fcnden nichts von Musik? Endlich eine Stilrichtung mit dessen Hype ich in Anbetracht eines auf gro\u00dfer Front auftauchenden Schwachmatiker-Pops gut leben kann.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Cassius: 1999<br \/>(Virgin)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cassius, das sind Philippe Zdar &#8211; seines Zeichens ein Teil von Motorbass &#8211; und Hubert &#8222;Boombass&#8220; Blanc Francard, Studioproduzent und Betreiber des Boombass-Studios. Zusammen haben sie seit 1991 alle Alben von MC Solar produziert. 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