{"id":31049,"date":"1998-09-21T11:11:00","date_gmt":"1998-09-21T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=31049"},"modified":"2022-07-09T01:57:06","modified_gmt":"2022-07-08T23:57:06","slug":"farmer-not-so-john-receiver","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/09\/farmer-not-so-john-receiver\/","title":{"rendered":"Farmer Not So John: Receiver"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Farmer-Not-So-John-Receiver.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Farmer-Not-So-John-Receiver.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-31050\" width=\"250\" height=\"247\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Farmer-Not-So-John-Receiver.jpg 500w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Farmer-Not-So-John-Receiver-145x143.jpg 145w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Farmer-Not-So-John-Receiver-60x60.jpg 60w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Farmer-Not-So-John-Receiver-120x120.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Es ist, als h\u00e4tte Biolek gekocht: auf dem Speiseplan steht bew\u00e4hrte Hausmannskost, die aber so gekonnt zubereitet wird, da\u00df sich Haute-Cuisine-K\u00f6che nur noch verlegen am Kopf kratzen. Ein Blick aufs Label gen\u00fcgt, um zu wissen, was Sache ist: &#8222;Blue Rose&#8220; ver\u00f6ffentlicht stets traditionellen, aber glasklar produzierten Stoff &#8211; vom klassischen Singer-Songwriter \u00fcber Rockiges bis hin zu Country&amp;Western.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>In diesem Fall ist es klangvoller, breiter Coutry-Rock mit dezentem Hall, mal knackig-rockig, mal melancholisch-balladesk. Farmer not so John sind seit ihrem Deb\u00fct-Album vom Quartett zum Duo geschrumpft, Bassist und Drummer verlie\u00dfen die Band: der Rumpf besteht nur noch aus Richard McLaurin und Mack Linebaugh, die Ex-Kollegen mischen aber zumindest noch im Studio mit. Linebaugh stammt aus Nashville und wurde v\u00e4terlicherseits mit \u00fcblichen Country-Platten beschallt: geblieben ist eine komplizierte Ha\u00dfliebe. <\/p>\n\n\n\n<p>McLaurin kam Mitte der 80er aus der sandigen Pee-Dee-Region in South Carolina ins Mekka des Cowboy-Sounds und tourte zun\u00e4chst mit Kollegen wie Vassar Clement, Maura O\u00b4Connell etc. 1995 gr\u00fcndeten sie mit schon erw\u00e4hnten Ex-Mitgliedern in Nashville Farmer not so John, brachten nach einem Jahr bei Compass Records ein vielbeachtetes Deb\u00fct-Album raus und stiegen in den Tourbus, der sie bis nach New York rumpelte. On tour legten sie sich regelm\u00e4\u00dfig mit Clubbesitzern an, da sie sich weigerten, im Doppelpack mit Rockabilly-, Hillybilly- oder Psychobilly-Bands aufzutreten. Sie wollten nicht als weitere Alternative-Country-Band gelten, nur weil sie &#8222;einen Steel- und Mandolinenspieler haben, der in South Carolina aufgewachsen ist&#8220; (und weil die Band nat\u00fcrlich nur gaaaaaaaanz zuuuuuf\u00e4llig auch noch in Nashville ans\u00e4ssig ist, Anm d. Verf.). Die Rolling Stones w\u00fcrden auch nicht als Country-Band kategorisiert, nur weil sie zwischendurch mal country-angehauchte Songs spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wir sind eine Band aus dem S\u00fcden, aber wir wuchsen nicht mit Countrymusik auf, und ich denke nicht, da\u00df auf Receiver auch nur ein traditioneller Country-Groove zu finden ist&#8220; (Zitat Mack Linebaugh). Da sollte er sich vielleicht mal sein eigenes Album anh\u00f6ren\u2026 Aber sei\u00b4s drum. Diese kopflastigen, krampfigen Diskussionen verdeutlichen nur einmal mehr das problematische Selbstverst\u00e4ndnis einer Branche, in der als nicht zuckrig genug empfundene Johnny Cash-Alben, produced von Hip Hop-und-Rock enfant terrible Rick Rubin, mit Airplay-Boykotten ge\u00e4chtet werden(!) und die junge Generation sich abgrenzen mu\u00df, ohne aus dem Fu\u00dfstapfen zu fallen. Wasch mir den Pelz, aber Mach mich nicht na\u00df. Egal.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Receiver&#8220; oszilliert in der Tat zwischen Country und ruhigem Akustik-Rock, wenngleich nicht unplugged. Linebaugh und McLaurin sind \u00fcbrigens ihres Zeichens Gitarristen, und mit ihrem G\u00e4nsehaut-Sound bewegen sie sich automatisch nah an der Schwelle zur Alternative-Area. Wie will man auch traditionellen Rock machen, ohne die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte, der Singer-Songwriter, der Independent-Bands und der Grunger zu nutzen?!! Und mit ihren gezuppelten Hooklines und dem schnalzenden Rhythmus landen sie nun mal zwangsl\u00e4ufig im warmen, massivgeschnitzten Bett des Country. So what?!!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hintergr\u00fcnde geh\u00f6ren oft einer bleischweren Atmosph\u00e4re, gef\u00fcllt mit zirpenden, schmirgelnden Streichern und d\u00fcsterer Synthie-Untermalung (etwa so wie bei Metallicas &#8222;Nothing else matters&#8220;, auch wenns kaum jemandem auff\u00e4llt). Kann man aber auch laut im Auto laufen lassen, viele Songs gehen einfach richtig gut aber. Da stimmen die Melodie, der Swing, die bitters\u00fc\u00dfen Harmonien und die mehrstimmigen Vocals. Eine coole und l\u00e4ssige, aber gleichzeitig sehr intensive und emotionale CD, die vom ersten bis zum letzten Ton unter die Haut geht.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Farmer Not So John: Receiver<br \/>(Blue Rose\/Rough Trade)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist, als h\u00e4tte Biolek gekocht: auf dem Speiseplan steht bew\u00e4hrte Hausmannskost, die aber so gekonnt zubereitet wird, da\u00df sich Haute-Cuisine-K\u00f6che nur noch verlegen am Kopf kratzen. 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