{"id":31247,"date":"2000-10-04T11:11:00","date_gmt":"2000-10-04T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=31247"},"modified":"2022-07-09T18:21:25","modified_gmt":"2022-07-09T16:21:25","slug":"goldfrapp-felt-mountain","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2000\/10\/goldfrapp-felt-mountain\/","title":{"rendered":"Goldfrapp: Felt Mountain"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2000\/10\/Goldfrapp-felt-mountain.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2000\/10\/Goldfrapp-felt-mountain.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-31251\" width=\"250\" height=\"229\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2000\/10\/Goldfrapp-felt-mountain.jpg 500w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2000\/10\/Goldfrapp-felt-mountain-145x133.jpg 145w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Wenn die S\u00e4ngerin von Goldfrapp auf der B\u00fchne steht &#8211; mit Brianna-Corrigan-Ged\u00e4chtnis-Frisur und Wallekleid -, dann sieht sie aus, als w\u00e4re sie gerade aus dem Orchester von Andr\u00e9 Rieu geflohen. Brianna Corrigan war \u00fcbrigens die S\u00e4ngerin der Beautiful South. Ihr Lockenk\u00f6pchen sah aus wie das von kleinen Plastikp\u00fcppchen, die nach Erdbeer riechen. Und es k\u00f6nnte zum Insignum guter Popmusik werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn auch Goldfrapp machen das, was von allen Menschen der Welt wohl am besten die Briten k\u00f6nnen: aus den ber\u00fchmten 8 T\u00f6nen kleine Melodien so zu drapieren, dass sie wie der Schl\u00fcssel zu einer verzauberten, besseren Welt klingen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Im Fall von Goldfrapp sind das hoffnungslos romantische Traummelodien, sph\u00e4risch und flie\u00dfend. Nur manchmal wechselt ??? zur strengen Domina-Stimmen, die Band f\u00e4hrt eine lateinamerikanische Rythm-Section auf, und statt zarter Streicher gibt\u00b4s dunkle Bl\u00e4ser-St\u00f6\u00dfe. Aus der geheimnisvollen Elfenmusik werden harte Agentfilm-Kl\u00e4nge.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber meistens sind es eben doch die vertr\u00e4umten Space-Kl\u00e4nge, die wie Nebelschwaben vom Boden aufsteigen. Seltsam irreal, mystisch angehaucht und mit unverhohlenem Hang zum Kitsch. Zeit zu sagen, dass Goldfrapp eine Elektronik-Band sind. Was schon mal ein gutes Zeichen ist. Denn moderne Technik und Sehnsucht nach ros\u00e9 Wolken &#8211; das ist an sich schon eine aparte Mischung. Portishead sind damit auf die Suche nach der dunklen Seite des Mondes gegangen. Air haben die Romantik zur\u00fcck in die Clubs gebracht. Goldfrapp sind nicht so traurig wie Portishead. Nur sentimental. Sie schreiben bessere Songs als Air. Erz\u00e4hlen wirkliche Geschichten statt nur Impressionen anzudeuten. Und sie sind bei Mute unter Vertrag. Was das zweite gute Zeichen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Mute ist das britische Kult-Label in Sachen Synthie-Pop. Depeche Mode, Yazoo, Erasure. Auch Nick Cave ist dort unter Vertrag, und die Einst\u00fcrzenden Neubauten haben bei Mute mal angefangen. Alles in allem ein reichlich inzestu\u00f6ser Kreis von Bands und Band-Ablegern. Der Klienten-Stammbaum ist ein kleines, aber undurchdringliches Kn\u00e4uel aus \u00dcberschneidungen und Querverbindungen. Goldfrapp sind die dringend n\u00f6tige Blutauffrischung. Und f\u00fcr Mute die gr\u00f6\u00dfte Chance seit Erasure, wieder die Popcharts zu erobern. Vom Dauerbrenner Depeche Mode mal abgesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>In die Linie der gro\u00dfen Mute-Stars f\u00fcgen sich Goldfrapp als Elektroniker nahtlos ein. Fallen aber wieder aus dem Rahmen, weil sie die Errungenschaft des Frickelns mit der orchestralen Geste und Musikalit\u00e4t eines Burt Bacharach kreuzen. Mit der Liebes-Hymne &#8222;Utopia&#8220;, die wie eine Vertonung von Freuds Theorie des Unterbewussten klingt, sind Goldfrapp dem perfekten Popsong gef\u00e4hrlich nahe gekommen. Sch\u00f6n, dass es nicht der einzige Lichtblick des Albums ist. &#8222;Felt Mountain&#8220; spr\u00fcht vor Ideen. Altert\u00fcmlich klingende Balladen, bedrohlich und klirrend sch\u00f6n, wie dem &#8222;Twin Peaks&#8220;-Soundtrack entsprungen. Samba-angehauchte Instrumental-M\u00e4rsche, die blitzschnell zum Lounge-Flair alter &#8222;Love Boat&#8220;-Folgen switchen. Melancholische Piano-Balladen mit Shirley-Bassey-Gesang. Machismo-schwangere Flamenco-Fassungen der eigenen Songs mit spanischen Texten. Kurz: ein Album mit James Bond-Songs und den zartesten Versuchungen seit der Erfindung des Elektronik-Pop.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Goldfrapp: Felt Mountain<br \/>Mute<br \/>V\u00d6: 11.9.2000<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die S\u00e4ngerin von Goldfrapp auf der B\u00fchne steht &#8211; mit Brianna-Corrigan-Ged\u00e4chtnis-Frisur und Wallekleid -, dann sieht sie aus, als w\u00e4re sie gerade aus dem Orchester von Andr\u00e9 Rieu geflohen. Brianna Corrigan war \u00fcbrigens die S\u00e4ngerin der Beautiful South. Ihr Lockenk\u00f6pchen sah aus wie das von kleinen Plastikp\u00fcppchen, die nach Erdbeer riechen. 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