{"id":30671,"date":"1998-01-17T11:11:00","date_gmt":"1998-01-17T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=30671"},"modified":"2022-07-07T03:02:39","modified_gmt":"2022-07-07T01:02:39","slug":"leonard-cohen-more-best-of","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/01\/leonard-cohen-more-best-of\/","title":{"rendered":"Leonard Cohen: More Best Of"},"content":{"rendered":"\n<p>Nur f\u00fcnf Jahre nach dem Erscheinen von &#8222;The Future&#8220; hat sich der Meister also wieder herabgelassen, eine Studio-Arbeit zu ver\u00f6ffentlichen.<br \/>Was jedem anderen K\u00fcnstler einen w\u00fctenden Lynchmob auf den Hals gehetzt h\u00e4tte, ist f\u00fcr Cohen-Fans schon mehr als sie je zu tr\u00e4umen wagten: &#8222;More Best Of&#8220; enth\u00e4lt gerade mal einen einzigen neuen Song, &#8222;Never Any Good&#8220;. In dem im Stil der beiden letzten Alben gehaltenen Song gesteht Cohen seine Unf\u00e4higkeit zu lieben. Vielleicht war ihm, neben kommerziellen Aspekten nat\u00fcrlich, das fast schon autobiographisch zu nennende Thema des Songs so wichtig, da\u00df er ihn in die zweite Sammlung seiner besten Songs aufnehmen mu\u00dfte, obwohl er sich noch im Fr\u00fchjahr 1996 nicht scheute, vor laufender Kamera zu verk\u00fcnden, er f\u00e4nde den Song mit seiner eigenen Stimme nicht gut genug und lie\u00dfe ihn deshalb lieber von einem anderen S\u00e4nger (Billy Valentine) singen. Ob Cohen also wirklich hinter diesem Song steht, ist eher fraglich.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ebenso geheimnisumwittert ist die Frage, warum es &#8222;A Thousand Kisses Deep&#8220;, 1996 auf Mt. Baldy entstanden, nicht auf die CD geschafft hat. Dieser Song w\u00e4re der Fangemeinde wahrscheinlich tausendmal lieber gewesen als &#8222;The Great Event&#8220;, ein durchaus respektabler Text, der allerdings f\u00fcr einen Song so ungeeignet ist, da\u00df Cohen ihn als eine Art Spoken Word Performance von Victoria, einer computergenerierten Stimme, vortragen l\u00e4\u00dft. Da\u00df der K\u00fcnstler f\u00fcnf Worte synchron mitfl\u00fcstert, ist eher geeignet, die Stimmung des St\u00fccks zu st\u00f6ren, als sie zu unterstreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Auswahl der \u00fcbrigen Songs ist nicht gerade leicht nachzuvollziehen. In der Sammlung der besten St\u00fccke seiner beiden letzten Studio-CDs fehlen offensichtlich &#8222;Waiting For The Miracle&#8220; und vor allem &#8222;First We Take Manhattan&#8220;. Entbehrlich gewesen w\u00e4ren hingegen &#8222;Take This Waltz&#8220;, ein Walzer, dessen Text ja &#8222;nur&#8220; eine Lorca-Adaption ist, und &#8222;Anthem&#8220;. Neben den Studioproduktionen finden sich aber ebenfalls drei St\u00fccke von Cohens 1994&#8217;er Live-CD &#8222;Cohen Live&#8220; auf der CD. Die Live-Version des Cohen-Oldies &#8222;Suzanne&#8220;, die so klingt, als wollte der Meister trotz einer geh\u00f6rigen Dosis Valium aus Trauer \u00fcber seine w\u00e4hrend der ersten Takte versehentlich an den Saiten seiner Gitarre abgeschnittenen Finger Suizid durch Ertrinken in Selbstmitleid begehen, befindet sich wohl auch nur als Kaufanreiz auf der CD. Insbesondere, da die Studio-Version von &#8222;Suzanne&#8220; ja schon auf der &#8222;Best Of&#8220;-CD enthalten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles in allem fragt man sich also, welchen Grund es eigentlich geben sollte, die CD zu kaufen. Die Antwort ist einfach: Weil sie von Leonard Cohen ist. &#8222;More Best Of&#8220; geh\u00f6rt einfach in jeden CD-St\u00e4nder, der noch keine Cohen-Sammlung enth\u00e4lt und schon wegen &#8222;Never Any Good&#8220; auch in die Sammlung aller Cohen-Fans. Die k\u00f6nnen sich mit &#8222;More Best Of&#8220; ja die Zeit vertreiben, bis vielleicht irgendwann noch eine neue CD mit unrecyceltem Material erscheint.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Leonard Cohen: More Best Of<br \/>(Columbia)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur f\u00fcnf Jahre nach dem Erscheinen von &#8222;The Future&#8220; hat sich der Meister also wieder herabgelassen, eine Studio-Arbeit zu ver\u00f6ffentlichen.Was jedem anderen K\u00fcnstler einen w\u00fctenden Lynchmob auf den Hals gehetzt h\u00e4tte, ist f\u00fcr Cohen-Fans schon mehr als sie je zu tr\u00e4umen wagten: &#8222;More Best Of&#8220; enth\u00e4lt gerade mal einen einzigen neuen Song, &#8222;Never Any Good&#8220;. 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