{"id":31503,"date":"1998-11-30T11:11:00","date_gmt":"1998-11-30T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/?p=31503"},"modified":"2022-07-11T23:18:42","modified_gmt":"2022-07-11T21:18:42","slug":"lenny-kravitz-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/1998\/11\/lenny-kravitz-5\/","title":{"rendered":"Lenny Kravitz: 5"},"content":{"rendered":"\n<p>Herzlich willkommen in &#8222;Lennys Welt&#8220;. Bitte anschnallen, denn auf dem Programm steht ein Streifzug durch die schillerndsten Epochen der Popmusik, von Motown und Philly Sound bis hin zur Psychedelic-\u00c4ra und der Beatle-Mania. Soul und Funk der 60er sowie der Blaxploitation-Sound der 70er auf der schwarzen Seite, und dazu die Lennon\/McCartney-Melodik und Hippie-Harmonik auf der wei\u00dfen Seite &#8211; und beides absolut im &#8222;Haben&#8220;-Bereich seines musikalischen Kontos: Lenny Kravitz ist in erster Linie ein famoser Synthetiker! Da\u00df dabei alle Einzelteile bis zu ihrem Ursprung zur\u00fcckzuverfolgen sind, hei\u00dft umgekehrt nicht, da\u00df das Ergebnis nicht origin\u00e4r Kravitz\u00b4scher Pr\u00e4gung ist. Schon Max Weber wu\u00dfte: das Ganze ist immer mehr als die Summe seiner Teile!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Vielleicht ist es gerade Kravitz\u00b4 Eklektizismus, der leicht den Blick auf die Eigenleistung des Amerikaners verstellt, und die liegt in erster Linie in seinem Sinn f\u00fcr Sch\u00f6nheit. Lenny Kravitz ist ein Garant f\u00fcr pure \u00c4sthetik! Unter diesem Aspekt bringt er all seine Anleihen unter einen Hut und pendelt dabei zwischen Kitsch und der L\u00e4ssigkeit des typischen Rockstars, ohne dazu mehr als ein paar wenige Gitarren-Soli und vereinzelte Riffs zu ben\u00f6tigen. Jene &#8222;L\u00e4ssigkeit&#8220; ist es vermutlich, die ihn auch f\u00fcr die j\u00fcngste Generation attraktiv macht, sein ausgepr\u00e4gter Hang zum Glam hingegen ist Indiz daf\u00fcr, da\u00df er sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Und wie ich schon sagte: Kravitz-Musik ist einfach sch\u00f6n, extravagant und luxuri\u00f6s: perfekt arrangiert (und mit den von mir so geliebten Hintergrund-Details ausgestattet, so wie in diesen opulenten Bilder-B\u00fcchern, wo man beim dritten und vierten Lesen immer noch neue Dinge entdeckt\u2026), aber kein bi\u00dfchen \u00fcberproduziert wie beim Kollegen Jackson oder so verschroben und \u00fcberkandidelt wie die Produkte aus dem Hause Prince. Ja, wenn man Lenny Kravitz ein Pl\u00e4tzchen in der schwarzen Pop-Tradition freimachen m\u00f6chte, mu\u00df man schon zur\u00fcck in die Zeiten eines Curtis Mayfield, James Brown oder Stevie Wonder gehen. Mit der anderen Seite des zeitgen\u00f6ssischen schwarzen Spektrums (Hip-Hop, Rap und Crossover) hat er jedenfalls nichts am Hut, gottseidank auch nicht mit der &#8222;black oversouled&#8220; Variante der westlichen Boygroup mit ihrer unm\u00e4\u00dfigen Harmoniegesangskunst, selbst wenn die Jungs zugegebenerma\u00dfen alle wirklich singen k\u00f6nnen, aber unertr\u00e4glich ist es doch (all diese Blessed Union of Soul und wie sie alle heien)\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, von der Bodenhaftung kann er es mit seinen rappenden und hiphoppenden Kollegen locker aufnehmen. Kein Zweifel, Lenny Kravitz ist trotz all des Glamours und Schmalzes ein Rocker! (F\u00fcr mich immer wieder verbl\u00fcffend, wie man &#8211; verglichen mit dem vermeintlich so toughen wei\u00dfen Gitarrenrock &#8211; derart schwelgerische &#8222;Las Vegas&#8220;-Musik machen kann, ohne schwul zu wirken oder umgekehrt so l\u00e4cherlich machohaft wie der &#8222;Godfather&#8220; of Soul. Und dazu br\u00e4uchte es nicht mal das Wissen um das ansehnliche \u00c4u\u00dfere des Womanizers Kravitz und seine entsprechenden, klatschspaltenf\u00fcllenden Aktivit\u00e4ten &#8211; das leistet die Musik auch ohne all dies!) Ich versteige mich aber doch mal zu der These, da\u00df Lenny Kravitz weder ein \u00fcberm\u00e4\u00dfig begabter S\u00e4nger ist (wenngleich seine Stimme \u00fcberaus angenehm klingt, aber ein wirkliches &#8222;Organ&#8220; hat er nicht) noch ein herausragender Komponist. Seine St\u00e4rke liegt in seinem Gesp\u00fcr f\u00fcr Stimmungen, &#8222;Feeling&#8220; und dem Arrangement diversester Faktoren auf ein bestimmtes Ergebnis hin. In diesem Sinne sind seine Songs &#8222;Gesamtkunstwerke&#8220;. Kravitz ist sozusagen ein Zitationstalent und der &#8222;Tarantino der Musik&#8220;. Das hei\u00dft nicht, da\u00df er sich sein Zeug einfallslos zusammenklaut, und schon gar nicht, da\u00df seine Musik wie schon-mal-da-gewesen klingt, ganz im Gegenteil: ein Gutteil ihrer Wirkung besteht gerade im Mitdenken des aktuellen Backgrounds, und im \u00fcbrigen ist die Fusion verschiedener Musikstile ja erst m\u00f6glich, nachdem alle Epochen gelebt und durchgespielt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die stilistischen Grundnenner von &#8222;5&#8220; sind benannt, die meisten bewegen sich im schwarzen Koordinatensystem (Soul, Funk, Philly und Disco-Glam), glitzern, blinken und spr\u00fchen nur so vor Sex, obwohls zwischendurch auch mal schnulzig wird. Die Kravitz-\u00fcblichen psychedelischen und beatle-esken Elemente finden sich mal mehr, mal weniger ausgepr\u00e4gt. Manche Songs lassen diese Einfl\u00fcsse nur kurz aufblitzen, bei anderen stehen sie dagegen ganz im Vordergrund, und dann wirds oft ziemlich spacig! Fazit: voll im Trend des Glamour-Disco-Revivals, und warum soll Kravitz nicht alles zusammenklauen &#8211; das kann schlie\u00dflich keiner so gut wie er, und das Album ist wirklich gro\u00dfe Klasse!<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Lenny Kravitz: 5<br \/>(Virgin)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzlich willkommen in &#8222;Lennys Welt&#8220;. Bitte anschnallen, denn auf dem Programm steht ein Streifzug durch die schillerndsten Epochen der Popmusik, von Motown und Philly Sound bis hin zur Psychedelic-\u00c4ra und der Beatle-Mania. 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