{"id":31097,"date":"1998-05-21T11:11:00","date_gmt":"1998-05-21T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=31097"},"modified":"2022-08-14T05:29:01","modified_gmt":"2022-08-14T03:29:01","slug":"fischmob-power","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/05\/fischmob-power\/","title":{"rendered":"Fischmob: Power"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/fischmob-power.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/fischmob-power.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-31098\" width=\"250\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/fischmob-power.jpg 500w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/fischmob-power-145x145.jpg 145w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/fischmob-power-60x60.jpg 60w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/fischmob-power-120x120.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der Sommer groovt aus allen Poren, und den Soundtrack dazu liefern heuer Fischmob, deren Namen man sich mal in seinen Einzelteilen auf der Zunge zergehen lassen mu\u00df: Cosmic DJ, der Schreckliche Sven, Stachy (sprich: Stachi) und Koze (sprich: Kotze). Auswendig lernen und dreimal t\u00e4glich vor den Mahlzeiten aufsagen!<br \/>Engel k\u00f6nnen fliegen, weil sie sich leicht nehmen, alle anderen (Menschen, Nash\u00f6rner, Elefanten etc.) m\u00fcssen leider unten bleiben. So \u00e4hnlich ist das auch mit Hip Hop vs. Rap: w\u00e4hrend letzterer ausgepr\u00e4gte Bodenhaftung aufweist, kommt ersterer beschwingt auf kleinen Luftkissen daher und steigt auf in schwindelnde H\u00f6hen \u00fcber den Wolken, wo die Freiheit mutma\u00dflich grenzenlos ist.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>A propos: &#8222;Susanne zur Freiheit&#8220; wurde von Mitgliedern der Hinter-Net!-Redaktion bereits zum Sommerhit der Saison gek\u00fcrt, und das nicht etwa in vorauseilender Panik vor Monstern \u00e0 la &#8222;Macarena&#8220; oder &#8222;Samba de Janeiro&#8220;, sondern aus gutem Grund. Die Jungs spielen &#8222;Ich packe meinen Koffer\u2026&#8220; und haben sich zur Unterst\u00fctzung Smudo und Hausmarke ins Studio geholt (&#8222;Fischmob Allstars&#8220;) &#8211; kongeniale Partner in Sachen Relaxing, man denke nur an den &#8222;Tag am Meer&#8220;. Mit diesem kann sich das Fischmob-Opus durchaus messen, deshalb: anh\u00f6ren und zur\u00fccklehnen, denn &#8222;wenn ihr nicht dabei seid, dann herzliches Beileid&#8220;!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Musik von Fischmob hat was von einem gebutterten Baguette (solangs nicht vom B\u00e4cker &#8222;Georges&#8220; bei mir an der Ecke kommt, wo alles Schei\u00dfe schmeckt und vor dem an dieser Stelle mal gewarnt werden mu\u00df): innen weich und luftig, au\u00dfen cross und obendrauf was Fettes. Will sagen: zwirbelige Beats, groovende Samples, nette Pop-Melodien &#8211; aber auch mal h\u00e4rterer Stuff und sch\u00f6n schw\u00fclstig-kitschiger Philly-Sound (s. &#8222;Susanne zur Freiheit&#8220;: welchen Beruf hat Jackie Brown nochmal\u2026?!!!). Wo wir gerade davon sprechen: \u00e4hnlich wie Meister Tarantino (der selbst auch dran glauben mu\u00df: &#8222;Du (\u00c4h, Du)&#8220; verbr\u00e4t Teile von Ricky Nelsons &#8222;Losesome Town&#8220;, seinerzeit &#8222;Pulp Fiction&#8220;-Untermalung) sind Fischmob gro\u00dfe Klasse im Zitieren, vor allem aus dem Arsenal der 80er Jahre. Die liegen nun lange genug zur\u00fcck, um Peinliches in Kult zu verwandeln (s. Modern Talking). Depeche Mode- und NDW-Parties waren die Vorreiter, jetzt tummeln sich auch in den Charts Seite an Seite mit Falco Neuaufg\u00fcsse von Smash-Hits wie &#8222;Cherish&#8220; und &#8222;When the rain begins to fall&#8220;, von Puff Daddys Police-Recycling klingen uns sowieso noch die Ohren\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Leute, die in den 80ern jung waren, ist das ein einziges gro\u00dfes Suchbild mit psychohygienischem Effekt in Form von Erfolgserlebnissen. Und die sind Balsam auf der Seele von Menschen, die sich angesichts der Fragen der SDR 3-Musikr\u00e4tselsendung &#8222;Dr. Music&#8220; nur noch in ein gro\u00dfes Fragezeichen verwandeln! Jaja, &#8222;time keeps on slippin\u00b4\u2026 (into the future)&#8220;, wie Fischmob korrekt zitieren. Auch die Zeilen &#8222;Life is live&#8220; und &#8222;Let the music play&#8220; kommen einem bekannt vor (Shannon, einst 1983\u2026), ein weiteres Implantat ist der legend\u00e4re Anfang von &#8222;Shout&#8220; (Tears for fears, 1985). Schmankerl sind auch die Stimmen von Magnum (Hey, kennt noch jemand die Dame, mit der er Tennis spielen will? &#8222;The Night&#8220;, 1984\u2026 Aber wer zum Teufel ist Lawrence Ampson?) und &#8222;Herzblatt&#8220;-Susi sowie zahlreiche Anspielungen in den