{"id":31369,"date":"1999-07-11T11:11:00","date_gmt":"1999-07-11T09:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=31369"},"modified":"2022-07-18T04:13:23","modified_gmt":"2022-07-18T02:13:23","slug":"lee-hazlewood-farmisht-flatulence-origami","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1999\/07\/lee-hazlewood-farmisht-flatulence-origami\/","title":{"rendered":"Lee Hazlewood: Farmisht, Flatulence, Origami"},"content":{"rendered":"\n<p>Vergessen wir mal George Gershwin und Cole Porter und setzen die Zeitenwende so vor f\u00fcnfzig Jahren an, dann ist Lee Hazlewood sowas wie der Bach (Johann Sebastian) unter den Komponisten des 20. Jahrhunderts &#8211; n\u00e4mlich ein ganz, ganz Gro\u00dfer, lange vor Piffern wie Mozart oder Beethoven, und auch wenn ihr Ruhm den seinigen \u00fcberstrahlen mag: er war vorher, und er war gr\u00f6\u00dfer!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und so wie Bach posthum ein fr\u00f6hlich Revival feierte, erlebt auch Lee Hazlewood gerade eine Art Auferstehung, gottlob qicklebendig (gerade 70 geworden) und aus eigener Kraft. Nach \u00fcber zwanzig Jahren meldet er sich mit einem neuen Album zur\u00fcck, ver\u00f6ffentlicht beim Label des Drummers von Sonic Youth!<\/p>\n\n\n\n<p>Nur noch einmal: Lee Hazlewood ist cool und Kult, und wer ihn nicht kennt, der kennt doch zumindest die Resultate seiner Zusammenarbeit mit der kongenialen Nancy Sinatra, &#8222;These boots are made f\u00fcr walking&#8220;, &#8222;Jackson&#8220;,&#8220;Summerwine&#8220; und wie sie alle hei\u00dfen\u2026 Irgendwo zwischen Vaudeville und Broadway, zwischen Kitsch und Kunst. Lee Hazlewood ist der Brian Wilson der Tanzmusik, nur klar im Kopf!<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, seine Genialit\u00e4t blitzt immer noch durch, vorwiegend verm\u00f6ge der sonoren Stimme, die so herrlich intonieren und prononcieren kann, ach &#8211; das geht durch und durch! Interpretieren kann er mindestens ebensogut wie komponieren, und man h\u00f6rt ihm den Spa\u00df an der Sache an! Denn die Seri\u00f6sit\u00e4t der Jazz- und Swing-Arrangements, immerhin singt er hier ja zur Al Casey Combo, ist nur Verkleidung (&#8222;Camouflage&#8220; w\u00fcrde mein extrem gesch\u00e4tzter Uni-Mentor sagen), zwischen den Zeilen schimmern nicht nur gro\u00dfe Gef\u00fchle, sondern auch Diabolik und Augenzwinkern durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Songrepertoire und Umsetzung sind vom Feinsten, die Combo untermalt aufs Edelste, gut durchgehangener Swing eben: zarte Holz- und sexy Blechbl\u00e4ser, zupackendes Piano, auch mal pl\u00fcschige Hammonds und Synthie-Strings, ploppende Vibes, sanft die Drums schrubbernde Besen, filigrane entlang schl\u00fcpfende Gitarren, und ein erdiger Ba\u00df rundet das Bild ab. Das thrillt. Auch wenn\u00b4s entspannt. Auf die Notenst\u00e4nder kommen fast nur Klassiker: &#8222;Ain\u00b4t misbehavin\u00b4&#8220;, &#8222;It had to be you&#8220;, &#8222;Try a little tenderness&#8220; (in der Otis-Redding-Version das Lieblingslied von OP-Schwester Camille, der Noch-und-Wieder-Frau des freundlichen Dr. Shutt in &#8222;Chicago Hope Hospital&#8220;)\u2026 Und &#8222;Makin\u00b4 Whoopee&#8220; &#8211; &#8222;Whoopee&#8220;: ein typisches Lee-Hazlewood-Wort, wie ich finde, obwohl ich\u00b4s nicht erkl\u00e4ren kann. Der Mann ist sich nie zu schade f\u00fcr infantile Ausdr\u00fccke, und nicht nur, da\u00df es nicht peinlich wird &#8211; nein, Hazlewood adelt sie f\u00f6rmlich, obwohl es nicht seine Absicht ist, k\u00f6nnt Ihr mich verstehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ausdr\u00fccklicher Anspiel-Tip ist \u00fcbrigens &#8222;Am I Blue&#8220;, der Rausschmei\u00dfer der Scheibe, der nach wenigen Sekunden zum country-esken Feger explodiert und das Album zu zirpender Fiddle fr\u00f6hlich zu Ende schunkelt!<\/p>\n\n\n\n<p>Also, wenn Ihr Euerm CD-Player mal was Gutes tun wollt, sowas richtig Gutes, wenn ihr ihn sozusagen mal &#8222;ausf\u00fchren&#8220; wollt, so richtig gro\u00df, dann tut es mit dieser CD, und zarter Goldstaub wird sich kaum merklich \u00fcber Eure Einrichtung und Eure Geh\u00f6rg\u00e4nge legen. Das ist dann das Werk von Lee Hazlewood, dem Fr\u00fchen und Gro\u00dfen!<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Lee Hazlewood with the Al Casey Combo: \nFarmisht, Flatulence, Origami, ARF!!! and me\u2026\n(Smells like records)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergessen wir mal George Gershwin und Cole Porter und setzen die Zeitenwende so vor f\u00fcnfzig Jahren an, dann ist Lee Hazlewood sowas wie der Bach (Johann Sebastian) unter den Komponisten des 20. 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