Lyrics. Wahre Fundgruben der Pop-Kultur sind &#8222;Susanne zur Freiheit&#8220;, der Lowfi-Song &#8222;Tranquilo&#8220; und mit Einschr\u00e4nkung auch &#8222;Du (\u00c4h, Du) und &#8222;Mach doch&#8220;. Von Ray Charles, Diogenes und Babapapa \u00fcber Pur, Richard Sanderson, Otis Redding, Rappelkiste, Dream Warriors und Robert Schneider bis hin zu den Smiths ist alles abgedeckt\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt &#8211; die Texte! Was Udo in den 70ern und die \u00c4rzte in den 80ern waren, sind Deutsch-Hip-Hopper wie die Fantas &#8211; und Fischmob! &#8211; f\u00fcr die 90er. Pr\u00e4dikat: besonders h\u00f6renswert! Meine Lieblingszeilen sind &#8222;Dieses Kribbeln im Bauch, das du nie mehr vergi\u00dft, so als ob sich Ungeziefer durch die Bauchdecke fri\u00dft&#8220; (aus dem super-ekligen &#8222;Dreckmarketing&#8220;) und &#8222;Ich wei\u00df nicht, was passiert ist, ich wei\u00df nicht, was geschieht, weil die Zeit an mir vorbeizieht, ich glaub, sie ist auf Speed&#8220; (aus dem Aufsteh- bzw. Liegenbleiblied &#8222;Tranquilo&#8220;)! Und last not least noch die zutreffende Festellung &#8222;Haste Haschisch in der Blutbahn, kannste rappen wie\u00b4n Wutan&#8220; (&#8222;Susanne zur Freiheit&#8220;)\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende stellen Fischmob die Frage aller Fragen (&#8222;David&#8220;): Was macht eigentlich\u2026? Wie lebt es sich in der Versenkung? Die 80er (und nicht erst sie) hatten eine Flut von Ex-und-Pop-Sternchen hervorgebracht (One-Hit-Wonders mag ich sie nicht nennen, denn die meisten waren die ganze Dekade \u00fcber gute Bekannte und hatten mehr als nur den einen Hit samt obligatorischer Nachfolgesingle), und der R\u00fcckblick auf sie hinterl\u00e4\u00dft einen beklemmenden Beigeschmack. F. R. David (&#8222;Ist er Scientologe oder der nette Mann vom Kundendienst?&#8220;) war zugegebenerma\u00dfen ein One-Hit-Wonder, aber was wurde z. B. aus Kajagoogoo und Limahl, Andrew Ridgeley (Ex-Wham!), Kim Wilde und Jimmy Somerville (immerhin Konstanten der 80er!), Laura Branigan, Rick Springfield (wird n\u00e4chstes Jahr 50!), Gazebo, Alphaville, Spandau Ballett, Level 42, Matt Bianco, OMD, Sigue Sigue Sputnik, Bad Boys Blue, den restlichen Bananaramas und den Bros-Zwillingen, A-ha, Dead or Alive, Trans X, Pepsi &amp; Shirley und den Thompson Twins, Paul Young, Howard Jones, Den Harrow, Tiffany, Sabrina, Rick Astley, Billy Idol, Black, Fancy, Corey Hart, Nik Kershaw, Sade, Captain Sensible, C. C. Catch, Lisa Stansfield, Paul Hardcastle, Terence Trent D\u00b4Arby, Curiositiy killed the cat, Belinda Carlisle, T\u00b4Pau und Johnny hates Jazz\u2026 Was machen Icehouse, Real Life, Men at work und Men without hats, Marillion, Huey Lewis, Feargal Sharkey, David Lee Roth, Billy Ocean und Lionel Richie (z\u00e4hlt wahrscheinlich sein Geld\u2026)?<\/p>\n\n\n\n<p>Welch skurrilen Besch\u00e4ftigungen gehen die einstigen Chartbreaker heute nach &#8211; und welch zerst\u00f6rte Pers\u00f6nlichkeiten (s. Rob Pilatus) m\u00f6gen sich dahinter verbergen? Man wei\u00df: Sandra ist Hausfrau und Mutter auf Ibiza, Cyndi Lauper desgleichen in New York, Adam Ant schauspielt, Paul King begab sich vor die MTV-Kameras und der 3. &#8222;Bros&#8220; Craig Logan hinter die Kulissen der Musikbranche, Samantha Fox und Boy George tauchen von Zeit zu Zeit in Party-Reports der Regenbogen-Presse auf, Jason Donovan ist ein Junkie und Thomas Dolby Chef eines Unternehmens f\u00fcr Web-Seiten-Sounds. Vor diesem Hintergrund nehmen sich die Karrieren von Madonna, George Michael und Kylie Minogue um so beachtlicher aus. Exkurs beendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: &#8222;Diese Platte er\u00f6ffnet das Zeitalter des Allround-Styles! Digital oder analog. Schrammel oder Beats. Alles wird gut. Denn die Mutter von alledem hei\u00dft Musik. Und Mutter hat immer Recht&#8220;. Dieser Fischmob-Selbstaussage ist nur zuzustimmen: es groovt, zirpt und blubbert, schrammelt, sampelt und schmilzt allerorten. Stilistisch legen sich die vier nicht fest und bauen zudem noch Werbe-Comics und Polizeifunk-Fetzen ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Alsdann:<br \/>&#8222;Wir begr\u00fc\u00dfen die Passagiere des Fluges Fischmob FM 98 an Bord und w\u00fcnschen Ihnen einen angenehmen Flug&#8220;\u2026<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Fischmob: Power<br \/>(Alternation\/Intercord)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sommer groovt aus allen Poren, und den Soundtrack dazu liefern heuer Fischmob, deren Namen man sich mal in seinen Einzelteilen auf der Zunge zergehen lassen mu\u00df: Cosmic DJ, der Schreckliche Sven, Stachy (sprich: Stachi) und Koze (sprich: Kotze). 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